Die Liebe in mir (2007)

Originaltitel: Reign Over Me
Die Liebe in mir Poster

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Filmhandlung und Hintergrund

Die Liebe in mir: Mit Adam Sandler stark besetztes Drama über den schmerzlichen Heilungsprozess eines traumatisierten Familienvaters.

Charlie Fineman (Adam Sandler) hat Frau und Kinder bei den Terroranschlägen vom 11. September verloren, wo sie in einer der Unglücksmaschinen ums Leben kamen. Die Katastrophe konnte Charlie nie verarbeiten und er findet nicht mehr zurück in die Normalität. Ziellos taumelt er durch den Alltag, bis er zufällig einen alten Uni-Freund trifft, den erfolgreichen Zahnarzt Alan Johnson (Don Cheadle). Alan, überbeansprucht von Frau (Jada Pinkett Smith) und Familie, ist fast froh, sich um den schicksalsgebeutelten Charlie kümmern zu können.

Verletzten Seelen kam Mike Binder bereits in dem sensiblen “An Deiner Schulter” bei und wagt sich nun an Amerikas Nationaltrauma 9/11. Spaßvogel Adam Sandler (“Klick”) zeigt einmal mehr seine ernsthafte Seite in einem hochkarätig besetzten Drama.

Noch Jahre nachdem Charlie Fineman durch die Anschläge vom 11. September Frau und drei Kinder verlor, hat er sein früheres Glück aus seinem Bewusstsein verdrängt. Als er seinem alten Collegefreund Alan begegnet, nimmt sich dieser des verstörten Eremiten an. Behutsam baut Alan Vertrauen auf, toleriert Charlies Exzentrik und Unberechenbarkeit, bis der Panzer des traumatisierten Mannes endlich aufbricht.

Der eigentlich glückliche Familienvater Alan läuft eines Tages seinem alten College-Kumpel Charlie über den Weg. Dieser scheint sich aber nur sehr schwer und widerwillig an den ehemaligen Freund zu erinnern. Allgemein hat sich Charlie völlig von seiner Umwelt isoliert und lebt abwesend in den Tag hinein. Alan empfindet dabei ein seltsames Verantwortungsgefühl ihm gegenüber und versucht nach und nach Zugang zu Charlies Welt zu bekommen. Schließlich erfährt er den Grund für dessen Seelenzustand.

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Der 11. September 2001 hatte schreckliche Auswirkungen: Diese Aussage trifft „Die Liebe in mir“, und nicht sehr viel mehr. Adam Sandler ist der abgefuckte Sonderling, der seine Familie verloren hat, jede Erinnerung verdrängt und isoliert vor sich hinlebt. Don Cheadle ist sein ehemaliger Studienkollege, erfolgreicher Zahnarzt und gefangen in einer Ehe, in der ihm seine Frau keine Luft zum Atmen gibt.

    Das Prinzip ist klar: Hier der eine, der keinen an sich ran lässt, um nicht an Schreckliches erinnert zu werden, dort der andere, an den keiner herangelassen wird, weil ihn seine Frau mit Puzzleabenden und Fotographiekursen belegt. Beide treffen sich, beide bringen dem jeweils anderen bei, wieder zu leben, jeder auf seine Weise. Ein Hohelied also auf Freundschaft, die aus schlimmster Depression und aus dem Sumpf der Mittelmäßigkeit befreien kann.

    Ähnliches hat man schon tausendmal gesehen, die Tragik von 9/11 ist jedem bewusst, der Film ist daher oft redundant. Sicherlich hat er seine Berechtigung: Will er doch speziell für amerikanisches Publikum eine Art Trauerarbeit und Vergangenheitsbewältigung darstellen, so, wie sich der deprimierte Charly Fineman an der Freundschaft von Alan Johnson aufrichtet, soll der Film helfen, die große Wunde in der amerikanischen Seele schließen. Er bleibt dabei ganz unpolitisch, ohne auf die weltweiten Konsequenzen, auf die fragwürdigen Denkweisen und Maßnahmen der US-Regierung einzugehen, ganz im Privaten, im Persönlichen. Diese Botschaft übermittelt er freilich wenig subtil, in vielem trägt er zu dick auf.

    Dass er nicht ganz misslungen ist, liegt an den komischen Momenten, die doch ganz gut gelungen sind – die Launenhaftigkeit von Charlie, der immer wieder in pointierte bittere Ironie verfällt, das Zahnarzt-Groupie, das Dr. Johnson einen Blowjob aufzudrängen versucht, die sarkastische Sprechstundenhilfe: Das sind Situationen, die perfekt-professionell auf den komischen Effekt getrimmt sind.

    Wie eng Komik und Tragik beieinander liegen, zeigen mehrere Szenen ganz explizit: Wenn Dr. Johnson nach einem Mel-Brooks-Kinomarathon die Nachricht vom Tod seines Vaters erhält, oder wenn auf der Beerdigung Kartentricks vorgeführt werden.

    Fazit: Ein Film zur Verarbeitung des amerikanischen Traumas: Oft zu dick aufgetragen, schafft er es doch, Komik und Tragik auf zuweilen prägnante Art zu vermischen.
  • Subtiles, melancholisches Drama über einen Familienvater, der am 11. September in ein schwarzes Loch stürzt und durch einen alten Freund wieder ans Leben herangeführt wird.

    Sandleristas gegen Contras – das wird auch in der Rezeption dieses Film wieder die Schlachtordnung sein, wenn Star-Komiker Adam Sandler ernst macht, um Vielseitigkeit zu demonstrieren. Dabei erweist sich die unorthodoxe Besetzung hier als absolut sinnvoll, wird doch der gezeigte Absturz durch den Kontrast zwischen Rolle und Image noch stärker betont. Denn Charlie Fineman (!), ehemals glücklicher Ehemann mit drei Töchtern, hat sich in sich zurückgezogen und sein früheres Leben völlig ausgeblendet, seit die Anschläge vom 11. September ihm die Familie nahmen. Einsam gleitet er auf seinem Elektroroller durch die Stadt, mit Kopfhörern abgeschottet von der Außenwelt – ein Bild, das am Anfang seine Isolation unterstreicht und am Ende, im veränderten Kontext, die Öffnung einer anderen Figur signalisiert. Ein einziges Mal dringt eine Stimme zu ihm durch und bewirkt eine langsame, aber letztlich nie sichergestellte Öffnung. Alan (Don Cheadle), ein Kumpel aus der Collegezeit, ruft Charlie nach und sich bei ihm in Erinnerung, obwohl ihn der zerstreute Sonderling anfangs nicht wiedererkennen will. Alan gelingt, woran engste Familienangehörige und Freunde scheiterten: Er baut Vertrauen und Nähe auf, besucht Charlie beim Gaming in seiner Wohnung, beim Drummer-Gig mit seiner Metalband, dem einzigen Ventil für seinen unterdrückten Zorn, bringt ihn trotz Therapeutenparanoia in Kontakt mit einer Psychologin und schließlich sogar in den Orbit einer attraktiven Frau, die zu Beginn, scheinbar verhaltensgestört, Alan umkreiste. Letztere Rollenrotation, von der Stalkerin zur Heilerin, ist ein sympathischer Einfall, der Hoffnung macht, aber so konstruiert wirkt wie die Ehe-Problematik Alans, der sich von seiner Frau erstickt fühlt. Das aber sind nur Nebenschauplätze, denn im überzeugenden Mittelpunkt steht die Freundschaft zweier Männer und die Heilung einer Wunde, die Sandlers Figur stellvertretend für Amerika trägt. Nicht zufällig baut Autor-Regisseur Binder den Kultcomic “Captain America” in seine fragile Gratwanderung zwischen Schmerz und komischen Brechungen ein. Nicht zufällig wählte er Sandler für eine Rolle, in der auch die explosive Seite des Komikers ausgespielt werden kann. Sandler gelingen berührende Momente, wenn er unerwartet aus seiner Erstarrung ausbricht und Einblick in seine Seele gibt. Binder, dessen großartige Dramödie “An deiner Schulter” unter dem Radar der Öffentlichkeit blieb, dosiert auch in seiner Antwort auf Alan Parkers “Birdy” die Gefühle gut, nimmt sich Zeit, verkürzt langwierige Prozesse nicht und offeriert auch keine kalifornischen Patentlösungen. Sein Film hat Humor, Herz und Reife in der Erkenntnis, dass Trauerarbeit keinen Kategorien folgt und Antworten manchmal auch nie gegeben werden können. kob.

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