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Fakten und Hintergründe zum Film "Die letzte Legion"

Kino.de Redaktion |

Die letzte Legion Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Produktionsnotizen

Das Drehbuch

Bereits im Jahr 1999 begannen Martha und Dino De Laurentiis damit, die Idee für einen Actionfilm zu entwickeln, der sich mit dem Untergang des Römischen Imperiums beschäftigt. Als im August 2005 schließlich in Tunesien die Dreharbeiten für DIE LETZTE LEGION begannen, wurde aus dieser Idee Realität. Für die beiden Produzenten bestand das Herz des Films von Anfang an aus einer Mischung aus epischem Abenteuer und der eindringlichen Geschichte eines kleinen Jungen und seinen Beschützern.

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„Die Idee des Films basiert auf Valerio Manfredis Buch mit dem gleichnamigen Titel ‚Die letzte Legion’, aber wir kombinierten dies mit historischen Fakten und dem, was allgemein über den letzten weströmischen Kaiser bekannt war“, erklärt Martha De Laurentiis. „Niemand weiß genau, was tatsächlich zum Untergang des römischen Weltreichs geführt hat. Deshalb nutzten wir diese chaotische Kulisse als Ausgangspunkt für unsere Geschichte des letzten Herrschers von Rom; ein kleiner Junge, der versucht, das römische Imperium zu retten. Die Tatsache, dass er gerade mal 12 Jahre alt ist, war der Grundstein unserer Geschichte.“

Die Geschichte folgt damit den historisch überlieferten Fakten über den 12-jährigen Romulus Augustus und sein Schicksal. Als letzter römischer Herrscher regierte er nur für kurze Zeit die Stadt, ehe seine Eltern bei der Einnahme Roms ermordet und er selbst auf die Inselfestung Capri verbannt wurde. Danach spekuliert unsere Geschichte darüber, was mit ihm geschah. Sie folgt Aurelius und seinen Soldaten, die Caesar weiterhin loyal gegenüber stehen, ihm zur Flucht verhelfen, um dann nach Britannien zu ziehen und dort die eine, letzte Legion zu finden, die noch in Treue zu Rom steht.

Verschiedene Autoren waren in die unterschiedlichen Aspekte des Skriptes involviert, wobei David Leland schließlich dafür verantwortlich war, das ganze zum endgültigen Drehbuch zusammenzufügen. Die Produzenten wurden auf Leland aufmerksam, als sie sein Drehbuch zu „Pendragon“ lasen, das Steven Spielberg gerade für den TV-Sender HBO entwickelt. „Sein Skript für HBO war fantastisch, und weil er sich mit der damaligen Zeit und Sprache bereits auskennt, war er auch in der Lage, die verschiedenen Elemente unseres Drehbuchs zu kombinieren und zu einer übergreifenden Story zusammenzufassen“, so Martha De Laurentiis. „David hat einfach ein magisches Gespür.“

Nachdem das Drehbuch fertiggestellt war, begann die Suche nach einem geeigneten Regisseur, der in der Lage war, die gegensätzlichen Elemente der Geschichte erfolgreich miteinander zu kombinieren. Dinos Tochter Raffaella De Laurentiis schlug Doug Lefler vor, da sie mit ihm bereits an dem Film DRAGONHEART 2 (2000) gearbeitet hatte. Raffaella ebenso wie Martha empfanden ihn als die perfekte Wahl. „Doug ist sowohl ein Künstler, als auch ein großartiger Action-Regisseur. Er hat seine Erfahrungen bei der Arbeit mit einigen der größten Action-Regisseure unserer Zeit gesammelt. Darüber hinaus helfen ihm seine Kenntnisse aus dem Bereich der Animation dabei, eine Geschichte zu erzählen. Von Anfang an wusste er, wie er die Geschichte visuell umsetzen wollte und skizzierte zunächst jede einzelne Einstellung in einem Storyboard.“

Wie Doug Lefler zu DIE LETZTE LEGION kam, und was ihn an diesem Filmprojekt faszinierte, erklärt er so: „Ich war gerade in einem Buchladen, um Recherchen für ein anderes Projekt zu machen, als ich einen Anruf von Raffaela De Laurentiis erhielt. Sie fragte mich, ob ich das Drehbuch zu einem Film lesen wolle, an dem sie und ihr Vater gerade arbeiten. Ich las es noch in dieser Nacht, rief sie am nächsten Tag sofort zurück und sagte, dass ich den Film liebend gern drehen würde. In vielerlei Hinsicht ist dieses Projekt mit einem anderen vergleichbar, dass sie mir sieben Jahre zuvor angeboten hatte. Damals war es DRAGONHEART 2, nur dieser Film erschien mit sehr viel größer, prächtiger und vielschichtiger. Am meisten faszinierte mich allerdings die Tatsache, dass die Geschichte aus den Augen eines 12-jährigen Jungen erzählt wird. Sie ist sehr menschlich, aber eben auch sehr episch – ein kammerspielartiges Epos sozusagen. Der Film ist stark in den Charakteren verwurzelt, auch wenn um sie herum diese bedeutenden Ereignisse geschehen. Als Regisseur kann man nur darauf hoffen, dass man sowohl eine fesselnde Geschichte als auch eine gute Besetzung hat. Ich hatte Glück, dass ich beides bekam.“

Das Casting

Die richtige Besetzung für die beiden zentralen Rollen – Aurelius, den Anführer der Gruppe, die Caesar beschützt, und Romulus, den erst 12 Jahre alten Herrscher – zu finden, war essentiell für den Film. Harvey Weinstein trug wesentlich zu der Besetzung der Hauptrollen bei. „Harvey liebte das Drehbuch und schlug sofort Colin Firth vor“, erinnert sich Martha De Laurentiis. „Also trafen wir uns mit Colin, der die italienische Kultur liebt und dem das Drehbuch auf Anhieb gefiel. Ihm war es besonders wichtig, etwas anderes auszuprobieren, als die Rollen, für die er so bekannt geworden ist. Er ist ein leistungsfähiger Schauspieler, und so war dieser Stoff für ihn eine fantastische Gelegenheit, einmal etwas total anderes zu spielen.“

Colin Firth ist bei uns 1989 durch seine Darstellung der Titelrolle in VALMONT von Milos Forman bekannt geworden. Britische Fernsehzuschauer liebten ihn als Mr. Darcy in der BBC Produktion „Stolz und Vorurteil“. Weltweite Bekanntheit erhielt er jedoch erst durch die beiden 2001 und 2004 entstandenen BRIDGET JONES Filme. Der Reiz als Aurelius bei DIE LETZTE LEGION mitzuwirken lag für ihn nicht nur darin, einmal eine total andere Rolle anzunehmen, sondern auch an seinem Interesse für Abenteuergeschichten. „Ich war bislang noch nicht mal in der Nähe dieses Genres, habe noch nie etwas mit soviel Action gedreht, und ich wusste überhaupt nicht, was mich da erwartet. In erster Linie war es die Geschichte, die mich fesselte: Ein Abenteuer mit einem Anfang, einer Mitte und einem Ende, in dem man sieht, wie sich die Charaktere entwickeln. Zudem beinhaltet das Ganze ein kleines bisschen Magie. Ich erinnerte mich daran, wie gern ich als Kind Geschichten gehört hatte. Damals war es das Geschichtenerzählen in seiner reinsten Form was mich faszinierte, und hier spürte ich wiederum etwas davon. Es fühlte sich anders an als alles, was ich bisher gemacht hatte, und das gefiel mir. Außerdem entdeckte ich Fähigkeiten an mir, die ich niemals zuvor angewendet habe.“

Regisseur Doug Lefler wollte diesen Film nicht wie einen typischen Actionfilm besetzen: „Wir suchten nach jemandem mit einem starken Charakter, aber ich wollte, dass die Figur des Aurelius eher intelligent ist als muskelbepackt. Also sahen wir uns nach einem Schauspieler um, der diese Intelligenz vermitteln konnte. Wir haben uns bei der Besetzung die größte Mühe gegeben. Wir wollten etwas machen, das man nicht erwartet, sich aber dennoch richtig anfühlt. In gewisser Hinsicht habe ich mich bei der Figur des Aurelius an Horatio Hornblower orientiert. Er sollte eher ein Stratege sein, als jemand, der einfach nur gut mit einem Schwert umgehen kann. Colin hat diese Herausforderung wunderbar gemeistert.“

Der Part des jungen Romulus ging an Thomas Sangster, der durch seine Auftritte in TATSÄCHLICH … LIEBE (Regie: Richard Curtis, 2003) und EINE ZAUBERHAFTE NANNY (Regie: Kirk Jones, 2005) bekannt geworden ist. In beiden Filmen ist übrigens auch Colin Firth zu sehen. Sangster interessierte sich schon in ganz jungen Jahren für das Schauspiel, nachdem er seine Eltern vor der Kamera agieren sah. Beide sind professionelle Schauspieler. „Ich dachte mir, ich probiere es einfach mal aus, denn es schien ihnen eine Menge Spaß zu bereiten. Also ließ ich ein paar Fotos machen, schickte sie an ihren Agenten und wurde zu Vorsprechen eingeladen. So erhielt ich meine erste Rolle.“ „Colin Firth lerne ich bei jedem Film ein bisschen besser kennen“, sagt Sangster über seinen Schauspielkollegen, mit dem er nun schon das dritte Mal zusammengearbeitet hat. „Es ist schön an einen Filmdrehort zu kommen, wo man bereits jemanden kennt und derjenige weiß, wie man selbst so ist.“ Für den jungen Schauspieler war der Dreh auch durchaus lehrreich: „In der Schule haben wir einiges über das alte Rom gelernt, aber als ich diesen Film drehte, lernte ich viel mehr über die Römer als im Unterricht.“

Regisseur Lefler über seinen jungen Star: „Es hat Spaß gemacht mit Thomas zu arbeiten. Er ist wirklich ein sehr talentierter junger Mann.“ Martha De Laurentiis fügt hinzu: „Thomas war eine der letzten Rollen, die noch in der Besetzung fehlten. Anfangs machte uns seine Größe etwas Sorgen, denn er musste ja in der Lage sein zu kämpfen und ein Schwert zu tragen, aber er besaß sowohl die richtigen physischen Voraussetzungen, als auch die nötige Erfahrung. Wir waren sehr froh ihn dabei zu haben.“ Colin Firth war ebenfalls sehr erfreut, seinen jungen Co-Star wieder zu treffen und fügt hinzu, dass dieser allein aufgrund seines Talents besetzt wurde. „Es half natürlich, dass ich ihn schon kannte, aber er war bereits in der engeren Auswahl, als ich an Bord kam. Ich drückte ihm die Daumen, da sie noch andere junge Akteure testeten, aber er stach sie alle aus. Ich wollte gerne wieder mit ihm arbeiten, denn ich wusste, dass er ein toller Schauspieler ist. Außerdem ist es leichter mit jemandem zu agieren, mit dem man schon gearbeitet hat. Ein gewisses Vertrauen existiert bereits, so dass man nicht mehr bei Null anfangen muss.“ Sir Ben Kingsley, der die Rolle seines Lehrers Ambrosinus spielt, erinnert sich an seine Begegnung mit Thomas Sangster wie folgt: „Er ist sehr zurückhaltend. Als Schauspieler besitzt er die Fähigkeit in seiner eigenen Welt zu verweilen. Eine der Lektionen, die ich aus dieser Rolle und aus der Arbeit mit Kindern gelernt habe ist, dass man sie nicht stören darf. Das habe ich auch bei den Dreharbeiten zu OLIVER TWIST gemerkt, den ich 2005 für Roman Polanski gedreht habe. Wenn man die Kinder beobachtet wie sie etwas verarbeiten und sich in sich selbst zurückziehen, dann tendiere ich dazu, mich einfach nur dazu zu setzen. So entsteht dann eine sehr behutsame, ruhige und respektvolle Beziehung sowohl zwischenmenschlich als auch auf der Leinwand.“

Lefler wusste direkt nach ihrem ersten Treffen, dass er Oscargewinner Kingsley besetzen wollte: „Wir hatten beide dieselben Ideen für die Rolle. Wir sahen Ambrosinus beide als kampferprobten Druiden. Sir Bens Beschreibung passte sogar zu einigen der ersten Zeichnungen, die ich angefertigt hatte. Ich wollte, dass er physisch stark ist und in der Lage, auf unkonventionelle Art zu kämpfen.“ „Sir Ben hat sich sehr genau vorbereitet und recherchierte eine Reihe von Hintergrundmaterialen, um sich auf seine Rolle einzustellen“, ergänzt Martha De Laurentiis. Er interessierte sich dafür, wie die anderen Charaktere seine Rolle beeinflussen und wie sein Part auf sie wirkt. Und er ist wirklich gut in der Rolle!“

Kingsley selbst hat die Rolle des Ambrosinus sofort angesprochen. „Ich liebe die Mythologie, das Geschichtenerzählen, das Druidentum, das Mysteriöse, die Magie und heilende Kräfte. Alle diese Dinge ziehen mich an, und ich finde alle diese Elemente in dem Film und speziell in meinem Charakter wieder. Für mich sind alle Männer und Frauen rund um dieses Kind sehr bewegend. Diese Rolle liegt mir am Herzen.“

Für die Rolle des mysteriösen byzantinischen Kämpfers wendeten sich die Filmemacher an den Bollywood Star Aishwarya Rai. „Als wir Mira besetzten, suchten wir eine Frau mit einer seltenen Schönheit, die sich aber auch sehr gut bewegen konnte. Ich hatte mir einige ihrer Filme angesehen und wusste, dass sie ausgebildete Tänzerin ist, was eine gute Voraussetzung für die Martial Arts Szenen und die Kämpfe war“, so Regisseur Lefler. „Für den Part der Mira musste sie eine Reihe der Actionszenen absolvieren. Es gab eine sehr kurze Liste von Schauspielerinnen, die diese Rolle spielen konnten, und Aishwarya stand dort ganz oben. Für uns ist es ein Privileg, sie dafür gewonnen zu haben.“ Martha De Laurentiis sieht das ganz genauso. „Neben ihrer Schönheit, hat sie ein ganz besonderes Charisma und verkörpert Wärme auf der Leinwand. Die Chemie zwischen ihr und Colin Firth stimmt einfach, so dass man auch schnell emotionell in ihre Beziehung eingebunden ist. Als Tänzerin weiß sie, wie sie sich auszudrücken hat, also konnte sie sich in den Kampfszenen schnell und elegant bewegen. Sie war begeistert von der Rolle und der Herausforderung, mal eine Actionheldin zu spielen.“

Für Rai, die zuvor durch ihre Leistung in den Filmen LIEBE LIEBER INDISCH und DEVDAS bekannt wurde, war es die eher maskuline Rolle, die sie an dem Part gereizt hat. „Ich habe noch nie einen Charakter wie Mira gespielt und möchte dem Publikum gern mit jedem Film etwas Neues bieten. Mir gefiel die Idee, eine Kriegerin zu spielen. Wir alle haben eine tiefe Kraft in uns und wenn wir provoziert werden, kommt die Mira zum Vorschein. Sie ist eine Person, mit der ich mich identifizieren kann und bin mir sicher, dass andere Frauen das auch können.“

Die Kostüme

Bei Historien-Filmen tragen die Kostüme stets einen großen Teil dazu bei, dass die Schauspieler sich in ihre Rollen einfinden. Paolo Scalabrino, der bereits ausführliche Erfahrungen bei historischen Filmen wie etwa GANGS OF NEW YORK, TROJA und der Fernsehserie „Imperium“ gesammelt hat, musste sich damit abfinden, dass es nur äußerst wenig Quellenmaterial gibt. „Über diese Zeit ist in den Archiven nur wenig erfasst. Aber Doug Lefler war es überaus wichtig, dass die Kostüme Stärke ausdrücken. Unsere Hauptfigur Aurelius und die anderen Legionäre reisen die meiste Zeit, also tragen sie eine leichtere Rüstung als üblich. Die Kostüme sind aus Leder gefertigt und ermöglichen so mehr Bewegungsfreiheit als die eher feierliche Bekleidung, die die Legionäre bei ihrer Ankunft in Rom anlässlich der Krönung von Romulus Augustus tragen.“

Eine der größten Herausforderungen war die Kleidung von Aishwarya Rai als Mira. „Bei unserem ersten Treffen mit Aishwarya in London war mein Eindruck, dass sie eine sehr schöne, feminine und auch grazile Dame ist“, erinnert sich der Designer. „Als sie dann einen Monat später am Drehort erschien, war sie plötzlich sehr viel stärker, durchtrainiert und gut definiert. Sie war eine völlig andere Person. Und sie hatte sich nicht nur physisch, sondern auch mental auf ihre Rolle vorbereitet.“

„Doug wollte, dass Mira einen asiatischen Stil repräsentierte, also gaben wir ihr ein byzantinisches Aussehen“, fährt Scalabrino fort. „Für den Film sollte sie anfangs sehr maskulin wirken, also mussten wir ihre Weiblichkeit verdecken. Um das erreichen zu können, verwendeten wir Leder und Metall, so dass sie ein härteres und flacheres Erscheinungsbild bekam. Das Problem war, dass sie sich wie alle anderen Schauspieler auch während der Actionsequenzen frei bewegen musste, also nähten wir die härteren Materialien auf natürliche Textilien wie Wolle, Baumwolle, Leinen und Seide. Diese Technik nutzten wir für alle Kostüme. Außerdem verwendeten wir viel Metallimitate und bemaltes Leder, das wie Metall aussah. Damit war es sehr viel flexibler.“

Die Kampfszenen

Für Doug Lefler war es wichtig, den Übergang von den dramatischen zu den Actionszenen möglichst nahtlos zu gestalten. „Es ist ein großer Fehler zu denken, dass Actionszenen irgendwie radikal anders wären als andere Szenen“, erklärt er. „Es gibt viele Filme in denen die Entwicklung der Charaktere ein Element der Geschichte ausmacht und die Action ein anderes. Aber das halte ich für falsch, denn während der Actionszenen erkennt man erst die wahre Natur der Charaktere. Wenn sich einige Charaktere in einer hoffnungslosen Lage befinden, dann ergibt sich schnell, wer der Mutige ist, wer der Verantwortliche, wer zusammenbricht, und wer sich in einer extremen Situation als Anführer entpuppt. Man sollte die Entwicklung des Charakters nicht wegen einer Actionszene unterbrechen. Ich sehe die Action als Teil der dramatischen Momente und empfinde sie als genauso wichtig wie alle anderen Teile des Drehbuchs.“

Colin Firth sieht das genauso: „Es geht nicht vordringlich um die digitalen Schlachten und die Spezialeffekte mit Tausenden von Komparsen. Ich denke, eine Schlacht kann nur dann funktionieren, wenn man mit jemandem mitfiebert. Das macht man nur, wenn einem diese Person am Herzen liegt, also muss man die Figuren im Laufe der Geschichte näher kennen lernen.“

Deswegen war es für Lefler wichtig, dass jede Figur ihren eigenen Kampfstil entwickelt. „Der von Sir Ben Kingsley gespielte Ambrosinus kämpft auf unkonventionelle Art und Weise mit seinem Runenstab. Mira ist wahrscheinlich die beste Schwertkämpferin der Gruppe. Sie kämpfte sehr anmutig, schnell und mit fließenden Bewegungen. Bei Rupert Friend in der Rolle des Demetrius geht es eher um die Show, denn er ist jung, wild und angeberisch. Jeder Charakter hat seinen eigenen Stil, der reflektiert was sie sind, und wo ihr Platz in der Geschichte ist. Ursprünglich dachten wir, dass die wichtigste Eigenschaft von Nonso Anozie, der Batiatus spielt, seine Stärke wäre, aber als wir anfingen mit ihm zu arbeiten, stellten wir fest wie leichtfüßig er sich bewegt, also spielten wir damit. Wir haben versucht die Persönlichkeiten der Schauspieler durch ihre Figuren herauszuarbeiten.“

Dafür tat Lefler etwas eher ungewöhnliches: Bevor er anfing mit den Stunt Koordinatoren zu arbeiten, zeichnete er vorab Storyboards für alle Actionszenen. „Ich vermittelte ihnen zunächst meine Ideen, und sie entwickelten diese dann eine Stufe weiter. Viele Sequenzen wurden vorab sehr gründlich gestaltet, bevor jemand anderes involviert wurde. Der Schwertmeister Richard Ryan und unser Stunt Koordinator Steve Griffin haben sehr viel Arbeit investiert, um aus meinen Vorgaben eine praktische Umsetzung zu entwickeln. Wenn man vor seinem Zeichenbrett sitzt und eine Idee skizziert, weiß man nie genau, ob das Ganze in der Praxis auch so durchführbar ist. Aber es ist immer wundervoll, wenn man sieht, wie etwas lebendig wird und schließlich auch funktioniert.“

Schwertmeister Richard Ryan führt die Idee noch weiter aus: „Die Herausforderung bestand darin, dass vier Figuren generell dieselben Waffen benutzen, aber deutlich anders kämpfen. Also gaben wir Vatrenus ein kleines Schild, um damit zu kämpfen. Bei Aurelius wollten wir zeigen, dass er ein taktischer Kämpfer ist und nur dann eingreift, wenn er es auch wirklich muss. Der byzantinischen Kriegerin Mira gaben wir ein Schwert mit einem invertierten Griff, eines, mit dem sie auch in ihrer Heimat gekämpft hätte. Währenddessen hat Demetrius, der ein jüngerer und eher impulsiver Kämpfer ist, zwei Schwerter. Er pflegt damit einen etwas schnelleren Hieb, der gut zu seinem Charakter passt.“

Es wurde viel Arbeit in das Training der Akteure gesteckt, damit die Kampfszenen auch spontan und nicht allzu choreographiert wirken. Es wurden Stunt Doubles eingesetzt, um die Kämpfe zu entwickeln und die Schauspieler zu unterrichten, aber die Talents lernten intensiv und schnell, so dass sie die Aufnahmen selber absolvieren konnten. Ryan sagt dazu: „Die Vorbereitung ist sehr wichtig um die Schauspieler soweit zu bringen, dass sie sich voll in einen Kampf einbringen können. So haben sie die nötige Angriffslust parat, aber gleichzeitig auch soviel Kontrolle, dass sie niemanden wirklich treffen und verletzen. Sie müssen wissen, wie man ein Schwert führt und können so ihre Kraft auf andere Dinge verwenden, so dass sie den Kampf auch spielen können.“

Um diese Methoden zu lernen, bedarf es eines gründlichen Trainings. Etwa zwei Monate bevor die Dreharbeiten begannen, lernte Colin Firth die Grundregeln, wie man ein Schwert hält, wie man es im alten Rom eingesetzt hat, und er entwickelte seinen besonderen Kampfstil mit Richard Ryan. Firth hatte zuvor an der Schauspielschule gelernt, wie man mit dem Schwert umgeht und hatte schon auf der Bühne Schwertkämpfe durchgeführt. „Es ist wie ein Tanz, den man erlernen muss. Für mich waren nur diese speziellen Waffen neu. Ich musste erst mal das eher blumige Kämpfen aus dem 18. Jahrhundert mit den kleinen Schwertern verdrängen. Die Waffen, die wir hier benutzt haben, sind große schwere Stahlschwerter, und ich machte mir Gedanken darüber, inwiefern ich mich überhaupt einigermaßen elegant mit ihnen bewegen konnte. Ich fing früh an zu üben, um mich mit dem richtigen Stil vertraut zu machen, und mit der Zeit fand ich richtig Gefallen daran. Man fängt an, seinen Körper anders und in einfacherer Form einzusetzen.“

Sir Ben Kingsley begann mit seinem Training im Garten seines Hauses in Oxfordshire ein paar Monate vor Beginn der Dreharbeiten. So gewöhnte er sich mit der Zeit an seinen Stock. „Generell ist der Stock wie ein Silaylie, ein irischer Runenstab. Es ist eine sehr gewalttätige Art zu kämpfen, denn man benutzt eine Faust als Hebelpunkt und reißt den Stab herum. In dem Moment wo man seinen Widersacher trifft, hat man soviel Geschwindigkeit drauf, dass man ihn mit dem Haken am Ende des Stabes entwaffnen kann. Man kann damit Handgelenke zerbrechen oder Kehlen durchschneiden. Es ist wirklich eine sehr brutale Waffe! Mir macht es immer Spaß, Neues zu erlernen, und diese Form von Martial Arts hat mir besonders gut gefallen. Wir hatten gute Lehrer und fühlten uns bei dem was wir taten sicher und gut aufgehoben.“

„Ich hoffe, dass die Kämpfe so aufregend geworden sind wie einige der großartigen Kämpfe, die man bereits aus dem Kino kennt“, sagt Colin Firth zu diesen Sequenzen. „Ich erinnere mich daran, dass ich mich in dem Moment sehr um ein gutes Ergebnis bemüht habe, denn schließlich will man ja der Rolle gerecht werden.“

Regisseur Lefler fasst die Philosophie hinter den Actionszenen so zusammen: „In vielerlei Hinsicht war es bei diesem Projekt von Vorteil, dass wir kein riesiges Budget zur Verfügung hatten. Denn wenn man ein großes Budget hat, hat man häufig auch viele Spielzeuge, viele Statisten und viele visuelle Spezialeffekte. Wenn man aber all das nicht nutzen kann, tendiert man dazu, sich mehr auf die Charaktere zu konzentrieren. Das, was sie denken wird wichtiger als die Zahl der Soldaten, die im Hintergrund das Bild ausfüllen. Außerdem wollten wir vermeiden einen Film zu drehen, in dem ganze CGI Armeen mitwirken, denn wir hatten das Gefühl, dass wir das schon zu oft gesehen haben. Es wird für die Zuschauer nicht spannender, wenn sie Tausende von Leuten mit Schwertern in der Hand hinter unseren Helden herumrennen sehen. Also konzentrierten wir uns auf die Geschichte, die Figuren und die emotionalen Momente in jeder Szene.“

Die Drehorte

Die Dreharbeiten fanden zwischen August und November 2005 statt und dauerten 14 Wochen. Das Team reiste von Tunesien in Nordafrika, das für das antike Rom genutzt wurde, in die Slowakei in Osteuropa, um hier die Szenen, die in Britannien spielen, zu drehen.

Martha De Laurentiis erklärt die Gründe dafür: „Tunesien ist nicht weit von Süditalien entfernt. Es sieht ähnlich aus und fühlt sich auch so ähnlich an. Es ist dasselbe Terrain und liegt ebenfalls am Mittelmeer. Dadurch, dass Tunesien eher unberührt ist, und nicht so bebaut wie Italien, ist es leichter hier zu filmen. Das dortige Empire Studio ist ein fantastisches Areal. Es war wie geschaffen für unser antikes Rom. Man hatte den Eindruck, dass sämtliche Gebäude von jeder Produktion, die jemals dort gedreht wurde, noch vorhanden waren. Das war für uns von großem Vorteil, denn so mussten wir das alte Rom nicht komplett neu errichten, es war bereits da!“

Das an der Nordküste von Tunesien liegende Tabarka wurde zur Insel Capri, das Spisske Schloss in der Slowakei wurde für Szenen genutzt, die in Britannien spielen. „Wir wollten, dass Britannien ganz anders aussieht als Rom. Tunesien und die Slowakei könnten unterschiedlicher nicht sein“, sagt Martha De Laurentiis. „Das Schloss war perfekt, und der Ausblick von dort war wirklich unglaublich. Die Landschaft ist kilometerweit unberührt.“

Colin Firth hat dieser Film sehr viel Spaß bereitet. „Ich kam zu diesem Projekt ohne richtig zu wissen, ob ich überhaupt in dieses Genre gehöre. Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich nichts anderes mehr machen möchte. Natürlich werde ich wieder andere Filme drehen, aber momentan möchte ich einfach nur auf einem Pferd sitzen, mit einem Schwert in der Hand herumwedeln und mit einer Gruppe von Freunden auf Reisen gehen. Es war wirklich eine wundervolle Erfahrung.“

Regisseur Lefler fasst zusammen: „Wir hoffen, dass dieser Film jeden anspricht. Wir haben hier kein spezielles Zielpublikum vor Augen. Der Film beinhaltet Elemente für Erwachsene und auch für Familien. Es gibt Action, Abenteuer und eine Liebesgeschichte, aber letztendlich steht die Beziehung zwischen dem Kind und Aurelius im Zentrum des Ganzen. Es ist eine Erzählung über Loyalität, Mitgefühl und Freundschaft. Ich denke, dass dies universelle Themen sind. Jeder wird bei diesem Film etwas finden, das ihm gefällt. Action und Abenteuer, das ist es, was ich in einem Film sehen möchte!“

Historischer Hintergrund

um 460 Romulus Augustus wird geboren. Er wird der letzte Kaiser des weströmischen Reiches.

31.10.475 Orestes rebelliert gegen den Kaiser Julius Nepos. Es gelingt Orestes seinen Sohn Romulus Augustus auf den Thron zu setzen. Sein Vorgänger Julius Nepos wird nach Dalmatien verbannt. Augustus erhält vom Volk den Spottnamen „Augustulus“ (Kaiserlein), weil er noch ein Kind ist und keinerlei Machtbefugnisse hat. Orestes und sein Bruder Paulus üben die Macht aus.

Sommer 476 Orestes verweigert dem Heer und den barbarischen Hilfstruppen (Föderaten) die Überlassung eines Drittels der Ackerfläche von Italien.

23.08.476 Es kommt zur Rebellion der Truppen gegen Orestes. Der Thüringer Flavius Odoaker wird zum König.

28.08.476 Odoaker besiegt und tötet Orestes bei Placentia.

04.09.476 Odoaker nimmt Ravenna ein. Auch Paulus wird ermordet. Romulus wird mit einer Jahresrente von 6000 Goldstücken auf das Landgut Lucullanum bei Neapel in Frühpension geschickt. Odoaker lässt sich zum König von Italien ausrufen und wird vom weströmischen Kaiser Zenon auch anerkannt.

480 Julius Nepos wird im Exil ermordet. Odoaker hat die alleinige Herrschaft über Italien.

Frühjahr 493 Odoaker wird durch Theoderich ermordet.

nach 511 Romulus Augustus stirbt. Sein genaues Todesdatum ist nicht überliefert.

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