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Fakten und Hintergründe zum Film "Die Kunst zu gewinnen - Moneyball"

Kino.de Redaktion |

Die Kunst zu gewinnen - Moneyball Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

2003 veröffentlichte der ehemalige Aktienhändler Michael Lewis, zu diesem Zeitpunkt eher bekannt für seine Business- und Polit-Bestseller „Liar’s Poker“ und „The New New Thing“, ein Buch über Baseball. Nur, dass es gar nicht so sehr um Baseball ging. Sicher, an der Oberfläche erzählte es davon, wie die unterfinanzierten, unterschätzten Oakland A’s einem unfairen System, in dem das große Geld und entsprechend zusammengestellte Mannschaften das Sagen hatten, den Kampf ansagten. Im Grunde aber drehte sich das Buch um den faszinierenden Mix von Männern, der einen grundlegenden kulturellen Wandel in die Wege leitete, und darum, wie eine riskante Vision, die aus einer reinen Notwendigkeit heraus geboren wurde, in die Realität umgesetzt wurde, und ein bunt zusammengewürfelter Haufen von nur aufgrund von Vorurteilen aufs Abstellgleis abgeschobener Spieler die Chance erhält, doch noch zu beweisen, was in ihnen steckt.

Jetzt wurde Lewis’ Buch als Spielfilm adaptiert mit Brad Pitt als Billy Beane, Manager der A’s – dem Mann, der völlig anders denken und die Regeln neu erfinden musste, um sicherzustellen, dass seine Mannschaft überhaupt eine Chance haben konnte. „DIE KUNST ZU GEWINNEN – MONEYBALL erzählt eine klassische Underdog-Geschichte“, meint Pitt, der überdies als Produzent an dem Projekt beteiligt war. „Sie stellen sich gegen das System. Wie können sie überleben, wie können sie wettbewerbsfähig werden? Selbst wenn sie neue Talente heranziehen, werden die bald von den Mannschaften mit den tiefen Taschen weggekauft. Diese Jungs kamen zu dem Schluss, dass sie die Schlacht nicht mit den Waffen der anderen Jungs schlagen konnten, wenn sie nicht von vornherein als Verlierer feststehen wollten. Sie mussten alles auf den Prüfstand stellen, sich neues Wissen aneignen, um eine Form von Gerechtigkeit zu finden.“

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Auf den ersten Blick ist Lewis’ bahnbrechender Bestseller nicht dazu angetan, ein geeigneter Filmstoff zu sein. Das Buch ist eine Studie von Unwirtschaftlichkeiten und Flüchtigkeitsfehlern im Baseball-Markt und listet Fallstudien unterschätzter Posten (Spieler, Strategien, Taktiken), indem es Analysen von Statistiken und Theorien einsetzt. Im Zentrum steht allerdings immer Billy Beane und sein Versuch, wie Don Quichote einen Weg zu finden, die Windmühlen zu besiegen. Während sich die Geschichte entfaltet, geschieht etwas Unerwartetes: Sein Streben nach der Meisterschaft führt zu etwas Größerem und Bedeutungsvollerem. Die Gänge und das Frontoffice des Oakland Coliseum werden zur unerwarteten Kulisse einer Geschichte über Inspiration und Läuterung.

Lewis’ Buch beleuchtet die Nachteile des Gruppendenkens und zeigt auf, wie irrationale Intuition und konventionelle Weisheit Institutionen im Verlauf der Geschichte dominiert haben. Wer ein System herausfordert, provoziert unweigerlich Widerstand. Der Film DIE KUNST ZU GEWINNEN – MONEYBALL fußt auf der Erfahrung eines Mannes, der die Entscheidung trifft, sich auf den resultierenden Kampf einzulassen. Der Film durchdringt die verschiedenen Schichten von Statistiken und lässt sich auf die ruhigere, bedeutsamere und persönlichere Geschichte von Billy Beane ein, die nur so strotzt vor Momenten des Selbstzweifels und wahrhaftiger Courage.

„Wenn ein Buch als Film adaptiert wird, gibt es zwei Möglichkeiten: entweder halten sich die Filmemacher an das Buch oder sie lassen sich ihre eigene Geschichte einfallen“, sagt Michael Lewis. „Ich habe mich ganz ehrlich gefragt, wie sie bei ,Moneyball‘ verfahren würden. Das Buch hat nicht unbedingt einen Handlungsstrang oder die Art von Drama, wie man es für einen Film benötigt. Es war wirklich schwer, den Code zu knacken und das richtig hinzubekommen. Es war eine extrem angenehme Überraschung zu erleben, dass Bennett Miller und den Drehbuchautoren das Unmögliche gelungen ist. Ich habe den Film nicht nur geliebt, sondern war überdies auch überrascht, wie genial mein Buch repräsentiert wird. Der Film ist ehrlich und wahrhaftig. Er gibt sehr akkurat wieder, was Billy Beane und die A’s erlebt und was sie geleistet haben.“

Die Geschichte bedeutet Brad Pitt sehr viel. Sie war auf einzigartige Weise dafür geschaffen, ihn als Schauspieler und Produzent gleichermaßen zu fordern und glänzen zu lassen. Er hat im Verlauf seiner Karriere eine Vielzahl unterschiedlichster Rollen und Figuren gespielt und fällt immer wieder mit seiner überraschenden Rollenwahl auf. Und doch hat er noch nie einen Mann wie Billy Beane gespielt – ein Pionier, ein zutiefst wetteifernder Familienmann im besten Alter, der von einem unstillbaren Drang zu gewinnen angetrieben wird, und, was vielleicht noch wichtiger ist, das Bedürfnis hat, sich neu zu erfinden. Pitts Entschlossenheit, diese Rolle auf der Leinwand zu spielen, führte dazu, dass man auf die unbedingte Unterstützung des Schauspielers/Produzenten bauen konnte. Er hat das Projekt über seine langwierige Entwicklungsphase hinweg immer begleitet und mit seinem Streben, es richtig umzusetzen, entscheidend geprägt. DIE KUNST ZU GEWINNEN – MONEYBALL fand schließlich den perfekten Regisseur: Bennett Miller. Der Filmemacher hatte mit seinem ersten Film, Capote (Capote, 2005) das Kunststück geschafft, als Regiedebütant gleich eine Oscar®-Nominierung zu kassieren.

„Bennett hat den Stoff geknackt“, sagt Pitt. „Das Buch hat keine konventionelle Geschichte und um ihm gerecht zu werden, wollte Bennett auch keinen konventionellen Film machen. Wir alle standen leidenschaftlich hinter dem Stoff, aber es war wirklich Bennetts Bestreben, einen ganz bestimmten Film machen zu wollen, das schließlich zu dem Ergebnis führte, das man jetzt auf der Leinwand sehen kann.“

„Brad hatte ganz persönliche Gründe, diese Geschichte erzählen zu wollen“, sagt Regisseur Bennett Miller. „Im Verlauf der Herstellung des Films erwies Brad sich als mehr als nur ein herausragender Schauspieler. Er ist auch ein wunderbarer Produzent, mit dem man ausgezeichnet zusammenarbeiten kann. Wir betrachteten den Film als eine klassische Suche-nach-Erleuchtung-Geschichte. Ich denke, es ist immer aufregend, wenn man Menschen in den Mittelpunkt rückt, die über lange Zeit erprobte, konventionelle, konformistische und universelle Überzeugungen fahren lassen. Und wenn das mit persönlichen Risiken verbunden ist, wird es erst richtig aufregend. Zunächst sieht es einfach so aus, als würde er Baseball-Spiele gewinnen wollen, aber tatsächlich will er etwas ganz anderes herausfinden. Das ist zeitlos.“

„Man könnte sagen, dass Billy es mit einer Institution aufnehmen will – eine Institution, der viele kluge Menschen ihr Leben gewidmet haben“, sagt Pitt. „In dem Moment, in dem man deren Normen infrage stellt, läuft man Gefahr, als Abweichler bezeichnet oder als Narr verlacht zu werden. Diese Jungs mussten innehalten und sich die Frage stellen: ,Wenn wir mit diesem Spiel heute neu beginnen würden, wie würden wir es anpacken?‘ Das System funktioniert seit 150 Jahren. Nur für uns funktioniert es nicht. Ich denke, das sieht man heute auch in der Gesellschaft in viel größeren Zusammenhängen.“

„In diesem Film geht es darum, wie wir Dinge einschätzen“, erklärt Pitt. „Wie wir einander einschätzen, wie wir uns selbst einschätzen und wie wir entscheiden, aufgrund welcher Werte wir zwischen Gewinnern und Verlierern trennen. Der Film stellt die grundlegende Idee infrage, was wir als erfolgreich betrachten. Ihm ist der stille, persönliche Sieg wichtig: der Sieg, der einem nicht von den Schlagzeilen entgegenplärrt oder der zu Trophäen führt, aber der für Beane zu einer Art persönlichem Everest wird. Am Ende des Tages hoffen wir alle, dass das, was wir tun, einen Wert hat, dass es etwas bedeutet. Und ich denke, das ist die Suche, auf die sich diese Figur begibt.“

Miller fügt hinzu: „Ich war nicht wirklich interessiert an den gängigen Konventionen des Sportfilms. Ich hatte keine Lust, einen Film zu machen, an dessen Ende der Held auf den Schultern seiner Kollegen durch das Stadion getragen wird, in dem sich die Fans vor Begeisterung die Kehle heiser brüllen, man die Champagnerkorken knallen lässt, Trophäen verteilt und Feuerwerke gezündet werden und all das. Ich ziehe die stillen Triumphe vor. Die brennen vielleicht nicht ganz so taghell, aber gehen tiefer und sind dauerhafter. Ich will Menschen zeigen, die innerlich mit sich ringen und am Ende auf der anderen Seite ankommen und feststellen, dass sich etwas in ihnen geändert hat.“

„Bennett hat die Gravitas und die Statur als Filmemacher, sich mit reichhaltigen Themen und den etwas tiefschürfenderen Aspekten der Geschichte zu beschäftigen“, sagt Produzent Michael De Luca. „Sportfilme können ausgezeichnete Metaphern für das Leben sein und Bennetts Blick auf das Leben ist besonders ausgeprägt und zeitgemäß.“

Obwohl er ein Fan des Baseball-Sports ist und sofort Gefallen daran fand, einen anderen filmischen Ansatz zu finden, auf die Welt des Sports zu blicken, war Miller besonders an den tieferen Motiven von Billy Beanes Geschichte fasziniert. „Mir gefällt es, von einem Mann zu erzählen, der ein Risiko eingeht, weniger um einen persönlichen Vorteil daraus zu ziehen, sondern vielmehr, weil er etwas verstehen will, das in ihm drinsteckt“, erklärt Miller. „Billy versucht, etwas Bedeutungsvolleres zu machen, als einfach nur Baseball-Spiele zu gewinnen – ob er das selbst wirklich versteht oder nicht.“

Miller sagt, dass sich diese Konsequenzen an den Fragen ablesen lassen, denen Beane sich stellen muss – letztendlich sind das die Fragen, die sich jeder irgendwann im Leben stellen muss: „Wie wiegt man den Wert einer Sache gegen den Wert einer anderen Sache ab, den Wert eines Menschen gegen den Wert eines anderen, wie bemisst man die Entscheidungen im Leben?“

Ein früher Leser von Lewis’ Buch war die in New York ansässige Produzentin Rachael Horovitz, die sich mit dem universellen Anspruch von Billy Beanes Kurs identifizierte und darin das Skelett eines großartigen Films entdeckte. „Er ist eine großartige Figur, ein komplexer Außenseiter, der innerlich kräftig am Rudern ist und doch die Sehnsucht hat, das System zu erneuern“, sagt Horovitz. „Er hat sich aufgerafft und hatte den Schneid, von vorne zu beginnen.“

Horovitz schloss sich mit Michael De Luca und Brad Pitt zusammen, um das Produktionsteam zu komplettieren. De Luca sagt: „Mich packte an der Geschichte, wie mutig es ist, diese einsame, bestimmte Stimme zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein, die das Schiff des konventionellen Denkens in neue Bahnen lenkt.“

Nachdem der Autor Stan Chervin die Grundzüge der Geschichte herausgearbeitet hatte – er konzentrierte sich auf Billys Beziehung mit seiner Tochter, Peter Brand und dem Team und führte alle drei Handlungsstränge am Höhepunkt zusammen, wenn die A’s ihren 20. Sieg in Folge feiern –, sahen sich die Drehbuchautoren Steven Zaillian und Aaron Sorkin mit einer faszinierenden Herausforderung konfrontiert. Obwohl der Film einem erprobten Genre angehört, verweigert er sich der Struktur des gängigen Sportfilms, der dazu neigt, am Höhepunkt auf den Moment der Meisterschaft zuzusteuern. In DIE KUNST ZU GEWINNEN – MONEYBALL geht es dagegen vielmehr darum, die Idee von Erfolg völlig neu zu definieren. Zaillian und Sorkin konzentrierten sich auf Beanes inneren Antrieb sich durchzusetzen – nicht nur für sich selbst, sondern all die anderen Jungs, die an den äußeren Rand des Baseballs gedrängt wurden.

Zaillian sagt: „Der Versuch, eine ehrenvolle Institution zu verändern, führt immer zu denselben Dingen: Misstrauen, Angst, Verachtung, Verurteilung. Dies – und der Zusammenstoß, der daraus resultiert – ist das zentrale Thema von DIE KUNST ZU GEWINNEN – MONEYBALL. Es ist immer das zentrale Thema, zu jedem Zeitpunkt der menschlichen Geschichte, auf jedem Gebiet, sei es Kunst, Wissenschaft, Industrie, Politik, Sport, wenn jemand eine neue Idee hat und sie durchzusetzen versucht.“

Und Sorkin erklärt: „Ich glaube, dass es in DIE KUNST ZU GEWINNEN – MONEYBALL genauso wenig um Sabermetrics geht, wie es in The Social Network (The Social Network, 2010) nicht um das Schreiben von Computercodes ging. Weil er die Nase voll davon hat zu verlieren und nicht über die finanziellen Ressourcen verfügt, auf konventionelle Weise zu gewinnen, geht er das Risiko ein, es mit einer unkonventionellen Strategie zu versuchen.“

Er meint zudem: „Notwendigkeit ist ein großartiger Motivator. Billy wusste einfach, dass er das Spiel verlieren würde, wenn er es genauso gespielt hätte wie die Yankees. Er musste also das Spiel verändern. Der Erste, der mit dem Kopf durch die Wand will, holt sich immer eine blutige Nase, und Billy muss den einen oder anderen Schlag wegstecken – von den Fans, von den Sportjournalisten und Baseball-Experten, von seinem Trainer, den Scouts und selbst von der Geschichte.“

Was Billy Beane und seine Partner, die ihm bei der Analyse geholfen haben, in die Tat umzusetzen versuchen, ist nicht wirklich brandneu. Fans, Statistikbesessene und Mathegenies hatten seit Jahren versucht, empirische Beweise in den Sport einzuführen. Das Konzept geht zurück auf den Baseball-Historiker Bill James, der den Ausdruck „Sabermetrics“ prägte, um damit eine neue objektive Wissenschaft zu beschreiben, wie man die Analyse von Statistiken einsetzen kann, um den künftigen Wert eines Baseball-Spielers zu bestimmen. James hielt fest, dass das Thema Baseball „mit derselben intellektuellen Unerbittlichkeit und Disziplin angegangen werden sollte, die Wissenschaftler routinemäßig bemühen, um die Geheimnisse des Universums zu entschlüsseln“.

Mit seiner Position eines Insiders, aber dem Verhalten eines Rebellen, gelang es Beane, dessen eigene persönliche Mission auf dem Spiel stand, die Lücke zu schließen und das Informationszeitalter für immer Einzug in die Hallen der Macht des Baseballs halten zu lassen.

„Ich glaube, es gab einen „Das-ist-es“-Moment mit Bill James und einigen anderen Beratern, mit denen wir damals arbeiteten“, erzählt Billy Beane. „Es war wie das Lösen einer mathematischen Gleichung. Wir verstanden auf einmal, dass man Vier erhält, wenn man Zwei und Zwei zusammenzählt – wir verstanden, dass es eine rationale Weise gab festzustellen, warum Spieler und warum Mannschaften Erfolg haben. Sie dürfen nicht vergessen, dass man beim Baseball damals vor allem versuchte, auf das Potenzial eines Spielers zu schauen und nicht so sehr darauf, was er bereits auf dem Spielfeld geleistet hatte. Man betrachtete Baseball als athletischen Sport und Bill James sagte, dass es auf die Resultate ankommt und nicht, wie man sie erzielt oder wie die Spieler dabei aussehen, um sie zu erzielen.“

Lewis sagt: „Die Ideen waren nicht radikal – sie existierten bereits seit etwa zwei Jahrzehnten. Radikal war, wie Billy das Wissen umsetzte, wie er diese Ideen, die außerhalb des Spiels längst existierten, auf den Sport ummünzte. Er riss die Mauern nieder zwischen den Außenseitern und den Insidern, die die Macht besaßen. Und die Welt heute reflektiert, welchen bleibenden Schaden er den Mauern zugefügt hat. Es hatte eine tiefschürfende Auswirkung nicht nur auf Baseball, sondern das Sportmanagement im Allgemeinen.“

„Michael Lewis gefallen Geschichten über unkonventionelle Denker“, meint Bennett Miller. „Genau das ist DIE KUNST ZU GEWINNEN – MONEYBALL – die Geschichte eines Mannes, dessen Vergangenheit und Umstände ihn dazu zwingen, anders zu denken. Mir gefällt, dass es um eine Figur geht, die Risiken eingeht, jedoch nicht, um sich einen Vorteil zu verschaffen, sondern etwas über sich selbst zu verstehen. Billy macht etwas Bedeutenderes als einfach nur Baseball-Spiele zu gewinnen – es ist nur so, dass er das selbst erst erkennt, als der Wandel langsam sichtbar wird. Auf einmal wird diese Baseball-Saison, die eine Art David-gegen-Goliath-Geschichte ist, mehr als nur der verzweifelte Versuch eines getriebenen Mannes, ein paar Spiele für sich zu entscheiden. Es ist vielmehr eine Prüfung, der Versuch, etwas zu beweisen, das zumindest in Teilen erklären würde, warum sein Leben so verlaufen ist, wie es verlaufen ist. Das ist eine aufregende Idee.“

Produktion: Brad Pitt als Billy Beane

Brad Pitt fühlte sich sofort angezogen von dem Manager der Oakland A’s, von seiner gewitzten und übergroßen Persönlichkeit, von seiner Mischung aus obsessivem Fokus und seiner direkten Findigkeit, von seinem sehr persönlichen Bezug zu dem schmalen Grat zwischen Versagen und Erfolg.

Beane selbst gibt zu, dass es sich für ihn ein bisschen seltsam anfühlte, von Pitt gespielt zu werden, aber er mochte die bodenständige Herangehensweise des Schauspielers. „Als ich herausfand, dass Brad Pitt mich spielen wollte, konnte ich es zunächst nicht wirklich glauben. Ich arbeite an einem Ort, an dem sich Gerüchte in Windeseile verbreiten, und als ich davon hörte, dachte ich eigentlich, es könne sich nur um einen Witz handeln“, gesteht er. „Aber als ich ihn dann kennenlernte, war ich beeindruckt davon, wie ernst, klug und unglaublich scharfsinnig er ist. Er hatte gleich eine klare Vision, was er machen wollte.“

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Er erzählt weiter: „Er hatte das Buch gelesen und mochte es sehr. Ich denke, das ist ein klares Zeugnis dafür, wie gut Lewis die Figur geschrieben hatte – und hat gar nicht einmal etwas mit mir selbst zu tun. Aber ich glaube auch, dass Brad Pitt sich schon sehr anstrengen müsste, wenn er jemanden spielte und nicht großartig dabei wäre. In der kurzen Zeit, die wir miteinander verbracht haben, hat er sich schon ein paar meiner Manierismen abgeschaut. Und ich kann mir einfach keinen feineren Menschen vorstellen, der sich nicht nur gegenüber den Menschen, mit denen ich arbeite, sondern auch meiner Familie absolut tadellos benommen hat.“

Beane fährt fort: „Mitzuerleben, wie diese Geschichte in einem Film zu Leben erweckt wird, ist eine einzigartige und surreale Erfahrung. Und obwohl Brad Pitt ein absoluter Megastar ist, könnte man sich keinen bodenständigeren und wahrhaftigeren Typen vorstellen als ihn – ein ganz normaler Kerl aus Missouri. Es ist schmeichelhaft, ihm dabei zuzusehen, wie er die Figur spielt, aber manchmal vergaß ich auch regelrecht, dass diese Figur tatsächlich mein Leben im Baseball repräsentieren sollte. Ich war einfach viel zu fasziniert von seiner Leistung als Schauspieler – so wie es Kinogängern auf der ganzen Welt sicherlich auch geht.“

Pitt erforschte die Herkunft Beanes. Er ist der Sohn eines Marineoffiziers, der sich schon in frühem Alter auf zwei Gebieten auszeichnete: Baseball und Football. Man nannte ihn schon bald einen „geborenen Athleten“. Ihm wurde gesagt, dass er dafür vorbestimmt sei, in die Elite des professionellen Sports aufzusteigen. Aber als Beane ein Stipendium von Stanford ablehnte, um die Gelegenheit wahrzunehmen, bei den New York Mets einzusteigen, stagnierte er und hatte danach große Mühe, seine Karriere wieder aufleben zu lassen, die niemals wirklich aus den Startlöchern gekommen war. Nach sechs Saisons als Reserve im Außenfeld für diverse Major-League-Mannschaften, während der er immer wieder versucht hatte, das Versprechen von einst doch noch zu erfüllen, wagte er einen mutigen Schritt. Beane hängte den Baseball-Handschuh an den Nagel und ging vom Spielfeld direkt ins Mannschaftsbüro, um sich als Manager zu versuchen – eine Entscheidung, die sich als visionär erweisen sollte.

Miller erklärt: „Stellen Sie sich vor, Sie sind 15 Jahre alt und erwachsene Männer – Experten – erzählen Ihnen, dass Sie ein Schicksal haben, dass Sie dafür vorbestimmt sind, ein Superstar der nächsten Generation zu werden, und aufgrund dieser Information sollen Sie eine Entscheidung treffen. Dann entscheiden Sie sich für einen Weg und stellen zehn Jahre später fest, dass es doch nicht sein soll. Der Traum war nur ein Traum, und man muss noch einmal von vorne anfangen.“

„Billy machte nach heutigen Maßstäben etwas völlig Verrücktes“, meint Brad Pitt. „Er hat alles hingeschmissen. Ich denke, auf eine gewisse Weise fühlte er sich gefangen in der Meinung anderer Leute, die sich eine Vorstellung gemacht hatten, was er sein solle. Ich glaube, er hatte das Gefühl, nicht mehr vorwärts und nicht mehr rückwärts zu können. Er erklärt es so, dass er den dringenden Wunsch verspürte, etwas mit seinem Verstand anzustellen. Obwohl er mittendrin im Geschehen steckte, wovon jeder Junge in Amerika träumt, hat das nicht für ihn funktioniert.“

Pitt fährt fort: „Also schlug er eine neue Laufbahn ein, aber er wusste von Anfang an, dass da das Bedürfnis war, mit dem Vorurteil aufräumen zu müssen, von dem er sich von Kindesbeinen an gehemmt fühlte.“

Beane stimmt zu, dass sein einstiges Ringen auf dem Spielfeld ihm eine Verbindung zu seinen Spielern ermöglichte, die weit unter die Oberfläche ging. „Durchgemacht zu haben, was sie durchmachen müssen, hilft enorm“, erklärt er. „Sicherlich erlaubt mir das Wissen, dass ich manche der Fehler als Spieler auch gemacht habe und meine Karriere davon nicht profitiert hat, ihnen zu sagen: ,Macht bloß nicht, was ich gemacht habe.‘“

Miller sagt, dass genau die Charakterzüge, die Beane zu einem guten Baseball-Manager machen, ihn auch zu einer faszinierenden Filmfigur machen. „Billy ist charismatisch und charmant, aber dahinter verbirgt sich eine brennende Ambition, die Meisterschaft zu gewinnen“, meint er. „In der Geschichte, die wir erzählen, ist es so, dass sein Antrieb, die Meisterschaft zu gewinnen, auch der Auslöser für ihn ist, noch einmal neu abzuwägen, was ihm im Leben wirklich etwas bedeutet. Und das geht weit über den Baseball hinaus. Er stellt sein komplettes Glaubenssystem auf den Prüfstand, er will völlig anders denken. Er erhält noch einmal eine ähnliche Chance wie damals, als er noch ein Teenager war. Und weil er das schon einmal durchgemacht hat, hat er den Einblick, die Perspektive und die Weisheit, diesmal völlig andere Entscheidungen zu treffen.“

Pitt war fasziniert, dass das Bedürfnis, es auf eigene Weise zu schaffen, Beane erfinderisch werden ließ, als er sein zweites Leben als Manager der A’s antrat – und wie sich die Dinge im Jahr 2002 zu überschlagen begannen, als den A’s ihre wichtigsten Spieler abgeworben und damit ihre einzige Hoffnung geraubt wurde.

„Ihm wurde bewusst, dass die A’s einfach nicht auf dieselbe Weise kämpfen konnten, wie es die anderen Jungs machen würden“, erklärt er. „Sie mussten versuchen, völlig neues Wissen anzuzapfen. Sie mussten die Normen hinterfragen und die Schwächen in dem bisher als unfehlbar angesehenen System aufdecken. Sie begannen mit einer Frage, die zunächst naiv erscheinen mag: Was wäre, wenn wir dieses Spiel noch einmal ganz von vorn aufrollen würden, wie würden wir das machen? Wie würden wir den Wert der einzelnen Spieler bestimmen? Sie gingen los und fanden tatsächlich all die Spieler, die man aus irgendeinem Grund übersehen oder zu Unrecht abgeschoben hatte, und formten aus ihnen im Patchwork-Stil ein hervorragendes Team.“

Dennoch wollte Pitt die Person Beanes nicht glorifizieren, sondern ganz nüchtern betrachten. „Seine Führung hatte Schwächen und konnte aggressiv sein“, merkt er an. „Aber ich liebe solche komplexen Figuren.“ Der rettende Strohhalm Beanes war in Pitts Augen seine Aufrichtigkeit – und er suchte danach, die Essenz eines Mannes einzufangen, der unentwegt die Frage stellt: „Na und?“ – und das auf eine Weise, dass kein Zweifel daran besteht, dass er Antworten haben will.

Autor Michael Lewis merkt an, dass der Billy Beane in seinem Buch ein Mann ist, der umso härter arbeitet und verbissener wird, je mehr Widerstand er verspürt. „Tief in sich drin ist Bill besessen vom Wettbewerb, er hasst es, zu verlieren“, beobachtet Lewis. „Und er wusste, dass er gewiss verlieren würde, wenn er die Dinge so machen würde, wie sie immer schon gemacht wurden. Also wusste er, dass er die Dinge anders machen musste. Je mehr er es anders machen würde, desto größer würden die Chancen seiner Mannschaft sein, gewinnen zu können. Doch mit dieser Überlegung kamen auch die Fragen: Würde er in der Lage sein, all den Ärger auszuhalten, den er sich beim Versuch der Umsetzung seiner Innovation zuziehen würde? Würde er mit der Feindseligkeit umgehen können, die jeden erwartet, der Dinge auf unkonventionelle Weise erledigen will? Billy hatte keine Furcht. Er hat Neurosen und Angstgefühle, aber er ist furchtlos, und das war definitiv ein Plus.“

Für die Vorbereitung auf die Rolle besuchte Pitt das Frontoffice der A’s. Unauffällig beobachtete er Billy Beane in Aktion und unterhielt sich mit seinen Kollegen. „Er war interessiert daran zu sehen, was für ein Typ Billy ist, und wollte ein Gefühl für die ganze Mannschaft bekommen“, erinnert sich David Rinetti, der seit 30 Jahren im Baseball-Geschäft ist und Vizepräsident für die Abwicklung aller Angelegenheiten im Stadion ist. „Er stellte viele Fragen und war sehr beeindruckt von der Kameraderie der Menschen, die für den Sport arbeiten. Er wollte wissen, wie die Leute miteinander umgehen, und war begeistert von dem, was er zu sehen bekam.“

Miller merkt an, dass sich die Charaktermerkmale von Beane und Pitt nicht groß voneinander unterscheiden. „Billy ist ein Mann, der kein Risiko scheut, und ich würde sagen, Brad Pitt steht ihm in nichts nach“, sagt der Regisseur. „Ich glaube, es bereitet ihm große Genugtuung, sich in Filme wie diesen zu verbeißen.“

Pitt war fasziniert von Beanes merkwürdiger persönlicher Regel, sich die Spiele seiner Mannschaft niemals live im Stadion oder im Fernsehen anzusehen. Beane erklärt diese Marotte folgendermaßen: „Wenn man Entscheidungen trifft, die langfristig über die Dauer von 162 Spielen angelegt sind, dann wäre das minuziöse Verfolgen von jedem einzelnen Spiel so, als würde man minütlich seinen Rentenplan überprüfen. Man ist besser beraten, ihn nur jedes Quartal zu checken. Das ist mein ganz objektiver Grund. Aber es gibt auch einen emotionalen Grund: Da ist ein Kampf in mir drin. Ich bin objektiv, aber ich bin auch emotional. Und ich möchte auf gar keinen Fall, dass ich mich in eine Position manövriere, in der ich emotionale Entscheidungen treffe.“

Pitt entdeckte auch, dass sich Beanes Charakter am deutlichsten durch seine täglichen Beziehungen zu seinen engsten Mitarbeitern zutage tritt, vor allem im Umgang mit seinem Geschäftsführungsassistenten – die Figur, die im Film Peter Brand genannt und von Jonah Hill gespielt wird – und dem Field-Manager der A’s, Art Howe, gespielt von Philip Seymour Hoffman.

„Ich denke, Jonah machte etwas ganz Besonderes aus seiner Rolle“, sagt Pitt. „Wir kennen ihn als Komödianten, aber seine Comedy basiert auf Pathos und Menschlichkeit. Hier macht er etwas, was man ihn noch nie hat machen sehen. Es ist eine regelrechte Studie in Zurückhaltung. Es ist eine wirklich mutige, starke, eigenwillige Darstellung. Sie half, eine wunderschöne symbiotische Beziehung zu erschaffen. Billy braucht Pete, weil er Köpfchen hat, und Pete braucht Billy, weil er Türen öffnen kann. Einer ohne den anderen wäre niemals erfolgreich gewesen.“

Über Hoffman in der Rolle Howes sagt Pitt: „Wir hatten wirklich Glück, ihn gewinnen zu können, weil er so fantastisch ist. Ich glaube, ihre von ständigem Streit geprägte Beziehung steht ein wenig dafür, wie neue Ideen immer in den Konflikt mit dem Erprobten treten. Diese beiden werden nie einer Meinung sein – die Frage ist nur, wer von ihnen über mehr Willenskraft verfügt, um sich gegen den anderen durchzusetzen.“

Produktion: Jonah Hill als Peter Brand

Billy Beanes methodisches Umpflügen der Oakland A’s war eine Gemeinschaftsanstrengung. Es stand und fiel mit der Anstellung eines Teams von Wirtschaftsanalysten, die einen neuartigen wissenschaftlichen Ansatz dort einsetzen sollten, wo man beim Baseball traditionell bisher auf Ahnungen und Bauchgefühl vertraut hatte. Um die Essenz dieser Mathegenies einzufangen, deren Anstrengungen den amerikanischen Sport veränderten, erschufen die Drehbuchautoren eine einzelne Figur: Peter Brand.

Brand, von Jonah Hill gespielt, ist ein Ökonom mit Abschluss an einer Elite-Uni, der eine Karriere ausgerechnet als Baseball-Analytiker einschlägt – ein junger Mann, der in eigentlich jedem anderen Bereich automatisch zu den Besten und Hellsten gehören würde, aber in der Welt des Baseball dazu verdammt ist, nicht mehr als ein Außenseiter zu sein. Brand ist es schließlich, der Beane mit dem Konzept des „Moneyball“ vertraut macht und darauf einschwört: Der Wert eines Baseball-Spielers bemisst sich demnach nicht an etwas, das man sehen oder spüren kann, sondern wird mit Zahlen und Statistiken berechnet. Beane ist so überzeugt von diesem ungewöhnlichen Ansatz, dass er Brand von den Cleveland Indians freikauft und ihm freie Hand lässt bei der Bestimmung, wer für die Oakland A’s gekauft werden soll – egal, welche Konsequenzen das haben mag. Fortan befinden sich die beiden Männer auf dem Weg zu einem Frontalzusammenstoß mit allem, was beim Baseball traditionell als hoch und heilig angesehen wird.

„Peter Brand ist ein Außenseiter“, sagt Bennett Miller. „Er ist das Kind einer Eliteuniversität, der Baseball von einer Perspektive betrachtet, die außer ihm niemand hätte haben können. Billy pickt Pete aus einer Büroparzelle in Cleveland und macht seine Zünder scharf.“

Hill kennt man vor allem als Komödianten. Er hieß die Gelegenheit willkommen, sich in eine subtile, dramatische Rolle versenken zu können. Er sah die Figur als Eindringling in die Welt des Baseball, die von einer wahren Liebe für das Spiel angetrieben wird und an ihrer Aufgabe wächst.

„Peter Brand ist ein Typ, den man eigentlich als Milliardär an der Wall Street vermuten würde, aber es ist einfach so, dass er Baseball liebt“, erklärt Jonah Hill. „Wegen seines Hintergrunds bewertet er Spieler anders, als es in diesem System üblich ist. Ihm geht es nur um Fakten. Ihm ist klar, dass es nicht darum geht, wie jemand den Ball wirft, wie schnell er rennt oder wie er aussieht. Ihm geht es nur darum, wie oft er eine Base erreicht.“

Das mag Brand logisch erscheinen. Für den Rest der Baseball-Welt ist die Sichtweise aber Ketzerei, die Bedrohung einer großen und bewährten Tradition. „Die Reaktion ist ganz natürlich“, meint Hill. „Immer, wenn man versucht, Dinge zu ändern, wird man auf Leute vorangegangener Generationen stoßen, die sich darüber aufregen, speziell wenn man sich hinstellt und sagt, dass ihre Arbeitsweise unproduktiv ist. Man kann schon verstehen, warum sie denken: ,Was bildet sich dieser Junge mit seinem Computer ein, dass er mir erzählt, wer die Spieler sein sollen?‘“

Beane und Brand könnten als Typen kaum unterschiedlicher sein; eine Gemeinsamkeit aber eint sie, sagt Hill: „Für beide Männer gilt: Sie gegen die Welt. Es sind zwei Männer mit dem Rücken zur Wand, die den Mumm haben, für das, woran sie glauben, zu kämpfen.“

Das Zusammenspiel, das sich in der Partnerschaft von Beane und Brand entwickelt, ist ein Spiegel der Themen der Geschichte, in der es um die verzwickten Algorithmen geht, mit denen sich der Wert von Menschen und Erfolgs berechnen lassen soll. Rachael Horovitz merkt an: „Billy und Peter komplimentieren einander, aber da ist auch eine subtile, gesunde Eifersucht mit von der Partie. Die einfache Tatsache, dass Peter eine hervorragende Erziehung genossen, sein ganzes Leben noch vor sich und noch keine folgenschweren Fehler gemacht hat. Das sind Gegebenheiten, die in ihrer Beziehung immer eine Rolle spielen. Billy ist sich dieser Umstände immer bewusst und spricht sie auch an, als die beiden in einer Sackgasse stecken. Auf der anderen Seite steht fest, dass Peter niemals für die Mets oder eine andere Mannschaft spielen wird. Und man sieht es ihm einfach an, dass ihn das schmerzt, tief in sich drin.“

Als sich Billy und Peter zusammenschließen und ihre Theorien bei der Zusammenstellung einer Mannschaft in die Tat umsetzen wollen, widersetzt sich in ihnen der Field-Manager der A’s, Art Howe, kategorisch. Traditionell fällt es ihm zu, die Mannschaft aufzustellen und die Strategie auf dem Platz auszuarbeiten. Philip Seymour Hoffman, der einen Oscar® für seine Darstellung des legendären Schriftstellers Truman Capote in Bennett Millers Spielfilmdebüt, Capote (Capote, 2005), gewann, spielte Howe als Mann, der so eng in das Baseball-Establishment eingebunden ist, dass er nicht in der Lage ist, über den eigenen Tellerrand zu blicken.

Billy Beane hatte großen Spaß, Hoffman bei seiner Darstellung zuzusehen. „Philip hat eine einzigartige Präsenz vor der Kamera und das trifft sicherlich auch auf Art zu. Er ist ein Meter neunzig groß, in hervorragender körperlicher Verfassung und verfügte über ein beeindruckendes Auftreten, und Philip brachte auch das hervorragend rüber.“

Hoffman schreibt es der kreativen Atmosphäre beim Dreh zu, dass die Beziehungen im Film eine so wahrhaftige Reibung hatten. „Bennett führte alle Beteiligten mit strenger Hand“, erzählt er. „Die Proben, bei denen Brad, Jonah, Bennett und ich in einem Raum zusammen waren und die Szenen ausarbeiteten, waren überaus befriedigend. Gleichzeitig war es immer so, dass man spürte, wie wir einander herausforderten und zu Höchstleistungen antrieben.“

„Phil ist ein alter Freund – wir unterhalten uns oft darüber, was wir gerade planen oder machen“, sagt Bennett Miller. „Natürlich redeten wir auch über DIE KUNST ZU GEWINNEN – MONEYBALL, aber nicht als einen Stoff, den wir gemeinsam umsetzen wollten, weil er eigentlich eine andere Rolle am Start hatte. Dann stellte sich heraus, dass dieser Stoff verschoben werden musste. Und er fragte mich, ob ich bereits einen Schauspieler für Art Howe gefunden hätte. Das hatte ich noch nicht, er sagte, dass er Lust darauf hätte, und ich meinte: Klasse. Das war alles. Wenn er etwas machen will, warum würde man dann nein sagen?“

Robin Wright, die eine Nominierung für einen Golden Globe für ihre Leistung in Forrest Gump (Forrest Gump, 1994) erhalten hatte und aktuell in David Finchers The Girl With the Dragon Tattoo (Verblendung, 2011) zu sehen ist, übernahm die Rolle von Beanes Exfrau Sharon, die mit ihm zusammen war, als er als eines der heißesten Baseball-Talente gehandelt wurde. Sie hat wieder geheiratet und teilt sich mit Billy das Sorgerecht für ihre gemeinsame Tochter Casey, gespielt von Kerris Dorsey, die die Laufbahn ihres Vaters gespannt mitverfolgt.

Produktion: Die Besetzung des Teams

Als es um die Besetzung der Spieler der Mannschaft der Oakland Athletics von 2002 ging, richtete Bennett Miller den Fokus auf die möglichst nüchterne und naturalistische Darstellung der Baseball-Action. Deshalb war für ihn klar, dass er echte Spieler besetzen wollte, die über das nötige Schauspieltalent verfügen. Früh holten die Filmemacher Michael Fisher, der zuvor schon an Filmen wie The Blind Side (Blind Side – Die zweite Chance, 2009) oder Remember the Titans (Gegen jede Regel, 2000) gearbeitet hatte, als Baseball-Koordinator des Films an Bord. Seine Aufgabe war es, eine Besetzung zu versammeln, trainieren und choreografieren, um die Spiele der A’s bis ins letzte Detail authentisch nachstellen zu können.

Anders als das stargepickte Team von 2001 war die Mannschaft von 2002 ein bunt zusammengewürfelter Haufen mit vielen Ecken und Kanten, aber genau das führte zu einer Einigkeit, die eine wichtige Rolle dabei spielte, dass sie eine rekordverdächtige Spielserie mit mehr Siegen in Folge hinlegen konnten, als irgendeine Mannschaft vor ihnen. „Das Team von 2002 war absolut von einem ganz besonderen Mannschaftsgeist geprägt“, merkt Billy Beane an. „Es war unfassbar, wie schnell sie zusammenfanden, als Reaktion darauf, dass sie gehört hatten, man erwarte, dass sie sicher einen der hintersten Plätze belegen und es niemals in die Playoffs schaffen würden. Jungs wie Scott Hatteberg und David Justice hatten schnell einen Draht zueinander. Ich glaube, sie hatten das Bedürfnis, sich selbst und der Welt etwas zu beweisen, weil sie die Nase voll davon zu hatten zu hören, dass all die wirklichen Stars das sinkende Schiff verlassen und lukrative Angebote von anderen Vereinen angenommen hatten. Das war ein guter Antrieb für sie und schweißte die verbliebenen A’s zusammen.“

Nach genau diesem Geist suchten die Filmemacher bei ihrer Besetzung. „Der Besetzungsprozess war ziemlich aufwendig“, erinnert sich Fisher. „Wir haben etwa 750 Jungs für den Film vorsprechen lassen. Wir wussten, dass der beste Weg wäre, den Film authentisch aussehen zu lassen, wenn wir einfach die besten Jungs besetzen, die sich auftreiben lassen.“ Viele der Männer, die ausgewählt wurden, haben zuvor in der Minor League gespielt, zwei von ihnen, Royce Clayton, der Miguel Tejada spielt, und Derrin Ebert, der als Mike Magnante zu sehen ist, kommen aus der Major League. Der Höhepunkt von Claytons Karriere war der Gewinn der World Series mit den Boston Red Sox, bei denen er als Shortstop gespielt hat.

Die Filmemacher besetzten außerdem mehrere professionelle Baseball-Scouts, um mit einigen erfahrenen Schauspielern die Scoutabteilung der A’s zu komplettieren. Dazu gehören der ehemaliger Spieler und Manager Ken Medlock (der als Scouting-Direktor Grady Fuson zu sehen ist), der legendäre Scout Phil Pote, Los-Angeles-Dodgers-Scout Artie Harris sowie die Baseball-Coaches und -Manager George Vranau und Barry Moss. Die Schauspieler Glenn Morshower, Jack McGee, Nick Searcy, Vyto Ruginis, Bob Bishop und Chris Lee stießen noch dazu.

Beane gefiel es, dass die Filmemacher so viel Wert auf Authentizität legten. „Sie achteten bei der Besetzung der Jungs mit einem echten Hintergrund als Spieler auf jedes Detail. Sie sehen aus wie echte Athleten“, meint er. „Ich fand Chris Pratt als Scott Hatteberg einfach fantastisch. Es bewegte mich sehr, als ich entdeckte, dass er sich einige der echten Manierismen angeeignet hatte. Er ahmte sogar den säbelbeinigen Gang Scotts nach. Sein ganzes Gehabe wirkte wie echt. Bei jeder Geste nickte ich und sagte: ,Stimmt, genauso würde Scott das machen.‘ Es ist ziemlich schwierig, das richtig hinzukriegen. Aber ich war sehr beeindruckt – und ich habe jahrelang mit Scott gearbeitet.“

Produktion: Das Training

Der Höhepunkt der Baseball-Action von DIE KUNST ZU GEWINNEN – MONEYBALL kommt in Spiel 20, als die Oakland A’s einen neuen Rekord für die American League mit 20 Siegen in Folge aufstellten – und das mit einem Gewinn in buchstäblich allerletzter Minute, der längst zu den großen Baseball-Legenden gehört. „Zurückblickend ist es unglaublich surreal, wie man 20 Mal in Folge ins Stadion kommen konnte, ohne schlecht gelaunt sein zu müssen“, überlegt Billy Beane. „Selbst heute ist es immer noch schwer zu fassen, dass dies etwas ist, was diesem Club gelungen ist. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich so etwas in meiner Laufbahn als Geschäftsführer noch einmal erleben werde.“

Um jeden Wurf und jeden Schlag des legendären Spiels exakt nachzuempfinden, ließ Baseball-Koordinator Michael Fisher eine rigorose Abfolge von Trainingslagern, Ausbildungseinheiten und Proben auf den Spielfeldern diverser Colleges in der Umgegend von Los Angeles absolvieren. Stets ging es darum, eine ideale Mischung aus peniblen Details aus der Vergangenheit und dem Gefühl, sich genau in diesem Moment zu befinden, zu erzielen. „Wenn ich normalerweise an einem Sportfilm arbeite“, berichtet Fisher, „lasse ich mir die Action komplett einfallen. Aber in diesem Fall folgten wir Spiel 20 so exakt wie möglich.“

Er erzählt weiter: „Aufgrund der Popularität von Sportsendern wie ESPN oder Fox Sports erwartet das Publikum von heute, dass die Sportszenen in einem Sportfilm absolut authentisch wirken. Wir mussten also darauf hinarbeiten, eine perfekt geölte Maschine zu werden. Dabei mit echten Profispielern zu arbeiten, war sicherlich hilfreich.“ Zur Unterstützung holte Fisher den ehemaligen USC-Baseball-Coach Chad Kreuter und UC-Irvine---Coach Mike Gillespie an Bord, die weiter an der Technik der Schauspieler und der Choreografie feilten. (Außerdem übernahmen sie kleine Rollen im Film: Kreuter sieht man als Werfer-Coach Rick Peterson und Gillespie als Bank-Coach Ken Macha.)

Während des Trainings wurde ein besonderes Augenmerk auf den einen Schauspieler gelegt, der über keinerlei professionelle Baseball-Erfahrung verfügte: Chris Pratt, der die entscheidende Rolle des Scott Hatteberg übernahm, musste sich ordentlich anstrengen. Er musste zwölf Kilo abnehmen, musste lernen, den Baseball-Schläger mit der linken Hand zu schwingen, wie Hatteberg es getan hatte, und er musste sich beibringen lassen, wie man First Base spielt, genau wie es auch seiner Figur im Film geht. Aber er stürzte sich ohne zu zögern in seine Aufgabe. „Chris Pratts Wachstum als Baseball-Spieler war ziemlich beeindruckend“, sagt Fisher. „Er hängt sich wirklich rein. Er schwang eine Million Mal, bis er Blasen an den Händen hatte. Aber das Resultat ist eine fantastische Leistung im Film.“

Pratt sagt: „Ich hatte seit meinem ersten Jahr an der Highschool nicht mehr Baseball gespielt, aber diese Erfahrung hat meine Leidenschaft für den Sport neu entfacht.“

Als die Schauspieler mit ihrem Training loslegten, begann Jodi Tripi, die für die Sammlung von Archivaufnahmen Verantwortung trug, über Wochen hinweg immer neuem Archivmaterial aus einer Vielzahl von Quellen nachzujagen, um Bennett Miller ständig Material zur Inspiration vorlegen zu können. Tripi arbeitete eng mit Nick Trotta von Major League Baseball zusammen, um Rechte zu sichern und Zugang zu den Filmaufnahmen der Liga für die komplexen Baseball-Montagen, die sich durch den ganzen Film ziehen, bekommen. Besonders viel Aufmerksamkeit wurde natürlich dem 20 Spiele währenden Siegeszug gewährt. Andere Aufnahmen, wie Bewegtbildmaterial von Kevin Youkilis, dem „Greek God of Walks“, aus dessen Minor-League-Tagen im Jahr 2001, konnte Tripi mit Hilfe von Videoclips sichern, die Zuschauer mit ihren eigenen Kameras von der Tribüne aus geschossen hatten.

„Wir konnten auf ein Archiv von Sendungen zurückgreifen – nicht nur, um uns bei der Choreografie zu helfen, was auf dem Spielfeld geschah, aber auch um die entsprechenden Aufnahmen in den Film hineinschneiden zu können“, erklärt Miller. „Wir wollten uns eng an das halten, was wirklich geschehen war. Weil das, was tatsächlich passierte, schließlich so völlig unglaublich war, war es wichtig zu kommunizieren, dass es sich tatsächlich um echte Ereignisse handelt. Also schnitten wir immer wieder Archivmaterial in den Film.“

Produktion: Das Design

Der Baseball-Film hat eine fast so lange Geschichte wie der Sport selbst, aber Bennett Miller wollte dennoch, dass DIE KUNST ZU GEWINNEN – MONEYBALL einen visuellen Stil hatte, der seinem mutigen und absolut zeitgemäßen Thema und Motiven entsprach. Der Look des Films sollte nicht nur den aufregenden Thrill der Ballspiele reflektieren, sondern auch das etwas abgründigere Motiv, neue Wege zum Erfolg zu finden – ein Gebiet voller dunklerer Schattierungen wie Angst, Konflikt, Besessenheit, Bedauern und Streben, die die sonnigere Seite des Sports überlagern.

Um das zu erzielen, arbeitete Miller mit einem Team zusammen, zu dem Kameramann Wally Pfister, am meisten bekannt für die sechs Filme, die er für den Regisseur Christopher Nolan gemacht hat, und ein Oscar®-Gewinner für seine Arbeit an Inception (Inception, 2010), der Oscar®-nominierte Szenenbildner Jess Gonchor und Kostümdesignerin Kasia Walicka Maimone gehören. Die beiden hatten mit Miller bereits an dessen Spielfilmdebüt Capote (Capote, 2005) gearbeitet.

Für die Fotografie war Miller einem schonungslosen, ehrlichen Naturalismus zugeneigt. „Bennett hat einen präzisen, wohl durchdachten Stil, der einem die Geschichte weniger erzählt; vielmehr beobachtet er sie“, merkt Michael De Luca an. „Bennett behandelt Billys und Peters Dilemma – das Zusammenstellen der fehlenden Stücke eines Teams, um die Saison als Gewinner zu beenden – wie ein Forensiker; genau wie Capote die forensische Studie eines Geheimnisses war, bei dem man die Indizien zusammen setzen musste, um eine Antwort zu erhalten.“

Wally Pfister suchte nach seinen eigenen stilistischen Indizien in der Arbeit, die Gordon Willis in den 70er-Jahren geleistet hatte – der Kameramann der Kameramänner, zu dessen beeindruckender Filmografie ewige Klassiker wie The Godfather (Der Pate, 1972), The Godfather, Part II (Der Pate, Teil II, 1974), The Parallax View (Zeuge einer Verschwörung, 1974) und All the President’s Men (Die Unbestechlichen, 1976) gehören. Willis’ schraffierte, grob gestrickte und vielschichtige Bilder – Bilder, die auf ganz subtile Weise in ihrer Textur auf die trübe, moderne Suche nach Bedeutung zu verweisen scheinen – wurden für die Produktion zum steten Quell der Inspiration.

„Gordon Willis ist ein ewiger Filmheld, meint liebster Kameramann, es war also lustig, dass viele der Filme, die Bennett mir als Referenz mit auf den Weg gab, von ihm gedreht worden waren“, merkt Pfister an.

Pfister und Miller sahen sich auch weitere Filme dieser Ära an, vor allem Milos Formans One Flew Over the Cuckoo’s Nest (Einer flog übers Kuckucksnest, 1975), bei dem Haskell Wexler Kameramann war. „Diese kantigen Filme hatten nicht nur einen fotografischen Look, den wir interessant fanden, uns gefiel auch das Design und ihr Tempo“, sagt Pfister.

„Wally kommt von der Dokumentation“, erklärt Miller. „Er hat als Nachrichtenkameramann angefangen – das war die Welt seines Vaters. Er ist großartig im Umgang mit natürlicher Kulisse und natürlichem Licht. Philosophisch gesprochen, kommt er gerne zu einer Situation dazu und steigt ein, anstatt sie neu zu erfinden. Er gab dem Film eine Flexibilität, die es uns erlaubte, mit einem Non-Fiction-Ansatz zu spielen, wenn wir es für richtig hielten.“

Um der bedeckenden, kontrastreichen Ausleuchtung der Ära zu entsprechenden, leuchtete Pfister eine Reihe der Schlüsseldrehorte des Films – das Clubhaus der A’s, das Front Office und die Parkgarage, in der Billy und Peter ihr erstes wirkliches Gespräch haben – mit grellem, fluoreszierenden Licht aus. „Das schien nicht nur für die Fotografie ideal zu sein, sondern auch für das Erzählen der Geschichte“, meint Pfister.

Pfister verlieh der Baseball-Action eine ganz unverkennbare, subtil expressionistische Sensibilität. „Wenn man sich eines dieser Stadien während eines Abendspiels ansieht, dann sind grundsätzlich immer alle Flutlichter eingeschaltet, damit die Fernsehkameras, die Fans im Stadion und die Fans vor dem Fernseher auch wirklich alles sehen können. Ich wollte unsere Bilder etwas stimmungsvoller gestalten, also ließ ich die Hälfte der Flutlichter ausschalten“, erläutert der Kameramann. „So erhielten wir ein etwas kantigeres Licht. Ich habe das mit viel Vernunft geplant und versuchte eine Formel zu finden, wie ich alles etwas dunkler machen konnte, aber immer noch der Realität eines Baseball-Spiels bei Nacht verbunden blieb. Ich setze Dunkelheit sehr gerne ein, für das Drama und für die Stimmung.“

Früh wurde die Entscheidung getroffen, den Film auf 35 mm zu drehen. „Ich hatte das starke Bedürfnis, wirklich auf Film zu drehen anstatt auf Video, weil dieser Film die Seele und Tiefe hat, diese Geschichte so zu erzählen, wie Bennett sie erzählen wollte“, fasst Pfister zusammen.

Für Szenenbildner Jess Gonchor, der jüngst eine Oscar®-Nominierung für die Ausstattung des Westerns True Grit (True Grit, 2010) von den Coen-Brüdern erhalten hatte, bei dem er das Arizona des 19. Jahrhundert zu Leben erweckte, war die Aufgabe ähnlich: Er musste die Grenze finden, an der Authentizität und Drama zusammenlaufen. „Dies ist eine wahre Geschichte, es ist wirklich passiert, sie ist Teil der Historie“, merkt Gonchor an. „Der Schlüssel zum Design war also, immer im Hinterkopf zu behalten, wer die A’s sind, was ihre finanziellen Möglichkeiten sind und wie der Zustand ihrer Einrichtungen ist. Aber es gab natürlich auch Mittel und Wege, dass wir der Ausstattung einen Stil verleihen konnten, eine dramatische Vision.“

Der Regisseur stimmt zu. „Es ist schwierig, Jess’ Leistung zu würdigen“, sagt Miller. „Dies ist kein Fantasyfilm, wo er seiner Fantasie freien Lauf hätte lassen und sich einfach etwas hätte einfallen lassen können. Stattdessen musste er so etwas wie ein Haiku-Design entwerfen – es musste der Wahrhaftigkeit der Geschichte entsprechen und die Welt, in der sie spielt, glaubhaft machen. Gleichzeitig musste er den Ton und die Atmosphäre kommunizieren, der zur Geschichte passt. Das ist eine wenig dankbare Aufgabe, aber von entscheidender Bedeutung – entweder vertraut man dem Film oder eben nicht.“

Um der erwarteten Authentizität gerecht zu werden, ging Gonchor direkt an die Quelle. „Dass wir von Major League Baseball und den A’s unterstützt wurden, war gewaltig“, sagt Gonchor und verweist auf Unmengen von Filmmaterial und Fotos, die ihm zur freien Verfügung gestellt wurden. „Wir konnten außerdem viel Zeit im Coliseum verbringen, auf dem Spielfeld, im Umkleideraum, im Fitnessraum, in Arts Büro. Sie öffneten uns alle Türen.“ Weil ihnen daran gelegen war, dass dem Publikum eine Darstellung ihres Sports präsentiert würde, die so realistisch wie nur möglich ist, arbeitete Major League Baseball eng mit Gonchor und der künstlerischen Abteilung zusammen. Absolute Authentizität sollte erzielt werden, von den akkuraten Darstellungen der Clubhäuser hin zum Einsatz der richtigen Handschuhe, die beim Schlagen getragen werden.

Der Anker für das Design war das Clubhaus der A’s. Das Innere errichteten Gonchor und sein Team von Grund auf in einer Bühnenhalle, weil sich das Original im Verlauf des letzten Jahrzehnts massiv verändert hatte. Ihre Arbeit betonte die klaustrophobische Atmosphäre, wie man sie in einem Unterseeboot vorfindet. „Man kommt aus der Offenheit des Spielfeldes in dieses unterirdische Höhlenlabyrinth aus Beton“, erklärt Gonchor. „Diese Stimmung findet im ganzen Set ihr Echo.“

Beane war beinahe erschrocken, als er den Neubau seines alten Arbeitsplatzes erstmals betrat. „Es war unglaublich. Der Hintergrund war mit so vielen Details vollgestopft, wie das Bild von Joe Strummer von The Clash, das man in meinem Büro sieht. Man denkt, die besuchen einen gerade einmal 15 Minuten lang, aber man merkt gar nicht, dass sie sich wirklich jede noch so kleine Kleinigkeit notieren. Wir sind kein besonders formaler Haufen und wir sind ziemlich spontan. Es ist ihnen großartig gelungen, dieses Umfeld einzufangen, das damals existierte – und heute auch noch.“

Gonchor und seine Setdekorateurin Nancy Haigh näherten sich der Ausgestaltung des Umkleideraums, der das Allerheiligste der Spieler darstellt, mit einem ungewöhnlichen Ansatz. Anstatt ein statisches Set zu erschaffen, erlaubten sie es dem Raum, sich entwickeln zu können, im Verlauf des sechswöchigen Innendrehs immer eingelebter zu wirken. Sie ermutigten die Besetzung, den Raum genauso zu benutzen und abzunutzen, wie es richtige Spieler tun würden. Im Gewichtraum sollte geschwitzt werden. Nach Ende der Arbeit sollten sie dort wie Kumpels herumhängen. Sie durften die Einrichtung sogar nach Lust und Laune neu arrangieren. „Die Idee war, dass sich das Set nach ein paar Tagen oder Wochen wie ein richtiger Ort anfühlen sollte“, erläutert Gonchor.

Die einzelnen Büros sollten der jeweiligen Persönlichkeit ihres Bewohners entsprechen. „Alle Sets ließen sich davon inspirieren, wer die Figuren als Menschen sind“, beobachtet Gonchor. „Billy geht immer auf und ab, ist ständig in Bewegung, also ist sein Büro unordentlich und durcheinander. Peter ist ein Computer-Typ, also ist alles extra sauber und super aufgeräumt. Und Art Howe ist wie ein Feldmarschall, der Kapitän des Schiffs, also wirkt sein Büro militärisch und korrekt.“

Tief im Inneren des Clubhauses befindet sich eines von Gonchors Lieblingssets: der Scouting-Room – ein sparsamer, an ein Verlies erinnernder, unterirdischer Betonblock, an dessen Wänden weiße Tafeln mit Spielerlisten angebracht sind. Für Beane und Brand ist das ihr Kriegsraum. „Von dem Raum geht eine kalte Atmosphäre aus“, sagt Gonchor. „Mich erinnert er an ein Verhörzimmer. Damit betonen wir die Tatsache, dass das Team nur über ein geringes Budget verfügt und sie etwas auf eine neuartige Weise aus dem Boden stampfen mussten. In diesen alten Bunker hält also ein Junge mit einem Computer Einzug – ein Zusammenprall der Welten, die miteinander verschmelzen.“

Eine ähnliche Stilmischung strebte auch Kasia Walicka Maimone an, die zuvor bereits die Kostüme für Millers Capote (Capote, 2005) sowie viele seiner Werbespots und Musikvideos entworfen hatte. Für die Trikots der A’s verpflichtete sie den erfahrenen Sportkostümdesigner Edward T. Hanley, der eng mit Robin Jaffe von Major League Baseball arbeitete, um sicherzustellen, dass jeder Schauspieler sein authentisches Trikot exakt so trug, wie es der Spieler getan hatte, den er darzustellen hatte. Hanley, der vor seiner Zeit beim Film professionell Sporttrikots herstellte und bereits an Filmen wie Little Big League (Little Big Boss, 1994), Any Given Sunday (An jedem verdammten Sonntag, 1999), Rudy (Touchdown, 1993) oder Jerry Maguire (Spiel des Lebens – Jerry Maguire, 1996) gearbeitet hatte, kümmerte sich um alle Trikots des Films, von obskuren Teams der Minor League bis hin zu den New York Yankees oder Kansas City Royals. „Ed verfügt über beste Kontakte zu Major League Baseball“, merkt Maimone an. „Er weiß perfekt Bescheid über das Regelwerk des Verbands, was sich in unserem Film widerspiegelt.“

Für die Hauptfiguren des Films hatte Maimone eine offenere Palette zur Verfügung. Für Billy Beane wollte sie „den ikonischen Look eines Helden erschaffen, der die Regeln der bestehenden Ordnung bricht“. Maimone sagt, dass sie sich dafür nicht nur von dem echten Billy Beane inspirieren ließ, sondern auch intensiv führende Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts recherchierte, von legendären Baseball-Managern hin zu wissenschaftlichen Innovatoren wie Albert Einstein. „Es gibt da einen ganz gewissen Look, der Menschen, die als Ikonen der Gesellschaft gewertet werden, auszeichnet. Wir mussten unsere Figur darin sozusagen einweichen lassen“, sagt sie. „Uns standen alle nur erdenklichen Informationen über den echten Billy Beane zur Verfügung, aber ich würde sagen, dass mich ein exaktes Porträt nicht sonderlich gereizt hätte. Die Realität war nur eine Grundlage, auf der wir unsere kreative Arbeit aufbauen konnten.“

Ihre Idee von Beane war die eines mutigen kulturellen Provokateurs. Maimone sagt: „Ich fand, dass Billy innerhalb der Sportwelt als ausgesprochen männlicher Typ funktionieren musste, der sich nicht um seine äußerliche Erscheinung oder Mode schert. Mein Ziel war, den Look eines Mannes zu erschaffen, der vor unseren Augen scheinbar mühelos zu einem ikonischen Mythos heranwächst und das auch ausstrahlen musste.“

Peter Brand sollte einen scharfen Kontrast zu Billy Beane darstellen. Für ihn überlegte sich Maimone einen konservativen Look, der auf seiner Ausbildung an einer Elite-Universität basiert. Sie erklärt: „Für Peter sahen wir uns die Kleidung an, die von Studenten in Yale und anderen Elite-Unis getragen wird. Während Billy von der Baseball-Welt inspiriert ist, ist Peters Look betont preppy, betont Brooks Brothers.“

Maimone erzählt weiter: „Peter trägt seine Kleidung wie eine Rüstung, die ihn schützt. Deshalb sieht er immer ordentlich und adrett aus. Nur manchmal überkommt ihn der Impuls, ein bisschen wie Billy Beane sein zu wollen, so selbstsicher, mühelos, lässig – und manchmal fast gefährlich. Ihre Unterschiede und die Kombination der beiden, das macht die Sache so effektiv.“

Miller sagt: „Kasias Herausforderung bei diesem Film war der von Jess Gonchors Szenenbild nicht unähnlich. Sie musste aus der limitierten Palette, die die realen Menschen dieser Geschichte anbieten, Kostüme destillieren, die glaubwürdig waren, aber auch ein Design herausarbeiten, das größer war als seine Einzelteile – sie musste die Elemente verwenden, um etwas zu kommunizieren, das mehr ist als nur glaubwürdig – es sollte eine Stimmung vermitteln.“

Produktion: Auf dem Spielfeld

DIE KUNST ZU GEWINNEN – MONEYBALL wurde in fünf verschiedenen Baseball-Parks gedreht, darunter das Dodgers Stadium und Fenway Park sowie das Blair Field der California State University Long Beach und das Stengel Field des Glendale Community College. Aber die Hauptattraktion war der Dreh im Oakland-Alameda County Coliseum, Heimat sowohl der Oakland A’s wie auch der Footballmannschaft der Oakland Raiders. Das 60.000 Zuschauer fassende Stadion kam bei den meisten Szenen der Spiele der Saison 2002, darunter ihre 20 Spiele umfassende Siegessträhne, zum Einsatz.

Kameramann Wally Pfister sagt: „Das Oakland Coliseum kann man als weitere Hauptfigur des Films betrachten, diese alte Seele, dieses alte Schlachtschiff, das schon so viele Spiele gesehen hat und im Mittelpunkt unserer Geschichte steht. Man spürt einen gewissen Respekt, wenn man das Spielfeld betritt und in den Fußstapfen von Legenden wie Reggie Jackson und Catfish Hunter wandelt. Es fühlt sich an wie geweihter Boden.“

Für die Veteranen der A’s war es ein Riesenspaß, sich auf eine Reise in der Zeitmaschine zu begeben. Billy Beane meint: „Als ich den Film sah, war ich wieder mitten drin in der Siegessträhne und erinnerte mich an die Massen, die im Coliseum jubelten. Ich fand immer schon, dass wir ausgesprochen kreative Fans haben, schon damals in den 70ern, die Sachen, die sie tragen, und die Schilder, die sie hochhielten. Es war großartig, es auf die Weise wieder zu Leben erweckt zu sehen, wie es für diesen Film gemacht wurde.“

David Rinetti, der die Spiele 2002 ebenfalls miterlebt hatte, erinnert sich: „Es war Wahnsinn, die Jungs auf das Spielfeld marschieren zu sehen. Sie machten das großartig, denn als die Schauspieler vorbeigingen, dann war das so, als würde man wirklich David Justice, Scott Hatteberg oder Barry Zito sehen. Sie sahen einfach verdammt echt aus.“

Auch „Moneyball“-Autor Michael Lewis empfand seinen Besuch des Coliseum-Sets als zutiefst bewegend. „Alles ist heute ein bisschen anders. Es also noch einmal so zu erleben, wie es 2002 war, war tatsächlich ein bisschen unheimlich“, gesteht er. „Mein erster Besuch des Drehs war die Szene, in der sie Scott Hattebergs Homerun drehten. Es war der bei weitem unglaublichste Gänsehautmoment, den ich bei meiner Arbeit an dem Buch hatte. Ihn auf diese Weise zu Leben erweckt zu sehen, war gespenstisch. Die Gelegenheit, noch einmal miterleben zu dürfen, was ich als aufregendes Erlebnis als Reporter empfunden hatte, war einfach Spitzenklasse.“

Selbst die Musik war dieselbe. Wie damals trat der virtuose Gitarrist Joe Satriani, der aus der Bay Area stammt, an, um noch einmal seine Version der amerikanischen Nationalhymne zum Besten zu geben, wie er sie bei der Saisoneröffnung 2002 gespielt hatte – er benutzt dafür sogar wieder den originalen Chrom-Prototyp einer Ibanez-Gitarre, den er 2002 zum Einsatz gebracht hatte.

Einem örtlichen Aufruf für Statisten folgten mehr als 1000 Bewohner der Bay Area, die zuverlässig jeden Tag auftauchten, um die Fans der Athletics darzustellen und für das entsprechende Anfeuern der Mannschaft während der nachgestellten Spiele zu sorgen. Außerdem wurden sie als Spielerfrauen, Medienvertreter und Verkäufer gecastet.

Besetzung und Stab erhielten bei dieser Gelegenheit – sowie bei einer Reihe weiterer während der gesamten Produktion – Besuch von Angestellten von Major League Baseball, die als Berater am Drehort fungierten und die die kleinsten Details unter die Lupe nahmen, um historische Genauigkeit zu gewährleisten.

Der Eindruck, den das Erlebnis bei allen Beteiligten hinterließ, war gewaltig – es war, als würde man die Essenz der Geschichte, ihren Herzschlag, unmittelbar spüren. Chris Pratt fasst zusammen: „Ich würde es als beinahe spirituelle Erfahrung beschreiben, in voller Montur das Spielfeld mit seinem penibel hergerichteten Rasen zu betreten, dieses klassische Stadion, man spürt, wie viel Arbeit da drinsteckt, von den Jungs im Front Office hin zu der Armada von Leuten, die mit der Instandhaltung betraut ist. Ein wunderbares Gefühl.“

Für Billy Beane ist dieses Gefühl immer noch ein integraler Bestandteil seiner alltäglichen Arbeit. Bis heute ist er Manager und minoritärer Besitzer der Oakland Athletics, wenngleich immer noch umgeben von nicht enden wollenden Kontroversen und Debatten. Regisseur Bennett Miller findet, dass DIE KUNST ZU GEWINNEN – MONEYBALL ein Film für jede Art von Fan ist. „Der Film respektiert und schätzt, worum es bei diesem Sport geht. Der Film ehrt die Wissenschaft und das Geheimnis, das wohl nie völlig geknackt werden kann“, erklärt er. „Es wird nie eine Formel geben, die dieses Spiel völlig berechenbar machen kann. Es wird immer eine menschliche, unerklärliche, mysteriöse Komponente geben.“

Michael Lewis stimmt zu: „Der Grund, warum dieses Spiel die Emotionen so hochkochen lässt, hat etwas mit der elementaren Verbindung zu tun, die man als Kind mit diesem Sport eingeht. Es hat einen unbestreitbaren Einfluss auf unsere Kultur, speziell wenn sich Gelegenheiten für Underdogs ergeben.“

Die A’s haben in der letzten Dekade Höhen und Tiefen erlebt, und die Spannung zwischen Vergangenheit und Zukunft ist immer noch hoch. Und doch besteht kein Zweifel daran, dass der Einfluss dessen, was 2002 vorgefallen ist, immer noch jeden Tag in den Einwerfbereichen zu spüren ist. Die „Moneyball“-Revolution lässt Menschen in allen möglichen Bereichen des Lebens die Frage stellen: „Was bin ich wert?“

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