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Fakten und Hintergründe zum Film "Die Kinder der Seidenstra?e"

Fakten und Hintergründe zum Film "Die Kinder der Seidenstra?e"
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Produktion: Die Macher

Roger Spottiswoode interessierte sich schon lange für die Geschichte Chinas und hier insbesondere für die 1930er Jahre. „Aber ich wollte einen Film über eine starke zentrale Figur drehen, weniger einen politischen Film über ein bestimmtes Thema“, sagt er. „George Hogg nahm sich einer Gruppe von Kindern an. Was er tat, war in mancherlei Hinsicht viel sinnvoller und mutiger, als im Krieg zu kämpfen. Durch sein Handeln begriff er, dass er nicht auf einem Schlachtfeld kämpfen musste, um ein Held zu sein. Das Heldntum fand er in sich selbst“.

Das Projekt wurde über mehrere Jahre hinweg entwickelt, bis Spottiswoode schließlich Wieland Schulz-Keil mit an Bord holte, einen erfahrenen Filmproduzenten, mit dem er bereits 1994 an dem Film MESMER zusammengearbeitet hatte. Der Oscar-prämierte Produzent Arthur Cohn vervollständigte schließlich das Führungsteam. Arthur Cohn sagt, dass es vor allem die Geschichte der Kinder war, die sein Interesse weckte. „Auch wenn sich zwischen den drei erwachsenen Hauptfiguren ein paar wunderbar emotionale Geschichten entwickeln, so dreht sich die eigentliche Handlung um Kinder in extrem schwierigen Situationen, und das ist es, was die Handlung so menschlich macht“.

Der Bürgerkrieg zwischen Kommunisten und Nationalisten und der Krieg gegen die Japaner, die während der 1930er Jahren gleichzeitig in China tobten und das Land zerrissen, davon waren Spottiswoode, Cohn und Schulz-Keil überzeugt, würden einen einzigartigen Hintergrund abgeben für eine Figur, die auf der Suche nach sich selbst ist.

Produktion: Das Casting

In China wurden die Kinder gecastet, die die 60 Waisenkinder spielen sollten. Arthur Cohn hatte zuletzt mit Kindern am Set von DIE KINDER DES MONSIEUR MATHIEU gearbeitet und davor bei CENTRAL STATION. „Wir waren uns alle einig, dass das Casting dieser Kinder entscheidend sein würde für das Gelingen des Films“, erklärt Wieland Schulz-Keil.

Obwohl der Film auf Englisch gedreht wurde, mussten die Kinder die Sprache nicht sprechen, mit Ausnahme von Shi-Kai. Die Filmemacher besuchten in China zwei Arten von Schulen. In der einen werden die Schüler zu Darstellern für die Peking-Oper ausgebildet, in der anderen werden hauptsächlich Kinder von Wanderarbeitern unterrichtet. Diese Kinder kommen aus sehr armen Familien, und der Schauspielunterricht soll ihnen helfen, sich mit Kindern aus anderen Bevölkerungsschichten zu verständigen und sich in ihrer Gesellschaft zurechtzufinden. „Wir haben uns Hunderte von Kindern angesehen“, so Schulz-Keil, „und sie haben uns alle beeindruckt.“

Chow Yun Fat, einer der bekanntesten Schauspieler Chinas, erklärte schon früh sein Interesse an der Rolle Chens, des chinesischen Partisanenkämpfers, der Hoggs engster Freund wird. „Ich drehte gerade in einer Kleinstadt in der Nähe von Toronto“, erinnert sich Chow Yun Fat, „und Roger Spottiswoode flog dorthin, um mich dort zu treffen. Er sprach sehr leidenschaftlich von seinem Projekt. Als ich das Buch las, beeindruckte und rührte mich Chens Weg sehr und ich gab Roger schnell zu verstehen, dass ich den Film unbedingt drehen wollte“.

Für die Titelrolle engagierten die Produzenten den charismatischen irischen Schauspieler Jonathan Rhys Meyers, der durch Woody Allens MATCHPOINT bekannt geworden war und gerade einen Golden Globe für seine Darstellung des Elvis Presley in dem Fernsehfilm ELVIS gewonnen hatte. „Johnny ist ein waschechter Brite“, so Spottiswoode. „Für mich besaß er genau die richtige Schnittmenge aus Wissen und Nichtwissen, um glaubwürdig in die Welt unseres Films einzutauchen“.

Rhys Meyers räumt ein, dass er im Vorfeld nicht viel über China recherchierte, weil er all das erleben und spüren wollte, was auch Hogg erlebt hatte, als er in Shanghai eintraf – das Gefühl der Fremdheit am Ende der Welt, aber auch die damit einhergehende Exaltiertheit und Aufregung. „Ich wollte mit denselben Dingen konfrontiert werden wie Hogg – sich plötzlich in einer fremden Welt wiederzufinden, weit weg von allem, was man kennt“, sagt Rhys Meyers. Was die Filmstory angehe, so erklärt Rhys Meyers, fühle er sich grundsätzlich zu Geschichten über Beziehungen hingezogen. „Die Intimität von Beziehungen ist es doch, die die wahren epischen Geschichten ausmacht. Gibt es etwas Epischeres, als das menschliche Herz? Es kann alles sein – konstruktiv oder destruktiv, und diese beiden Aspekte erleben wir hier dank der Figuren des Films.“

Für die Rolle von Rhys Meyers Partnerin Lee engagierte man Radha Mitchell, die aus so unterschiedlichen Filmen wie MELINDA UND MELINDA, WENN TRÄUME FLIEGEN LERNEN und SILENT HILL bekannt ist. Radha Mitchell gefiel besonders, „dass die Geschichte von den Opfern des Krieges handelt – davon, was geschieht, wenn man allein und verlassen ist. Jede der erwachsenen Hauptfiguren ist auf der Suche und sehnt sich nach einem Stück Heimat und einem Platz im Leben, und genauso ergeht es auch den Kindern.“

Roger Spottiswoode hatte bereits bei JAMES BOND 007 – DER MORGEN STIRBT NIE mit Michelle Yeoh zusammengearbeitet, einer langjährigen Bekannten Arthur Cohns. Der Star aus China, weltweit gefeiert für ihre großartigen Leistungen in Filmen wie TIGER & DRAGON und MOONLIGHT EXPRESS, reagierte begeistert, als Spottiswoode ihr die Rolle der Madame Wang anbot. „Er sprach mit mir ausführlich über die Geschichte des Films, voller Leidenschaft und Vitalität“, erinnert sie sich. „Ich las das Drehbuch und konnte mich sofort mit Madame Wang identifizieren. Sie ist so typisch für das China jener Epoche, eine Witwe, die gegen jede Chance überleben will.“

Wenige Wochen vor Drehbeginn waren einige Nebenrollen noch nicht besetzt. Der australische Schauspieler David Wenham (DER HERR DER RINGE) wurde gefragt, ob er die Rolle des Kriegskorrespondenten Barnes übernehmen wollte. Weil man seine Drehtage auf einen kurzen Zeitraum komprimierte, konnte er die Rolle spielen, bevor die Proben zu Baz Luhrmanns Epos AUSTRALIA begannen.

Weltweit wurde nach dem Darsteller von Shi-Kai gesucht, dem 16-jährigen Anführer der Waisenjungen. „Wir suchten in Toronto, Vancouver, den USA und London und fanden unseren Darsteller schließlich mit Guang Li, einem Schüler aus Sydney“, erinnert sich Spottiswoode. „Er ist sehr talentiert, äußerst intelligent und besitzt eine unglaubliche interessante Ausstrahlung. Wir hatten uns rund 100 Kinder angesehen. Als wir ihn fanden, waren wir alle enorm erleichtert“. Guang Li, der fließend Englisch und Mandarin spricht, ist in dieser Rolle zum ersten Mal auf der Leinwand zu sehen.

Produktion: Die Drehorte

Im Vorbereitungsstadium fand eine Drehortsuche in ganz China statt, an deren Ende die Location Scouts 7000 Kilometer hinter sich gelegt hatten. Die Filmemacher reisten von der spektakulären Wüste Gobi hin zu den atemberaubenden Bergen bei Lanzhou und noch darüber hinaus. Nachdem feststand, an welchen Schauplätzen gedreht werden sollte, begann der schwierige und langwierige Prozess, bei den amtlichen Stellen die nötigen Erlaubnisse und Drehgenehmigungen einzuholen.

Dabei half der Status des Films als offizielle Deutsch-Australisch-Chinesische Koproduktion. Schließlich erhielten die Filmemacher die Erlaubnis, an einigen der berühmtesten Orte und schönsten Schauplätze Chinas arbeiten zu können, die dem Film ein unverwechselbares Gesicht geben.

Von großer historischer Bedeutung ist die Gegend rund um Dunhuang, wo einige der wichtigsten Szenen gegen Ende des Films entstanden. Sie liegt in der Nähe des westlichen Endes der Großen Mauer, die China für Jahrtausende vor Angreifern schützte. Die Dreharbeiten fanden knapp 100 Kilometer westlich vom Ende der Mauer statt, in der Nähe der neuen von Hogg gegründeten Schule, die die Geschichte des Films inspirierte.

In der Vorbereitungsphase schlug das Filmteam sein Lager im Hengdian Filmstudio auf, Chinas größtem Filmstudio, das in der bergigen Provinz Zheijang im Osten Chinas liegt.

Produktion: Die Crew

Die Filmcrew und das Produktionsdesign-Team bestanden hauptsächlich aus chinesischen Filmkünstlern, neben dem berühmten chinesischen Kameramann Zhao Xiaoding (DER FLUCH DER GOLDENEN BLUME), konnten Huang Xinming (HERO), einer der angesehensten Filmausstatter Chinas, und die chinesische Kostümbildnerin Gao Wenyan (DEVILS ON THE DOORSTEPS) zur Mitarbeit gewonnen werden. Nur wenige Ausländer waren am Dreh beteiligt, darunter Steven Jones-Evans, ein australischer Szenenbildner, zu dessen Filmen ARMY GO HOME! und NED KELLY zählen und die australische Kostümbildnerin Kym Barrett (MATRIX), die einige der Kostüme für Radha Mitchelll entwarf.

Dazu kam der erfahrene englische Regieassistent Gary Gavigan (ENEMIES AT THE GATE, James Bond Filme). Die gewaltige Produktion erforderte ein Team von über 300, hauptsächlich chinesischen Technikern. Dazu kamen 15 Westler und ein Dutzend Dolmetscher. Wieland Schulz-Keil teilte sich die Herstellungsleitung mit Eryong Wang Zhang. „Ich habe im Laufe meiner 30jährigen Produzententätigkeit selten ein Team erlebt, dass so genau und präzise miteinander gearbeitet hat.

Unter Eryongs Leitung wurde der sehr komplizierte Drehplan einer Produktion, die sich über ganz China erstreckte, genauestens eingehalten, und auch bei unserem Budget erlebten wir nicht die geringste Überraschung.“ Schulz-Keil fügt hinzu: „Andere westliche Produzenten hatten oft Schwierigkeiten in China. Bei uns war es das genaue Gegenteil. Das liegt daran, dass wir in China auf chinesische Weise einen chinesischen Film gemacht haben. China hat eine große, alte Filmindustrie und produziert nachweislich einen großartigen Film nach dem anderen. Es hat doch keinen Sinn, in ein solches Land zu fahren und den Leuten zu erklären, wie sie arbeiten sollen.“

Jonathan Rhys Meyers halfen die kulturellen Unterschiede, sich in seine Figur hinein-zuversetzen. „Alles musste mich irgendwie schockieren. Die Höhen und Tiefen in Georges Leben mussten auch meine Höhen und Tiefen sein. Die Dinge, die ich erlebte, waren die Dinge, die George erlebt hatte. Ich kam ziemlich ahnungslos und naiv hierher und musste mich tagtäglich neu orientieren. Aber ich glaube, dass ich mich sehr schnell anpassen konnte.“

Produktion: Die Dreharbeiten

Anfang November 2006 reiste die Filmcrew nach Dunhuang in der Provinz Gansu, 3500 Kilometer nordwestlich von Hengdian, wo schließlich am 13. November die Dreharbeiten begannen. Dunhuang, wo die nördliche und südliche Seidenstraße aufeinandertrafen, war seit dem 3. Jahrhundert ein Handels-, Religions- und Wissenschaftszentrum. Die Gegend, in der das Team drehte, wird häufig als „Oase“ bezeichnet und gilt als spektakulärster Teil der Wüste Gobi, die für ihre majestätischen Sanddünen und einzigartigen Felsformationen bekannt ist.

Aufgrund der Schauplatz-Logistik und der Terminplanung begann das Team die Dreharbeiten mit dem Ende der Geschichte. Einige der emotional anspruchsvollsten Szenen entstanden hier, darunter eine Szene auf einem alten Wüstenfriedhof, dessen Gräber mehrere tausend Jahre alt sind. Von Dunhuang reiste das Team in die Kleinstadt Liancheng. Sie liegt außerhalb der Stadt Lanzhou, die auch als 'Goldene Stadt' bekannt und einer der wichtigsten Zwischenstopps entlang des chinesischen Abschnitts der Seidenstraße ist. Zwischen Dunhuang und Lanzhou liegt die alte Stadt Shandan. Hier wird mit einem offiziellen Denkmal in der Stadtmitte an George Hogg erinnert. Auch sein Grab findet sich in dieser Stadt, unweit vom Fluss Ruoshui.

Der Dreh in Liancheng erwies sich für das Team als ganz besondere Herausforderung, denn es schneite nicht nur unaufhörlich, auch die Minustemperaturen waren extrem und Annehmlichkeiten äußerst selten anzutreffen. Dafür fand sich hier einer der schönsten historischen Schauplätze, ein altes tibetisches Kloster, das in das Film-Waisenhaus umgewandelt wurde. Einige der schwierigsten Szenen des Films entstanden mit ungeheurem Aufwand in der nahegelegenen wilden Bergregion, dem Schauplatz für die 'Karawanen'- Sequenz mit ihrer endlosen Prozession von Kindern, Karren, Habseligkeiten und Tieren, die sich mühselig durch unwirtliches Terrain fortbewegen.

In diesen Szenen wurden an manchen Tagen bis zu 1000 Komparsen gebraucht, Hunderte von Tieren, darunter 50 Esel, 80 Kamele und 120 Pferde. Nach mehreren Drehwochen an Originalschauplätzen kehrte das Team nach Hengdian zurück, wo die nächsten sieben Wochen gearbeitet wurde. Mehr als 200 Handwerker bauten Innen- und Aussenkulissen im Studio und in der Umgebung oder veränderten sie für die Erfordernisse des Films, darunter die Straßen von Nanjing, die zu den gewaltigsten Bauten der Produktion zählten. In dieser Zeit filmte das Team auch in einer der größten chinesischen Touristenattraktionen, einem Bürgerhaus aus dem 15. Jahrhundert, das der Lu- Familie gehörte. Dieses Haus wird in Südchina als ‘Verbotener Palast‘ bezeichnet und stellt im Film die Innenräume von Madame Wangs Haus dar.

Die wenigsten Filme werden in chronologischer Reihenfolge gedreht, doch dieser, so erläutert Schulz-Keil, wies eine Besonderheit auf: Er wurde konsequent von hinten aufgerollt, so dass die Anfangsszenen am Ende des Drehs standen. Die letzten Drehtage von DIE KINDER DER SEIDENSTRASSE fanden in den Chedun Studios von Shanghai statt, wo die Szenenbildner einen japanischen Kontrollpunkt an der Stadtgrenze Shanghais gebaut hatten.