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Die Invasion der Barbaren

   Kinostart: 27.11.2003

Les invasions barbares: Doppelbödige Tragikomödie, in der sich angesichts des nahenden Tods eines Professors dessen Familie zusammenfindet.

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Filmhandlung und Hintergrund

Doppelbödige Tragikomödie, in der sich angesichts des nahenden Tods eines Professors dessen Familie zusammenfindet.

Der pensionierte Geschichtsprofessor, begeisterte Marxist und Pater Familias Rémy (Remy Girard) liegt mit unheilbarem Krebs auf dem Sterbebett. Neben Freunden und Kollegen eilen auch Ex-Frau, Ex-Geliebte und reicher Broker-Sohn an, um dem Alten die letzten Tage so erträglich wie möglich zu machen - und sich ansonsten in alter Tradition zu streiten, dass die Fetzen fliegen.

Fast zwanzig Jahre nach seinem Kultfilm „Der Untergang des amerikanischen Imperiums“ zieht der franko-kanadische Regisseur Denys Arcand erneut alle Register der beschwingt-wortwitzigen Tragikomödie. Ausgezeichnet in Cannes für das beste Drehbuch und die beste Darstellerin.

Selbst am Sterbebett fliegen die Fetzen zwischen dem pensionierten Geschichtsprofessor und seinem Sohn, der als Broker für Luxus im Krankenhaus sorgt, Freunde einfliegen lässt und versucht, dem Vater die letzten Tage erträglich zu machen, inklusive Heroin-Dosis zur Linderung der Schmerzen. Ein letztes Mal plaudert der angereiste Freundeskreis über vergangene Liebschaften, über die kleine und große Politik.

Weil der ehemalige Geschichtsprofessor und Sozialist Rémy demnächst den Folgen seiner Krankheit erliegen wird, eilen der ignorante Yuppie-Sohn Sébastien sowie die Exfrau und die Exgeliebte an sein Krankenbett. Sébastien, vom Vater „Prinz der Barbaren“ genannt, zieht sich ob seines kapitalistischen Lebenswandels zwar täglich des Vaters Schimpftiraden zu, ermöglicht Rémy jedoch durch die Beschaffung einer täglichen Heroin-Dosis und anderer Annehmlichkeiten einen entspannten Abgang.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Die Invasion der Barbaren: Doppelbödige Tragikomödie, in der sich angesichts des nahenden Tods eines Professors dessen Familie zusammenfindet.

    „Der Untergang des amerikanischen Imperiums“ geht weiter. 17 Jahre nach seinem Kultfilm begeisterte Denys Arcand das Cannes-Publikum mit der doppelbödigen Fortsetzung „Les invasions barbares“, einer Reflexion über die Irrtümer des Lebens und Liebens, den Zustand der Welt und eine Erinnerung an politische Illusionen. Ein Film, der bei weitem mehr verdient hätte als „nur“ die Auszeichnung für das Beste Drehbuch und die beste Darstellerin.

    Es geht nicht mehr nur um sexuelle Moral oder das Mann-Frau-Verhältnis wie 1986 - die Protagonisten sind älter, wenn auch nicht gerade weiser geworden, plaudern von vergangenen Liebschaften, aktuellem Sex-Defizit, den alltäglichen Zipperlein, von der kleinen und großen Politik. Die heiter-melancholische Geschichte über Freundschaft und Familie, Krankheit und Tod rührt zutiefst, wer am Ende ein Tränchen verdrückt, fühlt sich erleichtert.

    Da eilen Ex-Frau, Ex-Geliebte und reicher Sohn an das Krankenbett des Pater Familias, wo trotz körperlicher Pein zwischen dem pensionierten Geschichtsprofessor und dem Filius, der nie ein Buch las und als Broker in London massenhaft Geld scheffelt, die Fetzen fliegen. Immerhin sorgen die Moneten des Yuppie für Luxus im schnell renovierten Einzelzimmer, lässt er Freunde einfliegen und versucht dem Alten die letzten Tage erträglich zu machen, inklusive illegal angekaufter Heroin-Dosis zur Linderung der Schmerzen (Marie-Josée Croze erhielt für ihre Rolle als hilfsbereiter Junkie den Darstellerinnenpreis). Money makes the world go round. Am Ende ist die Angst vor dem Tod zwar nicht überwunden, aber der Schrecken etwas kleiner.

    Fast zwei Jahre arbeitete Arcand am Skript, das hat sich gelohnt. Beschwingt und dennoch mit Tiefgang kommt dieses konventionelle aber nichtsdestotrotz unterhaltende Drama daher, betrachtet seine manchmal müden Helden wie unter einem Brennglas. Vor allem die Fokussierung auf den Vater-Sohn-Konflikt überzeugt durch Vielschichtigkeit, der Junge gilt für den Erzeuger als Speerspitze der Barbaren, die die intellektuelle Welt überrennen, mit dem Scheck arbeiten, nicht mit den grauen Zellen. Um so schöner die Versöhnung zwischen den beiden.

    Ganz nebenbei kritisiert Arcand Krankenhaus-Bürokratie, starre Gewerkschaften und gehetzte Krankenschwestern mit milder Ironie. Absolute Höhepunkte sind die brillanten Diskussionen zwischen den einstigen Hardcore-Sozialisten (gleiches Cast wie in „Der Untergang des amerikanischen Imperiums“) und die Relativierung ihrer Ideologien. Es bereitet ein höchst amüsantes Vergnügen, den feingeschliffenen Dialogen zu lauschen, sich am scharfen Witz und subtilen Humor zu delektieren. Wenn sich die „For ever young“-Generation mit leichter Wehmut über sich selbst lustig macht und die „ismen“ durchhechelt, denen sie einst blind folgte - außer dem „Kretinismus“ - dann ist das mehr als nur leise Nostalgie. In Kanada brach das feingesponnene Kinostück beim Start alle Kassenrekorde. Bei uns sollte diese angenehme Art der Barbaren das Arthouse-Kino im Flug erobern. mk.

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