Die Hüter des Lichts Poster

CINEFACTS nachgefragt: Was macht eigentlich ein Production Designer?

Kino.de Redaktion  

Patrick Hanenberger, Production Designer bei Dreamworks, erschaffte für „Die Hüter des Lichts“ gleich sechs Welten nebeneinander. Wie schwierig das war und wie Animationsfilme heute entstehen erzählte er CINEFACTS im Interview.

„Wir mussten eine Welt aus Eis, Marmor und Holz erschaffen“

Der Deutsche Patrick Hanenberger hat eine erstaunliche Karriere hinter sich. Nach dem Studium von Industrie-Design gings zum Praktikum nach Kalifornien zur Animationsschmiede Pixar. An „Die Unglaublichen“ durfte er mitarbeiten und verliebte sich unsterblich in die Animation. Nun ist er bei Dreamworks gelandet und erschaffte bei seinem ersten großen Film „Die Hüter des Lichts“ als Production Designer gleich sechs Welten nebeneinander. Wie schwierig das war, wie Animationsfilme heute entstehen und wie wichtig Dreamworks kreative Freiheit ist, das erzählte er CINEFACTS im Interview:

CINEFACTS: Auf Ihrer Website bezeichnen Sie sich als „World-Builder“, als Weltenbauer. Was war denn in Bezug aufs Weltenbauen bei „Die Hüter des Lichts“ die größte Herausforderung?

Patrick Hanenberger: Das komplexe Management bei der Produktion: Wir wollten sechs verschiedene Welten mit verschiedenen „Looks“ haben. Und das stellte uns vor verschiedene technische Herausforderungen: Bei der einen handelt es sich um eine Schattenwelt, bei der anderen um eine Eis-Welt, dann gab es einen Marmor-Palast. Wir konnten uns bei „Hüter des Lichts“ nicht nur auf eine Welt konzentrieren. Wir mussten eine Welt aus Eis, aus Marmor, aus Holz erschaffen, riesengroß. Und da immer die Balance zu finden, dass der „Look“ stimmt und wir technisch das erreichen konnten, was wir uns vorgenommen hatten, das war die größte Herausforderung.

CINEFACTS: Wie lange haben Sie an dem Film gearbeitet?

Patrick Hanenberger: Drei dreiviertel Jahre. Das war mein erster großer Film als Production Designer.

CINEFACTS: Wie muss man sich diese Arbeit vorstellen? Womit fangen Sie an? Sammeln Sie erst Eindrücke und fangen dann an, diese auf Papier mit Bleistift zu zeichnen? Gibt es eine bestimmte Kette von Schritten?

Patrick Hanenberger: Traditionell gibt es so eine Kette, die von A zu C geht. Das ändert sich aber immer mehr, da wir im Art-Department immer mehr 3D-Tools benutzen wie z.B. Maja oder Sketch-Up. Wir fangen das Weltenbauen ganz früh im Computer an und warten nicht mehr auf fertige Entwürfe, die dann digital umgesetzt werden. Außerdem versuchen Studios wie Dreamworks, immer mehr Filme zu produzieren – wir sind jetzt bei drei Filmen pro Jahr. Und dadurch vekürzt sich die Produktionszeit, wir müssen viel mehr parallel arbeiten als hintereinander. Das erfordert unheimlich viel Kommunikation unterhalb der Abteilungen. Und 3D hilft natürlich unheimlich. Wenn man die Welt sofort in 3D digital mit einer Software baut, dann wird das quasi zum Blue-Print für die ganze Produktion. Das war früher nicht so. Auch, weil es so teuer war, begann man mit Zeichnungen und packte alles ganz am Ende in den Computer. Heute läuft das nebenher, da die Tools immer besser werden.

CINEFACTS: Woher holen Sie sich ihre Inspiration?

Patrick Hanenberger: Ich reise sehr viel. Pro Jahr müssen es mindestens zwei große Reisen sein. Alles von den Reisen in den letzten Jahren hat sich in „Die Hüter des Lichts“ eingebaut: vom australischen Outback über Thailand, Indien bis hin zu bayerischen Weihnachtsmärkten ist alles drin. Wenn man sich die Szene in der Weihnachtsfabrik ansieht, entdeckt man im Hintergrund sich drehende Holztürmchen. Es gibt Weihnachtspyramiden, die in deutschen Haushalten beliebt sind. Der Palast der Zahnfee ist eins zu eins übernommen von Vogelhöhlen, die ich in Thailand gesehen habe und einem ganz bestimmten indischen Tempel. Den haben wir dann auf den Kopf gestellt, alles von der Decke gehängt, und daraus wurde dann der „Look“ des Palastes.

„Er sollte ein visuelles Fest sein“

CINEFACTS: Beeindruckend sind im Film neben den Kamerafahrten durch Ihre Welten die Detailfülle. Wie haben Sie das hingekriegt?

Patrick Hanenberger: Das ist mein Job. Der Regisseur sagt z.B., dass er einen farbenfrohen Palast will. Mehr Info kriege ich da nicht, den Rest setzte ich dann selbst mit dem Art- und dem Modeling-Deparment um und erstelle eine Vision. Das alles zu bauen ist eigentlich nicht so schwer. Wenn ich jeden einzelnen Aspekt, jedes Detail absegnen müsste, würde das unheimlich Zeit kosten. Ich arbeite mit fast 100 Leuten zusammen … Aber wenn man Styleguides aufbaut mit besonderen Formsprachen, dann kann man die Leute loslassen, und die können sich dann richtig austoben. Es muss eben nur dem Styleguide und der Formsprache in den Details entsprechen. Indem man die Leute kreativ so frei laufen lässt, bekommt man unglaublich viele Ideen zusammen. Und gerade Texturen oder Muster sind ja ziemlich leicht im Computer herzustellen.

Es freut mich, dass Sie die Detailfülle bemerkt haben. Der Film musste für mich unheimlich detaillastig sein, weil ich eine Märchenwelt erschaffen wollte. Wenn ich mir alte Märchenbilder z.B. von Edmund Dulac oder Arthur Rackham anschaue, konnte ich als Kind stundenlang draufgucken und habe immer noch was Neues entdeckt. Das war das Aufregende. Das ist bei „Die Hüter des Lichts“ auch so. Wenn man den mehrfach sieht – ich habe ihn jetzt 30 Mal gesehen – entdeckt man immer wieder neue Details im Hintergrund. Das war meine Intention. Er sollte ein visuelles Fest sein. Kinder sollen davon fasziniert sein – ein visueller Rausch!

CINEFACTS: Sie hatten sehr viel kreative Freiheit. Trotzdem ist Dreamworks auch ein Studios, dass Geld verdienen will …

Patrick Hanenberger: Das ist richtig. Doch man versucht auch immer, das Neue zu finden. „Die Hüter des Lichts“ ist kein radikaler neuer Film, aber wir haben schon versucht, Dinge neu zu machen. Z.B. ist der Bösewicht etwas düsterer als gewohnt. Oder auch das visuelle Detail, von dem wir gerade sprachen. Das sind alles Dinge, die wir vorangetrieben haben, um auch das Medium zu fördern. Wir wollten zeigen, was man heute alles mit Bildern machen kann. Da gibt es immer Hürden zu überspringen. Für mich ist das das Visuelle, für den Regisseur die Story. Und da mussten wir auch sehr lange kämpfen.

Nun hatten wir aber das Glück, Guillermo Del Toro bei „Die Hüter des Lichts“ als Executive Producer mit an Bord zu haben. Del Toros Rolle im Studio ist, dass er als „Creative Consultant“ Filme zu pushen. Das war für uns toll, denn wir wollten einen Film, der sich an „Pan’s Labyrinth“ oder „Hellboy“ anpasst – natürlich für Kinder. Und da hatten wir in Del Toro einen starken Partner. Dreamworks ist da auch offen, siehe „Drachenzähmen leicht gemacht“. Auch ein Film, bei dem viele sagten, dass wäre ja mal ein ganz anderes Genre. Das Motto ist bei Dreamworks drei Filme pro Jahr, und die sollen möglichst anders sein. Dieses Jahr kamen „Madagascar 3“ und „Die Hüter des Lichts“ raus, und die könnten unterschiedlicher nicht sein. Durch dieses Motto haben wir viel kreative Freiheit bekommen. Unser Film soll halt das Fantasy-Genre erforschen.

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