Filmhandlung und Hintergrund

Komödie mit Senta Berger und Günther Maria Halmer als Paar, das seine Beziehung nach fast einem halben Jahrhundert Familienleben amtlich machen will.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Die Hochzeit meiner Eltern: Komödie mit Senta Berger und Günther Maria Halmer als Paar, das seine Beziehung nach fast einem halben Jahrhundert Familienleben amtlich machen will.

    Familienfest - und andere Schwierigkeiten… nach über 40-jähriger „wilder Ehe“ will eine Alt-68erin ihre Beziehung amtlich machen.

    Tanzlehrerin Betty (Senta Berger) stellt zunächst - im flotten Splitscreen-Opener - ihre Kinder vor: Simone (Anja Kling), Alexander (Nicholas Ofczarek) und Nesthäkchen Liv (Anna Fischer). Seit gut 40 Jahren lebt sie mit Peter (Günther Maria Halmer) zusammen, in „wilder Ehe“, denn sie weiß: „Der Trauschein ist der Anfang vom Ende“. Sie sieht sich als Freigeist, hängt alten 68er-Träumen nach und so verwundert es nicht, dass man sie nicht an der Seite ihres Partners, sondern im Bett mit dem alten WG-Kumpanen Leo (Michael Wittenborn) kennenlernt. „Wir lagen dir alle zu Füßen“, erinnert er sich wehmütig, „manche von uns sind gar nicht mehr aufgestanden“…

    Die Zeichen stehen bei „Die Hochzeit meiner Eltern“ zunächst auf Komödie. Kaum vom Rendezvous zurück, überrascht Betty Peter mit der Frage, ob er denn nun für eine Ehe bereit sei. Er zögert, reagiert verwundert. Misstrauen keimt in ihm auf, er kann sich auf den Antrag keinen Reim machen. Kurzerhand lässt er im Garten alle Bäume und Büsche absägen - um ein „wenig Licht“ reinzulassen, sich endlich einmal von der „Unterdrückung“ durch Betty zu befreien. „Eigentlich ein Wunder, dass wir das so lange durchgezogen haben - du mit deiner Lust zu leben und ich mit meinem Phlegmatismus“, wird er später sagen. Ihre (komplizierte) Beziehung wird in der Folge durchleuchtet, mit überraschenden, für einige Beteiligte schockierenden Enthüllungen.

    Eine Tragödie also? Keinesfalls. Und auch keine rumpelnde Beziehungskiste. Vielmehr ein kluger Familienfilm, ein verquerer Liebesfilm, bei dem sich heitere und ernste Töne die Waage halten. Drehbuchautorin Sophia Krapoth („Beste Freundinnen“) hat sich auf ihre Figuren konzentriert, sie sorgfältig gezeichnet und sich auf wenige Schauplätze beschränkt, Regisseurin Connie Walther („Frau Böhm sagt nein„, auch mit Berger) die dialogstarken Szenen fließend miteinander verknüpft. Ein überaus realitätsnaher Ton ist die Folge, gebrochen nur wenn zwischendurch der subjektive Blickwinkel von Alexanders spielenden Töchtern eingenommen wird, die mit ihren Mini-Helmkameras das verwirrende Treiben der Erwachsenen filmen - in fast surrrealen, rotstichigen Bildern.

    Immer wieder geht’s vom leicht verwilderten Garten, hier soll die Hochzeitsfeier bei einem von Liv und Neo-Liebhaber Adam (Max Hemmersdorfer) zubereiteten veganen Menü steigen - „vegan ist kein Geschenk!“, grummelt Peter -, ins schwarz gekachelte Badezimmer, dem Ort großer Geständnisse. Im Freien fliegen derweilen die Fäuste, Simones Pastorengatte Friedrich (Thomas Huber) schlägt alttestamentarisch zu, als er erfährt, dass Adam die Ehefrau - Simone: „Es bleibt in der Familie!“ - bei einem Quickie geschwängert hat, und im orangefarbenen Ford Capri fließen die Tränen, als die gutherzige Liv vom Seitensprung des Freundes erfährt - und mittendrin verteidigt Betty ihre Prinzipien: „Man muss doch nicht als Jungfrau in die Ehe gehen!“

    Mit sichtlichem Vergnügen meistern die durchwegs souveränen Schauspieler ihre Parts. Berger glänzt als unbeirrbare Optimistin, Halmer gibt den mürrischen (Er-)Dulder, Ofczarek stellt einmal mehr seine Körperlichkeit zur Schau und die bieder gekleidete Kling, die Augen hinter einer Riesenhornbrille versteckt, übt sich als „hässliches Entlein“, das gerne ein strahlender Schwan wäre - und natürlich auch ist. „Familienfest - und andere Schwierigkeiten“ nannte Jodie Foster ihre zweite Regiearbeit - genau das wird hier geboten. Beiläufig und unterhaltsam, präzise, hellsichtig und nie schönfärberisch - mit einem entsprechend nachdenklichen Happy End. geh.

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