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Die Hausschlüssel

Kinostart: 07.09.2006

Le chiavi di casa: Eine Vater-Sohn-Geschichte der schwierigen Art erzählt der vielfach ausgezeichnete Gianni Amelio ("Lamerica").

Filmhandlung und Hintergrund

Eine Vater-Sohn-Geschichte der schwierigen Art erzählt der vielfach ausgezeichnete Gianni Amelio ("Lamerica").

Vor 15 Jahren scheute Gianni (Kim Rossi Stuart) die Verantwortung und verschwand. Jetzt ist er wieder da und will einen Neustart wagen mit seinem Sohn, dem 15-jährigen, schwer behinderten Paolo (Andrea Rossi). Der Sohn benötigt eine Spezialbehandlung in Deutschland, die Reise wird zum großen Kennenlernen, nach anfänglichem Misstrauen bricht das Eis. In Berlin trifft Gianni auch Nicole (Charlotte Rampling), ihrerseits Mutter einer behinderten Tochter. Von ihr kann er noch eine Menge lernen.

Dokumentar- und Spielfilm verschmelzen in Gianni Amelios („Lamerica„) Familiendrama und Verfilmung eines Romans von Giuseppe Pontiggia.

Auf dem Münchener Hauptbahnhof trifft Gianni erstmals nach 15 Jahren seinen Sohn Paolo wieder. Gleich nach der Geburt hat er ihn verlassen, als die Ärzte Probleme diagnostizierten. Der geistig behinderte, einseitig gelähmte Junge ist bei einem Onkel aufgewachsen. Nun fahren die beiden Fremden gemeinsam nach Berlin, wo der Junge in der Charité behandelt werden soll.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • „Wertvoll”

      Ein Vater begleitet seinen körperlich und geistig behinderten Sohn zu einer Spezialuntersuchung nach Berlin. Es ist ihre erste Begegnung seit Paolos Geburt. Die Mutter hatte nicht überlebt, und Gianni, der Vater, floh vor der für ihn hoffnungslosen und ihn überfordernden Situation. Nun - nach 15 Jahren - kommt es zur Rückkehr in eine Verantwortung, es wird der Beginn einer Reise zueinander.

      Gianni Amelio, eine der wesentlichsten Persönlichkeiten des europäischen Kinos von heute (erinnert sei an „Gestohlene Kinder“, „Lamerica“ oder „Cosi ridevano“) sieht seinen Film „Die Hausschlüssel“ nicht als einen „Film über Behinderung“ oder gar als Fallstudie. „Er erzählt von der Schwierigkeit, das Verschiedenartige zu akzeptieren“ (Amelio). Es ist ein filmischer Essay über Vertrauen und Zuneigung. Zwei Menschen überwinden Schritt für Schritt ihre gegenseitige Entfremdung, tasten sich zu neuen Lebensufern, zu einem neuen Mensch-Sein.

      Amelio ist seine Intention gelungen: ein sensibler Film voller Zartheit und Zärtlichkeit. Er macht uns einen komplizierten Prozess sichtbar, der nie geradlinig-aufsteigend verlaufen kann. Scham- und Schuldgefühle begleiten ihn. Schmerz und jäh hervortretende Verzweiflung. Es kommt zu Verzögerungen, Brüchen, Rückschlägen. Jede neue Stufe der Annäherung von Vater und Sohn erscheint als kostbarer Sieg. „Hör‘ auf zu weinen … so was tut man nicht“, sind die letzten Worte des Films. Worte Paolos zu seinem Vater.

      Ein deutliches „Ergebnis“ der Reise zueinander zu setzen, verwehrt sich der Regisseur. Der „Vorhang“ soll offen bleiben, nicht geschlossen werden. Es geht um ein Aufkeimen von Gefühlen, nicht um falsche Sicherheiten. Ganz im Sinne der unpathetisch-sensiblen Lesart des Films, agieren die Darsteller der beiden Protagonisten, bieten eine glanzvoll-unspektakuläre Leistung. Leises Kino mit Tiefgang.

      Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)
    1. Die Hausschlüssel: Eine Vater-Sohn-Geschichte der schwierigen Art erzählt der vielfach ausgezeichnete Gianni Amelio ("Lamerica").

      Eine Vater-Sohn-Geschichte der schwierigen Art erzählt der vielfach ausgezeichnete Gianni Amelio („Lamerica“) in seinem Behinderten-Drama, das bereits 2004 auf den Filmfestspielen von Venedig seine Uraufführung erlebte.

      Auf dem Münchener Hauptbahnhof trifft Gianni (recht blass: Kim Rossi Stuart aus „Pinocchio“) erstmals nach 15 Jahren seinen Sohn Paolo (Andrea Rossi) wieder. Gleich nach der Geburt hat er ihn verlassen, als die Ärzte „gewisse Probleme“ diagnostizierten. Der geistig behinderte, einseitig gelähmte Junge ist bei einem Onkel aufgewachsen, der Papa hat in der Zwischenzeit eine neue Familie gegründet. Nun fahren die beiden Fremden gemeinsam nach Berlin, wo der Junge in der Charité behandelt werden soll. Der Kranke als Held - „Rain Man“ kommt einem sofort in den Sinn und auch „Gilbert Grape“ oder „Forrest Gump“. Aber damit enden auch schon sämtliche Parallelen. Denn Amelio, wie immer kämpferisch und vom sozialen Gewissen getrieben, sieht „Die Hausschlüssel“ nicht als einen Film über Behinderung, sondern über die Unfähigkeit der Umwelt damit umzugehen - und gibt mutig seinem (möglichen) Film-Alter Ego den eigenen Vornamen.

      Wie sich das ungleiche Paar annähert, wie Vater und Sohn beginnen miteinander zu kommunizieren, anfangen füreinander Verständnis aufzubringen, davon handelt diese sorgfältig gestaltete, manchmal etwas umständlich erzählte italienisch-deutsch-französische Koproduktion. Auf ein Minimum reduziert der Filmemacher sein Figuren-Ensemble, etabliert als positiven Gegenpol zu Gianni die tieftraurige Nicole, aufopferungsvolle Mutter einer spastisch gelähmten Tochter. Die spielt die überzeugende Charlotte Rampling („Swimming Pool“) mit viel Einfühlungsvermögen, wobei sogar sie schwer mit der Präsenz des auch in Wirklichkeit behinderten Andrea Rossi zu kämpfen hat. Dabei bleibt Amelio, Drehbuchautor und Regisseur in Personalunion, auch in seinen filmischen Mitteln spartanisch, verweigert sich nach eigener Aussage dem „Narzissmus“ der Kamera. Nichts darf hier von der Wirklichkeit, von der menschlichen Wahrheit ablenken. Die Dinge sollen gezeigt werden wie sie sind, aufbereitet als leicht nachvollziehbares Lehrstück.

      Und am Ende steht dann das mögliche Glück, eine klassische Roadmovie-Flucht nach Norwegen, zu einem Brieffreund Paolos. Das graue, enge Beton-Berlin weicht der weiten skandinavischen Landschaft. Das böse Krankenhaus-Personal ist vergessen, ebenso wie tumbe Regeln und rigide Bestimmungen. Es gibt also noch Hoffnung. geh.

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