Die Glasbläserin

  1. Ø 4.3
   2016
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Filmhandlung und Hintergrund

Die Glasbläserin: Historienfilm über die Erfinderinnen der Christbaumkugel nach dem gleichnamigen Roman von Petra Durst-Benning.

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Kritikerrezensionen

  • Die Handlung dieses historischen Films klingt beschaulich und wie geschaffen für die Vorweihnachtszeit: Ende des 19. Jahrhunderts übernimmt eine junge Frau mit ihrer Schwester die Glasbläserwerkstatt des Vaters und erfindet durch Zufall die bemalte Weihnachtskugel.

    Aber Léonie-Claire Breinersdorfer, die den gleichnamigen Roman von Petra Durst-Benning adaptiert hat, erzählt allenfalls ein Märchen für Erwachsene, denn Johanna und Marie Steinmann (Luise Heyer, Maria Ehrich) wachsen in einer Welt auf, die für Frauen wie sie keinen Platz hat. Immerhin finden die beiden jungen Frauen nach dem Tod des Vaters eine Anstellung in der Fabrik von Wilhelm Heimer (Max Hopp). Die aufmüpfige Johanna wird zwar bald wieder rausgeworfen, aber dafür macht Glasgroßhändler Strobel aus der Stadt sie zu seiner Assistentin. Peter (Robert Gwisdek), Glasaugenhersteller, ein Nachbar der Schwestern und über weite Strecken der einzige Gentleman weit und breit, weist Johanna zwar darauf hin, dass der scheinbar großherzige Strobel keine Geschenke mache, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, aber sie schlägt die Warnung in den Wind. Tatsächlich ist die Besetzung der Rolle mit Dirk Borchardt, dessen Filmografie mit Schurken gespickt ist, kein Zufall: Als Johanna das Geschäft vernachlässigt, um sich um Marie zu kümmern, lässt Strobel in einer aufgrund ihrer Intensität erschreckend brutal wirkenden Szene die Maske fallen. Marie hatte zuvor mit Thomas (Franz Dinda), dem Sohn ihres Arbeitgebers, ein ähnliches Erlebnis; spätestens in diesem Moment ist klar, dass „Die Glasbläserin“ kein Film für die ganze Familie ist. Durch die Vergewaltigung wird Marie schwanger; Heimer zwingt Thomas, sie zu heiraten, aber der gewalttätige Trunkenbold ist eine denkbar schlechte Partie. Bald nach der Geburt flüchtet Marie zurück in ihr Elternhaus und widmet sich wieder voll und ganz der Glasbläserei. Als Strobels amerikanischer Großkunde auf der Suche nach neuen Ideen für das Weihnachtsgeschäft ihre Arbeit entdeckt, scheint das Auskommen der beiden Schwestern gesichert. Aber sie haben die Rechnung ohne den Zorn der männlichen Dorfbewohner gemacht, die keine Konkurrenz dulden; erst recht keine weibliche.

    Regisseurin Christiane Balthasar hat nicht zuletzt dank der ZDF-Reihe „Kommissarin Heller“ eine große Krimi-Erfahrung und weiß natürlich auch, wie man eine historische Geschichte spannend erzählt. Kostümbild und Ausstattung sind angemessen aufwändig und sorgen gemeinsam mit der Bildgestaltung (Hannes Hubach) und einem entsprechenden Licht dafür, dass die Zeit glaubwürdig zum Leben erweckt wird. Dank Balthasars Umsetzung wirken gerade die Werkstattszenen jedoch alles andere als museal oder gar verklärend, zumal die Arbeitsbedingungen miserabel sind. Die betont düster gefilmte Gegend (gedreht wurde in der Nähe von Prag sowie im südlichen Böhmen) verhindert ebenfalls, dass eine heimelige Atmosphäre entsteht. Dennoch trägt die Geschichte der beiden Schwestern, deren eigentlich von großer Zuneigung geprägte Beziehung angesichts der existenziellen Not immer gereizter wird, sehr moderne Züge: Was Johanna bei Strobel erlebt, ist mit der Beschreibung „sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz“ absurd verharmlost; und wie es Marie nach der für die damalige Zeit ohnehin unerhörten Trennung von Thomas gelingt, sich als alleinerziehende Mutter durchzuschlagen, nötigt größten Respekt ab. Deshalb ist „Die Glasbläserin“ aller Tristesse zum Trotz nicht deprimierend, zumal die beiden Schwestern schließlich neben dem geschäftlichen und dem künstlerischen auch noch ihr privates Glück finden. Die Musik (Johannes Kobilke), in Filmen dieser Art für gewöhnlich getragen und erdenschwer, ist ohnehin ungewöhnlich melodiös. tpg.

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