Filmhandlung und Hintergrund

Unterkühlte, auf einer Erzählung von Proust basierende Geschichte einer obsessiven Bezeihung.

Ariane und Simon leben zusammen in Paris. Er überwacht sie, spioniert ihr nach, horcht sie aus. Indem sie ein Doppelleben führt, gelingt es ihr, sich Freiräume zu bewahren. Obwohl sich Ariane physisch wie psychisch ganz auf ihren Freund einlässt, entgleitet sie Simon zusehend. Seine Gier nach Verschmelzung mit Ariane und ihre Bisexualität führen in eine ohnmächtige Begierde Simons, in der er versucht, gewaltsam in ihre Welt einzubrechen.

Ariane flüchtet in ein Doppelleben, aber ihr obsessiver Freund Simon lässt nichts unversucht, gewaltsam in ihre Welt einzubrechen. Chantal Akermans Modernisierung einer tragischen Erzählung von Marcel Proust.

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Kritikerrezensionen

  • Die Gefangene: Unterkühlte, auf einer Erzählung von Proust basierende Geschichte einer obsessiven Bezeihung.

    Chantal Akerman wechselt gerne zwischen den Genres und experimentiert mit Zeit und Raum, lässt sich nur schwer einordnen. Mit „Die Gefangene“ wagt sich die belgische Regisseurin an die Adaption des Marcel Proust-Romans „La prisonnière“ und irritiert mit der sezierhaften Schilderung einer Obsession, die ins Verderben führt.

    Das Werk der Tochter jüdischer Emigranten umfasst inzwischen 30 Kurz- und Langfilme mit stilistisch unverkennbarer Handschrift. In dieser Proust-Verfilmung stellt sie den Zuschauer auf eine harte Probe, denn die beiden Protagonisten sind keine Sympathieträger. Ariane lebt mit Simon in einer riesigen Pariser Wohnung. Der Preis für den Luxus ist hoch. Sie steht unter ständiger Beobachtung, der Liebhaber will minutiös über ihren Tagesablauf und Aufenthaltsort informiert sein, nervt sie mit lästigen Fragen. Aber die junge Frau findet Mittel und Wege, seiner Kontrolle zu entgehen und sich mit Freundinnen - auch sexuell - zu amüsieren. Je mehr er versucht, sie unter Kuratel zu halten, um so mehr entzieht sie sich ihm, selbst in intimsten Momenten spürt er ihre seelische Verweigerung. Simon darf zwar ihren Körper wie einen Gegenstand benutzen, aber sie nie wirklich besitzen. Sein Wille nach totaler Verschmelzung, der Drang alles wissen zu wollen und ihr kein Geheimnis zu lassen, zerstören die fragile Beziehung. Die Tragik zweier Menschen ruft hier kein Mitgefühl hervor, sondern Abwehr, die Distanz zwischen dem Paar auf der Leinwand weckt Distanz beim Betrachter. Der Mann, der nicht begreifen will, dass nur ein notwendiger Freiraum die Fremdheit überwinden kann, die Frau, die größtenteils emotionslos ihre Rolle als Gefährtin und Gefangene erträgt, spiegeln wie in Akermans anderen Filmen die existenzielle Einsamkeit des Individuums wieder, die menschliche Verlorenheit in den Irrwegen von Sexualität und Liebe. Film heißt für die Regisseurin hier zuallererst das Spiel mit Licht, Ton und Schatten, das Experimentieren mit Kameraperspektiven, Raum und Zeit. Aber das kühl inszenierte Drama gewinnt nie die Intensität von Akermans strengem Klassiker „Jeanne Dielman, 23, Quai du Commerce, 1080 Bruxelles“, die Leidenschaft von „Eine ganze Nacht“ oder gar die Leichtigkeit ihrer süffisanten romantischen Komödie „Eine Couch in New York“. Die treuen Anhänger der Autorenfilmerin sollte das dennoch nicht stören. mk.

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