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Fakten und Hintergründe zum Film "Die Frau in Schwarz"

Kino.de Redaktion |

Die Frau in Schwarz Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

DIE FRAU IN SCHWARZ, die Adaption des gleichnamigen Bestsellerromans von Susan Hill, erzählt eine düstere Geschichte von Verlust, Rache und Trauer. Die renommierte Drehbuchautorin Jane Goldman bearbeitete Hills Vorlage für das Kinopublikum des 21. Jahrhunderts. Regie bei der Talisman-Produktion – in Zusammenarbeit mit Hammer Films – führte James Watkins; die Hauptrollen spielen Daniel Radcliffe, Ciarán Hinds, Liz White und Janet McTeer.

Als Susan Hill ihren Roman 1982 veröffentlichte, hatte sie nicht die geringste Ahnung, dass ihrem Stoff ein Leben in verschiedensten Medien beschieden sein würde. „Woher hätte ich die auch haben sollen?”, meint sie. „Du schreibst nicht für andere Medien. Du verfasst ein Buch und dann übernehmen andere Leute das Steuer.”

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Inzwischen hat sie sich freilich an die Adaptionen ihrer Werke gewöhnt – insbesondere von DIE FRAU IN SCHWARZ, aus dem ein TV-Movie, ein Hörspiel, ein Theaterstück und nun auch ein Spielfilm entstanden. „Der Punkt ist, dass das Buch weiterhin existiert”, so die Schriftstellerin. „Worauf es ankommt ist die Kunstfertigkeit der Adaption – zu der ich selbst nie imstande wäre. Beim Stück und jetzt auch beim Film griff jeder Autor auf mein Werk zurück und blieb seinem Geist treu, während er es für ein neues Medium neu interpretierte.”

Mit dem Film wird Hills inzwischen fast 30 Jahre alter Roman zum ersten Mal für die Leinwand bearbeitet. Produzent Richard Jackson von Talisman Films bekam das Projekt schon 1997 angeboten. Nach dem Erfolg von Talismans Produktion ROB ROY (Rob Roy, 1995) hatte ihn Hills Agent kontaktiert, um die Möglichkeit einer Kinofassung von DIE FRAU IN SCHWARZ zu prüfen. „Die Story war überraschend schwer zu adaptieren”, gesteht Jackson ein. „Im Lauf der Jahre versuchten wir sie mehrfach mit verschiedenen Autoren zu knacken, aber nie war ich mit den Drehbüchern voll zufrieden.”

Der erste Impuls, der die Produktion letztlich in Gang brachte, entstand bei einem Treffen mit Produzent Simon Oakes, dem CEO von Hammer, der damals dabei war, der historischen Marke ‘Hammer’ neues Leben einzuhauchen. „Ich muss zugeben, damals betrachtete ich diese Pläne mit einer gewissen Zurückhaltung, denn das war nicht der erste Versuch, Hammer neu aus der Taufe zu heben”, offenbart Jackson. „Simon jedoch machte deutlich, dass er es ernst meinte. Die Firma hatte auch den Ehrgeiz, einen hochklassigen Film zu machen, der Susans erzählerische Vision respektierte, aber gleichzeitig für ein modernes Publikum attraktiv war. Von Anfang an betonte Simon, dass sich die neue Hammer auf intelligente Horrorfilme konzentrieren wollte”, so Jackson. „Und ich wusste, dass Susan Hill davon angetan sein würde.”

Laut Simon Oakes war DIE FRAU IN SCHWARZ eines der ersten Projekte, das das Interesse des gerade wiedergeborenen Genre-Labels weckte. „Als unser Team die neue Hammer etablierte, diskutierten wir über die aktuelle Situation des Horrorfilms. Und wir kamen zu demselben Schluss: In den letzten Jahren ging es immer nur um eine möglichst hohe Zahl von Opfern, aber eigentlich gehören zum Horror die verschiedensten Genres und Subgenres. Unser Ziel war es nun, alle möglichen Varianten auszuprobieren. Obwohl es schon ein TV-Movie und eine Theaterfassung von DIE FRAU IN SCHWARZ gab, sahen wir die großartige Chance, Susan Hills ‘gothic’ Geistergeschichte mit einer modernen Sensibilität für das Kino zu adaptieren.”

So suchte die Produktion eine Autorin, die Hürden überwinden konnte, an denen die früheren Schreiber gescheitert waren. „Jane Goldman war eine Kandidatin, mit der wir alle arbeiten wollten”, so Jackson. „Gleich von Anfang an war sie mit Begeisterung dabei. Sie knackte die zentralen Probleme der Adaption und schaffte es so, die Geschichte für einen Film zu erzählen.”

„Ich hatte schon von Jane gelesen und wusste von ihren Arbeiten”, so Oakes. „Daher war mir klar, dass sie die Richtige war. Dank ihres Drehbuchs fügte sich alles zusammen. James Watkins las es und war begeistert. Das Gleiche galt für Daniel Radcliffe, der es am letzten HARRY POTTER- Drehtag studierte. Jane trug ganz entscheidend dazu bei, dass wir die richtigen Beteiligten fanden.”

Auch Susan Hill war von dem Resultat mehr als angetan. „Jane schickte mir das Skript und ich dachte, ich müsse es prüfen und sagen ‘Ja, das ist gut, aber…’. Stattdessen fand ich es einfach großartig. Jane erwartete, glaube ich, dass ich ihr einige der Änderungen der Geschichte übel nehmen könnte. Aber das machte mir keine Sorgen. Für mich wäre es nur ein Problem gewesen, wenn sie daraus eine Art Komödie gemacht hätte, aber das war nicht der Fall. Sie ist einfach so versiert. Sie machte sich die Geschichte in einer Weise zu eigen, dass es immer noch meine Geschichte blieb.”

Goldman war darauf bedacht, die richtige Tonalität für das Drehbuch zu finden: „Der Roman war schwer zu adaptieren. Er ist wunderbar und es gab eine brillante Bühnenbearbeitung, die aber eben für das Theater konzipiert war. Weil die Geschichte sehr ökonomisch erzählt ist, war es von Anfang an klar, dass sie mehrere zusätzliche Ebenen brauchte, um als Film funktionieren zu können.”

„Meine Aufgabe bestand darin, DIE FRAU IN SCHWARZ einem Kinopublikum zu vermitteln”, so Goldman weiter. „Ich versuchte gewissermaßen mit der Sprache des Films das zu erreichen, was Stephen Mallatratt für das Theater gelungen war.”

Zufälligerweise hatte zum gleichen Zeitpunkt EDEN LAKE (Eden Lake, 2008)-Regisseur James Watkins in der Branchenpresse gelesen, dass Jane Goldman das Drehbuch schrieb und bat seinen Agenten, Erkundigungen einzuholen. „Ich hatte selbst an einer Geistergeschichte gearbeitet, aber sie funktionierte einfach nicht”, erklärt Watkins. „In Janes Skript fand ich alles verwirklicht, was ich mit meinem anderen Projekt hatte erreichen wollen. Es besaß eine furchteinflößende Stimmung, aber auch ein starkes emotionales Element. Ich war sehr davon bewegt und sofort nach der Lektüre wusste ich, dass ich den Film machen wollte.”

„James ist sehr, sehr intelligent”, so Simon Oakes. „Er ist ein großartiger Regisseur, der es versteht, eine Geschichte zu erzählen und diese mit tollen Schockmomenten zu verbinden.”

Am Set wiederum sorgte Watson für eine positive Stimmung, wie Liz White, die Darstellerin der geisterhaften Frau in Schwarz, bezeugen kann. „Ich sprach zwei Monate vor dem Dreh für die Rolle vor und schon bei diesem ersten Treffen zeigte sich James sehr großzügig. Und genauso war er während der Aufnahmen. Ich fühlte mich immer wie ein willkommenes Mitglied der FRAU IN SCHWARZ-Familie.”

In der Zusammenarbeit mit Watkins begann Jane Goldman das Drehbuch zu verfeinern, was dazu führte, dass sie – ihrer Ansicht nach – dem Geist von Susan Hills Roman treu blieb. „In den früheren Fassungen gab es einige Rückblenden der Titelfigur. Aber im Prozess der Drehbuchentwicklung nahmen wir diese immer mehr zurück. Aus meiner Sicht wurde die Wirkung dadurch noch stärker. Wir haben hier keine Hintergrundgeschichte wie in amerikanischen Filmen, wie die Frau in Schwarz zur Frau in Schwarz wurde. Sie ist nicht Freddy Krueger! Der Film handelt davon, wie Arthur diese grauenhaften Ereignisse aufdeckt – und wir sehen das mit seinen Augen.”

Für Produzent Richard Jackson war es auch wichtig, dass DIE FRAU IN SCHWARZ für ein Publikum zugänglich war, das sich normalerweise nicht für Genrefilme begeistern kann. „Wir wollten sicherstellen, dass DIE FRAU IN SCHWARZ für alle Kinogänger die erste Wahl ist, weil er so packend und gut gemacht ist – unabhängig davon, ob sie sich für Horror oder ähnliche Genre-Elemente interessieren. Darin besteht auch Daniel Radcliffes Anziehungskraft als Star: Er spricht viel breitere Zuschauerschichten an und gibt ihnen einen Grund, ein Ticket für diesen Film zu kaufen und sich davon unterhalten zu lassen.”

Produktion: Die Besetzung

Für die Rolle des Protagonisten, Arthur Kipps, suchte Regisseur James Watkins einen jungen Schauspieler, der imstande war, die richtige Mischung aus Trauer und Verletzlichkeit auf der Leinwand zu vermitteln. Daniel Radcliffe, am besten bekannt als Titelheld der „Harry Potter“-Blockbuster, war der offensichtliche Kandidat. „Ich traf mich mit Daniel, wir unterhielten uns lange und sahen die Figur auf die gleiche Weise”, erklärt Watkins. „Mit Arthur Kipps kann Daniel einen sehr vielschichtigen Charakter spielen und dabei wesentlich dunklere Bereiche als früher ausloten.”

Jane Goldman hatte ihre Adaption von DIE FRAU IN SCHWARZ lange vor Radcliffes Besetzung entwickelt. „Ich stellte mir Arthur immer sehr jung vor – insbesondere in Anbetracht der Zeitperiode und seiner Stellung in der Gesellschaft.”

„Die Sterne standen sehr günstig, als wir das Drehbuch an Daniel schickten.”, so Produzent Richard Jackson. „Er las es gleich nachdem er es bekommen hatte, auf einem Flug in die USA und als er ausstieg, rief er seine Agenten an und sagte, dass er es machen möchte.”

Radcliffe erkannte seinerseits, dass er die Rolle des jungen Zauberers, mit der er berühmt geworden war, hinter sich lassen musste. „Ich bin auf ´Potter´sehr, sehr stolz. Aber jetzt muss ich den Leuten beweisen, dass ich es mit der Schauspielerei ernst meine. Und das kann ich nur, wenn ich anfange, interessante Projekte auszuwählen.”

Goldmans Drehbuch und das Treffen mit Watkins reichten aus, um den jungen Schauspieler zu überzeugen, dass die Rolle des Arthur Kipps die richtige Herausforderung war. „Er ist ein sehr komplexer Charakter, der gleichzeitig eine tiefe Stille ausstrahlt”, so Radcliffe. „Für mich war er die Chance, eine sehr interessante Figur zu spielen.”

Ebenso reizte Radcliffe die Chance, in einer viktorianischen Geistergeschichte aufzutreten. „Als ich James zum ersten Mal traf, erwähnte er ein Zitat von Kubrick. Demnach haben alle Filme mit einem übernatürlichen Element automatisch eine tröstliche Wirkung. Denn sie gehen davon aus, dass es ein Leben nach dem Tod gibt”, erklärt er. „Wir haben einen Mann, der seine Gattin verloren hat und zu einem Haus reist, wo er den Geist einer toten Frau zu sehen beginnt. Er bleibt dort und versucht sie zu finden, weil er sich versichern möchte, dass seine Frau an einem besseren Ort weilt; das ist sein geheimes Verlangen und sein Instinkt.”

Für Regisseur James Watkins brachte Daniel Radcliffe für die Rolle genau die Art von Reife mit, die er suchte. „Er engagiert sich voll und ganz für seinen Beruf”, so Watkins. „Er hat mir sehr vertraut, und ließ es zu, dass ich ihn bei dieser Rolle in neue schauspielerische Bereiche führe. Ich glaube, er hat ganz neue Aspekte seines Selbsts entdeckt und ausgelotet und sich als Schauspieler weiterentwickelt.”

Der Regisseur glaubt, dass das Publikum von Radcliffes Verwandlung überrascht sein wird: „Daniel erfindet sich damit neu – als erwachsener Schauspieler. Es wird für die Zuschauer atemberaubend sein, den neuen Daniel zu sehen.”

„Ich habe noch keinen Schauspieler gesehen, der sich mit einer solchen Unbedingtheit in seine Rolle hineinstürzt”, so Jane Goldman über Radcliffes Arbeitsethos. „In einer sehr frühen Phase des Projekts trafen wir uns einige Male, um über die Figur zu sprechen und er war ganz darauf versessen, alles dafür zu geben.”

Als Susan Hill hörte, dass Radcliffe in der Rolle des Arthur besetzt worden war, war sie begeistert. „Ich hatte weder die „Harry Potter“-Bücher gelesen noch die Filme gesehen. Aber ich wusste, wer Daniel war – wer hätte das nicht gewusst – und gleich als ich ihn traf, war mir klar, dass er der Richtige war.”

Hill denkt, dass das Publikum von der Reife, mit der Radcliffe den jungen Rechtsanwalt und Vater spielt, überrascht sein wird. „Ich glaube wirklich nicht, dass wir einen Besseren hätten finden können. Daniel meinte in einem Interview, dass dies kein schlichter Spukhorror sei”, fügt sie hinzu. „Hier geht es um Trauer und Verlust und das Schicksal der Menschen, die das erleiden. Und er hat Recht. Die Geschichte hat einen ernsthaften Zug und er hat ihn eingefangen, weil er ihn verstanden hat.”

Laut Radcliffe ist Arthur Kipps ein Mann der „vom Tod seiner Frau völlig zerstört wurde, so dass es ihm in den letzten vier Jahren beinah unmöglich war, in der Welt der Menschen zu leben. Arthur war nicht imstande, zu anderen Menschen eine Verbindung aufzubauen – insbesondere nicht zu seinem Sohn. Er liebt ihn, aber er war nicht so für ihn da, wie er das hätte sein sollen. Er war bislang nicht imstande, ihm eine glückliche Kindheit zu geben, weil er selbst kein Glück zu empfinden vermag.”

Wie Radcliffe erkannte, ist Kipps’ erste Szene in Jane Goldmans Drehbuch für seinen Geisteszustand besonders symptomatisch: „Wenn wir ihm am Anfang begegnen, dann steht er am Abgrund. Er hat ein scharfes Rasiermesser an seiner Kehle – zwar nur um sich zu rasieren, aber ich dachte mir immer, dass er ganz definitiv mit dem Gedanken an Selbstmord spielte.”

Für Radcliffe lag die besondere Herausforderung der Rolle in der eigentümlichen Stille, die Arthur umgibt: „Es gibt Momente, wo du dir nicht sicher sein sollst, was er denkt. Du weißt, dass es wahrscheinlich keine glücklichen Gedanken sind, aber du kannst nicht genau sagen, woran es liegt und was er in diesen speziellen Momenten durchmacht. Das lässt dem Zuschauer ein bisschen mehr Freiraum für seine Vorstellung, denn er kann hier jede Emotion ergänzen, die Arthur seiner Vermutung nach empfindet. Durch diese Vieldeutigkeit hast du die Möglichkeit, eine Beziehung zu dieser Figur aufzubauen.”

„Er hat sich voll und ganz in diese Rolle hinein vertieft”, so James Watkins über Radcliffes Einsatzbereitschaft. „Wir kamen zu dem Punkt, wo wir nur noch stichwortartig miteinander zu kommunizieren brauchten; so konnte ich ihm selbst die feinsten Änderungswünsche vermitteln. Am Schluss brauchte er gar keine Regieanweisung mehr. Er verstand genau, wer diese Figur war und hat sie regelrecht gelebt.”

Watkins ist sich wohl bewusst, dass Lobeshymnen auf einen Schauspieler bei jedem Regisseur Standard sind, aber er meint davon jedes Wort ernst, wie er selbst betont: „Es war eine absolute Freude, mit ihm zu arbeiten. Ich weiß, dass man das immer sagt und natürlich verstecken sich dahinter alle möglichen Lügen. Doch in seinem Fall stimmt das!”

Laut Radcliffe ist es die Verantwortung jedes Hauptdarstellers, am Set für eine gute Stimmung zu sorgen: „Ich habe Dreharbeiten erlebt, wo die Schauspieler Ärger machten und das war echt trist. So etwas überträgt sich auf alle Beteiligten. Aber ich liebe es am Set zu sein und ich liebe meinen Job.”

Für Susan Hill war Radcliffes warme Persönlichkeit schon bei ihrer ersten Begegnung offensichtlich. „Wir unterhielten uns einfach nur über unsere Border Terrier”, lacht sie. „Wir aßen in Simons Haus zu Mittag, und ich war mir sicher, dass er wusste, was er tat. Er ist intelligent, er kann spielen und er ist so unverdorben, was ich als sehr angenehm empfand. Wenn jemand in diesem Alter einen solchen Erfolg hat, bekommt er sehr schnell Allüren. Aber Daniel steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden und ich denke, dass er da auch bleiben wird. Ich hoffe, dass er eines Tages in einer anderen Verfilmung meiner Bücher auftritt, denn er ist einfach sehr gut.”

Produktion: Set und Design

Neben Radcliffe wurde ein bunt gemischtes Ensemble aus Schauspielern besetzt, darunter Ciarán Hinds, Janet McTeer und Shaun Dooley, die die Bewohner des unheimlichen Städtchens Crythin Gifford spielen. „Casterin Karen Lindsay-Stewart und ich entschieden, dass die Bewohner des Ortes authentisch herüberkommen sollten”, erklärt James Watkins. „Wir wollten nicht, dass sie wie exotische Landbewohner oder Bauerntrampel wirken. Es sollte sich nicht so anfühlen, als wärest du gerade im ‘Slaughtered Lamb’, der Dorfkneipe von AMERICAN WEREWOLF IN LONDON (American Werewolf, 1981), gelandet. Bei diesen Menschen musste der Schmerz des Verlusts spürbar sein – und die Angst, die ihr Verhalten prägte.”

Daher war es auch wichtig, dass jede Figur ihren eigenen vollständigen Entwicklungsbogen besaß. „Bei den Proben arbeiteten Jane und ich zusammen, damit wir diese Rollen noch genauer definierten. Ich wollte, dass jede Figur ihre eigene kleine Geschichte hatte.”

Watkins ist von dem Ergebnis des Besetzungsprozesses begeistert: „Als Regisseur findest du dich manchmal in einer beneidenswerten Lage. Du sagst dir: Wen finde ich als Schauspieler toll und wer könnte für diese Rolle richtig sein? Zum Beispiel liebe ich seit langer Zeit Ciarán Hinds als Schauspieler und für mich war er perfekt.”

Die Rolle von Arthur Kipps’ kleinem Sohn spielt Misha Handley, Daniel Radcliffes echter Patensohn. „Wir sahen uns viele Kinder an, aber Daniel und Misha haben eine so enge Beziehung, die spürst du auch im Film,” so Watkins. „Misha ist eines der größten Naturtalente, das ich je bei Kinderschauspielern gesehen habe.”

Eine der entscheidenden Veränderungen gegenüber dem Roman betrifft Kipps’ Sohn, der im Buch erst geboren wird, nachdem der Anwalt aus Crythin Gifford zurückkehrt. Goldmans Drehbuch dagegen führt ihn bereits in den ersten Szenen ein. Die Tatsache, dass sich Kipps während seiner Zeit in Crythin Gifford nicht von seinem Sohn trennen will, wird zu einem Schlüsselmoment der Handlung und sorgt für einen weiteren Bedrohungsfaktor, als der junge Rechtsanwalt von den Geheimnissen des seltsamen Dorfes erfährt.

„Wir wollten das als roten Faden des Films beibehalten”, erklärt Watkins. „Denn es ist für Arthurs Motivation von fundamentaler Wichtigkeit. Ebenso wollte ich ausloten, was der Verlust seiner Frau für ihn bedeutet. Dieses Element sollte kein Fremdkörper in der Handlung sein.”

„Der Roman funktioniert wunderbar, denn er ist ganz im Stil der klassischen viktorianischen Geistergeschichte verfasst, wo du dir nicht die gleichen Fragen wie bei einem Film stellst”, erklärt Jane Goldman. Zum Beispiel: Warum reist Arthur nicht sofort wieder aus dem Dorf ab? – Es gibt Konventionen des Kinos, die wir berücksichtigen mussten. Und deshalb war es wichtig, Fragen zu seinen Motiven zu klären und warum es für ihn wichtig ist, dass er in dem Dorf bleibt.”

Obwohl Susan Hills Roman und damit auch Jane Goldmans Adaption die FRAU IN SCHWARZ in der großen Tradition der viktorianischen Geisterschichten erzählt, entdeckte Goldman das Universum dieses Films auch in einigen cineastischen Vorlagen, die auf den ersten Blick nicht dazu passten.

„Die Geschichte soll natürlich schocken, aber sie ist gleichzeitig voll echter, emotionaler Tiefe. Deshalb kehrte ich bei der Adaption immer wieder zu einigen der besten J-Horrorfilme der letzten Jahre zurück.”

Das japanische Horrorgenre – auch J-Horror genannt – das mit Filmen wie RINGU (The Ring, 1998) und JU-ON (The Grudge, 2002) populär wurde, hat laut Goldman einiges mit den klassischen viktorianischen Geistergeschichten gemein: „Seine Filme sind oft emotional erschütternd, machen aber auch richtig Angst. Beides muss sich nicht gegenseitig ausschließen. In Japan interessiert man sich sehr für die viktorianische Kultur und es ist interessant zu sehen, wie diese Streifen beides miteinander in Einklang bringen.

Für James Watkins stellte die Konzeption eines modernen Historienfilms ein faszinierendes Paradox dar. „Die historische Atmosphäre mit dem J-Horror zu kreuzen war sehr interessant und innovativ. Ich besprach die Grammatik des Films ausführlich mit Tim Maurice-Jones. Der Film sollte nicht wie ein Historienstück aussehen. Ich wollte ihn mit einer sehr modernen Bildsprache drehen – bei den Kamerabewegungen, den einführenden Einstellungen und in der gesamten Inszenierung.”

Beim Look des Eel Marsh House, der unheimlichen Villa, die bei Flut von Crythin Gifford abgeschnitten ist, wollte Watkins auf keinen Fall mit den Stereotypen des Geisterhauses spielen. „Es sollte eine Verfallsstimmung ausströmen, aber ohne diese monochromatischen Klischees.”

Gemeinsam mit Szenenbildnerin Kave Quinn suchte er stattdessen nach einer reichen Farbpalette, die zu einem wesentlich gesättigteren Look als im Genre üblich führte. „Die Optik des Filmes ist sehr reich”, so Watkins weiter. „Wir zeigen gewissermaßen die Farbpalette von Verletzungen, die Farben von Tod und Verfall: violette, schwarze und tiefe, satte purpurne Töne. Ich wollte, dass die Schönheit des Hauses zu spüren ist. Gleichzeitig ist es auch ein Geisterhaus mit dunklen Ecken, Winkeln und Räumen. Dabei spielte auch die Beleuchtung eine ebenso wichtige Rolle.”

Für Quinn begann die Designarbeit am Eel Marsh House mit der Motivsuche für die Außenaufnahmen. „Zu Beginn hatten wir einen fantastischen Aufnahmeleiter, der nach dem richtigen Haus Ausschau hielt. Es brauchte eine eigene Persönlichkeit. Schon auf den ersten Blick musstest du erkennten, dass es einen bestimmten Charakter besaß. Sehen Sie sich das Haus, das wir gefunden haben, mal näher an und Sie werden feststellen, dass es fast Augen hat. Dabei handelt es sich um ein Gebäude aus jakobinischer Zeit; der Giebel an der Fassade verleiht ihm ein unglaublich böses Aussehen.”

Nachdem dieses Motiv gefunden war, setzte sich Quinn mit Watkins zusammen, um ihre Innen-Designs auf den Grobentwurf der Außenseite hin abzustimmen. „Ich hatte Stapel von Recherchematerial zusammengestellt – zu Themen wie Treppenaufgängen und Wandverkleidungen, und ich wusste, worauf ich bei den Farben hinauswollte. Wir setzten Violetttöne, wie sie bei Blutergüssen zu sehen sind, und schimmliges Grün ein, um eine Stimmung des Verfalls zu vermitteln.”

Die Suche nach einem realen Ort, der für das merkwürdige Dorf Crythin Gifford stehen sollte, war eine noch größere Herausforderung. „Im 21. Jahrhundert geht es logischerweise überall hektisch zu; überall sind Autos, Straßenschilder und moderne Gebäude, die du abdecken musst”, erklärt Quinn. „Wir wollten etwas, an dem die Zeit fast spurlos vorübergegangen war. Schließlich stießen wir auf das Dorf Halton Gill mitten im Yorkshire Dales Nationalpark und damit weit entfernt von allen Ortschaften, durch die man normalerweise durchfährt. Es war nicht großartig entwickelt worden und daher sind Häuser gut 400 Jahre alt.”

Für Quinn war die Zusammenarbeit mit James Watkins „unglaublich”. „Wir verstanden uns gleich bei unserem ersten Treffen.”

„Kave hat als Szenenbildnerin wahre Wunder vollbracht; sie ist eine erstaunliche Frau”, meint Watkins. „Sie hat wirklich verstanden, was ich erreichen wollte. Wir entwarfen lange Korridore, so dass die Bilder große Tiefe hatten; wie bei Polanski schauen wir durch Türöffnungen in diese tiefen Räume, können aber Gegenstände oder Personen nur zum Teil erkennen.”

Der Regisseur fasst zusammen: „Eine Geistergeschichte dreht sich um etwas, das du nicht ganz sehen kannst – was sich in den Ecken und den Rändern des Bildrands befindet. Daran haben wir uns beim Szenenbild orientiert.”

„Wir drehten in 2.35:1 anstatt 1.85:1”, so Jackson über das Breitwandformat, das bevorzugt bei Hollywoodepen eingesetzt wird. „Diese Entscheidung mag ungewöhnlich wirken, denn bei 2.35:1 denkst du an große Western, während du mit kleinen klaustrophobischen Geistergeschichten 1.85:1 verbindest. Aber es war sehr aufregend, den Film so zu drehen.”

Kameramann Tim Maurice-Jones bekam von Watkins eine primäre Anweisung, um den Look des Films zu definieren. Die lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: Kontrast. „Wir versuchten die Sets mit einer einzigen Lichtquelle auszuleuchten”, erklärt Maurice-Jones. „Viele Filme nehmen ein Führungslicht für das Gesicht, dann ein Aufhell-Licht, um alle übrigen Schatten auszuleuchten und ein Gegenlicht, um das Objekt gegenüber dem Hintergrund hervorzuheben. Wir dagegen versuchten Licht und Schatten einzusetzen, um diesen Kontrast mit nur einer Lichtquelle zu erreichen.”

Watkins entschloss sich auch mit den grundlegenden Konventionen des Filmemachens zu spielen, um die verstörende Schreckensstimmung, die über dem Film hängt, noch zu verstärken. „Wir taten was wir konnten, um die Dinge leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ich variierte die Bildzahl pro Sekunde, drehte mit unterschiedlichen Verschlussgeschwindigkeiten, verwendete Jump Cuts und Schnitte mit bewussten Anschlussfehlern. Ich wollte dabei nicht besonders cool oder raffiniert sein – das kann ich nicht ertragen. Aber alles, was dazu dient, die Geschichte ehrlich zu erzählen – und genau darauf kommt es mir an – hat seine Berechtigung. Dafür gibt es keine zwingenden Regeln und die Freiheit, zu experimentieren, finde ich interessant.”

„Die Vorgehensweise war sehr organisch”, stimmt Cutter Jon Harris zu. „James ist großartig darin, Ideen für kleine Einsprengsel zu finden, die das Ganze noch unheimlicher machen. Wir haben uns dabei die Bälle zugespielt. Wir stellten Szenen zusammen, um zu sehen, was funktionierte und wenn er noch am gleichen Set war, dann hat er noch was hinzugefügt, oder er setzte die Idee in einer anderen Szene um.”

„Wir versuchten, etwas ähnliches wie periphere Szenen zu erreichen”, so Harris weiter. „Obwohl ich nicht an Geister glaube, habe ich in alten Häusern das Gefühl, als würde sich etwas am Rande meines Blickfelds bewegen. Wir besprachen uns ausführlich, wie wir das im Film hinkriegen. Natürlich kannst du versuchen, die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf einen Punkt zu lenken, aber letztlich sehen sie überall hin, wo sie wollen.”

Watkins hebt den ausgeprägten Gemeinschaftsgeist in seiner Zusammenarbeit mit Harris hervor. Das Duo arbeitete bereits bei Watkins’ erstem Langfilm EDEN LAKE (Eden Lake, 2008) und Harris’ Regiedebüt THE DESCENT: PART 2 (Descent 2 – Die Jagd geht weiter, 2009) zusammen, bei dem Watkins als Koautor verantwortlich zeichnete. „Jon spielte bereits vor dem Schnitt eine wichtige Rolle bei der Konstruktion des Films”, offenbart Watkins. „Er drehte mit dem zweiten Aufnahmeteam und klinkte sich auch entscheidend mit ein, als ich mit Jane das Drehbuch entwickelte.”

„Wir beide wissen, was wir brauchen, damit der Film funktioniert”, so Harris. „Während des Drehs arbeitete ich am Schnitt und ich achtete ständig darauf, was gedreht wurde und welche zusätzlichen Einstellungen geplant sind, damit wir definitiv alles bekamen, was wir brauchten.”

Produktion: Die Frau in Schwarz

Für Schauspielerin Liz White ist die Frau in Schwarz eine Figur, für die man Mitgefühl entwickeln kann: „Wenn du die Geschichte liest, dann leidest du mit, wie sie ihren Sohn verliert, und denkst über den Schmerz nach, den sie empfunden haben muss. Sie hat das Vertrauen ihrer Schwester, ihres Vaters und ihres Schwagers verloren und als sie miterlebt, wie ihre Schwester ihr Kind in Todesgefahr im Stich lässt, bricht ihr das Herz.”

Für White waren ihr Kostüm und das Make-up eine große Hilfe, um sich in diese Rolle hineinzufinden. „Du fühlst dich sofort von allen anderen isoliert. Du kannst den Menschen nicht in die Augen sehen. Du kommst dir gleich so vor, als würdest du in die Welt dieser Frau gehören. Für mich war das großartig zu spielen, denn so kannst du deine ganze Vorstellungskraft einsetzen. Das einzige, was zählte, war das Innenleben dieser Frau. Für einen Schauspieler ist das eine echte Freude.”

Kostümdesigner Keith Madden recherchierte lange über die Trauerkleider der viktorianischen Zeit, um das richtige Aussehen für die Frau in Schwarz zu finden. „Auf uns wirkt so etwas sehr fremdartig. Aber wenn eine Frau in der viktorianischen Ära ihren Mann oder Sohn verloren hatte, dann würde sie genauso aussehen. Ich wollte, dass die Frau eine Braut der Trauer war. Sie ist stark verhüllt. Damals nahm man dafür Trauerflor, ein sehr kontrastarmer und lebloser Stoff, der im Bild nicht sehr gut aussah. Daher legten wir die Messlatte höher und nahmen ein kräftiges Gewebe, das viel Stärke ausstrahlt. Es verlieh ihr eine gute Form und Silhouette.”

„Einer der wichtigsten Punkte, auf den wir uns bald einigten, war, dass wir kein Fleisch zeigen wollten”, so Madden weiter. „Alle verletzlichen Körperteile wie die Handgelenke zwischen Handschuhen und Ärmeln, die Rückseite des Nackens sollten nicht zu sehen sein. Wir legten den Fokus auf ihr Gesicht, so dass man sehr schnell seine ganze Aufmerksamkeit darauf richtete.”

Ein ganz besonderes Detail von Maddens Kostüm ist der schwarze Schleier, der in einer Weise über das Gesicht fällt, dass er Risse auf ihrer Haut zu bilden scheint. Madden entdeckte diesen Effekt per Zufall, als er mit dem Stoff herumexperimentierte. „Ich spielte damit herum – damals war noch nicht klar, wie viel von ihrem Gesicht enthüllt sein sollte, und ich wollte es maskieren, indem ich eine einzige Schicht ganz dicht heranzog. Wenn man sich den Schleier aufsetzte und das Band unten zuschnürte, fiel er wie Kreuzzeichen oder Tränen oder Falten über ihre Haut. In Verbindung mit Jeremys Make-up sah das sehr gut aus.”

Haar- und Make-up Designer Jeremy Woodhead hatte „großen Spaß”, eine so komplexe, düstere und furchteinflößende Figur wie die Frau in Schwarz zu gestalten. „Hier drehte sich alles um die Psychologie, es war nicht einfach eine Frage von Eitelkeit. Das heißt, du hast hier etwas geschaffen, wo das Make-up wichtig war, den Charakter zu erschaffen.”

Als er den unheimlichen, bleichen Look kreierte, folgte er folgender Arbeitsphilosophie: „Offenkundig ist die Frau ein Geist. Aber wir wollten die ganzen Klischees von Geistererscheinungen vermeiden. Sie ist ausgetrocknet, ihre Haut ausgedörrt, und die Jahre haben sie zerfressen. Das steigert noch die Traurigkeit ihrer Figur. Es war wichtig, sie nicht zum Monster zu machen. Sie ist jemand, dem schlimmes Unrecht zugefügt wurde und der deshalb extrem traurig ist. Aber sie war einst auch schön.”

Whites Verwandlung in die Frau in Schwarz war keine einfache Sache: „Normalerweise wurde ich zwei Stunden vor Drehbeginn ans Set gebracht, um mit dem Make-up zu beginnen, denn das Ganze dauerte so lange. Man klebte mir effektiv drei Schichten aus verschiedenen Substanzen auf mein Gesicht, hinzu kamen irgendwelche stinkigen, klebrigen chemischen Sachen, die an verschiedenen Stellen angebracht wurden. Die Frau liegt ja unter der Erde und hat längst angefangen zu verwesen.”

Die Frau zeigt ihre außergewöhnliche Präsenz besonders am Anfang des Films in flüchtigen Auftritten – die man ganz kurz aus einem Fenster oder einem Türeingang erhaschen kann. Watkins drehte mehrere Varianten dieser Einstellungen, damit es genügend Material gab, um beim Schnitt damit herumzuexperimentieren.

„Ich wollte eine subtile, verfeinerte Geistergeschichte drehen, die eine Stimmung des Schreckens und einer schleichenden, wachsenden Gefahr vermittelt”, erklärt Watkins. „Ich wollte keine ‘Buh’-Effekte. Du blickst aus dem Fenster und fragst dich: Ist da irgendetwas draußen? Du bekommst es nur ganz kurz zu sehen. Für mich ist so etwas viel furchteinflößender.”

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