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Fakten und Hintergründe zum Film "Die F?lscher"

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Unternehmen Bernhard

Eine Baracke mit Pingpong-Tisch, bunten Abenden und ständiger Operetten-Berieselung – Details, die zu grotesk sind, als dass sie sich ein Drehbuchautor hätte ausdenken können: Szenen aus der Fälscherwerkstatt im Konzentrationslager Sachsenhausen.

Die Geschichte dieser Fälscherwerkstatt und des ,Unternehmens Bernhard’, aus der sie hervorging, erzählt DIE FÄLSCHER nun nach. Das Unternehmen, ein von den Nationalsozialisten unter der Leitung des ehemaligen Falschgeldfahnders Bernhard Krüger erdachter Geheimplan, wurde 1942 ins Leben gerufen. Ziel des Plans war die Fälschung u.a. von britischen Pfund und US-Dollars, um damit die feindliche Wirtschaft zu schwächen. Zudem wird vermutet, dass auch mit den Blüten auch kriegswichtige Investitionen z.B. in die Rüstung getätigt werden sollten, dies ist jedoch unter Historikern umstritten.

Das Personal für die Fälscherwerkstatt fanden die Nazis in ihren Konzentrationslagern. Von überall her wurden inhaftierte Spezialisten – professionelle Drucker, Grafiker oder Typografen, allesamt Juden, brave Bürger und ehrliche Handwerker – nach Sachsenhausen gebracht, um dort den Plan in die Tat umzusetzen. Von der Außenwelt abgeschirmt wurden die Häftlinge in Block 18 und 19 des Lagers Sachsenhausen dazu gezwungen, für das streng geheime Unternehmen der Nazis zu fälschen.

Im „Goldenen Käfig“, wie die Insassen ihre Abteilung nannten, wurde vor allem Falschgeld gedruckt, zudem auch Ausweise und Drucksorten für den Geheimdienst. Insgesamt 134 Millionen Pfund wurden in Sachsenhausen hergestellt, das Dreifache der Währungsreserven Großbritanniens. Zwischen 1942 und 1945 arbeiteten zuletzt über 140 Häftlinge daran, Banknoten zu 5, 10, 20 und 50 Pfund herzustellen. Und die Fälschungen des ‚Unternehmens Bernhard’ waren so perfekt, dass sie kaum vom Original unterschieden werden konnten.

Abgeschirmt von den ‚regulären’ Insassen waren die Lebensbedingungen in Block 18 und 19 erheblich besser als im Rest von Sachsenhausen oder allen anderen KZs. Es gab ausreichend Essen und eigene Betten, die Lagerkommandanten spendierten sogar eine Tischtennisplatte und ordneten hin und wieder eine Feier an, um die Moral der Fälschertruppe zu stärken. Dennoch: Auch wenn sie keine Sträflingskleidung tragen mussten, so waren es die Anzüge ihrer vergasten Mithäftlinge. Und es war immer klar, dass bei Nichtgelingen oder Sabotage der sofortige Tod drohte. Zudem ahnten die meisten Fälscher, dass sie nach dem Gelingen der streng geheimen Aktion nicht mehr gebraucht und als Geheimnisträger liquidiert werden würden.

So fälschten sie unter ständiger Todesangst, erdachten immer wieder Verzögerungstaktiken, um möglichst viel Ausschuss zu produzieren und Zeit zu gewinnen – ständig jedoch im Bewusstsein, dass sie ihre Sabotage-Aktionen nicht unendlich fort führen konnten, ohne Opfer in den eigenen Reihen zu fordern.

Als den Häftlingen schließlich das englische Pfund perfekt gelang, erhielten sie schon bald den Auftrag, den US-Dollar zu fälschen. Um die ‚Dollar-Gruppe’ zu unterstützen, brachte Krüger 1944 einen neuen Häftling in die Fälscherwerkstatt, Salomon Smolianoff, genannt ‚Sally’, ein russisch-jüdischer Kunstmaler und der berüchtigtste Kunst- und Geldfälscher seiner Zeit. Er ist das Vorbild der Hauptfigur der FÄLSCHER, Salomon Sorowitsch. Wie Sorowitsch landete Smolianoff auch in der Realität vor dem Krieg im Gefängnis, weil er wegen einer schönen Frau eine Nacht zu lange in Berlin geblieben war. Und genau wie es im Film der spätere Lagerkommandant Friedrich Herzog war, der Sorowitsch verhaftete, war es in der Realität Krüger, der den ,echten Sorowitsch’ Smoljanoff ins Gefängnis brachte. 1939 wurde er in das KZ Mauthausen überstellt, dort gelang es ihm, sich den SS-Wachen als Portraitmaler anzudienen – und so kam er im Jahr 1944 „mit einem kleinen Bäuchlein“ (Zitat Adolf Burger) in der Fälscherwerkstatt Sachsenhausen an.

Doch das Jahr ging auch mit Smolianoff zu Ende, ohne dass ein brauchbarer Dollar gedruckt wurde. Die Gruppe schaffte es, das schwierige Druckverfahren über mehrere Monate zu verzögern. Smolianoff beteiligte sich nicht an den Sabotage-Aktionen anderer Gruppenmitglieder, der Meisterfälscher arbeitete hart und zeigte, was er konnte. Doch seine Kameraden wollten die Produktion so lange wie möglich hinaus schieben und verdarben absichtlich die zum Druck benötigte Gelatine. Ewig ließ sich die Verzögerungstaktik jedoch nicht durchhalten, letztendlich gingen die ersten perfekten Dollarblüten doch in Druck. Ihr Ziel hatten die Fälscher dennoch erreicht: Die Alliierten waren im Anmarsch, eine Massenproduktion des gefälschte Dollars war den Deutschen nicht mehr rechtzeitig gelungen.

Das Ende des ‚Unternehmens Bernhard’

In DIE FÄLSCHER werden Sorowitsch und seine Mitgefangenen in Sachsenhausen befreit. In Wahrheit wurden die Fälscherblocks jedoch aufgelöst, als Anfang 1945 die Ostfront zusammenbrach, die Russen in einem Generalangriff die Oder überquerten und Richtung Berlin marschierten. Die Häftlinge und ihre Fälscherwerkstatt wurden in Richtung Alpen verlegt, landeten nach einigen Zwischenstationen im KZ Ebensee im österreichischen Salzkammergut, wo sie schließlich von der US-Armee befreit wurden. Die herannahenden Alliierten bedrohten die Versuche der Nazis, das Falschgeld in Sicherheit zu bringen. So versenkten SS-Angehörige im Mai 1945 zahlreiche Kisten mit gefälschten britischen Pfundnoten im Toplitzsee.

Die Spuren des Oberfälschers Smolianoff verloren sich nach seiner Befreiung. Gerüchteweise tauchte er kurz nach Kriegsende in Monte Carlo auf, wo er viel Geld im Casino verspielte. Sehr bald stand er wegen Geldfälscherei wieder auf internationalen Fahndungslisten, er soll jedoch auch vielen Juden Papiere für ihre Emigration nach Palästina gefälscht haben. Smolianoff starb in den 1960ern in Argentinien, wo er die letzten Jahre seines Lebens von der „Wiederentdeckung“ alter Meister gelebt haben soll.

Die Grundlage des Drehbuchs: Die Erlebnisse des Zeitzeugen Adolf Burger

Adolf Burger, gelernter Drucker aus dem slowakischen Velká Lomnica (dt. Großlomnitz), wurde 1942 zusammen mit seiner Frau aus ‚politischen Gründen’ verhaftet und interniert. Seine junge Frau wurde in Auschwitz-Birkenau ermordet, er selbst nach eineinhalb Jahren, die er dort verbrachte, mit anderen ‚Spezialisten’ in die geheime Fälscherwerkstatt der Nazis im Konzentrationslager Sachsenhausen überstellt.

Er wurde am 5. Mai 1945 von US-Truppen in einem Außenlager des KZ Ebensee befreit und kehrte in die Tschechoslowakei zurück, wo er wieder als Drucker arbeitete. Seine Erinnerungen hielt er in dem Tatsachenbericht „Des Teufels Werkstatt. Die Geldfälscherwerkstatt im KZ Sachsenhausen“ (Hentrich & Hentrich, Berlin 2006, erw. Auflage) fest. Die Erinnerung an seine Erlebnisse und an die damalige Zeit wurde seine „Mission“ – unermüdlich ist der mittlerweile 90-jährige als Vortragsreisender unterwegs. Trotz seines hohen Alters hält er Vorträge an Schulen, um den Jugendlichen seine Lebensgeschichte zu erzählen und über das damals Geschehene als Zeitzeuge aufzuklären.

Legenden um den ,Schatz im Toplitzsee’ – Der Verbleib der Blüten aus dem ,Unternehmen Bernhard’

Das Magazin ‚Stern’ berichtete 1959 unter dem Titel ‚Geld wie Heu’ über einen sensationellen Fund gefälschter britischer Pfundnoten im steirischen Toplitzsee (Salzkammergut, Österreich). Neun Kisten voller Falschgeld wurden damals sichergestellt, zudem das Geheimarchiv der SS. Doch wie kamen die falschen englischen Pfundnoten in den See? Der ‚Stern’-Reporter Wolfgang Löhde war auf eine heiße Spur gestoßen. Die Nationalsozialisten ließen unter dem Codenamen ‚Unternehmen Bernhard’ über 130 Millionen britische Pfund drucken. Und die Spur führte zum Toplitzsee.

Seit Löhde die ersten Kisten mit Falschgeld ans Tageslicht brachte, tauchten immer wieder Gerüchte über geheime Goldreserven und erbeutete Kunstgegenstände des dritten Reiches auf, die in den Tiefen des Toplitzsees versunken liegen sollten.

Anwohner erinnerten sich wieder, wie sie gegen Ende des Krieges von Soldaten gezwungen wurden, mit Booten auf den See hinaus zu fahren, sie waren dabei, als geheimnisvolle Kisten im See versenkt wurden. Die Legende von einem Goldschatz entstand, und der See entwickelte sich zu einem Mekka für Schatzsucher aus aller Welt.

Der Toplitzsee ist ca. zwei Kilometer lang und 103 Meter tief, ab einer Tiefe von 20 Metern ist sein Wasser nicht mehr sauerstoffhaltig. Zahlreiche Baumstämme, die im See liegen und dort nicht verrotten, erschweren Tauchgänge und machen sie extrem gefährlich. Viele Schatzsucher versuchten trotzdem ihr Glück. Mysteriöse Unfälle und der Tod eines jungen Tauchers während einer nicht genehmigten Schatzsuche 1963 führten dazu, dass die österreichischen Behörden ein Tauchverbot für den Toplitzsee verhängten. Um den gefährlichen Schatztauchgängen und dem Mythos vom Nazigold ein Ende zu setzen, startete das österreichische Innenministerium groß angelegte Bergungsaktionen. Die Taucher des Bundesheeres und Entminungsdienstes bargen bis Anfang der 80iger Jahre neben weiteren Kisten mit Falschgeld und Druckstöcken auch Kriegsgerät aus dem Dritten Reich. Die gefundenen Bomben, Raketen, Minen, Sprengstoff und Waffen gaben dem See den Namen ‚Müllhalde des dritten Reiches’.

Auch heute noch ist der Mythos eines versenkten Reichsschatzes nach wie vor das brisante Thema des Toplitzsees. Er ist nicht der einzige See im Salzkammergut, über den immer wieder Gerüchte und mysteriöse Geschichten von einem Schatz kursieren, aber die des Toplitzsees ist wohl die spektakulärste und bekannteste. Das Geheimnis vom Toplitzsee ist immer noch nicht gelüftet - und mit jeder Bergungsaktion wächst sein rätselhafter Mythos weiter.