Filmhandlung und Hintergrund

Poetische Meditation über die Endlichkeit in durchkomponierten Einstellungen. Vom filmenden Philosoph Theo Angelopoulos.

Alexander, einst ein anerkannter Dichter, ist sterbenskrank und macht sich auf seine wohl letzte Reise ins Krankenhaus. Bevor er ankommt, befreit er einen albanischen Flüchtlingsjungen aus den Händen einer Schlepperbande und will ihn zu seiner Großmutter über die Grenze bringen. Die Begegnung mit dem Jungen lehrt ihn, das Leben wieder zu lieben.

Dichter Alexander ist sterbenskrank, auf seinem Weg inder Klinik trifft er einen Jungen, der ihm die Liebe zum Leben lehrt. Poetische Meditation über die Endlichkeit in durchkomponierten Einstellungen. Vom filmenden Philosoph Theo Angelopoulos.

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Kritikerrezensionen

  • Die Ewigkeit und ein Tag: Poetische Meditation über die Endlichkeit in durchkomponierten Einstellungen. Vom filmenden Philosoph Theo Angelopoulos.

    Der filmende Philosoph Theo Angelopoulos hat mit seiner poetischen Meditation über die Endlichkeit ein kleines Meisterwerk geschaffen. Belohnt wurde mit der Palme d’Or, dem Hauptpreis in Cannes, wohl nicht nur der jüngste Wettbewerbsbeitrag des Croisette-Veteranen, sondern gleichsam auch sein Lebenswerk. Die Auszeichnung dürfte dem in bekannt-gekonnter Angelopoulos-Art gedrehten Film international zu einigen Kinostarts verhelfen. Der kommerzielle Erfolg, den der griechische Altmeister noch nie angestrebt hat, wird sich allerdings auch mit seinem elften Spielfilm nicht einstellen.

    Sterblichkeit und Politik sind die Themen, denen er sich seit je verwurzelt fühlt und denen er auch in „Eine Ewigkeit und ein Tag“ treu geblieben ist. Auch formal läßt er Bekanntes einmal mehr, wenn auch in zunehmender Präzision und Meisterschaft, auf der Leinwand erstehen. Seine Helden unternehmen Reisen durch Zeit und Raum, meist durch die nebligen (Grenz-)Landschaften Griechenlands.

    Sein Held Alexander ist der Schweizer Bruno Ganz in einer eindrucksvollen Rolle, die er faszinierend ausfüllt. Angelopoulos liebt es, seinen Hauptpart mit ausländischen Schauspielern zu besetzen. Unvergessen sind Harvey Keitel in „Der Blick des Odysseus“, der ebenfalls den Balkankonflikt thematisiert und vor drei Jahren in Cannes im Wettbewerb lief, und Marcello Mastroianni in „Der Bienenzüchter“.

    In der ersten Einstellung sieht Ganz beeindruckend alt aus, unbeweglich und sterbenskrank, ein einst erfolgreicher Dichter kurz vor seiner letzten Reise ins Krankenhaus, das er wohl nicht mehr verlassen wird. Jung werden und noch einmal aufblühen, läßt ihn die Begegnung mit einem albanischen Flüchtlingsjungen, den er auf seiner Fahrt durch Thessaloniki aus den Händen einer Bande befreit, die Kinder illegal zur Adoption vermittelt. Vergebens versucht er, den Jungen über die albanische Grenze zurück zu seiner Großmutter zu bringen, zunächst nicht wissend, daß der Kleine ihn angelogen hat und die Oma gar nicht existiert. Hier gelingen Angelopoulos und seinem langjährigen Kameramann Giorgos Arvanitis Bilder von erschreckender Intensität: Menschen hängen wie Marionetten an dem elektrischen Grenzzaun in dem unwirtlichen, in Dunst getauchten Niemandsland. Ein apokalyptisches Szenario. Im Zentrum seiner Abschiedsreise steht die Begegnung mit dem Jungen. Alexander, der Dichter, dem die Wörter ausgegangen sind und dem der Junge neue „verkauft“, nimmt auch Abschied von seiner alten Mutter, seiner Tochter und, in einer hinreißenden Rückblende, von seiner geliebten jungen Frau Anna, die vor ihm gestorben ist. Seinen Hund übergibt er der Obhut seiner treuen Haushälterin.

    Ständig bewegt sich der Film geschickt durch verschiedene Zeitebenen. Ein Dichter des 19. Jahrhunderts, dessen Werk Alexander vollenden wollte, steigt unvermittelt in den Bus, in dem Alexander und der Junge zum Flüchtlingsschiff am Hafen fahren, das das Kind besteigen wird. In surrealen Bildern kreuzen drei Fahrradfahrer in gelber Regenkleidung ihren Weg. In einprägsamen Einstellungen, sorgsam komponiert wie Gemälde, zeichnet Angelopoulos liebevoll-zärtlich und zugleich unsentimental-distanziert diese letzte Reise seines Helden. Komplizierte Kamerafahrten und eine bis zur Schmerzgrenze gehende Langsamkeit, die von Angelopoulos‘ trotziger Opposition zu den gängigen Kinobildern und unterschwelliger Aggression zeugen, geben dem Film seinen eigenen elegischen Rhythmus. Dennoch: Es ist nicht Angelopoulos‘ düsterster Film geworden, sondern vielmehr sein emotionalster. boe.

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