Filmhandlung und Hintergrund

Zartes Liebesdrama um zwei verwundete Seelen vom für "Private" ausgezeichneten Regisseur Saverio Costanzo nach einer Bestsellervorlage von Paolo Giordano.

In der Schule begegnen sich Alice und Mattia zum ersten Mal und sie werden einander immer wieder begegnen. Sie fühlen sich voneinander angezogen, doch eine Verbindung einzugehen, schaffen sie nicht. Zu sehr sind die Außenseiter von Traumata aus ihrer Kindheit geprägt. Alice verlor nach einem Skiunfall das Vertrauen in ihren Vater und seitdem misstraut sie jedem, vor allem sich selbst. Mattia gibt sich die Schuld am Verschwinden seiner Zwillingsschwester.

Ein Junge und ein Mädchen fühlen sich von Schulzeiten an zueinander hingezogen, aber persönliche Traumata verhindern eine Beziehung. Verfilmung des Bestsellers von Paolo Giordano, in der „Glück“-Star Alba Rohrwacher abermals eine meisterhafte Vorstellung abliefert.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Der Roman „Die Einsamkeit der Primzahlen“ von Paolo Giordano aus dem Jahr 2008 ist auch in Deutschland zum Bestseller geworden. Für den gleichnamigen Film schrieb Giordano gemeinsam mit Regisseur Saverio Costanzo das Drehbuch. Die dramatische Geschichte zweier Außenseiter über zwei Jahrzehnte hinweg inszeniert Costanzo nicht linear, sondern mit häufigen Sprüngen zwischen den Zeiten. Die kurzen, parallel montierten Szenen aus dem Leben von Alice und Mattia geben dabei jeweils nur Bruchstücke des ganzen Leids preis, das die beiden Charaktere daran hindert, sich einander zuzuwenden, als wären sie ein Zwillingspaar von Primzahlen.

      Das kleine Mädchen Alice, gespielt von Martina Albano, quält sich mit der Frage, warum ihre Mutter so unglücklich ist. Schon lange bevor ihr ungeduldiger Vater sie im Nebel auf die Skipiste zwingt, ist ihre Kindheit also von unheimlichen Rätseln überschattet. Diese sind der Grund, weshalb sich das Mädchen wegen einer bösen Figur in einem TV-Trickfilm so sehr ängstigt. Die jugendliche Alice, gespielt von Arianna Nastro, wird in der Schule verspottet und gedemütigt. Dennoch bewundert Alice ihre Peinigerin Viola, die das Interesse allmählich erwidert. Die pubertierenden Mädchen experimentieren, hauptsächlich durch Blicke, dabei auch mit gegenseitiger sexueller Anziehung.

      Bereits in wenigen Szenen aus dieser Biografie erhält die Geschichte eine bedrohlich-düstere Intensität, die sie in die Nähe eines Thrillers rückt. Die Musik forciert das Schlimme, Unheimliche durch anschwellende Dissonanzen, durch ein rhythmisches Hämmern, in welchem sich die unaussprechliche innere Qual Alices und Mattias äußert. Der kleine Mattia, gespielt von Tommaso Neri, wird gezwungen, ständig an der Seite seiner behinderten Schwester zu sein. Isabella Rossellini spielt die Mutter, die seine Nöte nicht wahrhaben will. Als Jugendlicher, gespielt von Vittorio Lomartire, ist Mattia in sich gekehrt und verständnislos für die Art und Weise, wie andere Leute ticken. Das erleichtert Alice die Kontaktaufnahme mit ihm nicht gerade, macht die zarten, zaghaften Blick- und Wortwechsel aber umso bedeutender.

      Die wunderbare Alba Rohrwacher spielt die erwachsene Alice, die im Vergleich zu früher gelöster, weicher, selbstbewusster wirkt. Sie schafft es geschickt, ihren Schulfreund Mattia, der nach wie vor widerstrebend reagiert, auf die Hochzeitsfeier von Viola zu schleppen. Luca Marinelli gibt in seinem Kinodebüt eine fesselnde Vorstellung des introvertierten jungen Mannes, der seine tausend Fragen an die Umwelt nicht zu stellen wagt. Die stille Annäherung des Paares mit leicht zugeneigten Köpfen, während die Braut die Torte anschneidet, hat etwas von einem Flirt zweier Schwäne. Später, viel später, erstrahlen Mattias Augen einmal vor plötzlicher Freude und lassen die Zuschauer selbst die überwältigende Kraft lange aufgeschobener Gefühle spüren.

      Stellenweise erscheint dieses Drama der beiden Außenseiter als schier unglaublicher Albtraum. Wie viele Kämpfe müssen Alice und Mattia im Stillen mit sich selbst ausgefochten haben, um in ihrer Umwelt zu überleben, um an etwas zu glauben, auf etwas zu warten, ohne zu wissen, wie es sich anfühlen könnte. Der Film zeigt eindrücklich, wie viel Horror auch in einer relativ behüteten Kindheit stecken kann, ebenfalls aber, wie viele positive Ressourcen in zwei leidgeprüften Menschen nur darauf warten, freigesetzt zu werden.

      Fazit: Zwei junge Menschen tasten sich durch das Schreckenslabyrinth ihrer Kindheitserinnerungen zueinander vor: düstere Romanverfilmung von großer emotionaler Intensität.
    2. Die Einsamkeit der Primzahlen: Zartes Liebesdrama um zwei verwundete Seelen vom für "Private" ausgezeichneten Regisseur Saverio Costanzo nach einer Bestsellervorlage von Paolo Giordano.

      Ambitionierte Adaption des Paolo Giordano-Bestsellers über zwei Menschen, die auch als Erwachsene noch an Kindheitstraumata leiden.

      Über 1,5 Mio. verkaufte Exemplare in Italien, in Deutschland gingen mehr als 175.000 Bücher weg wie die sprichwörtlich warmen Semmeln - eine gute Voraussetzung für die Verfilmung dieser vielschichtigen Geschichte von Einsamkeit und Ohnmacht der Liebe.

      In der Schule begegnen sich Alice und Mattia zum ersten Mal, beide Außenseiter, beide von schlimmen Erfahrungen der Kindheit belastet. Alice verlor nach einem Skiunfall das Vertrauen in ihren Vater und seitdem misstraut sie jedem, vor allem sich selbst. Eine bleibende Behinderung erinnert sie jeden Tag an das Ereignis. Mattia leidet unter Schuldgefühlen, weil er statt auf seine Zwillingsschwester aufzupassen, einen Kindergeburtstag feierte und das Mädchen seitdem verschwunden ist. Alice wird von den anderen Mädchen gemieden und gemobbt und heischt um Aufmerksamkeit, der Einserschüler Mattia kapselt sich ab und ritzt sich in seiner Verzweiflung. Ihre Familien bieten keinen Rückhalt, keine Zuflucht. Dass ausgerechnet diese vom Schicksal gezeichneten Wesen sich anziehen, macht eine Liebesbeziehung erst einmal unmöglich. Tristesse überall. In Sprachlosigkeit und Kontaktarmut gefangen verkriechen sich die angeschlagenen Helden in einen Kokon aus Abwehr und Angst, der sie vor weiteren Verletzungen schützen soll, sie aber nur um so angreifbarer macht. Wie zwei benachbarte Primzahlen sind sie immer durch eine Winzigkeit getrennt.

      Saverio Costanzo betrachtet in seinem hoch ambitioniertem und in enger Zusammenarbeit mit dem Autor Paolo Giordano entstandenen Werk poetisch die Menschen beim Nachspüren ihrer verschütteten Wünsche, auch wenn Shootingstar Alba Rohrwacher und Luca Marinelli wie Aliens vom andern Stern durchs Leben mäandern, er nur widerwillig ihre emotionalen Avancen erträgt und ihr die Kraft zum Kämpfen fehlt. Lange Rückblenden führen beide immer zurück in ihre Kindheitstraumata. Dabei fällt es nicht leicht, ihnen in ihrer Distanz Empathie entgegen zu bringen und sich in den manchmal recht willkürlichen Zeitsprüngen zurecht zu finden. Am Ende taucht ein Hauch von Hoffnung auf, eine schützende und zärtliche Geste und allein diese Szene sollte mit der beschwerlichen Reise durch seelische Kraterlandschaften versöhnen. mk.

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