Die Einsamkeit der Krokodile

Kinostart: 17.05.2001
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Filmhandlung und Hintergrund

Die skurrile Szene-Collage einer Spurensuche in deutscher Provinz nach dem Roman von Dirk Kurbjuweit.

Günther wächst in der Metzgerei seiner Eltern auf, inmitten von Schweinehälften. Die Mutter verlangt vom musisch begabten Nachwuchs sehr viel Lerndisziplin, so dass er als junger Mann extrem schüchtern ist und keine Freundin hat. Günthers plötzlicher Freitod ruft seinen ebenso schüchternen Journalistencousin auf den Plan, in Günthers Dorf trifft er auf etliche unfreundliche Menschen, aber auch auf eine netten Wirtin.

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Kritikerrezensionen

  • Die Einsamkeit der Krokodile: Die skurrile Szene-Collage einer Spurensuche in deutscher Provinz nach dem Roman von Dirk Kurbjuweit.

    Ein lakonischer Skurril-Film ist diese Szene-Collage einer Spurensuche in deutscher Provinz von Jobst Oetzmann. Für Liebhaber stiller, hintersinniger Krimi-Puzzles ein feines Schmunzel-Schmankerl, bei dem man keinen Herzinfarkt vor hannibalistischer Aufregung befürchten muss, obwohl heftig geschlachtet wird.

    Günther ist unglückseligerweise musisch begabt, schüchtern und studiert, was ihn als einzigen Nachkommen des rüden Dorfmetzgers nur ins Unheil stürzen kann. Weil er sich schon früh als Kontrast zu seinen Eltern begriffen hat, ist er zum introvertierten Einzelgänger und zum Gespött seiner Altersgenossen im Dorf geworden. Das ist der Stoff, aus dem die schwarzen, beißenden Sozialsatiren sind. Regisseur und Drehbuchautor Jobst Oetzmann entscheidet sich mehr für die sanfte, doch nicht weniger nachdenklich stimmende Beschreibung einer ziemlich typischen Lebensszenerie, die er aus der Romanvorlage von Dirk Kurbjuweit herausgefiltert hat. Leitmotivisch durch die Handlung führt ein ähnlich wie der Metzgersohn verträumter junger Journalist, der aus Hamburg in das westfälische Dorf reist, um den Geschehnissen auf die Spur zu kommen. Ihm kommt nämlich der angebliche Selbstmord seines seltsamen Cousins Günther nicht geheuer vor. So dringt der Zuschauer mit dem Blick des Journalisten Elias in die eigenartig hermetische dörfliche Welt voller Merkwürdigkeiten und xenophober Verstörtheiten ein. Günthers Eltern sind alles andere als begeistert, dass plötzlich ein Fremder im Leben ihres toten ‚unnormalen‘ Sohns herumstochert. Die jungen Männer am Gasthaus-Tresen attackieren Elias mit Häme und Drohungen. Nur die Wirtin, bei der er auch ein Zimmer gefunden hat, findet Gefallen an dem freundlichen Fremden, der ihre Gefühle bald erwidert.

    Für das ewige und immer wieder dankbare Thema von den fließenden Grenzen zwischen „normaler“ und „verrückter“ Welt findet Oetzmann eine Fülle von detailgenauen Beobachtungen und Szenen, die er auch zurückblendet in die Vergangenheit. Auch wenn das Erzähltempo dabei manchmal ein wenig ins Stocken gerät, gibt es immer wieder miniaturartig auftauchende wunderschöne überraschende Szenen, wie die mit der temperamentvollen, vitalen schwarzen Amerikanerin Mary, die eine ungewöhnliche Liebesgeschichte mit dem bizarren Günther verband. „Weather Girl“ Dynelle Rhodes spielt sie zum Verlieben mitreißend und gibt dem Film einen berührend poetischen Touch. Hervorragend genau bis in die kleinsten Nuancen von Blicken, Mimik und Gestik spielt der wohl derzeit beste unauffällig-sonderbare Skurril-Darsteller des deutschen Films Thomas Schmauser („Ein todsicheres Geschäft“). Als Gegengewicht zu ihm macht Janek Rieke als freundlich unerbittlicher Jungjournalist, der schließlich das Rätsel um den Tod seines Cousins Günther löst, eine sympathische Figur. Ein wenig melancholisch stimmt der Film zusätzlich, weil es darin auch um die Würde der Schweine geht, bevor sie zur Schlachtbank getrieben werden - damals hatten sie noch keine Maul- und Klauen-Seuche. fh.

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