Die dünnen Mädchen

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   2008
Die dünnen Mädchen Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Die dünnen Mädchen: Dokumentarfilm über die Beweggründe von jungen Mädchen, der Anorexie zu verfallen.

Dünne Mädchen: Das sind keine Models, sondern acht Frauen zwischen 18 und 29 Jahren, die seit langer Zeit an Essstörungen leiden. Durch ihre Anorexie sind sie in eine Klinik eingewiesen worden, einige erst vor kurzem, andere schon vor längerer Zeit. Sie versuchen in Gruppengesprächen ihre Krankheit zu verstehen und zu überwinden. Das gelingt manchen, andere brechen die Therapie ab oder kommen immer wieder. Die Magersucht wird sie lebenslang begleiten.

Einen Schrei nach Hilfe dokumentiert Maria Teresa Camoglio, die acht Betroffene und ihre bewusste Nahrungsverweigerung bis zum drohenden Hungertod vorstellt. Die ganz normalen Frauen geben Einblick in Beweggründe und Seelenzustände, die zu ihrer Selbstzerstörung führen.

In einer konsumorientierten Gesellschaft des Überflusses ist eine Essstörung ein Aufschrei, der nicht nur das Umfeld der Betroffenen alarmieren sollte, sondern eine ganze Generation. Die weit verbreitete Anorexie ist nicht etwa wie allgemein angenommen nur ein Versuch, einem bestimmten Schönheitsbild zu entsprechen, sondern hat vielerlei Ursachen – und verschiedene Ausprägungen bis zum Selbstmord. Therapien sind mit unterschiedlichen Erfolg gekrönt.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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    "Mit jedem Kilo kommen Gefühle zurück" - Magersucht die Krankheit der Gefühle. Dieser Dokumentarfilm zum Thema Anorexie ist äußerst sehenswert, weil er mit vielen weitverbreiteten Vorurteilen aufräumt und wissenswerte Einblicke in das Krankheitsbild gibt. Die Filmemacher haben einen sehr nahen Zugang zu den dünnen Mädchen bekommen, die sich bemerkenswert reflektiert und offen zu der sie quälenden Krankheit äußern. Trotz einiger Längen ein spannender Film, der auch durch schöne filmische Ideen überzeugt und nie respektlos oder reißerisch mit seinen Protagonistinnen umgeht.

    Jurybegründung:

    Alle an Anorexie leidenden Frauen, die in diesem Film über ihre Krankheit reden, tun dies so reflektiert, hellsichtig und komplex, dass der Gedanke sich aufdrängt, ihre Tendenz, die eigene Person aus einer großen Distanz zu sehen und zu definieren, sei selber ein Symptom der Krankheit.

    Egal ob diese Einschätzung nun zutrifft oder nicht - alleine dass ein Zuschauer in diese Richtung spekulieren kann, beweist schon, wie tief die Einblicke sind, die Maria Teresa Camoglio und Michael Bertl hier in die Mechanismen der Magersucht gewähren. Dabei verzichten sie (von den wenigen Fotos einiger völlig abgemagerter Frauen abgesehen) ganz auf die schockierenden Bilder, die man sonst mit dieser Krankheit assoziiert. Und auch jenes Vorurteil, dass die jungen Frauen in erster Linie übertrieben dem in den Medien verbreiteten Schönheitsideal nacheifern, ist schnell aus den Köpfen, wenn die Frauen davon erzählen, durch was die Anorexie bei ihnen ausgelöst wurde und wie sie dann in den Teufelskreis dieser Sucht gerieten.

    Man kann viel lernen von dieser Dokumentation, und sie überzeugt auch ästhetisch, denn die Filmemacher haben mit einigen sehr interessanten und wirkungsvollen Gestaltungsmitteln gearbeitet. So bietet etwa der gemeinsame Flamenco-Tanz eine Gelegenheit, die einzelnen Frauen und ihre Körper zu zeigen, ohne dass dies je voyeuristisch wirkt, denn sie präsentieren sich ja selber als selbstbewusste Frauen mit stolzen Gesten und Tanzschritten. Auch der Verzicht auf einen Kommentar oder Aussagen der Therapeuten war eine kluge Entscheidung, denn diese Frauen können wirklich sehr gut für sich selber sprechen.

    Der Ausgang in die Stadt, wo sie durch fünf Cafés ziehen, ohne etwas zu essen oder das von einer der Frauen selbst inszenierte Rezept für eine Magersucht mit den vielen Sportübungen auf dem Schulweg; Details wie jenes, dass viele sich bei Sitzen nicht anlehnen, um so ein paar Kalorien mehr zu verbrauchen - all das gibt einen zugleich präzisen und erschütternden Einblick in die Krankheit. Und auch jene Sequenz, in der lange und leidenschaftlich darüber debattiert wird, wie viele Kalorien die einzelnen Bestandteile eines Menus haben dürfen, ist in ihrer erheblichen Länge sinnvoll, weil man durch sie einen intensiven Eindruck davon bekommt, wie besessen die Frauen von diesem Thema sind und welchen Horror sie vor jedem zusätzlichen Gramm Fett an ihrem Körper haben.

    Dennoch und obwohl sie dem Film das höchste Prädikat zugesprochen hat, war die Jury geschlossen der Meinung, dass er unnötige Längen hat und noch besser wirken würde, wenn er prägnanter geschnitten wäre und die Filmemacher auf einige Redundanzen (wie etwa den zu oft gezeigten Flamenco-Tanz) verzichtet hätten.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Maria Teresa Camoglio dokumentiert behutsam wie eindringlich den schwierigen Weg von acht Mädchen aus der Magersucht. Ihr Porträt geht nahe.

    Mit dem Vorurteil, dass Frauen zwischen 18 und 29 sich für ein Schönheitsideal herunterhungern, räumt Camoglio gründlich auf. Denn Anorexie ist keine bewusste Entscheidung, sondern ein fehlgeschlagener Lösungsversuch für die unterschiedlichsten Probleme mit der heutigen Gesellschaft. In ruhigen Ton, der allerdings viel Emotionen birgt, beobachtet Camoglio einen Flamenco-Workshop in einer Heidelberger Klinik – eine Selbsterfahrungsübung, um das verloren gegangene Körpergefühl wieder zu erlangen und dem eigenen Spiegelbild standzuhalten. Die Patientinnen stellen sich und ihre Situation vor, erzählen vom Krankheitsverlauf, den Beweggründen, den Manien, wie die zwanghafte Essstörung zum Ich-Inhalt wurde, gar zum Lebensinhalt.

    Respektvoll, aber ohne etwas zu verschweigen, registriert Sophie Maintigneux‘ Kamera erbitterte Diskussionen um jede Kalorie, gemeinsames Einkaufen und Kochen, Details der Verhaltensstörungen, das qualvolle Ringen mit sich selbst. Wenn die Mädchen im Interview oder Gruppengesprächen erstaunlich offen über sich selbst reflektieren, blickt man tief in die Abgründe seelischer Pein. Bei der Ursachenforschung ähneln sich die Aussagen: von Angehörigen und Eltern nicht gehörte Hilfeschreie, Einsamkeit, geringes Selbstwertgefühl in Kombination mit Perfektionismus, Überforderung mit sich und der Leistungsgesellschaft, letztlich auch einem Geschlechteridealbild, dem man niemals vollständig genügen kann.

    Dann sind körperliche Schmerzen eher zu ertragen als seelische, dann sterben Gefühle ab, dann wollen viele wieder Kind sein und ihrer Weiblichkeit entrinnen. Eine Identitätskrise, die bis zum Selbstmord reicht. Weshalb nicht jede Prognose für die seit kurzem oder schon seit Jahren in Behandlung stehenden Mädchen positiv ausfällt. Ihre Person, nicht ihre Symptome stehen in dem humanistischen Film stets im Vordergrund. Und der trügerisch lebenslustige Rhythmus des Flamenco. tk.

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