Fakten und Hintergründe zum Film "Die drei R?uber"

Kino.de Redaktion |

Die drei Räuber Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Vom Buch zum Film

Noch nie zuvor wurde ein Buch des weltberühmten Zeichners, Autors und Illustrators Tomi Ungerer für das Kino verfilmt. Natürlich gab es in den vergangenen Jahrzehnten sehr oft Anfragen – auch in Bezug auf Ungerers „Die drei Räuber“, die 1961 zum ersten Mal erschienen (und zwei Jahre später auch auf Deutsch vorlagen). Aber nie zuvor hatte Ungerer genügend Vertrauen gefasst, um jemandem eines seiner Werke für einen abendfüllenden Spielfilm zur Verfügung zu stellen.

Für den Produzenten Stephan Schesch (DIE HÖHLE DES GELBEN HUNDES, „Das Gespenst von Canterville“, KLEINES ARSCHLOCH, WERNER II – DAS MUSS KESSELN) war es ein lang gehegter Traum, „Die drei Räuber“ ins Kino zu bringen: „Ich kenne – und liebe – das Buch schon seit meiner Kindheit. Meinen eigenen Kindern hatte ich das Buch ungefähr 3333 mal vorgelesen. Mit jedem Vorlesen wuchs der Wunsch, dieses Buch nicht nur zu verfilmen, sondern einen ganz besonderen Film daraus zu machen.“

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Die Zusage für eine Verfilmung zu bekommen – die Rechte für die deutsche Buchausgabe liegen beim Diogenes Verlag und bei Tomi Ungerer selbst – war ein langer Weg. „Es war ein langsamer, vertrauensbildender Annäherungsprozess, der schon im Jahr 1997 begann und bei dem die Produktion des Kurzfilms „Die blaue Wolke“ durch die RVG Filmproduktion ein wichtiger Meilenstein war“, erinnert sich Schesch. „Einerseits haben wir mit dem Diogenes Verlag verhandelt, andererseits mit Tomi Ungerer selbst. Die zentrale Frage war, wie man aus einer so kurzen Geschichte einen abendfüllenden Spielfilm machen kann. Tomi Ungerer hatte die Sorge, dass bei einer Verlängerung von „Die drei Räuber“ seine ursprüngliche Geschichte entstellt werden könnte“. Letztlich trafen sich Schesch und Ungerer ein paar Mal zum gemeinsamen Brainstorming in Straßburg. Zunächst wurde das Bilderbuch genau unter die Lupe genommen und die Schlüssel-Elemente herauskristallisiert: Drei Räuber, schreckliche Kerle, schrecklich lieb und schrecklich lustig, deren Leben durch ein kleines, unschuldiges, emsiges Waisenmädchen auf den Kopf gestellt wird. Drei Räuber, die eine Dreieinigkeit bilden und dennoch drei unterschiedliche Charaktere haben. Und dagegen steht die wunderliche alte Tante, die in dem Bilderbuch nur mit diesen drei Worten erwähnt wird. Daraus wurde die Geschichte weitergesponnen und mit den für sein Gesamtwerk typischen Tomi Ungerer Elementen bereichert: Das Böse lernt vom Guten. Malen, Basteln, Musizieren, Lernen. Zahllose verrückte, absurde Details. Und einen lakonischen Erzählstil. „Das war ein sehr fruchtbarer Prozess, zu dem Tomi Ungerer sehr viel beitrug und damit sicherstellte, dass der erste Kinofilm ganz in seinem Sinne entstehen wird.“

Als sich damit abzeichnete, dass es tatsächlich einen Film DIE DREI RÄUBER geben würde, setzten sich Stephan Schesch, der gemeinsam mit der RVG Filmproduktion die Rechte an „Die drei Räuber“ mitbrachte, Stefan Arndt von X FILME und David Groenewold, Initiator des German Film Productions Medienfonds und selbst ein ausgewiesener Animationsfilm-Fan, zusammen und gründeten Animation X. Die Zielsetzung von Animation X war von Anfang an, anspruchsvolle Filme mit hoher Qualität zu machen, die sich durch eine ganz klare künstlerische Handschrift auszeichnen und für ein breites, internationales Publikum interessant sind. Als Vorbild dienten dabei nicht etwa die großen amerikanischen Animationsfilme, sondern eher französische Zeichentrickfilme wie zum Beispiel DAS GEHEIMNIS DER FRÖSCHE von Jacques-Rémy Girerd oder DAS GROßE RENNEN VON BELLEVILLE von Sylvain Chomet. Der elsässische Künstler Tomi Ungerer war damit der ideale Kandidat für die erste Produktion von Animation X. Und erfreulicherweise fand sich neben dem deutschen X Verleih von Anbeginn ein französischer Verleih, der DIE DREI RÄUBER in Frankreich ins Kino bringt.

Der Regisseur kommt an Bord

Die Autoren Bettine von Borries und Achim von Borries (WAS NÜTZT DIE LIEBE IN GEDANKEN) erarbeiteten eine Drehbuchvorlage. Zeitgleich entwickelte der versierte Animationsfilmemacher Hayo Freitag das Produktionsdesign, d.h. die Adaption der Figuren und Hintergründe des Bilderbuches für die Animation auf der großen Kinoleinwand, ebenfalls in enger Zusammenarbeit mit Tomi Ungerer. Nachdem die einjährige Entwicklung abgeschlossen und die Finanzierung zusammengetragen war, konnte Hayo Freitag gewonnen werden, die künstlerisch federführende Regie zu übernehmen.

Hayo Freitag war der richtige Künstler, um im Sinne von Tomi Ungerer „Die drei Räuber“ kongenial als Kinofilm zu realisieren. Mit seinen Filmen DAS PFLAUMENHUHN oder KÄPT'N BLAUBÄR – DER FILM hatte er seinen ganz eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelt.

Oberste Priorität war immer, die Essenz – also den grafischen, narrativen, politischen, moralischen, philosophischen und vor allem lakonischen Ansatz der Tomi Ungerer-Geschichte umzusetzen. Denn ein Ziel verband alle Beteiligte klar: DIE DREI RÄUBER sollte auf keinen Fall ein platter, banaler, nichts sagender Kinderfilm werden, sondern eine vielschichtige, visuell herausragende und sehr gut erzählte Geschichte.

Prominente Schauspieler sprechen die Rollen

„Wir haben von Anfang an großen Wert auf Sprachaufnahmen mit exzellenten Schauspielern gelegt, um mit ihnen die stimmliche Grundlage für den Film zu schaffen. „Daher galt es zunächst die geeigneten ‚Darsteller’ für die Charaktere im Film zu finden, also für das Mädchen Tiffany, die drei Räuber, die böse Tante und so weiter. Dabei ging man im Prinzip wie bei der Besetzung eines Spielfilms vor. Für die einzelnen Rollen wurden die zum Charakter und Design passenden Schauspieler gesucht und gefunden: Katharina Thalbach, Joachim Król , Bela B. Felsenheimer, Charly Hübner, Elena Kreil u.a.

Besonders glücklich sind die Macher und Tomi Ungerer darüber, dass sie die ideale Stimme für Tiffany gefunden haben. Es war aber, wie Schesch meint, ein extrem langer und schwieriger Casting-Prozess, denn „wir wollten Authentizität und kein Gequäke! Wir haben mit vielen Mädchen Probeaufnahmen gemacht und hatten uns eigentlich schon für jemanden entschieden, von der wir ganz angetan waren. Aber dann gab es da noch eine Empfehlung der Schulfreundin der Tochter der Bühnenbild Designerin - und als wir die achtjährige Elena Kreil im Tonstudio hörten, waren wir alle wie vom Donner gerührt! Sie hatte genau den naiven Charme, den wir suchten und dann auch noch etwas Freches, Lebenslustiges und Furchtloses in der Stimme. Sie ist genial für diese Rolle.“

Für alle beteiligten Schauspieler war es zuerst eine völlig ungewohnte Erfahrung nicht zum fertigen Bild synchron zu sprechen, sondern zunächst alleine mit dem Drehbuch im leeren Tonstudio ein „Hörspiel“ einzuspielen. Im Ergebnis entstand durch die gemeinsame Arbeit vor dem Mikrofon ein sehr lebendiges Schauspiel, auf dessen Grundlage der gesamte Film gezeichnet, montiert und animiert wurde.

Räubermusik

Sehr wichtig bei diesem außergewöhnlichen Projekt war es natürlich auch, die außergewöhnliche Musik zu finden. „Für einen Räuberfilm brauchten wir waschechte Räubermusik“, meint Schesch. „Wir wollten auf keinen Fall eine süßliche Kindergeburtstagsmusik haben. Wir suchten eher etwas unter dem Stichwort: ‚Tom Waits für Kinder’. Wir haben die verschiedensten Bands, Gruppen und Künstler angesprochen, die uns dann diverse Probeaufnahmen von Songs geschickt haben. Eines Tages bekamen wir einen Song auf den Tisch, von dem wir hellauf begeistert waren – und der war von den Bananafishbones. Der passte ganz hervorragend zur Stimmung und durchwebt als Räuber-Thema den ganzen Film. Und er wird ganz fantastisch von unseren Räuberdarstellern – also Król, Hübner und Bela B. Felsenheimer – original räuberisch gesungen.“ Den übrigen Soundtrack lieferte der amerikanische Tonkünstler Kenneth Pattengale („Downtown L.A.“) aus Los Angeles, der den Tom Waits-Stil fortgeführt und durch ein ganz eigenes Repertoire an Song- und Musik-Zitaten eingespielt hat.

Die besten Talente aus ganz Deutschland

Die Produktion von DIE DREI RÄUBER entstand passend zum Stil des Bilderbuchs bewusst in klassischem, handgefertigtem 2D-Zeichentrick. „Als wir mit der Entwicklung des Projektes begannen, verkündete Disney keine 2-D Zeichentrickfilme mehr zu produzieren. Just als DIE DREI RÄUBER fertig wurden, kündigte Disney wieder neue 2-D Zeichentrickfilme an.“

Anders als üblich wurde nicht ein einzelnes Studio mit der Herstellung des gesamten Films beauftragt, sondern die besten freien Künstler in Hamburg, Berlin und Stuttgart unter Vertrag genommen und der ganze Film in Eigenregie realisiert. Die große logistische und künstlerische Herausforderung lag darin, das ganze Netzwerk und alle Beteiligten zu führen und zusammenzuhalten. Dies erlaubte uns nicht nur die Kosten, sondern vor allem auch die Qualität unmittelbar im Griff zu haben – auch hier war Hayo Freitag, der Kunst und Ökonomie zu verschmelzen vermochte, der Traum eines Produzenten.

Mit der Entwicklung des Films wurde im Sommer 2005 begonnen und mit der eigentlichen Produktion dann im Frühjahr 2006. Fertig gestellt wurde er im Sommer 2007. Von der Entwicklung bis zum fertigen Film vergingen also genau zwei Jahre.

Der Ritterschlag von Tomi Ungerer

Als Tomi Ungerer schließlich die erste Rohfassung des Films vorgeführt wurde – in Form eines so genannten „Leica Reels“, d.h. ein mit Sprache, Musik und Geräuschen montiertes Storyboard – war er total begeistert und hatte vor Rührung Tränen in den Augen. „Wir waren für ihn so etwas wie ‚Brüder im Geiste’“, erinnert sich Schesch und fährt fort: „Er sagte uns, dass es für ihn so wäre, als hätte er den Film selbst gemacht.“ Ein großes Kompliment an das ganze Team, allen voran dem Regisseur Hayo Freitag.

Mit DIE DREI RÄUBER ist es gelungen, einen hochanspruchsvollen, künstlerisch wertvollen Film zu machen, der Kinder wie Erwachsene – und alle Altersstufen dazwischen – anspricht. Aber vor allem eben auch jüngere Kinder. Im Gegensatz zu den Animationsfilmen aus den USA, die von den Major-Studios wie PIXAR, DreamWorks oder Sony mit Budgets von 100 Millionen Dollar und mehr überwiegend für Teenager produziert werden. Mit DIE DREI RÄUBER wird keine Art-House-Nische bedient, sondern es geht ein Film an den Start, der internationale Vergleiche nicht zu scheuen braucht.

Bei der intensiven Beschäftigung mit dem Thema ist Produzent Stephan Schesch aufgefallen, wie zeitaktuell und modern eigentlich Tomi Ungerers Geschichte von den drei Räubern ist: „Das geht von ‚Kinder an die Macht’ über die ganze ‚Kindertagesstättenbetreuung’ oder ‚Mütter und Arbeit’ bis hin zu ‚Sind Väter die besseren Mütter’? Der Film ist nicht nur ein sehr origineller Beitrag zu dem großen Thema ‚Kinder in unserer heutigen Gesellschaft’, sondern hinterfragt auch sehr engagiert und unkonventionell die gegebene Situation.“ So wie es Tomi Ungerer in allen seinen Werken tut.

Interview mit dem Buchautor Tomi Ungerer

Wie sind Sie damals, im Jahr 1961, auf „Die drei Räuber“ gekommen? Was war die Initialzündung?

Das ist wirklich schwer zu sagen, man weiß nicht, wo es herkommt. Ich glaube aber, dass es einen Münchner Bilderbogen von Wilhelm Busch gibt, da war auch eine Räuber-Geschichte dabei. Aber wo die Ideen und die Geschichten letztlich herkommen, das weiß ich nicht. Das Buch ist dann irgendwie aus meiner Phantasie heraus entstanden - und hat internationale Preise bekommen.

Sind Sie stolz darauf?

Lassen Sie mich darauf so antworten: Es ist schön zu sehen, wie zum Beispiel in Laos mein Buch „Die drei Räuber“ in der chinesischen Version hergenommen wird, und dann – zu den Bildern - fotokopierte kambodschanische Text-Passagen eingeklebt werden. Dies ist für mich eine große Ehre.

In Japanisch gibt es ein riesengroßes Buch für die Kindergärten.

Ja, diese Ausgaben sind extra für die Kindergärten – und sie sind richtig toll! Für mich müssen Kinder neue Wörter finden und haben. Ich sage nie, es ist ein Baum, sondern eine Eiche oder eine Buche. Ich meine, man muss den Kindern laut vorlesen, selbst wenn es Erwachsenen-Bücher sind.

Man hat den Eindruck, dass in Ihnen immer noch der kleine Junge weiterlebt. Man sieht auch heute noch das Spitzbübische in Ihnen.

Ja, da ist immer noch diese Direktheit, diese Spontaneität. Ich würde sagen, dass ich meinen Erfolg und meine Popularität nicht nur den Kritikern verdanke, sondern vor allem den Menschen, die meine Bücher kaufen. Sie haben irgendwann einmal ein Buch von mir gesehen, das ihnen offenbar gefallen hat und dann haben sie eben noch eines von mir gekauft und so weiter. Das geht jetzt schon drei Generationen so. Und wenn man bedenkt, dass jedes Jahr ungefähr dreitausend neue Kinderbuch-Titel erscheinen – und ich immer noch gelesen werde, da kann ich mich wirklich bei meinem Verleger bedanken, weil meine Bücher immer gedruckt wurden.

Als Sie gehört haben, dass aus Ihrem Buch „Die Drei Räuber“, das ja über Generationen hinweg die Leute begeistert hat, ein Film gemacht wird, wie war Ihre Reaktion?

Ich muss schon sagen, viele meiner Bücher sind schon verfilmt worden. Aber das waren kleine, ganz wunderbare Trick- oder Animationsfilme. In der Tschechoslowakei gab es „Die Drei Räuber“ schon als Film, allerdings mit einer Länge von nur acht Minuten. Es war daher eine große Herausforderung einen abendfüllenden Spielfilm daraus zu machen. Denn wie Sie wissen, hat ein Kinderbuch normalerweise 32 Seiten. Und das ist kein Roman! Da muss man schon Wein ins Wasser schenken.

Das Wichtige ist dann die Zusammenarbeit, und da muss ich wirklich sagen, habe ich tolle Menschen getroffen, wir haben uns total vereinigt. Es war nicht ganz leicht. Ich habe noch ein paar Ideen gehabt, so wie das ganze Team – und natürlich auch der Regisseur Hayo Freitag. Der Film jetzt ist ein richtiger Roman geworden. Und von allem, was ich bisher gesehen habe, bin ich total begeistert. Was mich besonders berührt hat, ist diese Stimme des achtjährigen Mädchens – das ist zum Heulen: „Ich bin ein Waisenkind …“ – mein Gott, ich habe Tränen in den Augen gehabt. Und auch meine Frau, die als Amerikanerin ja mit Cartoons aufgewachsen ist, fand es ganz toll.

Was ist Ihnen denn am Wichtigsten bei der Verfilmung? Was muss unbedingt im Film sein?

Die Stimmung. Und die Botschaft. Wir können es auch ruhig Moral nennen. Was mich aber am meisten fasziniert, ist dieses Niemandsland zwischen dem Guten und dem Bösen. In diesem Niemandsland kann das Böse etwas vom Guten lernen, und das Gute das Böse verstehen lernen. Und das ist ein bisschen der Fall bei den „Drei Räubern“. Das sind eigentlich grimmige, böse Typen.

Aber jeder von ihnen hat ein großes Herz.

Ja, doch! Aber jeder Mensch kann ein großes Herz haben, die Frage ist nur: Wie macht man das … – in diesem Fall hat das auch mit Schicksal zu tun. Man muss dem Schicksal eine Richtung geben oder im Schicksal eine Richtung finden. Man sagt immer den Kindern „Nein, nein, das ist böse, das ist schlimm“, ja okay, aber dazwischen gibt es den gesunden Pragmatismus. Jeder Mensch tut jede Menge böser Sachen und jeder Mensch ist gut und böse. Ich glaube, für Kinder ist es beruhigend, das zu wissen.

Gibt es auch autobiografische Bezüge in Ihrem Buch „Die drei Räuber“?

Autobiografisches gibt es immer. Bei den „Drei Räubern“ ist da vor allem das Schreckelement. Das ist auch ein Teil von Jugenderinnerungen, diese gewisse Angst…

Ihnen war beim Film das gemeinsame Ausmalen der Höhle und das ABC-Lernen sehr wichtig. Wieso gerade diese beiden Punkte?

Oh, das waren nicht nur die beiden Punkte. Es gab da eine Menge, was wir noch erfunden haben. Der Hayo war phänomenal, ganz in seinem Element in dieser Geschichte. Und es passt ganz wunderbar zum Buch.

Sie treten selbst als Erzähler auf…

Ich bin nie gut im Lesen in einem Studio, aber diesmal hat es geklappt. Nur im Englischen habe ich realisiert, dass wieder mein irischer Akzent auftaucht. Meine Kinder lachen sich tot über meine Mischung, aber immerhin, das habe ich korrigiert.

Interview mit Bela B. Felsenheimer

Kannten Sie das Buch „Die drei Räuber“?

Das Buch kannte ich vorher nicht, da es in meiner Jugend keine Rolle gespielt hat. Ich kam mit Tomi Ungerer über verschiedene Cartoon-Bücher in Berührung, die ich aus der Bücherei ausgeliehen hatte. Das waren zwar Erwachsenen-Bücher, aber da haben die in der Bücherei nicht so drauf geguckt… Ich hatte begonnen, mich für Comics zu interessieren, und außer Peanuts gab es nur noch Cartoonisten und eben Bücher von Tomi Ungerer. „Die drei Räuber“ war allerdings nicht dabei.

Sie haben ja eine lange Verbindung zu Comics und Animation.

Ich habe mal eine Zeichentrickserie synchronisiert und vor zwei Jahren einen Animationsfilm, in dem ich alle Figuren gesprochen habe. Das ist jetzt meine dritte pure Synchronarbeit, und ich fand es ganz toll, bei einer so wichtigen Tomi-Ungerer-Arbeit dabei zu sein.

Was hat Ihnen am Buch gefallen? Und was bedeutet Ihnen die Geschichte?

Bei „Die drei Räuber“ handelt es sich metaphorisch gesehen ja nur um einen Menschen mit drei Charaktereigenschaften, die in jedem von uns wohnen, sich gegenseitig ein Bein stellen und uns dadurch in Schwierigkeiten bringen. Das ist das Tolle daran, wenn man diese drei Räuber, die äußerlich kaum zu unterscheiden sind, beobachtet in ihrem Hadern mit der Welt. Sie haben ja eigentlich schon ihren – vielleicht gar nicht so tollen – Platz im Leben gefunden. Aber als sie auf das kleine und gar nicht so unschuldige Mädchen treffen, die die Räuber erst übertölpelt und dann ihre Herzen gewinnt, bemerken sie, dass es noch etwas anderes gibt. Das ist eine tolle Geschichte vom Erwachsenwerden und vom Fokussieren auf die wichtigen Dinge im Leben.

Wie interpretieren Sie den Film?

Na ja, ich möchte nichts vorweg nehmen, man sollte den Film einfach sehen. Ich habe den fertigen Film noch nicht gesehen, teilweise wurde auf unsere Stimmen gezeichnet, teilweise haben wir nachsynchronisiert auf Outline-Bilder oder so genannten Leica-Rollen. Aber was ich bisher sah, sieht wirklich toll aus! Bildgewaltige Sache, die der Vision von Tomi Ungerer wirklich nahe kommt. Und dann diese Räuber, wenn die auftauchen, wird es schon ein bisschen düster und böse…

Können Sie etwas über die Synchronarbeit erzählen?

Im Unterschied zum reinen Synchronsprechen – bei dem man ja fremdsprachige Texte auf Deutsch nachspricht – war das diesmal ein echter Luxus. Weil wir einfach einzelne Szenen spielerisch gelesen haben und unsere Stimmen dabei aufgenommen wurden.

Wie haben Sie Ihre Stimme dem Charakter angepasst?

Das haben wir zusammen mit dem Regisseur vorher erarbeitet. Ich bekam den größten Tollpatsch-Räuber, Flinn, zugeteilt. Deshalb spreche ich ihn auch mit einer höheren, leicht debilen Stimme. Der ist aber gar nicht so debil, denn im Laufe des Films entwickelt er sich tatsächlich zum Motor der Handlung. Und gegen Ende des Films ist Flinn derjenige, der den Räuber-Anführer Malente, den Joachim Król spricht, dazu bringt, das Richtige zu tun.

Es gibt einen Song…

…der von der Band Bananafishbones geschrieben wurde, ein richtiges Räuberlied, das echt toll ist und das wir zu dritt eingesungen haben.

Mögen Sie gern düstere Figuren?

Das Düstere der drei Räuber kommt meinem Charakter sehr entgegen. Sie gehen ja anfangs los um Kutschen auszurauben. Dann das Leben in einer dunklen Höhle. Es sind wirklich finstere Gestalten. Und Fledermäuse und Eulen sind die vorherrschenden Tiere im Film. Das gefällt mir alles ausgesprochen gut. Höchstwahrscheinlich hätte ich bei einem „Sonnenschein-Bernhard-und-Bianca“-Film schon so meine Schwierigkeiten gehabt. Da ist mir die leicht gotische Note in diesem Film schon deutlich lieber.

Können Sie ein paar Worte zu Tomi Ungerer sagen?

Ich kenne Tomi Ungerer eher durch seine Arbeiten für Erwachsene. Aber auch an den „Drei Räubern“ kann man unschwer erkennen, wie intensiv er sich mit den menschlichen Eigenschaften und dem menschlichen Wesen beschäftigt. „Die drei Räuber“ zeugen davon, und ich verstehe das Buch als Analyse vom menschlichen Verhalten und vom Sinnsuchen schlechthin. Und seine Zeichnungen zeigen auch ganz viele Untiefen der menschlichen Seele auf. Er ist er ein weiser und großartiger Künstler.

Wie würden Sie einem Kind den Film schmackhaft machen?

Ich glaube, es ist eine regelrechte Krankheit von uns Erwachsenen, dass wir so gerne versuchen, Kind zu bleiben – und trotzdem verarbeiten wir die meisten Dinge doch über den Verstand und analysieren sie. Ein Kind begreift die Dinge wahrscheinlich viel instinktiver. Auch, dass diese drei Räuber eigentlich eine Charakterstudie des Menschen sind. Nur wird mein 13jähriger Neffe z.B. nicht das Wort Charakterstudie benutzen. Aber er wird das schon checken, was da abgeht. Er ist ein großer Zeichentrickfan und ich werde mit ihm ganz sicher den Film DIE DREI RÄUBER anschauen. Meine neunjährige Nichte darf auch mit, ihr wird der Film sogar sicher noch mehr gefallen.

Interview mit Katharina Thalbach

Waren Sie mit Tomi Ungerers Buch „Die drei Räuber“ schon vorher vertraut?

Aber ja. Ich bin ja schon seit Jahrzehnten ein Ungerer-Fan. Ich kenne und schätze seine Kinderbücher – „Das große Liederbuch“ war eine kleine Bibel bei uns Zuhause.

Wie sind Sie denn zu der Rolle der bösen Tante gekommen?

Sie wurde mir einfach angeboten. Irgendwie fanden die wohl meine Stimme bösartig genug. Und da ich schon als Kind lieber die böse Königin war als Schneewittchen, war das für mich eine Ehre.

Ist das Ihre erste Animationsfilm-Erfahrung?

Nein. Ich habe schon als Kind in der DDR sowjetische und tschechische Zeichentrickfilme eingesprochen. Meine erste Zeichentrickrolle war ein Regenwurm.

Erzählen Sie uns doch bitte wie Sie Ihre DIE DREI RÄUBER-Rolle eingesprochen haben.

Ich war beim Einsprechen fast immer alleine im Studio. In der ersten Phase hatte ich neben meinem Text nur ein paar animierte Bilder zu Verfügung und einige Geräusche, mal bedrohlicher, mal freundlicher Natur. Bei der zweiten Phase – wo die Bilder zum Teil schon voll animiert waren – hatte die Tante schon meine Stimme von den Voraufnahmen und dann haben mir die Macher ein bisschen vorgesprochen und ich habe es dann nachgesprochen. Das war sehr lustig. Da war die Tante zeitweise dreistimmig.

Was ist denn Ihrer Meinung nach die Moral der Geschichte?

Moral? Ich bin die böse Tante. Ich brauche keine Moral!

Finden Sie DIE DREI RÄUBER auch heute noch modern?

Was heißt schon modern? Gute Geschichten – und das ist sicher eine davon – sind immer zeitgemäß und verlieren nie an Gültigkeit. So etwas wie DIE DREI RÄUBER kann jede Generation gebrauchen. Da gibt es zum Beispiel Motive wie Angst und Mut. Und das wird immer Bestand haben. Und gerade wenn Kinder damit anfangen solche Gefühle zu entwickeln – und das machen sie ja meistens über Geschichten – finde ich das sehr gut, wenn sie solche Geschichten sehen. Da sind sie dann wenigstens nicht gleich von Anfang an verdorben.

Was wünschen Sie denn dem Film DIE DREI RÄUBER?

Abgesehen von vielen Zuschauern? Ich glaube ja, dass bei Kinder- und Trickfilmen das Verfallsdatum wesentlich nach hinten hinausgeschoben ist. Und da fände ich es schon schön, wenn der Film dann irgendwann einmal in die gute Stube gehören würde, wie „Das große Liederbuch“.

Und Ihr Fazit?

Mir hat es einen Riesenspaß gemacht!

Fünf Fragen an den Produzenten Stephan Schesc

Warum haben Sie Tomi Ungerers Kinderbuchklassiker DIE DREI RÄUBER verfilmt?

Ich habe den Film gemacht, weil ich selbst die Geschichte von den drei Räubern als Kind über alles liebte. Und weil ich bei meinen eigenen Kinder gesehen habe, dass Räuber und Räubergeschichten noch immer - und heute mehr denn je - etwas absolut Faszinierendes für Kinder haben. Und gerade auch diese Umkehrung vom Bösen zum Guten – dass also diese schrecklichen Räuber dann so schrecklich lieb und so schrecklich lustig sind – das ist wirklich einmalig.

Worin unterscheidet sich der Film DIE DREI RÄUBER von anderen Animationsfilmen?

Er zeichnet sich vor allem durch die unverwechselbare künstlerische Handschrift von Tomi Ungerer und Hayo Freitag aus.

Was kann denn der Zuschauer erwarten, wenn er in diesen Film geht?

Er kann beste Unterhaltung am Kaminfeuer in der Räuberhöhle erwarten. Dem Zuschauer wird – wie beim Geschichtenerzählen am Lagerfeuer – ein wunderschönes, packendes, augenzwinkerndes Abenteuer dargeboten.

Was wünschen Sie dem Film?

Ich wünsche dem Film soviel Zuschauer wie die Räuber Goldstücke in ihrer Höhle haben.

Haben Sie eine Lieblingsszene?

Nur eine? Der ganze Film ist eine einzige, große Lieblingsszene von mir. Es ist wirklich ein außergewöhnlich charmanter Film geworden.

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