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Für immer Sommer 90

Filmhandlung und Hintergrund

"Für immer Sommer 90" ist das melancholische Charakterporträt eines Bankers und seiner Wende-Generation.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Für immer Sommer 90: "Für immer Sommer 90" ist das melancholische Charakterporträt eines Bankers und seiner Wende-Generation.

    Sicherlich gab es schon TV-Formate wie „Drinnen“ oder „Liebe. Jetzt!“, die sich der Corona-Pandemie hauptsächlich über die Video-Chat-Situation annäherten. „Für immer Sommer 90“, diese melancholische, schwer zu greifende Abrechnung mit den Idealen des Investment-Bankers Andy Brettschneider (Charly Hübner), der immer weiter nach oben will, ist aber einer der ersten deutschen Filme, in denen das Virus auch optisch durch Masken in der Welt präsent ist. Wobei der Zuschauer den Fokus darauf schnell verliert, weil die dramatischen Konflikte der Geschichte in den Vordergrund treten.

    Brettschneider wird von seiner Vergangenheit in Form eines anonymen Briefes heimgesucht, der ihm eine Vergewaltigung unterstellt. Ähnlich wie in Jim Jarmuschs Kino-Sinnsuche „Broken Flowers“ macht sich der Banker dann auf, seine Freunde von damals mit dem Auto quer durch die Republik zu besuchen, um herauszufinden, wer hinter der Nachricht steckt, die seine Geschäftspartner in Frankfurt am Main verunsichert und auch ihm den Boden unter den Füßen wegzieht. Es wird ein kontemplatives Roadmovie, eine Reise in die ostdeutsche Heimat und ein Blick auf die, welche seit der Wende zurückgelassen wurden. Der Film besteht aus vielen Zweier-Situationen, kleinen emotionalen Standoffs, die Facetten des zuerst in seiner Erfolgsgier dumpf erscheinenden Charakters des Andy Brettschneider nach und nach offen legen, mit denen man nicht rechnet. Charly Hübner gibt der Figur eine gewisse Tiefe, Ambivalenz und vor allem einen emotionalen Kern.

    Eigentlich sind alle Personen, auf die Brettschneider bei seiner Reise trifft, kleine Geschenke, weil sie so lebendig, tief gefühlt und großartig gespielt sind, dass sie auch jenseits ihres Auftritts weiterexistieren. Stellvertretend seien nur Peter Schneider als kriegsversehrter Jugendfreund Ronny, Stefanie Stappenbeck als ewige Dorfschönheit Marina und Deborah Kaufmann als Arzthelferin Katrin genannt, die ihre Träume gegen das Vorzimmer einer Urologie in Salzgitter eintauschte. Erst durch ihre Augen fällt Stück für Stück mehr und vor allem anderes Licht auf eine eigentlich im Erfolgswahn erkaltete und verhärtete Person. Die Melange der Doppel-Regie aus Jan Georg Schüttes Improvisationsschule und den Inszenierungsstärken eines Lars Jessen macht „Für immer Sommer 90“ dabei zu einem extrem gelungenen TV-Erlebnis, das in der vierteiligen Miniserien-Version für die ARD-Mediathek noch etwas mehr in seinen Momenten atmen kann. Im Schlussdrittel haben die Bilder in beiden Versionen sogar teils poetische Qualität. „Für immer Sommer 90“ entstand rasch, weil ein anderes Drehprojekt Corona-bedingt warten musste. Diese Unmittelbarkeit und Energie ist in jeder Szene zu spüren. mimu.
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