Die Besucher

   Kinostart: 31.01.2013
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Filmhandlung und Hintergrund

Feinfühliges Drama über Brüchigkeit familiärer Bande mit Uwe Kockisch als Vater, der durch Jobverlust seinen Lebensinhalt und seine Identität verloren hat.

Ganz überraschend steht Familienvater Jakob bei seinen Kindern in Berlin vor der Tür. Die sind nicht gerade begeistert, haben sie mit sich selbst doch genug zu tun. Der Sohn hat sein Studium geschmissen, die eine Schwester die akademische Karriere an den Nagel gehängt und ihre Erfüllung als Gärtnerin gefunden, die andere hat einen Freund fast so alt wie ihr Vater. Als abends auch noch die Mutter zur Runde stößt, wird Tacheles geredet. Die Familie ist eigentlich schon lange keine mehr.

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Kritikerrezensionen

  • „Wertvoll”

      Zwar sind die Kinder von Jakob und Hanna schon längst erwachsen und aus dem Haus, doch noch immer unterstützen die Eltern sie finanziell. Eines Tages macht sich Jakob auf den Weg nach Berlin, um ihnen zu sagen, dass diese Unterstützung nicht mehr möglich ist. Der Besuch des Vaters bringt den Alltag der Kinder durcheinander, und spätestens, als Hanna die Familie am Abend komplettiert, kommen alle aufgestauten Konflikte zutage. Denn keiner - ob Kinder oder Eltern - führt das Leben, mit dem er zufrieden ist. Wie bei allen Familiendramen liegt auch in diesem gelungenen Erstlingswerk von Constanze Knoche der Schlüssel in den komplexen Beziehungen der Figuren untereinander. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, jeder reibt sich am anderen und doch ist man eben eine Familie. Dies alles wird sensibel erzählt und von dem hervorragenden Cast ergreifend gespielt, angeführt von Uwe Kockisch und Corinna Kirchhoff. Aufgrund der vielen Perspektiven, die gleichwertig nebeneinander gestellt werden, kann jeder Zuschauer in diesem realistischen und doch gefühlvollen Drama Identifikationsmöglichkeiten finden. Am Ende sind längst nicht alle Fragen geklärt, doch ein Hoffnungsschimmer ist spürbar. Auf einen möglichen Neuanfang.

      Jurybegründung:

      Constanze Knoches Film DIE BESUCHER vermag einen glaubhaften Eindruck sowohl von der Lebenswelt der Elterngeneration als auch von der Situation ihrer drei Kinder abzubilden. Der ursprüngliche familiäre Verbund hat sich längst aufgelöst. Die Kinder sind erwachsen geworden. Sie haben das Elternhaus verlassen und sind in die Großstadt Berlin gezogen. Doch auch wenn von ihnen angestrengt, ist die Trennung vom Elternhaus höchst unvollkommen. Zwischen den Generationen ist vieles unausgesprochen geblieben oder aber wird bewusst verschwiegen.

      Auf der einen Seite zeigt der Film die Eltern: Mutter Hanna lebt mit ihrem Mann in einem Haus vis-à-vis eines Chemiewerkes. Sie fühlt sich vernachlässigt und hat seit Jahren ein Verhältnis mit dem Nachbarn. Vater Jakob scheint für emotionale Vorgänge unempfindlich. Er begriff seine Arbeit als leitender Chemiker als wichtigsten Inhalt des Lebens, sieht sich als Ernährer der Familie und kann dadurch die sozialen, innerfamiliären Vorgänge seit Jahren mit Erfolg negieren.

      Auf der anderen Seite die Kinder: Sohn Arnolt soll wie sein Vater Chemie studieren, hat allerdings nie einen eigenen Lebensentwurf entwickelt. Er wird zerrieben zwischen dem Wunsch seines Vaters und seiner künstlerischen Neigung und ist in der großstädtischen Anonymität zum Bummelstudenten geworden. Tochter Karla lehnt alle elterliche Hilfe ab und versucht ihr Leben mit harter, ehrlicher Arbeit in einem Gartenbaubetrieb vollständig autonom zu meistern. Sonnie, die zweite Tochter, will, ganz entgegen den früheren, ethischen Werten der Familie, im Managementbereich Karriere machen. Aber auch ihr Leben zeigt die Gefangenheit in der Abhängigkeit. Sie ist eine Beziehung mit ihrem Hochschulprofessor eingegangen, einem Mann im Alter ihres Vaters.

      Als Vater Jakob eines Tages unangekündigt vor der Tür von Tochter Sonnie steht, werden Prozesse in Gang gesetzt, die tief in die gelebte, familiäre Sackgasse blicken lassen. Wie die Kinder im Film, so machen sich auch die Zuschauer von DIE BESUCHER Gedanken über das plötzliche Eintreffen des Vaters. Er will von einer wichtigen Sache berichten, weiß aber offenbar nicht, wie damit zu beginnen.

      Soweit die Ausgangskonstellation. DIE BESUCHER bildet all dies routiniert ab und setzt damit eine lange Tradition deutscher Familiendramen fort. Eltern, die ein eigenes Leben für ihre Kinder aufgegeben haben und Kinder, die kein ein eigenes Leben führen, weil sie nicht aus dem Schatten ihrer Eltern heraustreten können, eine Betrachtung, die wahrlich klaustrophobisches Unbehagen bereiten kann.

      Der Film - und darin waren sich die Jurymitglieder einig - zeigt ein familiäres Geflecht, wie es schon häufiger zu sehen war. Realistisch, stilistisch kühl, mit gut agierenden Schauspielern besetzt. Und hier liegen sowohl die Stärken des Films wie auch sein eigentliches Manko. Seit Jahrzehnten ist die unterbleibende Auseinandersetzung zwischen den Generationen ein immer wiederkehrendes Motiv im Film, in der Literatur gar seit Jahrhunderten. Constanze Knoches Beitrag bietet keine überraschend neuen Einfälle. Ähnlich wie die Akteure des Films wagt DIE BESUCHER nicht, sich von den filmischen Vorbildern zu emanzipieren, obwohl die guten Schauspieler, Dialoge und Bilder sicherlich für mehr gereicht hätten. Der große Bogen von den Eltern zu den Kindern, den der Film durchaus zu spannen vermag, traf auch bei der Jury nicht auf taube Ohren. Die Bedrängnis und Befangenheit der Beteiligten ist fühlbar. Der Plot und auch die Inszenierung sind allerdings auch aufgrund ähnlich motivierter Filme letztlich durchschaubar. Daher hat sich die Jury nach ausgiebiger Diskussion zum Prädikat wertvoll entschlossen.

      Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)
    1. Die Besucher: Feinfühliges Drama über Brüchigkeit familiärer Bande mit Uwe Kockisch als Vater, der durch Jobverlust seinen Lebensinhalt und seine Identität verloren hat.

      Eltern und drei erwachsene Kinder versuchen die Scherben des familiären Beziehungsgefüges zu kitten.

      Dysfunktionale Familien auf der Leinwand sind ein dankbarer Stoff, heißt das doch oft emotionale Konflikte, Streitereien bis aufs Messer, Katharsis, Erinnerung an gute Zeiten und manchmal auch Versöhnung. Diesen Spannungsbogen und die Brüchigkeit familiärer Beziehungen arbeitet Constanze Knoche in ihrem Regie-Debut sensibel ab. Ihre Protagonisten bieten für das ganze Psycho-Programm genug Reibungsflächen.

      Als eines Morgens überraschend Familienvater Jakob bei seinen Kindern in Berlin vor der Tür steht, bricht nicht gerade Begeisterung aus. Alle sind mit sich selbst beschäftigt. Der Sohn hat sein Studium geschmissen und will sich der Kunst widmen, die eine Schwester hat die akademische Karriere an den Nagel gehängt und ihre Erfüllung als Gärtnerin gefunden, die andere vergnügt sich mit einem Universitätsprofessor, der ihr Vater sein könnte. Glücklich ist niemand. Anfänglich versuchen die Beteiligten noch die Fasson zu wahren, aber je mehr der Tag fortschreitet, um so mehr kommen Lebenslügen auf den Tisch, Unwahrheiten sich selbst und den anderen gegenüber. Und wenn dann noch abends die Mutter zur Runde stößt, wird Tacheles geredet. Die Familie ist schon lange keine mehr. Man spricht viel, sagt aber eigentlich wenig, es dauert lange, bis der Mann damit rausrückt, dass er seinen Job verloren hat und die Kinder nicht mehr unterstützen kann.

      Uwe Kockisch ist Kristallisationspunkt in seiner Trauer um Verlust von Lebensinhalt und Identität. Alte und Junge sind an den sie gestellten Erwartungen gescheitert. Die Figuren nehmen sich zurück, bleiben oft blass, nur in wenigen, aber dann sehr intensiven Momenten spürt man die lange unterdrückten Gefühle, den Lebensfrust, die tiefe Enttäuschung. Zwar dominiert durchweg ein sehr ernster Tenor, aber wenn am Ende die Geschwister alleine ins Elternhaus zurückkehren und sich an schöne Situationen erinnern, ist dieser Hoffnungsschimmer mit Humor inszeniert. mk.

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