Die Aufschneider Poster

Fakten und Hintergründe zum Film "Die Aufschneider"

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Produktionsnotizen

Am Anfang war „Das Taschenorgan“. Carsten Strauchs preisgekrönter Kurzfilm – seine erste Zusammenarbeit mit Co-Darsteller und –Autor Rainer Ewerrien sowie Kamerafrau und Co-Autorin Nina Werth – fanden die Produzenten Roman Paul und Gerhard Meixner dermaßen originell und witzig, dass sie prompt Kontakt mit dem Erfolgs-Trio aufnahmen um mit ihm einen gemeinsamen Langfilm zu diskutieren. Das Ergebnis heißt „Die Aufschneider“ und hat dieselben Hauptfiguren wie „Das Taschenorgan“. „Ansonsten“, erklärt Strauch, „haben wir uns aber während der Arbeit am Drehbuch immer weiter von der Handlung des Vorbilds entfernt. Wir wollten schließlich nicht Gefahr laufen, einen gedehnten Kurzfilm abzuliefern.“ Wieso überhaupt eine Krankenhaus-Farce? „Das Thema liegt ja dank der Gesundheitsreform gerade in der Luft“, erklärt Strauch. „Obwohl ich den Film nicht als eine politische Satire bezeichnen würde, ist diese Thematik natürlich der Ausgangspunkt. Nirgends sonst können Sparmaßnahmen und Konkurrenzdruck fatalere Folgen haben als in Krankenhäusern. Damit ist dieser Ort natürlich gleichermaßen gut geeignet, entweder ein großes Drama oder eine schwarze Komödie zu erzählen.“ Eine persönliche Affinität zur heilenden Profession gibt es allerdings nicht. Außer, na ja: Kamerafrau und Co-Autorin Nina Werth kann immerhin ein abgebrochenes Medizinstudium vorweisen.

„Carstens Humor ist einzigartig“, beschreibt Produzent Paul. „Er war immer sehr beliebt beim Publikum, doch im bildungsbürgerlichen Milieu der Förderanstalten und Sender herrscht in Bezug auf Humor ein Klima der Angst – vor allem, wenn sie die eigene, heimische Lebenswelt betreffen. Viele lachten über das Drehbuch, was oft schamvoll zugegeben wurde, denn sie fürchteten sich davor, von denen ausgelacht und ausgegrenzt zu werden, die sich von dem Humor beleidigt fühlen. Viele wollen nicht selbst zum Objekt von Albernheiten und Witzen werden – „Dumm und Dümmer – mit Abitur“, das ist vielen zu heiß. Als wir jedoch ‚MTV Europe’ als internationalen Partner gewinnen konnten, die von Carstens Filmen und dem Skript begeistert waren, weil sie auch die alles durchdringende Ironie sahen, öffnete uns das die letzten Türen auch in Deutschland.“

„Die Deutschen sind durchaus reif für schwarzen Humor“, betont Carsten Strauch. „Es werden einfach nur sehr wenige schwarze Komödien hierzulande produziert. Man soll die Deutschen nicht unterschätzen. Vor der WM dachte ja auch niemand, dass die Deutschen gastfreundlich sein können.“ Auch Produzent Gerhard Meixner hält den Humor der Leute zwischen Flensburg und Garmisch für verkannt: „Natürlich haben die Deutschen Humor. Sie verstehen durchaus auch fiese Scherze. Nehmen Sie doch nur Gerhard Polt. Carsten steht ein wenig in dieser Tradition. Die Aufschneider’ ist eine Mischung aus Satire, Komödie – mit einem Schuss John Waters, nur in der deutschen Provinz. Es ist jedenfalls keine Comedy. Comedy heißt für mich, dass da einfach nur Sketche aneinander gereiht werden. Eine gute Komödie braucht aber eine richtige Handlung.“ „Carstens Film ist bissig aber nicht böse“, erklärt Roman Paul. „Carsten mag seine Figuren. Er stellt sie nicht bloß, denn wenn wir über sie lachen, lachen wir auch über uns selbst.“

„Viele Szenen im Film, speziell die Dialoge, mögen so wirken, als wären sie improvisiert“, führt Meixner aus. „Doch jeder Satz wurde exakt so geskriptet. Carsten ist ein unglaublich präziser Regisseur. Er hört allen zu, ist offen für Ideen und Anregungen, aber wenn die Kamera läuft, lässt er seine Schauspieler nicht vom Text abweichen. Da er obendrein ein sehr ruhiger, zutiefst liebenswerter Mensch ist, den nichts, aber auch gar nichts, aus der Ruhe bringen kann, ist ihm der Respekt des gesamten Teams sicher.“

„Eines meiner Idole ist Loriot“, verrät Strauch. „Seine Art von Humor hat uns alle geprägt. Auch wenn er für viele heute nicht mehr modern wirken mag, kann man aus seinen Filmen sehr viel in Sachen Humor lernen.“ Das Casting des Films war ein langwieriger Prozess.

„Wir haben Schauspieler gesucht, die wirklich gut sind, die richtig spielen können. Wie bekannt sie sind, war für uns zweitrangig“, sagt Roman Paul. „Es war nicht ganz leicht, die Termine unter einen Hut zu bringen. Am Ende hatten wir jedoch die Besetzung, die wir haben wollten. Ein ebenso hochwertiges wie ungewöhnliches Ensemble.“ „Die gesamte Besetzung erwies sich als besonderer Glücksgriff“, beteuert auch Regisseur Strauch. „Ein großes Vergnügen war es, mit Christoph Maria Herbst zu arbeiten, dem es einfach gelingt, jeder ituation noch eine Extra Pointe zu entlocken. Er ist in seinem Timing sehr präzise, jeder Blick sitzt exakt so, wie er sein muss, um aus einer Szene das Maximum an Komik heraus zu holen.

Begeistert hat mich auch die große Spielfreude von Burghart Klaußner. Ich finde ihn einfach wahnsinnig wandlungsfähig. Er hat mich am meisten in seiner Darstellung überrascht, da ich eine ähnliche Figur von ihm noch nicht gesehen hatte. Man konnte ihm direkt die Freude anmerken, mal wieder eine Komödie zu spielen, was ihm in letzter Zeit selten angeboten wurde, obwohl er eine große komödiantische Ader hat. Auch Josef Ostendorf war eine große Bereicherung. Er hat viele Facetten aus seiner Figur heraus geholt, an die wir beim Drehbuch schreiben gar nicht gedacht hatten, und hat uns damit immer wieder überrascht und begeistert. Mit Cosma Shiva Hagen, Nina Kronjäger, Bernd Stegemann, Stipe Erceg und all den anderen Schauspielern war der Film sehr gut besetzt. Die Zusammenarbeit mit dieser Besetzung hat viel Freude gemacht.

Die sechswöchigen Dreharbeiten fanden in Erfurt und auf Mallorca statt. „Wir waren sehr überrascht, als wir bei einer Motivbesichtigung in einer Klinik tatsächlich automatische Medikamentenwägelchen, wie von uns im Drehbuch beschrieben, in Aktion vorfanden“, erinnert sich Strauch. „In der Realität können sie sogar sprechen. Ein besonders delikates Detail, wenn man bedenkt, dass sie in der psychiatrischen Abteilung eingesetzt werden.“

Mitunter lauerten die Probleme auch dort, wo man sie am wenigsten erwartete: „Die Beschaffung von weißen Mariachikostümen erwies sich als extrem schwierig“, erinnert sich Gerhard Meixner. „Nachdem in ganz Europa keine zu bekommen waren, wurden diese speziell in Mexiko für uns angefertigt. Mit großer Verzögerung und nach einigen blank liegenden Nerven, kamen die Kostüme dann gerade noch rechtzeitig am ersten Drehtag in Deutschland an.“ Auch die „Special Effects“ hatten ihre Tücken: „In einer Nachtszene wurde laut Drehbuch leicht einsetzender Regen benötigt. Das Aufgebot war riesig, neben etlichen Regenvorrichtungen, rückte ein kompletter Löschzug der Feuerwehr an, um diese Szene zu realisieren. Leider zeigte sich, dass die Vorrichtungen eher für größere Unwetter geeignet waren, als für leichten Nieselregen. Hingegen führte das Nassspritzen einiger Blätter vor der Kamera mit einem handelsüblichen Gartenschlauch zu einem wesentlich überzeugenderen Ergebnis. Daraufhin wurde das gesamte Equipment wieder abgebaut und der Gartenschlauch verrichtete zuverlässig seine Dienste.“

Last but not least kam es auch am spanischen Drehort noch zu einem unerwarteten Hindernis: „Wie bekommt man eine Gruppe heterosexueller spanischer Komparsen dazu, Gäste in einem schwulen Ferienclub zu spielen und auf Kuschelkurs zu gehen?“, grinst Strauch und verrät sein Geheimrezept nicht.