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Die alte Liebe - oder warum Herr Reinke zum Radio ging

  

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. FBW-Pressetext:

      Eine Hommage an die Kunst des Radiomachens. Sorgfältig recherchiert, fesselnd und unterhaltsam aufbereitet.

      Der Dokumentarfilm in der Regie von Andreas Heller präsentiert auch die lange Geschichte des Radiomachens in Deutschlands anhand des Werdegangs eines seiner großen Legenden: Dem Moderator Werner Reinke. Als sorgfältig recherchierte Dokumentation über die Geschichte eines traditionsreichen Mediums ist DIE ALTE LIEBE auch eine tiefe Verbeugung vor einer charismatischen Persönlichkeit mit unverwechselbarer Stimme.

      Regisseur Andreas Heller gelingt mit seinem Dokumentarfilm ein facettenreicher Einblick in die Geschichte des Radios. Der Erzähler und Protagonist Werner Reinke, der als Moderator eigener Sendungen im Hessischen Rundfunk in ganz Deutschland Kultstatus erlangte und noch heute aktiv ist, führt die Zuschauer*innen dabei durch seine eigene Biografie, die untrennbar mit dem Medium verknüpft ist. Denn in der Nachkriegszeit veränderte sich das deutsche Radio durch den völlig neuen Moderationsstil amerikanischer Radiostationen wie AFN grundlegend, neue Formatideen wurden geboren und der öffentlich-rechtliche Rundfunk etablierte sich als feste Größe. Zahlreiche Interviewte wie die Radiogrößen Fritz Egner, Programmchefs und Moderator’*innen einzelner Anstalten in Deutschland und Österreich sowie bekannte Musiker wie Peter Maffay und Annet Louisan kommen zu Wort und berichten von ihrer Liebe zum Radio - und ihrer Bewunderung für Werner Reinke, der mit seiner unverwechselbaren Stimme so mitreißend berichtet, dass die Liebe zu seinem Beruf sich in jeder Minute vermittelt. Dass das Radio auch gerade seit Einführung des privaten Rundfunks eine grundsätzliche Umstrukturierung und Formatierung erfuhr, die nicht nur eine Entwicklung zum Guten mit sich brachte, ist ein weiterer detailliert aufbereiteter Aspekt des Films, der sich auch für kritische Fragen Zeit lässt. Die dynamische Montage, ein gutes Timing und Erzähltempo und die große Sorgfalt in der Auswahl der Wortbeiträge machen aus DIE ALTE LIEBE einen überaus spannenden, unterhaltsamen und immer wieder lehrreichen Genuss. Für das Auge und das Ohr.

      FBW-Jury-Begründung:

      Für viele Hörer des Hessischen Rundfunks ist der 75jährige Radio-Moderator Werner Reinke längst eine Legende, wobei diese Titulierung noch kaum zutreffen mag. Denn Reinke ist nach wie vor in seinem Traumberuf noch sehr aktiv.
      In einer Handlungsebene beschreibt dieser Film das erfüllte Leben von Werner Reinke, der zum einen per Zufall und dann mit großem Stehvermögen sich zu einem der beliebtesten Radio-Moderatoren Deutschlands hocharbeitete. Der gebürtige Delmenhorster jobbte neben seiner Ausbildung zum Holzimportkaufmann als Discjockey in einem Tanzschuppen in Delmenhorst und landete per Zufall bei Radio Bremen, wo er 1969 als Nachrichtensprecher eingestellt wurde. Bereits zwei Jahre später wurde der Mann mit der sonoren Stimme vom Hessischen Rundfunk nach Frankfurt abgeworben und übernahm 1974 die Kultsendung „Hitparade International“, die er bis 1989 mit 777 Sendungen gestaltete und die ihn zu einer Berühmtheit des Radios machte. Nach seiner selbst gewählten Ruhepause holte der Hessische Rundfunk ihn im Jahre 2002 wieder zurück, zunächst als Moderator der Sendung hr3-extra am Samstag und seit Januar 2009 unter dem Titel „Reinke am Samstag“ bei hr1. Hier holt er regelmäßig große Künstler und Weltstars, aber auch junge Talente zu sich ins Studio. Dabei spricht er über die Hintergründe und Storys rund um die Klassiker der Popgeschichte und auch zu ausgewählten neuen Songs.

      Werner Reinke berichtet mit offensichtlich großer Freude in mehreren Erzählsequenzen über sein Leben mit dem Radio der vergangenen 60 Jahre. Dazu geben eine Reihe von filmischen Mitschnitten schöne Einblicke in Reinkes Arbeit als Radiomoderator. Mehrere bekannte Studiogäste berichten über ihre persönliche Beziehung zum Radio und stellen dabei Reinkes Ausnahmestellung im Medium in den Mittelpunkt. Die zweite Handlungsebene des Films vermittelt uns den Werdegang des Radios von den Nachkriegsjahren bis heute. Er erzählt vom wahren Siegeszug des Rundfunks in den 1950er Jahren und vom Erfindungsgeist der Radio-Macher und der Begeisterung des Hörerpublikums. Man wird daran erinnert, wie die Serie „Dickie Dick Dickens“ zum Straßenfeger wurde. Und wie das Radio die Popmusik groß machte und die Songs der Beatles, der Stones und den anderen Ikonen der Popkultur in den Hitparaden an die Spitzen führte. Wir erfahren vom Wandel des Radios, dem Einfluss ausländischer Radiostationen wie AFN, RTL oder ORF auf den deutschen Rundfunk und wie das Radio neben dem Siegeszug des Fernsehens bestehen konnte, ja heute sogar gestärkt im täglichen Leben der Menschen seinen Platz gefunden hat. Ein besonderes Lob verdient die sorgfältige Recherche zur Sammlung der großen Fülle an sehenswertem Archivmaterial. Mit einer gelungenen Dramaturgie und perfekten Montage der verschiedenen Erzählsequenzen erleben wir neben Werner Reinkes außergewöhnlicher Biografie einen spannenden Streifzug durch die Radio- und Musikgeschichte. Insgesamt ein wichtiger Film, der nach seiner Kinoauswertung seinen Weg unbedingt auch in die Medienpolitik finden muss.

      Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)
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