Deutschland 09 Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Deutschland 09: Kompilationsfilm nach dem Vorbild von "Deutschland im Herbst", in dem sich 13 renommierte Filmemacher ihre Gedanken über die Lage der Nation machen.

Inspiriert von “Deutschland im Herbst”, einer 1978 entstandenen Kurzfilmsammlung, beteiligen sich 13 deutsche Regisseure an einem Kompilationsfilmprojekt. Damals nahmen die renommiertesten Filmemacher der Republik zu Terrorismus und Polizeigewalt Stellung, heute sinnieren nicht minder große Namen über den Zustand ihres Landes. Die Wahl von Stil und Inhalt blieb den Regisseuren überlassen, was ein breites filmisches Spektrum ergibt.

Dani Levy

1978 schlug der Kompilationsfilm “Deutschland im Herbst” hohe Wellen. Deutschlands damals renommierteste Filmemacher nahmen Stellung zur Befindlichkeit einer von Terrorismus und Polizeigewalt erschütterten Nation. Etwas mehr als 30 Jahre später hat sich wieder eine Gruppe erlesener Filmemacher zusammengefunden, um sich mit Kurzfilmen Gedanken über Deutschland zu machen.

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Kritikerrezensionen

  • Vierzehn deutsche Regisseure für dreizehn Kurzfilme in einem Projekt über Deutschland. Jeder hat höchstens zwölf Minuten, um seinen ganz spezifischen Blick auf dieses Land zu entwerfen. Jeder für sich. Und alle zusammen.

    Sicher gibt es da schwächere Filme in dieser Kompilation; aber neun, zehn bemerkenswerte Kurzfilme sind ein hervorragender Schnitt. Dreizehn Filme mit individueller Handschrift, individueller Form, individuellen Ideen und Themen. Dreizehn verschiedene Filme, die dennoch zusammenpassen.

    Vierzehn Regisseure beschäftigen sich mit Deutschland: das ist zuallererst auch deshalb interessant, weil es den Direktvergleich der Filmemachern ermöglicht, weil es Schlaglichter wirft auf ihre bisherige Arbeiten, auf Arbeitsweise, auf Vorlieben und Sichtweisen, gerade auch im Kontrast (in Ton und Thema) mit den anderen.

    Zudem ergibt sich eine spezielle Dynamik unter den Kurzfilmen, die teils dramatisch, teils essayistisch, teils dokumentarisch, teils biographisch, teils nach wahren Begebenheiten, teils komplett erfunden, teils sehr ernst, teils überdreht und albern sind.

    Fatih Akin etwa hat ein Interview der Süddeutschen mit Murat Kurnaz, fünf Jahre lang unschuldig Gefangener auf Guantanamo, nachinszeniert, mit einem zugegebenermaßen künstlich agierenden Dennis Moschitto, aber auch mit starken Sätzen gegen die Gleichgültigkeit, ja Feindseligkeit der Politik, sprich: von Steinmeier. Hans Weingartner erzählt die wahre Geschichte von Andrej Holm nach, der elf Monate lang unschuldig Opfer eines groß angelegten Lauschangriffs des Verfassungsschutzes war, um dann angeklagt zu werden als sogenannter Gefährder; der dann unter Umkehrung des Rechtsgrundsatzes der Unschuldsvermutung beweisen musste, kein Terrorist zu sein.

    Eine feine Rachefantasie hat dagegen Hans Steinbichler verfasst: Sepp Bierbichler läuft Amok gegen die Layout-Änderung der FAZ (und übersieht bei aller Rage über das oberflächliche Zeitungsaussehen die Schlagzeile, die von einem möglichen Frieden zwischen Nord- und Südkorea kündet). Isabelle Stever blickt mit der Kamera in eine Grundschule, wo per Klassenrat über das Völkerballspiel im Sportunterricht debattiert wird, eine kleine Demokratiestunde. Dani Levy wird ganz albern, viel mehr noch als in seinem Führer-Film: gegen Schwarzsehen gibt’s jetzt ein Medikament, das alle Welt freundlich und fröhlich macht – doch Vorsicht bei Überdosierung. Überdosiert ist dagegen sicherlich Wolfgang Beckers Beitrag über den Patienten Deutschland in einer maroden Klinik, eine ziemlich dürftige Satire auf billigstem Politkabarettniveau inkl. Stammtischwitz, aufgebaut auf einer simplen Krankenhausmetapher und durchsetzt mit vielen vielen Kalauern vom Sozialinfarkt und Umverteilungsschock, von Subventionsadrenalin und Dr. Katelbach, der nicht kommt.

    Erinnerungswürdig dagegen Dominik Grafs und Martin Gressmanns fast lyrischer Abgesang auf die hässliche Architektur der Nachkriegszeit, die kalten Stahl-Glas-Konstruktionen weichen muss und Deutschlands Gesicht ändert. Und Romuald Karmakars Interview mit einem Iran-stämmigen Puffbetreiber, der sch über die Perversionen seiner Kunden auslässt, die immer schlimmer werden.

    Das ist vielleicht der Tenor vieler der Filme und von daher bei aller Individualität, bei aller nicht-repräsentativer Auswahl in dem ganzen weiten Panoramablick über die deutsche Film-, Kultur-, Gesellschafts- und Politiklandschaft: ein Zukunftspessimisus macht sich breit in unterschiedlicher Form, aber stets mit der These, dass etwas im Wandel begriffen ist. Und dass dieser Wandel nicht zum Besseren führen wird.

    Doch dieser Pessimismus führte zu einem lebendigen Film; nicht zu verfilmten Leitartikeln und auch nicht zu banalen Allgemeinplätzen.

    Fazit: Dreizehn mal ganz verschiedene Blicke auf die aktuelle Lage der Nation: kurzweiliges und nachdenkliches Vergnügen.
  • Von Tom Tykwer initiierte Kurzfilme seiner Kollegen zum Stand der Dinge im Land – aktuelles, immer originelles, satirisches und selbstbewusstes Meinungskino auf formal hohem Niveau. Eine Bewusstseinsgranate.

    Man muss nicht alle 13 Kurzfilme mögen, nicht deren Ansichten teilen, aber was Tykwer und zwölf Regisseure der Crème deutscher Filmemacher zu sagen haben, ist kein beliebiges Programm, sondern überlegtes, am politischen Ball bleibendes und bewusst provozierendes Kino, das die Diskussion sucht und sich stellt. In dem Sinn steht es würdig, trotzig und kraftvoll in der Tradition von “Deutschland im Herbst” (1977/78) und bietet mit unterschiedlichsten Bildern ein Mosaik gegenwärtiger Bewusstseinsprozesse fern lascher Medienkonformität.

    Im Wesentlichen lassen sich auf teils bissigste Satire erpichte Autoren (Tykwer, Levy, Becker, Steinbichler), Aktionisten (Weingartner, Krebitz, Stevens, Enders), Essayisten (Schanelec, Hochhäusler) und reflektierende Dokumentaristen (Akin, Karmarkar, Graf & Gressmann) unterscheiden. In der Reihenfolge:

    “Erster Tag” (Angela Schanelec) zeigt subtil zum Zitat von Rolf Dieter Brinkmann über Erfahrungshunger Bilder aus der Morgendämmerung in Brandenburg. “Joshua” (Dani Levy) ist der satirische Überflieger und beste Beitrag: Die injizierte Ampulle Promorganas schafft Frohsinn im Land; Levys fliegender Sohn landet auf dem Schoß der Kanzlerin, die “eine Idee für Deutschland” sucht. “Der Name Murat Kurnaz” (Fatih Akin) adaptiert nüchtern ein Interview des Guantanamo-Häftlings Murat Kurnaz als Synonym für politische Groteske. “Die Unvollendete” (Nicolette Krebitz) führt an Hand einer fiktiven Begegnung von Susan Sontag, Ulrike Meinhof und einer sechzehnjährigen Berlinerin Utopien vor, die am Realitätsprinzip scheitern und bietet kluges und entspanntes Diskurskino. “Schieflage” (Sylke Enders) kontrastiert – etwas konstruiert -in einer Suppenküche für Kinder die Arroganz einer Medienfrau mit der Spontaneität Jugendlicher. “Der Weg, den wir nicht zusammen gehen” (Dominik Graf & Martin Gressmann) beleuchtet hintersinnig Reste-Architektur als “Körper aus Stein”. In “Fraktur” (Hans Steinbichler) gibt der großartige Josef Bierbichler einen Unternehmer, der sich, als die FAZ Layout und Fraktur-Schrift ändert, die Zeitung vornimmt und das deutsche Wesen erläutert. Pralle Satire, die ihr Ziel trifft. “Eine demokratische Gesprächsrunde zu festgelegten Zeiten” (Isabelle Stevens) funktioniert bei Viertklässlern nicht. Die Idee ist passabel (“Die Klass” lässt grüßen), doch ist sie fahrig gefilmt. “Gefährder” (Hans Weingartner) ist ein Soziologiedozent, der als ‘Terrorist’ überwacht und Opfer des BKA wird. Weingartner agiert wie in “Die fetten Jahre sind vorbei” mit Wut, revolutionärer Ungeduld und offenem Visier. “Feierlich reist” (Tom Tykwer) für ein Modelabel durch Hotels und Starbucks der globalisiert vereinheitlichten Welt. Benno Fürmann glänzt als Vertriebschef, der sich in Düsseldorf, Paris, Hongkong, Kairo und San Diego in der Welt der Werbung verliert. Tykwer macht brillantes, stylishes, feinstes Bilderkino. “Ramses” (Romuald Karmarkar) erzählt von Veränderungen eines hübschen kleinen Bordells in Berlin. Das ist drastisch, witzig, melancholisch, aufschlussreich. “Krankes Haus” (Wolfgang Becker) führt in die mit großem Aufwand gefilmte Deutschlandklinik. Becker, als Obama-Jesus in der Gummizelle, lässt ätzende Satire spritzen und ist bissig bis zur letzten Konsequenz. “Séance” (Christoph Hochhäusler). Ist eine Meditation über den Zusammenhang der Bilder. ger.

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