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Produktionsnotizen

Jede Generation von Kindern hat ein Buch, das von Millionen kleiner Leser ganz besonders geliebt wird. 2003 schrieb die Schriftstellerin Kate DiCamillo („Winn-Dixie“) „Despereaux“: die Geschichte einer kleinen, aber mutigen Maus mit (selbst für Mäuseverhältnisse) riesigen Ohren, die es dorthin verschlägt, wohin sich noch kein anderer ihrer Art gewagt hatte. Despereaux ist von Geburt an mit großem Ehrgeiz ausgestattet – zu groß für seine kleine Mäusewelt. Und so kommt es, dass er sich mit einer ausgestoßenen Ratte anfreundet, sich in eine einsame Prinzessin verliebt und schließlich das Königreich Dor vor den Mächten der Finsternis und der Angst befreit.

Gleich nach Erscheinen wurde DiCamillos Buch von der Maus, die über sich hinauswächst, zu einem großen Erfolg: Es kletterte an die Spitze der Bestsellerliste der „New York Times“, in der es sich beinahe zwei Jahre lang hielt. Allein in den USA wurde das Buch zwei Millionen Mal gekauft (und von schätzungsweise zehn Millionen Lesern verschlungen). Es wurde mit dem Kinderbuchpreis Newbery Medal ausgezeichnet und vom Fachblatt „Publishers Weekly“ zum Kinderbuch des Jahres gekürt. Zur Zeit steht die Taschenbuchausgabe von „Despereaux“ seit fast einem Jahr an der Spitze der Kinderbuch-Bestsellerliste.

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„Despereaux“ war eben erst erschienen, als Regisseur Gary Ross, vierfach Oscar-nominiert, auf das Buch aufmerksam wurde. Ihn verband mit DiCamillo zweierlei: ein Händchen für spannend erzählte Geschichten – und eine Vorliebe für unwahrscheinliche Helden.

Es ist schon seit Jahren Ross’ Markenzeichen, in seinen Filmen Underdogs groß herauskommen zu lassen – sei es das schwächliche Rennpferd in „Seabiscuit“, das einen sensationellen Sieg erringt, sei es der Mann, der in „Big“ das Kind in sich – und damit seine verschüttete bessere Seite – entdeckt, sei es der Jedermann, der in „Dave“ dem Präsidentenamt seine Würde zurückgibt. Als Ross’ Frau Allison Thomas, selbst Produzentin bei „Seabiscuit“, ihm das Buch zu lesen gab, merkte er schnell, dass sich aus diesem modernen Märchen ein wunderbarer Animationsfilm machen lassen müsste.

Ihn sprach die tiefgehende Menschlichkeit der Story an; und die Tatsache, dass sie die kindlichen Leser mit Respekt behandelt und deren Intelligenz und Einsichtsfähigkeit fordert. Ross gefiel es auch, dass es keine Figur gibt, die ausschließlich böse ist; vielmehr werden manche Charaktere erst zu Übeltätern, nachdem ihnen selbst übel mitgespielt worden war; und sie alle läutern sich schließlich, indem sie lernen, zu vergeben. Ross und Thomas erwarben die Filmrechte am Buch – von Beginn an mit der Absicht, den Ton und den erzählerischen Reichtum von DiCamillos Geschichte treu beizubehalten, damit das, was „Despereaux“ zum modernen Klassiker gemacht hat, sich auch auf die große Leinwand überträgt.

Vier Jahre später ist Despereaux da! Sam Fell („Weggeflutscht!“) und Regiedebütant Rob Stevenhagen erzählen – auf Grundlage eines Drehbuchs von Ross und einer Story von Will McRobb und Chris Viscardi („Alvin und die Chipmunks“) – die Geschichte von vier Außenseitern: vom Mäuserich Despereaux, gesprochen im Original von Matthew Broderick, der Musik, Rittermärchen und Prinzessinnen liebt; von der Ratte Roscuro, gesprochen von Dustin Hoffman, die im Dunklen lebt und sich nach dem Licht sehnt; von Prinzessin Pea, gesprochen von „Harry Potter“-Star Emma Watson, die so gern ein gewöhnliches Leben führen würde; und schließlich von der Dienstmagd Miggery Sow, gesprochen von Tracey Ullman, die ein nur allzu gewöhnliches Leben führt und so gern eines Tages eine Prinzessin wäre…

Produktion: Die Enstehung

DiCamillo gibt zu, dass sie mit Despereaux einen Roman schreiben wollte, wie sie ihn selbst als Kind gern gelesen hätte - und wie sie es auch als Erwachsene noch tut.

„Bücher für Kinder zu schreiben, eröffnet einem ganz andere Möglichkeiten, als wenn man ausschließlich für Erwachsene schreibt“, sagt sie: „Jeder braucht solche Bücher; sie sprechen das Kind an, das jeder Erwachsene in sich trägt. Mir ging es bei dieser Geschichte darum zu zeigen, wie kompliziert wir alle sind; wie wir gleichzeitig Gutes und Böses in uns tragen - und wie wir aufeinander angewiesen sind, um Trost zu finden.“

Eine Sicht der Dinge, die auch Thomas und Ross teilen; ihnen war auch klar, dass eine Filmfassung die Vielschichtigkeit der Erzählung beibehalten müsste – einschließlich der Erzählstimme, die uns durch Despereauxs Abenteuer führt. „Damit hat Kate es geschafft, sofort eine ganz enge Beziehung zwischen dem Erzähler und dem Leser herzustellen”, merkt Ross an: „Und Allisons und mein wichtigstes Ziel war es, genau das zu erhalten.”

Der Drehbuchautor und Produzent hatte über die Jahre schon einige preisgekrönte Filmskripts geschrieben, doch „Despereaux“ eröffnete ihm noch unerkannte Möglichkeiten. Ross erklärt: „In Märchen spielt die Moral der Geschichte eine entscheidende Rolle, und die Moral bestimmt auch die Charaktere. Sie schlagen sich mit großen Fragen und großen Problemen herum und schaffen es schließlich, sie zu lösen. Vor großen Fragen hatte Kate keine Angst; im Gegenteil, sie wollte so dem Übermaß an kurzlebiger Popkultur etwas entgegensetzen.”

Die Produzenten waren sich einig, dass es nicht reichen würde, den Film als Cartoon-Fassung des vielschichtigen Romans um die abenteuerlustige, furchtlose kleine Maus anzulegen. Stattdessen sahen sie die Geschichte als klassisches Märchen, das aber auch Elemente modernen Märchenerzählens in sich tragen sollte, um so zu einem großen Epos mit starken Charakteren darin zu werden.

Ross erzählt: „Wir stellten uns den Film als die Kinoversion eines tollen Bilderbuchs vor, das lauter Szenen enthält, die man nie wieder vergisst.“ Diese Grundsatzentscheidung hatte Folgen für die Anmutung des Films, für die Gestaltung der Figuren, für die Farben, die Beleuchtung und den Stil der Animation. Ein sehr ehrgeiziger Plan; um so ehrgeiziger, weil er mit einem vergleichsweise bescheidenen Budget von 60 Millionen Dollar entstand - Animationsfilme der großen Studios kosten gern auch mal das Zwei- oder Dreifache.

Die beiden Regisseure Sam Fell, CG-Veteran, und Rob Stevenhagen, Story Artist und Animator, bildeten den Kern des Teams, das „Despereaux – Der kleine Mäuseheld“ erschaffen sollte; hinzu kamen Produktionsdesigner Evgeni Tomov, Kameramann Brad Blackbourn und die Londoner Visual-Effects-Spezialisten von Framestone Animation.

Regisseur Fell erinnert sich: „Als ich auf ,Despereaux’ stieß, war mich gleich klar, dass ich da etwas ganz Einzigartiges gefunden hatte, etwas mit individuellem Tonfall und voller großartiger Figuren. Es hatte alles, was den ganzen zynischen Komödien, von denen man umgeben ist, fehlt - mich hat die Geschichte gleich gepackt.” Wie die Produzenten war auch Fell beeindruckt, wie fein und detailliert DiCamillo die Figuren mit ihren Eigenheiten ausgestattet hatte: „Hier steckt viel mehr psychologische Wahrheit drin als im Durchschnitts-Trickfilm“.

Für den Produzenten Thomas brachte das Team einzigartige Fertigkeiten mit: „Sam hatte einfach alles im Animationsbereich schon gemacht, von Stop-Motion-Technik bis zu komplett computeranimierten Filmen, und das war für uns der ideale Erfahrungsschatz. Und sein Partner Rob hat das mit seinem herausragenden Gespür fürs Erzählen von Geschichten perfekt ergänzt. Evgeni hatte sofort eine ganz klare Vorstellung davon, was für ein Licht uns für den Film vorschwebte, und Brad machte sich daran, Software zu entwickeln, die reale Belichtungen und Brennweiten imitieren könnte, und auch Gary passte mit seiner Erfahrung aus Realfilmen und seinem Blick auf den filmischen Stil des Ganzen auf den Rhythmus des Schnitts, nahtlos in das Team.“

Framestone ist schon seit 20 Jahren überaus erfolgreich auf dem Markt für Werbespots, Visual Effects und Animationen für Fernsehproduktionen; „Despereaux – Der kleine Mäuseheld“ jedoch ist für die Firma der erste abendfüllende Kinofilm. In Zusammenarbeit mit der Partnerfirma Larger Than Life machte sich das Team von Framestone daran, einen CG-Film zu erstellen, dessen „handgemachter“ Look dafür sorgt, dass ihn niemand für ein Produkt aus dem Computer hält.

Thomas und seine Mitstreiter waren schon lange von Framestones Arbeiten angetan: „Eine ihrer Sachen, die wir ganz toll fanden, waren die Hippogriffs, die sie für die ,Harry Potter’-Filme animiert hatten. Und seit Beginn unserer Zusammenarbeit haben sie für ihre unglaublich toll animierten Eisbären in ,Der Goldene Kompass’ einen Oscar gewonnen! Bei ihnen weiß man einfach, dass man beste Qualität geliefert bekommt; sie sind einfach ein großartiger Partner für ,Despereaux – Der kleine Mäuseheld’“.

Produktion: Der visuelle Stil des Films

Alle Beteiligten stimmten überein, dass der visuelle Stil des Films so plastisch wie möglich sein müsste, eben genau wie die Fantasien von Kindern, die Geschichten von stolzen Rittern und holden Maiden lesen. Allen war auch klar, dass darin eine große Herausforderung lag. Denn computeranimierte Bilder wirken leicht zu glatt, zu poliert; als ob alle Oberflächen aus Plastik wären - ziemlich genau das Gegenteil also von dem, was die Filmemacher für „Despereaux – Der kleine Mäuseheld“ wollten.

Als Inspiration dienten ihnen und Produktionsdesigner Tomov Gemälde der holländischen Schule wie etwa von Vermeer und Brueghel. Ob es nun um das Design, die Farben, die Ausstattung oder die Bewegung der Kamera ging: Alles sollte ein organisches und kein computeranimiertes Aussehen haben. Die Hoffnung dabei war natürlich, dass Kinder, die den Film sehen, ganz und gar in Despereauxs Welt aufgehen können - und idealerweise im Film dieselben Bilder sehen wie in ihrer Phantasie, als sie das Buch lasen.

Tomov erklärt: „Unser Ziel war es, Despereaux, den anderen Figuren und den ganzen Schauplätzen im Königreich Dor die Anmutung von Gemälden zu geben; die Figuren sollten so wirken, als wären sie echte Bewohner des Mittelalters. CG wirkt oft kalt und klinisch; wir wollten dagegen Herz und Seele in unseren Bildern haben. Uns kam es auf einen organischen, einladenden Look an, so dass sich das Publikum gleich als Teil der Geschichte und nicht bloß als Zuschauer fühlt.“

Das Design ergab sich aus einer bewusst eingeschränkten Farbpalette für die Märchenwelt: „Wir entschieden uns generell gegen grelle Farbtöne. Die Farben sollten nicht zu satt sein, um nicht wie Plastik oder künstlich auszusehen - das komplette Design sollte organisch wirken.“

Als Beispiel nennt Ross den Bauernhof mit der Schweinezucht, wo wir Miggery Sow zum ersten Mal begegnen: „Auf Migs Hof fühlt man deutlich Brueghel - eigentlich eine ganze Reihe holländischer Genremaler. Wenn ich diesen Hof sehe, habe ich das alles vor Augen: den Matsch, die Farbtöne, den sanften flämischen Himmel. In vielen Fällen haben wir Gemälde fast originalgetreu übernommen - eine riesige Herausforderung für das Team.”

Die Produktionsdesigner legten einen optischen Stil und die Designs fest, die dann von Framestone Animation in CG-Bilder zum Leben erweckt wurden. Um den gewünschten Effekt zu erzielen, wandte man bei Framestone manche klassischen Maltechniken bei der Computeranimation an. Zum Beispiel legten die Framestone-Leute nicht nur bei den 2-D-Matte-Painting-Hintergründen, sondern auch beim 3-D-Rendering Details an, um so den Effekt vieler holländischer Gemälde zu erzielen, bei denen die Details im Hintergrund immer mehr verschwimmen.

Produktion: Das Casting und die Aufnahmen

Um die Geschichte zum Leben zu erwecken, begann die Produktion damit, eine Vielzahl hochtalentierter Schauspieler als Synchronstimmen für die Filmfiguren zu besetzen: Matthew Broderick und Dustin Hoffman sind als die beiden Haupt-Nagetiere Despereaux und Roscuro zu hören; Emma Watson und Tracey Ullman sprechen die weiblichen Hauptfiguren Prinzessin Pea und Miggery Sow.

Drehbuchautor Ross räumte der Erzählerin, die in „Despereaux“ so deutlich hervortritt, auch im Film eine hervorgehobene Rolle ein. Wie bei einer laut vorgelesenen Geschichte führt sie uns durch die märchenhafte Handlung. Und wie im Roman spricht auch hier die Erzählerin das Publikum direkt an, ganz als ob er sich mit ihr unterhielte, und zieht den Zuschauer so noch stärker in den Bann der Geschichte von Despereaux.

Zu ihrer Rolle als Erzählerin sagt Sigourney Weaver: „Man muss das Gefühl bekommen, dass sich die Erzählerin schon darum kümmern wird, egal, wie düster und gefährlich die Geschichte auch sein mag. Man muss das spüren, dass sie weiß, was sie tut und dass am Ende alles gut wird. Und diese Stimme muss einem auch dieses Vertrauen geben. Die Erzählerin muss das Publikum bis zum Rande des Abgrunds führen, dabei aber klar machen, dass sie einen festhält, wenn man droht, hinunterzustürzen.“

Regisseur Stevenhagen hat für Weavers Leistung nichts als Komplimente: „Sigourney war wunderbar, wie sie das Publikum direkt in die Geschichte hinein gezogen hat. Sie war fast wie eine liebe Tante, die einer Gruppe von Kindern vorliest.“ Für Stevenhagen war es geradezu unbezahlbar, über eine solche Stimme zu verfügen, die der Zuschauer durch Despereauxs komplexe Geschichte leitet: „Sie war immer wieder eine große Hilfe, wenn es darum ging, die Geschichten der einzelnen Charaktere miteinander zu verbinden und uns in neue Welten einzuführen.“

Als der tapfere und doch unwahrscheinliche Held Despereaux Tilling wurde Matthew Broderick besetzt. Der Film- und Bühnenstar hatte bereits in „König der Löwen“ und jüngst in „Bee Movie – Das Honigkomplott“ Erfahrungen damit gemacht, animierten Filmfiguren seine Stimme zu leihen. Jemand mit so großer Erfahrung im Theater und im Kino wie Broderick war in jedem Fall genau der richtige, um die Titelrolle zu sprechen: „Matthew hat es ganz einfach raus, das Staunen und die Freude, die Despereaux erlebt, in seiner Stimme spüren zu lassen. Wenn man ihm zuhört, hat man eine Figur vor Augen, die gleichzeitig neugierig, hoffnungsvoll und edelmütig ist.“

Broderick hatte jedenfalls sehr viel Spaß dabei, diese Figur zu sprechen, die er „sehr mutig, unbeirrt und unbeeindruckt vom Gerede der Leute“ fand. Er erinnert sich an eines der allerersten Treffen mit den Produzenten: „Gary erklärte mir Despereaux so: ,Er hat starke – zu starke – Gefühle, so wie ein Heranwachsender. Alles ist richtig oder falsch, und er ist einfach zu leidenschaftlich in seinen Ansichten.’“ Als Schauspieler erwarteten ihn gänzlich andere Herausforderungen als bei einem Realfilm: „Es ist viel mehr Teamarbeit, weil ich versuchen muss, mich dem anzupassen, was schon geschrieben und gezeichnet worden ist – und was ich oft noch gar nicht zu Gesicht bekommen hatte. Ich bin abhängig vom Regisseur und allen anderen, die mir Despereauxs Welt erklären müssen – denn sie existiert ja noch gar nicht, wenn man die Tonaufnahmen macht. Hier muss man in seine Stimme viel mehr hineinlegen, denn manche Art von Humor kann man mit Animation einfach nicht zum Ausdruck bringen; hier muss man eben deutlicher werden.“

Broderick genoss es auch, dass Ross bei den Tonaufnahmen die Schauspieler zusammen agieren ließ: „Wenn man alle in die Aufnahmekabine setzt und vier oder fünf Leute auf jedes deiner Worte hören und sagen ,Jetzt war’s fast richtig’, ist es schwierig, unbefangen zu bleiben. Aber wenn ein anderer Schauspieler da ist, konzentriert man sich aufeinander. Dann ist es einem nicht mehr bewusst, dass andere mithören und man kann natürlicher sein!“

Der zweifache Oscargewinner Dustin Hoffman bekam die Rolle der gutherzigen, aber von Selbsthass gezeichneten Ratte Roscuro, die Despereaux auf seinen Abenteuern anfangs hilft, sich dann aber gegen ihn stellt. Die Filmemacher beschreiben Hoffmans Mitwirkung als „fantastische Erfahrung“.

Roscuro ist die komplizierteste Figur in der Geschichte. Er durchläuft ganzes Spektrum an Gefühlen: auf die Freude über seine Befreiung folgt der Schmerz zurückgewiesen zu werden und schließlich wieder die Freude, die Vergebung mit sich bringt. Stevenhagen erklärt Hoffmans Figur: „Roscuro ist ein Abenteurer, der das Leben auskosten will, der das Meer und den Wind liebt. In den Augen der Welt ist er nichts weiter als eine Ratte, er aber sieht sich als einen Freigeist, der die Meere umsegelt. Er versteht nicht, dass jemand ihn anders wahrnimmt als er sich selbst und es bricht ihm das Herz. All dies hat Dustin sehr präzise eingefangen.“

Genau wie Broderick nahm auch Hoffman einige seiner Szenen im Zusammenspiel mit anderen Schauspielern auf – für ihn eine angenehme Überraschung, als er bei den Aufnahmen erschien: „Animation ist für mich noch etwas neues“, sagt er: „Als Schauspieler sind wir es nun einmal gewöhnt, mit anderen zu interagieren. Normalerweise ist es bei Animationsfilmen so, dass man auf ein Mikrofon starrt, seinen Dialog spricht und dabei eigentlich keine Vorstellung davon hat, wie das Ganze am Schluss aussehen wird. Man muss dem Regisseur blind vertrauen.“

Die Rolle der einsamen Prinzessin Pea übernahm die junge britische Darstellerin Emma Watson – am besten bekannt durch ihren Part in den weltweit erfolgreichen „Harry Potter“-Filmen. Für Watson war dies die erste Sprechrolle für einen Animationsfilm. Fell beschreibt ihre Filmfigur so: „Prinzessin Pea ist eigentlich ein ganz normaler Teenager. Sie sollte ein normales Mädchen und eben nicht nur eine Märchenprinzessin sein. Sie sollte keinesfalls kühl und unnahbar wirken. Emma hat tolle Arbeit geleistet, dieses Teenie-Mädchen zu porträtieren, die mit ihrem trübsinnigen Vater in diesem düsteren Schloss leben muss, noch dazu in einem Land, das ganz und gar freudlos ist. Sie will einfach einmal die Sonne sehen, und sie möchte das tun, was alle Teenager wollen: das Leben genießen.“

Emma Watson ging es nicht anders als dem Rest des Ensembles: Die zeitlose Botschaft der Geschichte berührte sie; für sie war das einer der Gründe, die Rolle anzunehmen: „ Es hat mich wirklich berührt, dass das Drehbuch so ein großes Herz hat. Mich hat fasziniert, wie es das Thema, sich gegen Widerstände durchzusetzen, behandelt hat. Despereaux ist jemand, der seinen Traum verfolgt, auch wenn er unrealistisch, wenn nicht gar unmöglich erscheint. Er gibt einfach nicht auf; er ist eine Kämpfernatur.“

Tracey Ullman, die sich mit Dutzenden komischer Rollen einen Namen gemacht hat, wurde als Miggery Sow, die einfache Dienstmagd mit großen Träumen, besetzt. Sie ist eine Schweinehirtin, die davon träumt, eines Tages eine Prinzessin zu sein – und als eines Tages ihr Traum in Stücke zerfällt, bricht es ihr das Herz. Sie sucht einen Ausgleich für das – wie sie findet – erlittene Unrecht und begeht einen folgenschweren Fehler. Fell führt aus: „Mig ist ein freundliches, bescheidenes Dienstmädchen, ein unelegantes Bauernmädchen, das auf dem Hof ihres Onkels ein schreckliches Leben hatte. Sie ist nicht besonders hübsch und auch nicht besonders schlau, aber sie besitzt einen unerschütterlichen Optimismus. Sie ist überzeugt, dass sie eines Tages als Prinzessin in einem Schloss leben wird – das ist natürlich Unsinn, aber sie glaubt fest daran. Und ich muss sagen, ich liebe sie, so wie sie ist. Ich liebe Mig für ihren ewigen Optimismus, trotz aller ihrer Fehler. Und Tracey hat sie mit Schwermut, Hoffnung und Tragikomik ausgestattet und sie zu einem liebenswerten Charakter gemacht, so wie es niemand sonst gekonnt hätte.“

Kevin Kline und Stanley Tucci, 1999 Ko-Stars in „Ein Sommernachtstraum“, spielen hier erstmals wieder zusammen: Kline als André, der königliche Küchenchef und Boldo, der exzentrische, aber geniale Suppen-Geist. Kline, der Despereaux und seine Erfindungsgabe mit Don Quixote vergleicht, gefiel es, wie die kleine Maus „einen eigenen Willen und eine lebendige Phantasie hat, die sich von keinen Regeln unterdrücken lässt. Er lässt sich einfach nicht von den Grenzen beeindrucken, die sich die Gesellschaft auferlegt hat.“

Tucci erlaubte es seine Rolle als leidenschaftlicher Küchengeist, „einmal stärker zu spielen als in einem normalen Film“ Die Arbeit beschreibt er so: „Das Ganze hat etwas Kindliches, und das hat mir dabei sehr gefallen. Man kann bis zur Erschöpfung neues erfinden, genau wie ein Kind es macht.“

Kline und Tucci nahmen viele ihrer Szenen gemeinsam auf. Ross besorgte ihnen ein paar Requisiten, und so hatten sie die Freiheit, bei ihren komischen Streitigkeiten zu improvisieren. Alle spontanen Einfälle wurden festgehalten, damit die Animatoren sie eventuell später noch einmal verwenden könnten, insbesondere die Szenen, in denen Boldo und André sich gegenseitig mit allem, was die Küche hergibt, bewerfen.

Kline erzählt: „Gary ließ uns nicht nur zusammen spielen, er nahm das Ganze auch noch auf. Ein Kameramann spazierte um uns herum, und wir führten das Ganze auf, so wie es im Skript vorgesehen war, aber eben auch mit Improvisationen. Wir hatten die Tortenschlacht und bewarfen uns tatsächlich mit lauter Sachen, weil Gary wollte, dass wir es wirklich spielen. Wir haben es auf verschiedene Arten wiederholt, abgestuft nach verschiedenen Graden von Verrücktheit und Intensität. Stanley probierte einen italienischen Akzent aus, und ich einen französischen; als wir improvisierten, haben wir später aber auch die Akzente getauscht.“

Um die Welt der Mäuse weiter zu bevölkern, rekrutierten die Filmemacher einige weitere außergewöhnliche Darsteller. Zunächst die Familie von Despereaux: der renommierte Charakterdarsteller William H. Macy spricht Despereauxs ängstlichen, gesetzestreuen Vater Lester, die Film- und Fernsehschauspielerin Frances Conroy spricht Despereauxs schüchterne Mutter Antoinette und „Arrested Development“-Star Tony Hale schließlich leiht Despereauxs nervösem Bruder Furlough seine Stimme.

Richard Jenkins spricht den Rektor von Despereauxs und Furloughs Schule, der sich an die Schulordnung klammert, und Tony-Award-Gewinner Frank Langella ist mit ehrfurchtgebietender Stimme als Bürgermeister der Mäusewelt, der mit harter Hand regiert, zu hören. Die letzte größere Mauserolle, Hovis, ging an den Komödianten Christopher Lloyd. Als blinde Maus, die für die Verbannungen in die Rattenwelt verantwortlich ist, stellt sich Hovis als mitfühlende Seele heraus, der Despereaux nicht nur warme Worte auf den Weg in die Kanalisation mit auf den Weg gibt, sondern auch einen kräftigen roten Bindfaden.

Die weiteren zentralen Rollen wurden mit Robbie Coltrane, weltweit als Hogwarts-Wildhüter Rubeus Hagrid in den „Harry Potter“-Filmen bekannt, und dem irischen Schauspieler Ciarán Hinds besetzt. Coltrane spricht Gregory, den Gefängniswärter des Schlosses; Hinds, der insbesondere mit seinen Schurkenrollen Erfolge hatte, spricht Botticelli, den gemeinen Anführer der Rattenwelt.

Produktion: Die Animation

Bei der Produktion spielte es eine ganz zentrale Rolle, dass die Geschichte von Despereaux über die Figuren erzählt werden würde. Fell erklärt: „Wir haben lange mit den Animatoren zusammengesessen, um zu einem zurückhaltenden Stil der Animation zu kommen, der es einem erlaubte, darüber nachzudenken, was im Inneren der Figuren vorgeht.“ Während die Geschichte große Emotionen bieten sollte, war den Filmemachern aber auch klar, dass sie eine aufregende Abenteuergeschichte erzählen wollten, die Despereaux und seinen Gefährten auf ihrer Reise folgt.

Das Aussehen der Figuren ergab sich aus dieser Vorgabe. Animationsfiguren, die komisch oder comic-haft sind, haben oft ein stark abstrahiertes Aussehen; bei solchen Figuren ist meist wenig Platz für nuancenreiche oder naturalistische Ausdrücke. Hier kam hinzu, dass die Helden dieses Märchens aus dem Mittelalter eine Maus und eine Ratte sind, die auf zwei Beinen laufen und sprechen können - es blieb also nur, sie zu vermenschlichen.

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Despereaux und Roscuro haben lauter menschliche Eigenschaften - sie sind beredt, beherrschen den aufrechten Gang (bzw. das aufrechte Huschen), tragen Kleidung, haben zehn Finger usw. - dennoch mussten sie auch für Kinder als die kleinen Nagetiere, die sie eigentlich sind, erkennbar bleiben.

Sämtliche Dialogaufnahmen aus der ersten Phase wurden auch gefilmt und von den Animatoren genutzt. Sie erlaubten ihnen, den echten Dustin Hoffman zum Vergleich heranzuziehen, wenn es darum ging, wie Roscuro sich in einer bestimmten Szene verhält und bewegt, z.B. wenn er die himmlischen Düfte erschnuppert, die aus der Suppenterrine der Königin zu ihm hinaufsteigen. Die Aufnahmen gaben den Animatoren wertvolle Hinweise, weil sie so sehen konnten, wie die Schauspieler bestimmte Dialogzeilen sprachen oder welche Körperhaltung sie dabei einnahmen.

Die Animatoren standen auch selbst vor der Kamera und spielten diejenigen Szenen vor, die sie später animieren sollten. In Zusammenarbeit mit Fell, Stevenhagen und dem leitenden Animator Gabriele Zucchelli suchte jeder Animator aus seiner eigenen Darstellung die Sequenzen aus, die am besten zur Figur passten. Natürlich kopieren Animatoren nicht einfach nur das, was sie real vor sich sehen. Vergleichbar ist das eher mit dem Unterschied zwischen dem Abpausen eines Fotos und dem freihändigen Abmalen der wesentlichen Elemente des Motivs, das dadurch so weit wie nur möglich vereinfacht wird.

Zucchelli führt aus: „So haben wir zwischen Animation und Realfilm eine Brücke geschlagen, zu dem Zweck, die fertigen Figuren so glaubwürdig wie nur möglich zu machen. Die ganzen Rollen sind zurückgenommen und subtil und wir hoffen, dass die Zuschauer auf diesen Film ansprechen, weil sie sich eben wie echte Personen in echten Situationen benehmen. Im Animationsfilm übertrieben wir oft, was Gestik und Mimik betrifft - dieser Film war für das Genre Animationsfilm tatsächlich Neuland.“ Zucchelli weiter: „Wir haben bewusst vermieden, all das bildlich auszubuchstabieren, was im Inneren der Figur vorgeht. Dafür mussten wir alle kleinen Gimmicks und Klischees, die man als Animator mit sich herumschleppt, rausschmeißen und nur das behalten, was für die jeweiligen Szenen wesentlich ist. Das ganze ,Schauspielen’ findet bei uns nur in den Augen und in den Feinheiten des Gesichtsausdrucks statt.“

Dass dieses Wagnis gelang, ist der ganz besonderen Chemie zwischen Fell und Stevenhagen zu verdanken, wie Ross anmerkt: „Sam ist ein wunderbarer CG-Regisseur. Er kann einfach noch die kleinsten Nuancen aus den Figuren herausholen und er hat ein phänomenales Gespür für die Details sowohl bei den schauspielerischen Leistungen als auch bei der Animation. Einige dieser kleinen Dinge, die ihm gelungen sind, fühlten sich für mich so real an wie bei echten Schauspielern.“

Ross weiter: „Ich fand auch bemerkenswert, dass Rob jederzeit den kompletten Film im Kopf hatte - ich glaube, das ist wirklich einmalig. Er hat nicht einfach nur einen Job erledigt, er hat darauf geachtet, dass der Tonfall bis ins letzte Detail stimmt. Und da Rob auch ein herausragender 2-D-Animator ist, hatten unsere ,Animatics’ manchmal auch die Anmutung von 2-D-Animation.“

Produktion: Die grafische Umsetzung

Die erste Etappe eines Animationsfilms ist das sogenannte „Animatic“ - hinter dem Begriff verbirgt sich eine Reihe von Storyboards, die zusammengeschnitten und mit Dialog, Musik und Toneffekten versehen werden. Bei „Despereaux – Der kleine Mäuseheld“ entstand das „Animatic“ allerdings anders als sonst üblich. Bevor ein einziges Storyboard gezeichnet wurde, erstellten Stevenhagen, Fell, Ross und der Cheflayouter Brad Blackbourn in langen Sitzungen eine detaillierte Liste der Einstellungen, Blickwinkel der Kamera und Brennweiten eingeschlossen. Stevenhagen setzte die Einstellungen in Thumbnails, also Miniaturabbildungen, um und übergab das Ganze an die ihm unterstehende Story-Abteilung.

Dieser grafische Masterplan sorgte dafür, dass die recht komplexe Geschichte eine erzählerische und künstlerische Einheit bildete, für eine so starke Geschichte, wie „Despereaux“ sie erzählt, eine schiere Notwendigkeit. All dies musste feststehen, bevor mit den Storyboards begonnen werden konnte. Die Gesamtliste der Szenen und Einstellungen half, das Tempo der Erzählung zu steuern und die vier miteinander verwobenen Geschichten - die von Despereaux, Roscuro, Pea und Mig - zu einem Ganzen zusammenzufügen. Nebenbei ließ sich der Entwicklungsprozess um einige Monate, wenn nicht gar ein ganzes Jahr, abkürzen - keine Kleinigkeit bei einem Film, der mit einem begrenzten Budget auskommen musste.

Stevenhagen sagt über seine Crew: „Wir hatten ein äußerst talentiertes Team von Storyboard-Zeichnern, die auch alle selbst als Animatoren gearbeitet hatten. Das war sehr nützlich, weil sie so schon viel von den Bewegungsabläufen in den Zeichnungen vorwegnehmen konnten. Diese Bleistiftzeichnungen waren eine sehr genaue Basis für das, was schließlich aus dem Film wurde, und die Einstellungsliste sparte uns ein Jahr Entwicklungsarbeit mit Storyboards.“

Produktion: Licht und Schatten

Das Licht ist ein zentrales Element aller Trickfilmproduktionen; bei „Despereaux – Der kleine Mäuseheld“ ist es außerdem ein wichtiges Thema der Geschichte. Auch hierbei ließ sich Produktionsdesigner Tomov von flämischen Meisterwerken inspirieren.

Nach dem Tod der Königin in der Blüte ihrer Jahre legt sich Düsternis über das gesamte Königreich Dor. Oberbeleuchter Ryan Michero sagt: „In vielen Szenen ist das Licht der Hauptakteur, zum Beispiel, wenn Roscuro in seinem Loch steckt, fällt zu ihm ein Lichtstrahl herab, der für ihn fast wie ein Haustier ist und den er auch stolz Despereaux präsentiert.“

Die Funktion des Lichts in „Despereaux – Der kleine Mäuseheld ” war es, das Erzählen der Geschichte zu unterstützen, passend zum übergreifenden Stil sollte das Licht naturalistisch und oft diffus wirken; Schatten wurden abgetönt. VFX-Supervisor Barry Armour, gelernter Fotograf, setzte die Ideen in technische Realität um. Er sagt: „Das Licht, das wir im Film haben, kennt man aus einigen Vermeer-Gemälden; es wirkt wie Tageslicht, das zu einem Fenster an der Nordseite hereinfällt, mit sehr weichen Schatten, aber mit einer klaren Richtung. Im ganzen Film gibt es keine Spotlights. Es war eine schöne Gelegenheit, einmal etwas gänzlich Ungewöhnliches für einen Animationsfilm zu machen.“

Bislang waren Figuren im Animationsfilm meist extra ausgeleuchtet, was sie stets aus ihrer Umgebung hervorhob. Das Team von Framestone entwickelte neue Programmtools, mit denen sich ein einheitliches Beleuchtungsmodell entwickeln ließ, das komplett auf „natürlichem“ Licht und auf erkennbaren Lichtquellen beruht. Um das Filmlicht so lebensecht wie nur möglich zu machen, wurden Charaktere und Szenerie gleich ausgeleuchtet.

So ist die Mäusewelt von dem Licht erfüllt, das durch die Fenster eines Lagerraums dringt. Das Königreich Dor hat direktes Sonnenlicht bei den im Freien spielenden Szenen und gedämpftes Sonnenlicht in Innenräumen. Im Gegensatz dazu ist das Licht der Rattenwelt von Hieronymus Boschs tiefdunklen Schatten und übernatürlich grellen Farben inspiriert.

Diese Schatten entstehen zu lassen, war für die Animatoren und Lichtdesigner eine weitere besondere Herausforderung. Die Rattenwelt ist wie ein mittelalterlicher Nachtclub, der von Fackelschein erleuchtet wird. VFX-Supervisor Armour erläutert: „Es war, wie wenn man nächtliche Szenen in einer Stadt beleuchtet. Alles hat sich überlagernde Lichtquellen, und es gibt kein einheitliches Ambiente wie in der Mäusewelt. Der Ortswechsel zur Rattenwelt ändert das Tempo und den Rhythmus der Szenen allein schon dadurch, dass es eine Abfolge ständig wechselnder Lichtquellen gibt, was alles unruhig und angespannt erscheinen lässt - es ist alles andere als eine ruhige Umgebung.”

Tomov fügt hinzu: „Das Licht war das zentrale Element der Story, in der es ja auch keine Schwarz-weiß-Malerei gibt. Es gibt keine ausschließlich positiven oder ausschließlich negativen Figuren; das Ganze ist vielschichtiger, und das spiegelt sich auch in der Gestaltung des Lichts.“

Produktion: Die Kameraführung

Die Arbeit für Kameramann Brad Blackbourn begann bereits mit dem Erstellen der Layouts, was, ausgehend von den Storyboards, die Blickwinkel und die Lichtquellen für jede Einstellung einschloss.

Einmal mehr waren auch die Erfahrungen der Beteiligten mit Realfilmen gefragt. Blackbourn: „In ,Despereaux – Der kleine Mäuseheld’ lief das Erstellen der Layouts wie bei einem richtigen Film, bei dem man eine Kamera aufstellt, die Brennweite wählt und über die Tiefenschärfe nachdenkt. Dazu gehörte es auch, sich jeweils im Klaren darüber zu sein, wo sich die Hauptlichtquelle befindet, wie der Aufbau der Szenen ist und wie die Charaktere im Raum verteilt sind. Für ,Despereaux’ haben wir das alles in einem virtuellen dreidimensionalem Raum gemacht.“

Diese Realfilmperspektive erklärt auch die sehr dynamische Schnittfolge. Durch die vielen kurzen Einstellungen, z. B. Schuss/Gegenschuss, kam man am Schluss auf 30 bis 40 Prozent mehr Einstellungen als ursprünglich geplant. Blackbourn: „Wie die einzelnen Szenen choreografiert sind und welche Bewegungen zwischen den Szenen ablaufen als auch die Bewegungen der Kamera und die kurzen Schnitte auf verschiedenen Figuren vor verschiedenen Hintergründen - all das bedeutetet, dass wir uns immer sehr ranhalten mussten, um immer auf der Höhe zu bleiben.“

„Wir mussten nicht nur einige wenige Einstellungen gleichzeitig im Auge behalten, wir waren gezwungen, ständig neue Sequenzen parat zu haben, von denen jede einzelne zwischen 90 und 150 Einstellungen hatte. Je ehrgeiziger wir wurden, was den Detailreichtum betraf, umso größer wurde natürlich der Druck. Aber es handelt sich dabei ja nicht um einen unnötigen Mehraufwand, es macht am Ende einen großen Unterscheid aus.“

Die Absicht der Filmemacher war es, das Publikum direkt in die Handlungsorte hineinzuholen. Blackbourn: „Wenn wir Szenen mit den Mäusen haben, ist es so, als ob ein kleiner mausegroßer Kameramann mit einer Minikamera die Aufnahmen macht. Wir hoffen, dass die Zuschauer ganz nahtlos zwischen den Welten der Menschen, der Mäuse und der Ratten pendelt und auch wirklich fühlt, als ob er in ihrer Mitte wäre, anstatt das alles aus einer Distanz heraus zu betrachten.“

Aus der Mäuseperspektive heraus zu drehen stellte natürlich eine besondere Herausforderung dar, gerade für die Ausstatter. Blackbourn weiter: „Wir verbringen viel Zeit im Film ganz nah am Fußboden, in vollgestopften kleinen Räumen. In der Mäusewelt gibt es abertausende kleiner Dinge, die die Mäuse irgendwo gefunden haben und jetzt für ganz andere Zwecke nutzen als ursprünglich gedacht.“

Prinzessin Peas elegantes Schlafzimmer weiter oben im Schloss besteht dagegen aus verschnörkelten Möbelstücken, großen Fenstern und vielerlei Kosmetikfläschchen. Blackbourns Team hatte die Aufgabe, für jedes Objekt zu berechnen, wie es bei natürlichem Lichteinfall aussehen würde - und wie es sich in Peas glänzendem Haar und in den Glasfläschchen spiegeln würde.

Eine besonders schwierige Szene war das Gespräch zwischen Prinzessin Pea und Roscuro, bei dem er sich zwischen ihren Parfumflakons versteckt. Michero: „Während Roscuro sich zwischen den Flaschen versteckt, spickt die Kamera um diese Flaschen herum und durch die opake Struktur des Glases hindurch. Dass das Licht so gebrochen wird, fügte der Szene noch weitere Emotionalität hinzu. So etwas ist im Animationsfilm noch nie gemacht worden.“

Produktion: Die Musik

Der vielfach ausgezeichnete Komponist und Arrangeur William Ross wurde an Bord geholt, um die Musik für „Despereaux – Der kleine Mäuseheld“ zu schreiben. Zusammen mit Gary Ross machte er sich daran, einen Plan für den orchestralen Score des Films zu entwickeln. Sie begannen mit dem Mut, der Tapferkeit und der Neugier unserer Mäusehelden – sowie mit den vielen Emotionen der ganzen Figuren, denen er auf seiner Reise begegnet. Ross sagt: „Es gibt heutzutage nur noch wenige Leute, die so reichhaltige und üppige Filmmusik für ein komplettes Orchester schreiben können. Das Spektrum, das Bill beherrscht, ist wirklich beeindruckend. Bei einem Film wie diesem mit einer solch komplexen Geschichte war sein Beitrag einfach überlebensnotwendig.“

Während des Komponierens bemerkte Ross mehr und mehr, dass er mit seiner Musik die Entwicklung der Emotionen und den Fortschritt der Geschichte beeinflussen würde. Als langjähriger Arrangeur wusste er, die Vorstellung der Filmemacher umzusetzen, die sich eine möglichst große Vielzahl von verschiedenen Instrumenten wie Flöten, Lauten und anderen traditionellen Folkloreinstrumenten wünschten, um eine farbenfrohe Klanglandschaft zu erschaffen.

Die Kompositionen bezogen sich zu einem Großteil auf die Charaktere, aber Ross wusste, dass die Kompositionen auch auf eigenen Füßen stehen müssten. Die größte Herausforderung, fand er, war es, das charakteristische Leitmotiv für jede der Hauptfiguren zu entwerfen. Um den Edelmut unseres Helden zu illustrieren, schuf Ross Despereaux’ „Ritterthema“, eine sehr melodische Komposition, die stark auf den Klängen von Holzbläsern und Waldhörnern beruht, abgerundet durch Klangtupfer von Englisch-Horn und Geige.

Üblicherweise werden solche Leitmotive in Filmen wiederholt, aber Ross fand, es sollten keine exakten Wiederholungen vorkommen. Der Komponist erklärt: „Als wir uns über die Kompositionen unterhalten haben, waren Gary und ich uns einig, dass wir bei jedem mal nach einem neuen Weg suchen sollten, das Motiv vorzustellen, immer in der Hoffnung, auch damit die Geschichte voranzubringen und nicht in die falsche Richtung zu rudern, indem man einfach Dinge wiederholt, die schon eher im Film zu hören waren.“

Komponisten für Realfilme haben den Vorteil, dass sie Musik für schon gedrehte Sequenzen schreiben können; im Animationsfilm gibt es diese leichte Zugänglichkeit nicht, was für den Komponisten eine ziemliche Herausforderung darstellte. William Ross war darauf angewiesen, dass ihn die Produzenten und die Regisseure durch die Abfolge der Storyboards leiteten, sodass er passende Musik für jede Etappe des Abenteuers schreiben konnte. „Wenn man auf Grundlage der Storyboards komponiert“, erklärt Ross, „muss man sich immer die Möglichkeiten vorstellen, was am Schluss aus den Zeichnungen wird. Es ist ein Riesenunterschied, wenn die Animation erst einmal fertig ist. Zum Beispiel gibt es eine Szene, in der sich Dunkelheit über die Mäusewelt herabsenkt; und vom Storyboard her war nicht offensichtlich, wie dramatisch diese Szene am Ende sein würde. Nachdem wir die fertige Animation gesehen hatten, haben wir die Musik an der Stelle noch geändert und etwas Schlafliedartiges geschrieben, das diesen Zeitraffer-Effekt unterstützt, der in der fertigen Animation viel stärker hervortrat als auf dem Storyboard, wo wir es einfach übersehen haben.“

Dem Team bereitete es besonderen Spaß, die Klänge des Mittelalters für „Despereaux“ wieder aufleben zu lassen. Dies tritt besonders deutlich hervor, wenn wir dem König von Dor, der sich nach dem Tod seiner Frau von seiner Tochter Prinzessin Pea entfremdet hat, zuschauen, wie er trübsinnig seine Laute spielt. Er ist so sehr in seinen Gedanken und in seiner Depression verloren, dass er die Schreie von Despereaux gar nicht wahrnimmt, der ihn warnen will, dass Pea in Gefahr schwebt. Ursprünglich war eine Gitarre oder eine Mandoline vorgesehen gewesen, aber die Szene wurde umgeschrieben, nachdem William Ross und die Filmemacher auf die eindringlichen Klänge der Laute (die auch besser zur damaligen Zeit passen) gekommen waren.

Wenn sich die Geschichte in Richtung Rattenwelt bewegt, erlischt nach und nach das Licht. Die Filmemacher waren sich einig, dass die Rattenwelt ein ungemütlicher, Angst machender und düsterer Ort sein müsste – ein völliger Gegensatz zu sicheren und geborgenen Mauswelt. William Ross unterstützte das mit Klängen von Urwaldstämmen, die in Verbindung mit dumpfen Trommelschlägen den Zuschauer immer weiter in das Labyrinth der Rattenbehausungen führen. Zu dem Zweck verwendete Ross den dunklen Ton japanischer Taiko-Trommeln und die monotonen Schläge von Djun-Djuns, westafrikanischen Basstrommeln. Das Spinett wurde auf sehr effektive Weise genutzt, wenn es darum ging, das Augenmerk auf die Bösewichte zu lenken, ob es nun um die Versuchung geht, der ein Dienstmädchen erliegt, der Prinzessin zu schaden, oder ob es um Roscuros inneren Kampf geht, zurückzuschlagen, nachdem ihm Unrecht angetan wird.

Geschöpfe und Orte: eine Tour durch Dor

Dor ist ein magisches, einladendes Land, das wie ein Juwel leuchtet hoch über dem Meer. Wir erreichen Dor zum Höhepunkt des ganzen Jahres. So wie Frankreich für seinen Käse und Belgien für seine Pralinen berühmt ist, so ist die Spezialität von Dor Suppe - die in aller Welt als die beste überhaupt gerühmt wird. Von den Zinnen des Schlosses hängen Girlanden mit Suppenschüsseln herab, in den Straßen reiht sich eine Suppenküche an die nächste, und natürlich hat auch die königliche Familie das Zeichen des Suppenlöffels auf ihren Kronen eingraviert. Und einmal im Jahr wird der königliche Suppentag gefeiert, an dem der königliche Küchenchef André seine neueste Suppenkreation vorstellt.

Die Türme von Dor mit ihren glänzenden vergoldeten Spitzen recken sich in den Himmel; unten am Fuß der Steilküste ist der kleine Hafen mit lauter vollgetakelten Schiffen zu sehen.

Regisseur Fell sagt: „Uns hat es großen Spaß bereitet, das Königreich Dor zu erschaffen. Es ist wie eine etwas merkwürdige europäische Stadt, in der die Leute Suppe über alles lieben. Dor besteht aus gewundenen alten Straßen mit Kopfsteinpflaster, die von engen kleinen Plätzen unterbrochen sind. Es ist eine wundervolle Mischung aus vielen europäischen Städten, ein wenig Brüssel, ein wenig Italien, ein wenig Balkan.“

Bis zum Tod der Königin ist Dor eine fröhlicher, sonnendurchfluteter Ort. VFX-Supervisor Armour beschreibt es als „wie aus einem Gemälde von Vermeer“. Doch nach dem tragischen Todesfall und dem Suppenverbot wandelt sich das Leben - und das Licht - in Dor grundlegend. Wolken verdüstern den Himmel, und alles, was vorher golden leuchtete, ist nur noch düster und grau; Dor wird zu einem tieftraurigen Ort. Was sich in der Farbpalette widerspiegelt, die statt extrakräftiger Farben nun mattere Töne verwendet.

Wer Dor besucht - sei es eine neugierige Ratte, sei es jemand von königlichem Geblüt - findet ein Königreich vor, das von Schwermut durchdrungen ist. Unter der dichten Wolkendecke fristen die Bewohner von Dor ein Dasein, dem jegliche Freude abhanden gekommen ist.

Hier nun eine Übersicht über die wichtigsten Bewohner von Dor, weitere Figuren und die zentralen Schauplätze.

Die Mäusewelt

Die königliche Küche, die einst über und über von Leben erfüllt war, als Chefkoch André und Boldo noch die köstlichsten Suppen anrührten, liegt nun verlassen dar und bietet einen trostlosen Anblick. Doch hinter der Wand, am Ende eines Mauselochs, befindet sich eine winzige, wundervolle Welt, in der sich die Mäuse mit enormem Erfindungsreichtum mit dem eingerichtet haben, was für die Menschen nur noch Abfall war. Zwischen Töpfen und Fässern ist diese Welt auf den Bodenbrettern freundlich und heimelig und wird von weichem, indirektem Licht erfüllt. Die Mäusewelt ist eine florierende, fleißige und wohlorganisierte Mini-Gesellschaft; angesiedelt irgendwo zwischen dem wundervollen Land Oz und Liliput aus „Gullivers Reisen“.

Regisseur Stevenhagen nennt die Mäusewelt „eine sehr rigide Gesellschaft“, eine, in der die Anführer es sich zur Aufgabe gemacht haben, den Bewohnern jegliche Individualität auszutreiben. Stevenhagen führt aus: „Auf den ersten Blick wirkt alles ganz gemütlich und freundlich, doch bald wird einem klar, dass diese Welt von Paranoia beherrscht wird. Jeder hat große Angst davor, eine der vielen Regeln zu brechen, die der oberste Mäuserat erlassen hat. Despereaux ist tatsächlich der einzige, der es wagt, Verbote zu übertreten, einfach weil er so neugierig und lebenslustig ist.“

Die ganze Welt der Mäuse ist aus Haushaltsartikeln zusammengesetzt. Ein Messer wird zur Parkbank, eine Untertasse dient als Badeteich. Der große Glockenturm besteht aus einem Tischglöckchen und einem Butterfass, und die Häuser bestehen aus Spielkarten und Teetassen. Die Mäuse haben ihre Behausungen in einer umgekippten Kommode eingerichtet. Dort leben sie, tun, was man ihnen sagt und versuchen, nicht weiter aufzufallen. Alle Mäuse - bis auf eine…

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