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Der Wind

Kinostart: 12.10.2006

El Viento: Einfühlsames und bedächtiges Drama um die langsame Annäherung von Großvater und Enkelin.

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Filmhandlung und Hintergrund

Einfühlsames und bedächtiges Drama um die langsame Annäherung von Großvater und Enkelin.

Als seine Tochter stirbt, macht sich der alte Schäfer Frank (Federico Luppi) von den weiten Wiesen Patagoniens auf in die Stadt, um seine als Ärztin arbeitende Enkelin zu informieren und gegebenenfalls den einen oder anderen dunklen Punkt in der Vergangenheit zu klären. Alina (Antonella Costa) schwankt gerade zwischen zwei Männern, dem Computerfachmann Diego (Esteban Meloni) und dem Arzt Dufour (Pablo Cedron). Einer der beiden könnte der Vater ihres ungeborenen Kindes sein.

Ein halbes Jahrhundert argentinischer Geschichte und die Spaltung zwischen Stadt- und Landbevölkerung spiegeln sich wieder in Eduardo Mignognas sensibel beobachtetem Familiendrama.

Die Ärztin Alina lernt ihren Großvater Frank erst kennen, als der aus seinem patagonischen Dorf erstmals nach Buenos Aires reist, um ihr vom Tod der Mutter zu berichten. Frank versucht eine Beziehung zu seiner Enkelin auf zu bauen, doch sie ist erst einmal misstrauisch. Ihr wurde nie die Wahrheit über ihren Vater gesagt, wer er gewesen ist. Der Großvater scheint es zu wissen.

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Darsteller und Crew

  • Federico Luppi
    Federico Luppi
  • Antonella Costa
    Antonella Costa
  • Pablo Cedrón
    Pablo Cedrón
  • Esteban Meloni
    Esteban Meloni
  • Mariana Brisky
    Mariana Brisky
  • Ricardo Diaz Mourelle
    Ricardo Diaz Mourelle
  • Eduardo Mignogna
    Eduardo Mignogna
  • Graciela Maglie
    Graciela Maglie
  • Enrique Pavon Pereyra
    Enrique Pavon Pereyra
  • Marcelo Camorino
    Marcelo Camorino
  • Marcela Saénz
    Marcela Saénz
  • Juan Ponce de Leon
    Juan Ponce de Leon

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Der argentinisch-spanische Film „Der Wind“ von Regisseur und Drehbuchautor Eduardo Mignogna erzählt, ähnlich wie „Der Hals der Giraffe“, eine generationenübergreifende Familiengeschichte mit dramatischen Konflikten in minimalistischen, unscheinbaren Bildern. Der weißhaarige Frank, großartig gespielt von Federico Luppi, ist eine stattliche, unbeugsame Erscheinung in der Großstadt. Doch wenn er, was er am liebsten tut, aus seinem Leben erzählt, schaltet seine junge Enkelin Alina sofort ab.

      Alina, gespielt von Antonella Costa, hält den Großvater für autoritär und herrisch, und sich selbst für eine ungewollte, weil uneheliche Tochter. Erst nach und nach darf Frank ihr die Briefe ihrer Mutter, ebenso ihren Schmuck, nahe bringen und Alina mit dem Schmerz über den Tod der Mutter versöhnen. Zu diesem Prozess tragen auch Alinas Freunde bei, ihre ältere Freundin, die Frank gerne zuhört, ihr junger Freund Diego, ihr verheirateter Kollege und Liebhaber Dufour, dem sie ihr Herz ausschüttet.

      Der Film bevorzugt gedimmtes Licht und kurze Szenen aus verschiedensten Lebensbereichen, etwa Alina in der Klinik, Alina mit der Freundin, der Großvater beim Taxifahren, die sich unvermittelt und alles andere als schlüssig abwechseln. Die kalt wirkende, weil emotional stark zurückgenommene Reise durch Interieurs lässt einen des öfteren zweifeln daran, ob sich hier noch etwas tun wird. Dabei ist das Beobachten der Figuren an sich nicht langweilig, sondern provoziert eher dazu, sich gefühlsmäßig zu positionieren.

      Alina beispielsweise ist so abweisend ihrem Großvater gegenüber, dass sie Gefahr läuft, zum Filmbösewicht zu werden. Diese Schiene kulminiert in der Szene, in der ihr Frank ein kleines Geschenk überreicht, welches sie nicht einmal aus Höflichkeit beachten will. Doch schafft es der Film in guter Zusammenarbeit mit der Schauspielerin, Alina emotional schlüssig zu konturieren.

      „Der Wind“ fegt mit seinem der Kinofiktion abträglichen Realismus die gängigen Erwartungen an das große Melodram hinweg, und zwar auf eine Art und Weise, die zu Diskussionen einlädt. Kann man ewig wahre Geschichten um Schuld und Sühne, Sehnsucht und Liebe im Kino erzählen, indem man die Figuren in oberflächliche, nüchterne Alltagsszenen zwängt? Hier erlebt man ein dramaturgisches Phänomen: In die verhaltene Szenerie strömt gegen Ende wie in einen geöffneten Unterdruckraum mit Macht die Erkenntnis, was der Großvater mit seiner früher erzählten Parabel vom französischen Henker gemeint hat. Und diese Erkenntnis, gepaart mit einigen letzten Bildern der Auflösung, verleiht der Geschichte einen erstaunlichen Nachhall.

      Fazit: Argentinischer Generationenkonflikt mit einem starken Großvater und einer unversöhnlichen Enkelin: Minimalistischer Realismus, in den spät, aber mit Wucht, die melodramatische Aussage strömt.
    2. Der Wind: Einfühlsames und bedächtiges Drama um die langsame Annäherung von Großvater und Enkelin.

      Großartig gespieltes Drama um einen Großvater, der seine Enkeltochter nach dem Tod ihrer Mutter in Buenos Aires besucht. Sowohl die Entfremdung der Generationen als auch die Spaltung zwischen Stadt und Land werden glaubwürdig thematisiert.

      Die in Rom geborene Antonella Costa ist eine der aufregendsten, mit Sicherheit aber die am meisten unterschätzte Schauspielerin des jungen lateinamerikanischen Kinos. Nach ihrer Rolle in dem schockierenden „Junta“ (1999) von Marco Bechis über die „Verschwundenen“ während der argentinischen Militärdiktatur war sie hierzulande nur noch in Walter Salles‘ „Die Reise des jungen Che“ (2004) zu sehen. Unter der Regie von Eduardo Mignogna spielt sie nun in „Der Wind“ Alina, die Enkelin des Farmers Frank Osorio, der nach dem Tod seiner Tochter aus der Provinz nach Buenos Aires reist, um Alina die traurige Nachricht zu überbringen. Doch sie bereitet ihm einen äußerst kühlen Empfang, war sie doch froh, die Engstirnigkeit des Landlebens hinter sich lassen zu können. Frank hat ihr nie erzählt, wer ihr Vater ist, und sie vermutet ein dunkles Geheimnis in der Vergangenheit. Doch auch für den alten Mann ist die Reise eine unangenehme Erfahrung.

      In eindringlichen, langen Einstellungen hat die Kamera von Marcelo Camorino sein Leben auf einem abgelegenen Hof etabliert und jetzt, in der Metropole, ist er einer von vielen, droht unterzugehen in all dem Lärm und Geschwätz um ihn herum. Die stoische und doch so ausdrucksvolle Miene von Federico Luppi, der Osorio überaus minimalistisch anlegt, und die schlichte Filmästhetik brechen eine Lanze für die Beständigkeit. Dass Alina sich nicht zwischen zwei Männern entscheiden kann, scheint nur folgerichtig in einer großstädtischen Umgebung, die vom Tempo bestimmt ist und denjenigen, der innehält, durch Vergessen bestraft. In der langsamen Annäherung von Großvater und Enkelin liegt also auch eine gesellschaftliche Bedeutung, die das Werk meisterlich mit der Familiengeschichte verwebt.

      Und irgendwann wird dann auch noch klar, dass Frank tatsächlich mehr weiß, als er zugibt, und dass seine Verweigerung auch Schuldeingeständnis ist. Zum Glück lässt Mignogna aber keine einseitigen Schuldzuschreibungen gelten. Er kann sich einfach auf seine beiden großartigen Hauptdarsteller verlassen, die das psychologisch glaubwürdige und keineswegs langatmige Drehbuch dieser argentinisch-spanischen Koproduktion, gemeinsam verfasst vom Filmemacher und Graciela Maglie („Sin querer - Zeit der Flamingos“), mit Leben füllen. geh.

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