Der Unhold

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   1996
Der Unhold Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Der Unhold: Verfilmung des Michel Tournier-Bestsellers "Der Erlkönig" von Volker Schlöndorff, die mit starken Bildern beeindruckt.

Der Simpel Abel wird verdächtigt sich an einem Mädchen vergangen zu haben. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs rettet ihn: Als Soldat gerät er in Gefangenschaft und wird nach Ostpreußen gebracht. Dort verschlägt es ihn nach einer Episode bei Reichsjägermeister Göring auf eine Burg, in der fast nur Knaben hausen. Immer mehr bringt er zur Festung, nicht ahnend, daß sie allesamt totgeweiht sind.

In den Wirren des Zweiten Weltkriegs verschlägt es Abel Tiffauges, der in Paris eine kleine Autowerkstatt betreibt, als Kriegsgefangenen nach Ostpreußen. Auf der Ritterburg Kaltenborn arbeitet sich der kinderliebe Außenseiter alsbald zum Wächter über einige hundert Jungen hoch, die ausgelassen ein bißchen Krieg spielen. Doch wenig später wird aus fröhlichem Spiel tödliche Realität: Die Russen stehen vor den Toren, die Knaben rennen in ihr Verderben und der naive Abel begreift erst jetzt, daß er selbst als Werkzeug mißbraucht wurde.

Abel wird verdächtigt ein Mädchen vergewaltigt zu haben. Doch der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges rettet ihn: Er zieht in den Krieg. Als Kriegsgefangener verschlägt es ihn nach Ostpreußen, wo er sich auf einer Ritterburg zum Wächter hocharbeitet. Schlöndorffs Filmversion des Romans „Der Erlkönig“.

Darsteller und Crew

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Kritikerrezensionen

  • Nach fünf Jahren Abstinenz hat Volker Schlöndorff den Chefsessel als Babelsberger Studiochef wieder mit dem Regiestuhl vertauscht. Mit „Der Unhold“ kehrt Schlöndorff auch thematisch zurück nach Deutschland und knüpft vor allem an seinen größten Erfolg an, den Oscar-Gewinner „Die Blechtrommel“.

    Das Thema Faschismus zieht sich wie ein roter Faden durch die Filme Volker Schlöndorffs. Schon sein vielbeachtetes Regiedebüt aus dem Jahr 1965, „Der junge Törless“, war eine parabelhafte Auseinandersetzung mit dem deutschen Nationalsozialismus. In der „Blechtrommel“ porträtierte Schlöndorff das kleinbürgerliche Mitläufertum des dritten Reiches. Zuletzt griff der Regisseur das Thema vor sechs Jahren in „Die Geschichte der Dienerin“ auf. Nach Jahren im Ausland zurückgekehrt nach Deutschland, hat Schlöndorff nun eine französische Sichtweise auf den deutschen Faschismus verfilmt, Michel Tourniers Bestseller-Roman „Der Erlkönig“.

    Vieles an Volker Schlöndorffs neuem Film erinnert an „Die Blechtrommel“. Und dies scheint auch so gewollt, sicher nicht zufällig rückt er schon in der ersten Sequenz einen Jungen mit Blechtrommel ins Bild. Und wie Oskar Matzerath ist auch die Hauptfigur der Buchvorlage von Schlöndorffs neuem Werk weniger ein Mensch aus Fleisch und Blut, als vielmehr ein erzähltechnischer Kunstgriff, um die Geschichte des Faschismus aus einer ungewöhnlichen Perspektive, der eines Außenseiters, zu schildern.

    Trotzdem gelingt es Schlöndorff und vor allem Hauptdarsteller John Malkovich, aus dieser literarischen Projektionsfläche für nordische Mythen eine vollgeformte Filmfigur zu machen. Wie schon Oskar Matzerath ist Abel ein Mensch, der nicht erwachsen werden will. Der scheue und naive Mann, innerlich selbst ein Kind geblieben, sucht die Nähe zu Kindern. Als französischen Kriegsgefangenen verschlägt es ihn auf das Jagdgut des Reichsjägermeisters Göring und schließlich auf die Ritterburg Kaltenborn. Auf dieser Hochburg nazistischen Wahns, wo Hunderte von Jungen als Elite einer vermeintlichen Herrenrasse herangezogen werden, geht Abels Faszination für Mythen und Jugend eine unheilvolle Verbindung mit der Welt der Mörder ein, die sich dieser Mythen bedienen. Der Kinderfreund, innerlich selbst noch der Zwölfjährige aus dem Internat, umsorgt die Jugendlichen. Abel, der sich selbst für ein mythologisches Wesen hält, wird tatsächlich zum Fabelwesen: Als düsterer Reiter durchstreift er die Wälder und bringt immer neue Knaben in die Burg. Ein „Unhold“ wie Goethes Erlkönig, der, sind sie nicht willig, auch Gewalt gebraucht.

    Wenngleich bisweilen die symbolischen Konstruktionen die sinnliche Wirkung der Bilder überlagern, gelingt Schlöndorff in seinem neuen Film insgesamt ein beeindruckender Bilderbogen. Der Regisseur, der sich in seinen Filmen wie sonst wohl nur Werner Herzog mit dem Erbe des deutschen Vorkriegsfilms auseinandergesetzt hat, ist in seinem Element. Fritz Langs „Siegfried“ und Leni Riefenstahls „Triumph des Willens“ werden ausgiebig zitiert. In den stärksten Momenten gelingen Schlöndorff Bilder, die es an Dichte mit denen der „Blechtrommel“ und des „Törless“ aufnehmen können. Filme, die dem „Unhold“ auch stilistisch am engsten verwandt sind. Mit einer geeigneten Vermarktung könnte dieser Film, der vor seinem deutschen Kinostart im Wettbewerb der diesjährigen Biennale zu sehen sein wird, auf ähnliche Publikumsresonanz stoßen wie Schlöndorffs letztes Werk „Homo Faber“ im Jahr 1991. tn.

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