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Michael Verhoeven über die Entstehung des Fil

Ich bin in dieses Thema am 1. März 1997 durch eine Protestveranstaltung der NPD gegen die Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht - Dimensionen des Vernichtungskriegs 1941-1944“ im Münchner Rathaus hineingezogen worden: Sie stiegen aus immer mehr Bussen, immer mehr Uniformierte mit Fahnen. Ich bin in diesen Naziaufmarsch geraten als Fragender und bin in sieben Jahren der Recherche immer der Fragende geblieben. Nicht selten sind meine Fragen mit Gegenfragen abgewehrt worden, etwa ob ich ein anderes als das deutsche Volk kenne, das seine eigenen Soldaten, die für ihr Vaterland gekämpft haben, in den Dreck ziehen würde. Ich suche nicht nach fertigen Antworten. Jedes Vaterland hat seine eigene Geschichte. Aber ich beharre auf unserer eigenen Geschichte. Die Wehrmacht ist nicht in einen großen vaterländischen Krieg gezogen, weil sie die deutsche Bevölkerung verteidigen musste. Der Einmarsch in Polen im September 1939 war ein Überfall mitten im Frieden.

Ich habe diesen Film gemacht, um noch einmal nachzufragen. War der deutsche Ostfeldzug von vornherein oder ab einem bestimmten Punkt, etwa ab dem Sommer 1941, ein Feldzug gegen die jüdische Bevölkerung? Und: War die Wehrmacht in diese Strategie von Beginn an einbezogen oder nicht? Offensichtlich haben sich die Nazistrategen den historischen Anti-Judaismus in der Region zunutze gemacht. Hat sich die Wehrmacht Schritt für Schritt in dieses Verbrechen verstricken lassen oder gab es ein grundsätzliches Einverständnis?

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Ich frage nach den Verbrechen der Wehrmacht in Weißrussland und in der Ukraine in den Jahren 1941 und 1942. Wie war das? Nach dem Frankreichfeldzug rückt die deutsche Wehrmacht gegen Osten vor. In der Ukraine ziehen sich die sowjetischen Besatzungstruppen beim Einmarsch der deutschen Besatzungstruppen zurück. Vorher liquidiert der sowjetische Geheimdienst noch schnell die politischen Häftlinge. Leichen türmen sich in den Zellen und Gefängniskellern. Die Juden, ursprünglich die Mehrheit in den ukrainischen Städten und Dörfern, werden für den Mord an den Ukrainern verantwortlich gemacht. Unter der Bewachung und Obhut der Deutschen Wehrmacht werden die jüdischen Ukrainer von den nicht-jüdischen zusammengetrieben, müssen unter Stockschlägen die toten Ukrainer aufbahren und säubern.

Warum sollte die Schuld an den sowjetischen Morden die Juden treffen? Diese Frage musste ich als eine der ersten stellen. Nachdem die Juden unter Prügeln die Leichen gesäubert hatten, bringen die Nicht-Juden die Juden um. Die unbekannten Soldaten der deutschen Wehrmacht bewachen dieses Pogrom mit ihren Gewehren.

Wir sind an die Schauplätze der Pogrome gegangen und sind mit Augenzeugen und Historikern zu den Gefängnissen, den grasüberwachsenen Gruben gegangen, in denen zahllose Juden erschossen wurden. Ich habe vor Ort Fragen gestellt. Fragen nach der tatsächlichen Beteiligung der Wehmacht, des einfachen deutschen Soldaten an diesen Morden.

Mein Film behandelt nicht wesentlich die so genannte Wehrmachtsausstellung, sondern deren Kernthema. In amerikanischen, deutschen, weißrussischen und ukrainischen Archiven haben wir neue, zum Teil unveröffentlichte Filmdokumente und Fotos entdeckt.

Eine der zentralen Fragen meines Films ist: Wie war das mit den jüdischen Partisanen? Die vorgegebene Losung der Nazis, mit der die Führung der Wehrmacht den einfachen, unbekannten Soldaten dazu gebracht hat, auf wehrlose Menschen, Frauen, Kinder und Greise zu schießen, ganze Dörfer abzufackeln, wenn es sich um Juden gehandelt hat, war: „Der Jude ist der Partisan – der Partisan ist der Jude“.

Ich erwarte mir von meinem Film eine weiterführende, vertiefende Diskussion der Themen und Fragen, die durch die so genannte Wehrmachtsausstellung in unserer Gesellschaft aufgekommen sind.

Als Gegenwelt habe ich Szenen aus der polnischen Musikkomödie „Jidl mit’n Fidl“ von Joseph Green aus dem Jahre 1936 sowie aus dem 1939er Dokumentarfilm „Jüdisches Leben in Lemberg“ von Saul Goskind gesetzt.

Ich bin kein Dokumentarist und schon gar kein Historiker, sondern blicke mit den Augen eines Filmemachers auf die Ereignisse, stelle die Aussagen gegeneinander und lasse dem Betrachter Raum für eigene Schlüsse. Aber natürlich will und kann ich meinen persönlichen Standpunkt nicht verbergen.

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    Kino.de Redaktion  

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