Filmhandlung und Hintergrund

Dokumentarisches Filmessay, das Naturdoku und Politfilm mixt.

In den Niederlanden haben Kammerjäger einen Spatz erschossen, in Kabul ist ein deutscher Soldat bei einem Anschlag ums Leben gekommen. Diese zwei Schlagzeilen erscheinen zeitgleich in den Medien. Der Haussperling lebt überall in Deutschland, die Vogelschutzgebiete sind manchmal auch direkt neben Truppenübungsplätzen angesiedelt. Deutsche Afghanistan-Veteranen sprechen anonym über ihren Einsatz. Offizielle Stellen beim Militär wollen auf Anfrage nichts sagen.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Der Tag des Spatzen: Dokumentarisches Filmessay, das Naturdoku und Politfilm mixt.

    Mit seinem Berlinale-Beitrag hat Philip Scheffner womöglich die präzedenzlose Kombination aus Politfilm und Naturdoku geschaffen, wenn er die heimische Vogelwelt beobachtet und damit den deutschen Afghanistan-Einsatz meint.

    Wo, bitte, geht’s zum Krieg, fragt der eingefleischte Hobby-Ornithologe und Dokumentarfilmer Philip Scheffner und schießt mit Spatzen auf Kanonen, indem er zunächst in kontemplativen Landschaftstotalen die Habitate des Haussperlings abbildet, sich aber auf subversive Art mit dem bundesdeutschen NATO-Einsatz in Afghanistan auseinandersetzt. Ausgangspunkt für das Filmessay sind Ende 2005 zwei Schlagzeilen, die nur ihre zeitliche Koinzidenz gemeinsam haben: In den Niederlande haben Kammerjäger einen Spatz erschossen, in Kabul ist ein deutscher Soldat bei einem Anschlag ums Leben gekommen. Nun widmet sich Scheffner der ersten Meldung, die zum Aufreger wurde und man fragt sich, wieso ein toter deutscher Soldat weniger Staub aufwirbelt. Davon handelt dieser Film - keiner merkt, dass Deutschland zum ersten Mal seit 1945 wieder Krieg führt; schließlich ist er ja unsichtbar und weit weg. Die Grenze zwischen Krieg und Frieden verschwindet subtil.

    Auf der Reise durch Deutschland schwelgt die Kamera in idyllischen Aufnahmen menschenleerer Landschaften von Bonn bis Berlin, doch die Vogelschutzgebiete liegen oft in direkter Nachbarschaft von Truppenübungsplätzen, wo Geschützdonner herüber hallt. Das ist gleichermaßen beschaulich wie befremdlich, zumal sich fast unbemerkt die Perspektive verschiebt. „Der Tag des Spatzen“ handelt vor allem davon, was er nicht zeigen darf, denn der Bund verweigerte jede Unterstützung - einige absurde Diskussionen mit einem nervösen Militärangehörigen prägen den Film. Deshalb zeigen die Bilder das eine, bedeuten aber das andere. Sie haben eine eigene Sprache entwickelt. Der Zuschauer lernt, sich geduldig auf die Lauer zu legen, als sei er selbst Vogelkundler. In anonymen Gesprächen mit Afghanistan-Veteranen, die wenig Gutes über den Einsatz zu berichten haben, fällt sogar der Ausdruck eines „zweiten Vietnam“. Ein Film, der 1974 in einer Ostseebucht beginnt und hochaktuell mit der Kundus-Affäre endet. So merkwürdig kann Krieg aussehen.

    tk.

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