Filmhandlung und Hintergrund

Packendes Polit-Drama nach Rolf Hochhuths Theaterstück um die Zurückhaltung des Papstes gegenüber der Judenvernichtung.

Chemiker und SS-Mann Kurt Gerstein muss für den Nachschub von Zyklon B in den KZs sorgen. Während er Lieferungen verzögert, versucht er das Ausland über die Massenvernichtung zu informieren und gegen Hitler mobil zu machen. Der junge Jesuit Ricardo will ihm helfen und Papst Pius dazu bewegen, öffentlich gegen Hitler Stellung zu nehmen.

Der gläubige Familienvater Kurt Gerstein ist mitverantwortlich für die Versorgung der Konzentrationslager mit Zyklon B. Als er eines Tages den Todeskampf polnischer Juden beobachtet, beschließt er, die Welt über die Nazi-Gräuel zu informieren. Aufgrund seiner SS-Mitgliedschaft nimmt ihn jedoch niemand ernst. Als letzten Ausweg sieht er die Verständigung höchster Kircheninstanzen. Doch auch die weisen ihn ab; aus Angst vor den Folgen, die eine Konfrontation mit den Nationalsozialisten auf das Schicksal des Vatikans haben könnte…

Der gläubige Familienvater Kurt Gerstein, mitverantwortlich für die Versorgung der Konzentrationslager mit Zyklon B, beschließt, die Welt über die Nazi-Gräuel zu informieren. Doch auch höchste Kircheninstanzen weisen ihn ab. Packendes Moraldrama nach dem kontroversen Theaterstück von Rolf Hochhuth.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Der Stellvertreter: Packendes Polit-Drama nach Rolf Hochhuths Theaterstück um die Zurückhaltung des Papstes gegenüber der Judenvernichtung.

    Rolf Hochhuths Drama „Der Stellvertreter“ löste 1963 einen mittleren Skandal aus. Die Frage nach der Mitwisserschaft des Vatikans am Holocaust, das Schweigen des Papstes Pius XII, wurde erstmals öffentlich gestellt. 38 Jahre später verfilmt Costa-Gavras das Theaterstück als psychologisch spannendes Plädoyer zur Übernahme von Verantwortung und löst mit dem Plakat von Oliviero Toscani einen Skandal aus. Gegen das Plakatmotiv, die blutrote Verbindung von Kruzifix und Hakenkreuz auf schwarzem Grund, protestierte die französische Bischofskonferenz, die den katholischen Traditionalisten nahe stehende „Vereinigung gegen Rassismus“ klagte und verlor vor Gericht.

    Costa-Gavras nahm nie ein Blatt vor den Mund, griff in Filmen wie „Z“ oder „Der unsichtbare Aufstand“ immer wieder politische Themen auf. Der in Frankreich lebende Grieche hat auch mit 69 Jahren nichts an Biss verloren. Er erzählt von zwei Persönlichkeiten im Dritten Reich - dem historischen Kurt Gerstein, Chemiker und Waffenoffizier der SS, und dem fiktiven Jesuiten Ricardo, der mit aller Macht Pius XII bewegen will, gegen Hitler und Holocaust Stellung zu nehmen. Gerstein, der für Nachschub des tödlichen Zyklon B sorgen muss, versucht die Lieferungen zu verzögern und das Ausland über die Massenvernichtung durch Nationalsozialisten zu informieren, stößt aber auf Skepsis, Desinteresse und Gleichgültigkeit, die „Soft-Version der Komplizenschaft“ (Koautor Jean-Claude Grumberg). Nur Priester Ricardo glaubt ihm seinen Augenzeugenbericht, läuft aber bei seiner Initiative, die Kirche zu mobilisieren ins Leere. Am Ende hängt sich der SS-Mann in der Zelle der Alliierten auf, der Kirchenmann besteigt in Rom freiwillig einen der Güterzüge, die ihn ins KZ bringen. Costa-Gavras arbeitet mit Andeutungen, das Grauen lässt sich ahnen. So schaut Gerstein und andere durch ein Loch in die Gaskammer und man sieht nur deren verstörte Gesichter, mahlende Kiefer, der Opfertod Ricardos wird durch einen Blick auf die Kutte zwischen all den Kleidern vergaster Juden visualisiert. Gerade diese minimalistischen Hinweise gehen unter die Haut. Und mit einem ganz einfachen, sich leitmotivisch immer wiederholenden Bild wird die Unmenschlichkeit des Massentötens ins Gehirn gehämmert: Geschlossene Viehwaggons und Güterzüge rattern gen Osten und kehren mit geöffneten Türen wieder zurück. Die Zeit läuft gegen die beiden Protagonisten, die - jeder auf seine Weise - kämpfen, um die Mord-Maschinerie aufzuhalten. Vergeblich. Der Film wartet mit einem überzeugenden Schauspieler-Ensemble auf, Ulrich Tukur als gebrochene Figur Gerstein, Ulrich Mühe als zynischer Doktor mit Mephisto-Zügen (der mit Hilfe des Vatikans nach Argentinien entkommt) und Mathieu Kassovitz als aufrechter Ethiker Ricardo. Diese fulminante Verfilmung von „Der Stellvertreter“ hat auch im Jahre 2002 nichts von seiner Aktualität und Brisanz verloren. Die Rolle von Piux XII ist immer noch umstritten, die vom Vatikan eingesetzte Historiker-Kommission legte wegen der Veröffentlichungspolitik des Vatikan-Archivs die Arbeit nieder. Und Genozid ist kein Relikt aus brauner Vergangenheit, sondern passiert Anfang des 21. Jahrhunderts vor allem in Afrika. Schweigen bedeutet Mitschuld. Damals wie heute. Die Zeit scheint stehengeblieben: 1963 protestierte der Vatikan gegen die Hochhuth-Aufführung in Berlin, bei der Pressekonferenz der Berlinale wetterte ein Vertreter von Radio Vatikan gegen die Filmemacher, die nicht in der Vergangenheit wühlen, sondern sich mit echter Geschichte befassen sollten. Solange es solche Argumente gibt, sind Filme wie dieser mehr als notwendig. mk.

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