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Fakten und Hintergründe zum Film "Der Solist"

Fakten und Hintergründe zum Film "Der Solist"
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Über die Produktion

Im April 2005 lancierte Steve Lopez, Kolumnist bei der Los Angeles Times, eine Reihe packender Artikel über Nathaniel Anthony Ayers, einen überragend talentierten, aber vollkommen verwahrlosten Straßenmusiker, den der Journalist zufällig getroffen hatte, als Ayers in den verrufenen Straßen des Skid Row-Viertels seinen Einkaufswagen vor sich her schob und erstaunlich virtuos auf einer zweisaitigen Violine spielte. Kurz darauf wurden Lopez Geschichten selbst zu einem Phänomen.

Als der Journalist mehr über Ayers Vergangenheit als hochtalentierter und viel versprechender Student des Musikkonservatoriums Juilliard in Erfahrung brachte, nahm sich Lopez vor, Ayers Leben auf der Straße wieder mehr Würde zu verleihen – und seine Artikel zogen weiterhin viele Leser in ihren Bann. Sie waren reich an Emotionen und machten den Lesern die schockierende Realität bewusst; Lopez ungewöhnliche Begegnungen mit Ayers fesselten die ganze Stadt. Ayers selbst war eine unwiderstehlich faszinierende Persönlichkeit: er glaubte fest daran, dass Beethoven die Stadt Los Angeles leitet, gab sich trotz aller widrigen Umstände ganz der Kunst und der persönlichen Freiheit hin, und verfügte über das knallharte Wissen, ohne das man in den gefährlichen Straßen nicht überleben kann.

Doch Ayers Geschichte schien so viel mehr zu beinhalten als nur das schwere Schicksal eines glücklosen Mannes. Es ging um die geheimnisvollen, doch transzendentalen Träume, die sogar am Rande der amerikanischen Gesellschaft erblühen; es ging darum, die Kluft zwischen den Privilegierten und den Marginalisierten zu überbrücken; und noch mehr als das: Es ging um die oft gefährliche Aufgabe, den Versuch zu unternehmen, das Leben eines Freundes zu verändern, und darum, wie eine solche Mission auf paradoxe Weise zu wertvollen Erkenntnissen über das eigene Ich führen kann.

Lopez erinnert sich: „Die Leser beteiligten sich aktiv an der Story und begannen, Mr. Ayers auf gewisse Weise anzufeuern“. Briefe, e-Mails und Pakete strömten in Lopez Postfach, darunter auch Violinen und Cellos, als Unterstützung für den obdachlosen Mann, dessen kometenhafter Aufstieg und Fall zum Teil des täglichen Lebens der Leser geworden war.

Schon bald wurde deutlich, dass die Geschichte weit über die Grenzen von Lopez Kolumne hinausreichte. Der Journalist begann ein Buch über diese außergewöhnliche Verbindung zu Ayers zu schreiben: „The Soloist: A Lost Dream, an Unlikely Friendship, and the Redemptive Power of Music“, das Anfang des Jahres 2008 veröffentlicht wurde. Lange vor Erscheinen des Buches hatte es bereits großes Interesse daran gegeben, Lopez erstaunliche Odyssee in der Freundschaft mit Ayers auf die Leinwand zu bringen.

Obwohl etliche Produzenten Interesse an der Geschichte angemeldet hatten, waren es Russ Krasnoff und Gary Foster, Geschäftspartner in der führenden Produktionsfirma Krasnoff/Foster Entertainment, die Lopez Vertrauen gewannen.

Die Produzenten wurden von einer nahezu sofortigen Reaktion auf Lopez Kolumnen angetrieben. Krasnoff erklärt: „Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals einen Zeitungsartikel gelesen zu haben, der mich so bewegt hatte wie die Geschichten von Steve über Nathaniel. Hier ging es um zwei Männer, einen mit großen Problemen, den die Gesellschaft als gebrochenen Mann bezeichnet, und den anderen, der als sehr erfolgreich angesehen wird. Doch Steve entdeckt in Nathaniel eine Leidenschaft, die er selbst nie gekannt hat. Ich war hingerissen, denn Steve untersuchte nicht nur eine Story über einen ungewöhnlichen Obdachlosen, sondern durchleuchtete die tieferen Beweggründe in unser aller Leben. Er war bis ins Mark dieser Figuren vorgedrungen, und das ist für einen Film das Ausschlaggebende.“

Foster fügt hinzu: „Wir erkannten, dass diese Geschichte in den richtigen Händen zu einem Film werden konnte, der von Liebe, Inspiration und der Kraft der Menschen handelt, einander zu helfen. Genau das wollten wir. Wir erkannten auf Anhieb, dass es in dieser Geschichte um Freundschaft geht, die das Leben verändert. Nathaniel half Steven dabei, mehr über sich als Mensch zu erfahren, und Steve gab Nathaniel die Hoffnung zurück, mehr aus seinem Leben machen zu können als in einem Tunnel zu sitzen und auf einer zweisaitigen Violine zu spielen. Die Geschichte beinhaltet großes Drama, große Gefühle, und behandelt viele Aspekte der Stadt, von der glamourösen Schönheit in Downtown bis zur grausigen und düsteren Skid Row. Sie liegen nur eine Straße voneinander entfernt, doch es scheint, als wären es zwei verschiedene Welten.“

Bald nach Abschluss des Vertrags mit Lopez brachten Krasnoff und Foster DreamWorks mit an Bord, die dann die Oscar-nominierte Drehbuchautorin Susannah Grant ansprachen; bestens bekannt ist sie für die Adaption der wahren Geschichte von „Erin Brockovich“ zu einem gefeierten und preisgekrönten Kinofilm. Um Grants Interesse zu wecken, schickten ihr die Filmemacher einfach ein Päckchen mit Lopez Kolumnen.

Grant berichtet von ihrer Reaktion darauf: „Sobald ich die Artikel gelesen hatte, wusste ich, dass niemand sonst diese Geschichte anfassen sollte. Ich wusste einfach, dass ich es schreiben musste, und die Herausforderung lag darin, genau das zu vermitteln, was mich an dem Material so berührt hatte.“

Sehr schnell entwickelte Grant eine Vision davon, wie sie Lopez Prosa zu einer dramatischen Kinoerzählung strukturieren wollte. Sie konzentrierte sich auf die unterschiedlichen Entwicklungen, die beide Männer in ihrer Beziehung durchlaufen, und auf die Art und Weise, wie diese Freundschaft jeden der Männer zu Taten antreibt, die sie sich niemals hätten vorstellen können. „Ich habe „Der Solist“ immer als Liebesgeschichte gesehen, als Geschichte einer großen, tiefen Freundschaft, die keiner anderen gleicht, eine Story über zwei Menschen, die nach Verbundenheit suchen, trotz der Einsamkeit in der Großstadt und der ihnen innewohnenden Unterschiede“, erzählt die Autorin. „Es gibt nicht viele Filme über Männerfreundschaften, also war das ein weiteres Plus.“

Letztendlich fiktionalisierte Grant beide Figuren und Situationen noch weiter. Für Lopez (der im wahren Leben glücklich verheiratet ist) erschuf sie eine Ex-Frau, um das Leben des Kolumnisten noch isolierter wirken zu lassen; aus Ayers beiden Schwestern machte sie eine einzige Figur; und auch die Chronologie der Freundschaft passte sie auf subtile Weise an, um den dramatischen Rhythmus aufrechtzuerhalten. Um den Realismus der Geschichte einzufangen, verbrachte Grant auch mehrfach Zeit mit Lopez und Ayers, um beide persönlich kennen zu lernen. Ganze Tage lang verbrachte sie in der Disney Hall in Downtown Los Angeles und ging mit dem Duo Partituren kaufen. „Sie sind zwei wundervolle Menschen, und es war ein Privileg, Zeit mit ihnen verbringen zu dürfen“, sagt Grant.

Später am Set war Grant sehr davon beeindruckt, wie Jamie Foxx und Robert Downey Jr. die Quintessenz dieser Persönlichkeiten durch ihre Worte wiedergaben. „Es war fast gespenstisch, wie umfassend Jamie die Persönlichkeit von Nathaniel verkörperte, ohne ihn jemals nachzuahmen. Die Art und Weise wie er die Verletzlichkeit offenbarte, die Nathaniel jeden Tag in die Welt hineinträgt, war überwältigend anzuschauen“, meint Grant. „Und ich war begeistert von der Haltung, die Robert seiner Rolle verliehen hat. Es ist wirklich wundervoll zu beobachten, wie sich Steves Herz nach und nach öffnet.“

Doch so inspirierend Ayers und Lopez auch sein mochten, beharrte Grant darauf, sich von dem Wunsch nach märchenhafter Sentimentalität fernzuhalten. Vielmehr wollte sie die wahre Natur der menschlichen Entwicklung der Figuren betonen: „Es war wichtig, die Tatsache nicht aus den Augen zu verlieren, dass auch eine tiefe Freundschaft eine Krankheit wie Schizophrenie nicht heilen können wird, und dass es für Nathaniel ein immerwährender Kampf bleibt“, erklärt Grant. „Vor allem wollte ich der Menschlichkeit dieser Personen alle Ehre erweisen.“

Produktion: Der Regisseur

Als es daran ging, einen Regisseur für „Der Solist“ zu finden, folgten die Filmemacher einer Empfehlung von Stacey Snider bezüglich eines jungen, aufstrebenden britischen Regisseurs, der gerade mit seinem Kinodebüt „Stolz und Vorurteil“ international gefeiert wurde und eine epische Adaption von Ian McEwans beliebtem Roman „Abbitte“ verwirklicht hatte. Die Verfilmung von „Abbitte“ sollte einen Golden Globe sowie einen BAFTA in der Kategorie Bester Film des Jahres gewinnen, und bekam außerdem eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester Film, sodass Wright zu einem der begehrtesten Regisseure der Gegenwart wurde.

Gary Foster erinnert sich: „Als ich „Abbitte“ sah, war ich sehr aufgeregt, denn ich konnte erkennen, dass Joe Wright ein Mann ist, der an komplexes Kino glaubt, der genau weiß, wie wichtig Dialoge und Figuren sind. Nachdem wir ihm das Drehbuch zugeschickt hatten, rief Joe mich an und sagte: ‚Ich habe viele Scripts aus Hollywood gelesen, und dieses ist das erste, das mich dazu bewegt, meinen ersten Film in den USA machen zu wollen.’ Er sah diese Geschichte als Weg, um Hollywood und den britischen Realismus zusammenzuführen.Wir waren davon begeistert.“

Obwohl Wright zuvor noch keinen Film in den USA gedreht hatte, war „Der Solist“ für ihn ein Film, der vom Blickwinkel eines Außenseiters profitieren würde: „Sowohl Steve als auch Nathaniel sind gewissermaßen außen stehende Beobachter der Welt, in der sie leben; daher schien es angebracht, mich als Außenseiter kommen zu lassen, um diese Geschichte zu erzählen“, meint Wright. „Was mich an dieser Story interessiert hat, war die Tatsache, dass Steve und Nathaniel sich selbst von der Gesellschaft und auch von ihrem eigenen Innenleben abgeschnitten haben. Steve ist, auf seine Weise, genauso ein „Solist“ wie Nathaniel. Und doch lernt jeder der beiden etwas über die Liebe, indem sie versuchen, Freunde zu werden.“

Auch die Gelegenheit, einen unverbrauchten Blick auf Los Angeles zu werfen, wollte der Regisseur beim Schopf packen, der diesen Film als Spiegel sieht, in dem die glitzernde City reflektiert wird, mitsamt großer Schönheit und düsterer Gassen, die nur eine Straßenkreuzung voneinander entfernt liegen: „Ich denke, diese Geschichte spricht von der Beharrlichkeit der Menschlichkeit, die sich jeden Tag im Leben der Stadt Los Angeles ausdrückt“, sagt Wright. „In Los Angeles herrscht ein außergewöhnlich stark ausgeprägter Überlebensinstinkt, sowohl im wörtlichen Sinne als auch hinsichtlich der Fantasien der Menschen, die hierher kommen um ihre Träume zu verwirklichen. Darin liegt etwas sehr kraftvolles, und gleichzeitig auch sehr tragisches, das in „Der Solist“ spürbar wird.“

Bevor er zusagte, flog Wright nach Los Angeles, um mit den Produzenten intensiver über das Drehbuch zu sprechen. Er nutzte die Gelegenheit, um auch auf eigene Faust alleine Ausflüge nach Skid Row zu machen. Das machte tiefen Eindruck auf ihn und veränderte daher die Herangehensweise an den Film; in Wright glühte der Wunsch, die tiefgehende Humanität dieser unsichtbaren Gruppe von Einwohnern der Stadt ans Tageslicht zu bringen.

Russ Krasnoff erinnert sich: „Joe machte sich auf seine eigene emotionale Reise nach Skid Row auf, um festzustellen, ob er sich wirklich vollständig für diesen Film engagieren konnte. Dann begeisterte er uns alle, als er sagte: ‚Ich bin dabei, aber unter der Bedingung, dass ich diesen Film in und mit der Gemeinschaft erzählen kann, um die es in der Geschichte geht!’“ Die ausführende Produzentin Patricia Whitcher fügt hinzu: „Er wollte etwas wirklich Einmaliges angehen, das noch nie zuvor gemacht worden war.“

Wright berichtet, dass es sein Besuch in Skid Row und bei der Lamp Community war – der Hilfsorganisation, die fast 200 private Wohnungen für Obdachlose zur Verfügung stellt, darunter auch das Apartment, in dem Ayers derzeit lebt -, die den Ausschlag gab: „Die Menschen, die ich in Skid Row getroffen habe, sind der Grund, weshalb ich diesen Film drehe“, sagt der Regisseur. „Sie sind die freundlichsten, sanftesten, lustigsten und aufrichtigsten Menschen, die ich jemals kennengelernt habe. Wenn du sie lässt, werden sie dein Leben verändern. Indem ich sie mit einbezog, hatte ich die Hoffnung, dem Film Authentizität zu verleihen, und gleichzeitig etwas für diese Menschen tun zu können. Es würde Arbeit sein, sie würden Dinge lernen und könnten darauf stolz sein. Diese Menschen stehen ganz am Rand der amerikanischen Gesellschaft, und im Allgemeinen schenkt man ihrer Stimme kaum Gehör. Durch unseren Film wollte ich ihnen eine Stimme verleihen.“

Von dem Augenblick an, als Wright sich für „Der Solist“ engagierte, nahmen sich die Filmemacher jeden Tag Zeit für die Bewohner des Viertels. „Joe verbrachte zwei bis drei Tage pro Woche damit, die Menschen, die in der Lamp Community leben, kennen zu lernen“, sagt Foster. Wright setzte dann sowohl Bewohner der Lamp Community als auch weitere aus der Midnight Mission, Union Rescue Mission, dem Downtown Women’s Center und dem Volunteers of America als Statisten ein. „Das war ein essentieller Bestandteil des Prozesses, doch es war nicht ganz einfach“, merkt Foster an. „Wir mussten auf vielerlei Weise vorsichtig sein, doch schlussendlich haben die Bewohner der Community, die mit uns zusammengearbeitet haben, dem Film eine solche Kraft und Gefühlstiefe verliehen, wie wir sie uns kaum hätten vorstellen können.“

Trotz aller Emphase auf packende Authentizität wollte Wright jedoch in der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen Steve und Nathaniel auch besonders die strahlende Freude darin betonen: „Ich war stets besorgt darum, dass sich der Film allzu ernst nehmen würde“, sagt der Regisseur. „Mit einem solchen Filmstoff, der Themen von Obdachlosigkeit und Armut bis hin zur Schizophrenie anspricht, hätte man allzu leicht in diese Falle tappen können, deshalb war es auch so wichtig sicherzustellen, dass es genauso viel Licht wie Schatten darin gibt. Der Film befasst sich mit sehr düsteren Themen, also mussten die hellen Elemente umso strahlender sein.“

Abschließend sagt Wright: „Mir war es wichtig, das Gefühl zu vermitteln, dass wir einen sehr realistischen Blick auf diese Gemeinschaft werfen, ohne die Dinge zu beschönigen. In diesem Film gibt es viel Hoffnung, Licht und Schönheit.“

Produktion: Die Hauptdarsteller

Da Nathaniel Ayers eine herausragende und komplizierte Persönlichkeit ist, wussten die Filmemacher genau, dass die Verkörperung dieser Figur eine große Herausforderung werden würde. Welcher Schauspieler würde in der Lage sein, die Bandbreite zwischen Nathaniels unleugbarer Genialität und seiner Phasen geistiger Umnachtung zu meistern?

Glücklicherweise äußerte Oscarpreisträger Jamie Foxx schon bald nach Fertigstellung des Drehbuchs Interesse an dieser Rolle. Der Schauspieler freute sich darauf, mit der gleichen Fokussierung und dem Engagement ans Werk zu gehen, die er bereits in seinem mitreißenden Porträt von Ray Charles in „Ray“ an den Tag gelegt hatte. Obwohl er bereits über große musikalische Erfahrung verfügt, verbrachte er in der Vorbereitung auf „Der Solist“ sechs Monate mit intensiven Proben für professionelle Cello- und Violin-Spieltechniken.

Gary Foster erzählt: „Von Anfang an war Jamie sehr begierig auf diese Rolle; das ging soweit, dass er während der Dreharbeiten sein eigenes Leben praktisch auf Eis legte. Wir haben ihm ein Apartment angemietet, wo er Cello spielen und über die Szenen des nächsten Tages nachdenken konnte – und zwar ganz ohne die Beeinflussung seines normalen Alltags. Er hat sich buchstäblich in diese Blase eingesponnen, und ich kann ihm gar nicht genug danken, dass er verstanden hat, was diese Rolle ihm abverlangen würde.“ Joe Wright fügt hinzu: „Jamie hat ein Herz so groß wie ganz Amerika – und ist darüber hinaus sehr empfindsam und sanftmütig. Meiner Meinung nach hegt er große Zuneigung für Nathaniel, und das war sehr wichtig.“

Foxx reagierte sofort sehr emotional, als er während eines Fluges das Drehbuch zum ersten Mal las: „Ich denke, die Flughöhe macht einen noch emotionaler; ich jedenfalls war auf dem Flug wirklich nahe am Wasser gebaut“, erklärt Foxx. „Es ist so selten eine Figur zu finden, die mit so vielen Nuancen eingefangen wurde, und auf ein Drehbuch zu stoßen, bei dem alles schon auf dem Papier so wunderbar funktioniert. Ich fand es umwerfend. Es ist eine Geschichte, bei der es darum geht, wie der Versuch, die Welt eines anderen zu verstehen, uns selbst stark verändert, und es ist eine wirklich schöne Liebesgeschichte.“

Schon bald nachdem er für die Rolle zugesagt hatte, traf Jamie Foxx den echten Nathaniel Ayers, was dem ganzen Projekt noch mehr Schwung gab: „Es war einfach großartig, ihn persönlich kennen zu lernen, seine Leidenschaft für die Musik und sein Alltagsleben aus erster Hand zu erleben“, sagt der Schauspieler. „Ich wollte auch seine Art zu sprechen speichern, all seine subtilen Eigenheiten, aber ganz besonders seine seelische Verfassung begreifen.“

Foxx wusste, dass besonders Letzteres ihn in düstere und unwirtliche, aber auch magische Welten führen würde. „Es war hart“, gibt der Schauspieler zu, „denn ich musste mich in die Seele eines Schizophrenen einfühlen, um wirklich verstehen zu können, worum es bei Nathaniels Reise geht. Man muss sich praktisch in einen unbekannten Abgrund hineinfallen lassen – und loszulassen war dabei die größte Herausforderung.“

Doch ganz egal wie eigenartig Nathaniels Realität manchmal anmuten mag, stets hegte Foxx den größten Respekt für dessen Individualität und Kunstfertigkeiten beim Navigieren durch die Höhen und Tiefen des Lebens. „Was Nathaniel mit allen anderen Menschen gemeinsam hat, ist die Tatsache, dass auch er versucht, dem Leben einen Sinn zu verleihen. All diese Gedanken schwirren ihm durch den Kopf, und er versucht, sie zu sortieren“, sagt Foxx. „Wenn man das von außen betrachtet, wirkt er vielleicht verwirrt, aber ich bin der Meinung, dass er einen Weg gefunden hat, wie er auf seine eigene Weise in unserer Gesellschaft funktionsfähig bleiben kann. Was uns anormal erscheint, ist für Nathaniel normal. Das ist sein Leitsatz, so kommt er über die Runden. Und sogar in seiner Zeit als Obdachloser strebt er seine großen Träume an.“

Je tiefer er in Nathaniels Sicht auf die Welt eintauchte, desto besser verstand Foxx, wie eigenartig dessen erstes Aufeinandertreffen mit Steve Lopez wohl wirklich war: „Er dachte wahrscheinlich, dass dieser Typ irgendwie ein Traum sein musste“, meint Foxx. „Und er hat gewiss nicht verstanden, weshalb jemand Artikel über ihn schreiben wollte. Anfangs prallen sie ja praktisch aufeinander, denn Steve will das Leben von Nathaniel retten, und Nathaniel meint, er müsse gar nicht gerettet werden. Doch diese beiden Menschen, die zu Beginn an zwei gegenüberliegenden Seiten des Spektrums stehen, entdecken schließlich gegenseitig die Welt des anderen.“

Je mehr Lopez es Nathaniel gestattet, er selbst zu sein, desto tiefer und reifer wird die Freundschaft, und diese Entwicklung gipfelt in einem Moment, in dem sich Nathaniel mit seinem verlorenen Traum höchster musikalischer Entfaltung in der Disney Hall auseinandersetzen muss. „Wenn Nathaniel Musiker dabei erlebt, wie sie in perfekter Harmonie die schönste Musik spielen, ist das der Himmel – und er kann es kaum glauben, dass ihm jemand ein solches Geschenk machen möchte“, sagt Foxx.

Foxx selbst erlebte eine besondere Harmonie in der Zusammenarbeit mit Robert Downey Jr. bei der Ausgestaltung dieser umwälzenden Freundschaft: „Bei der Zusammenarbeit mit Robert war ich absolut beeindruckt“, berichtet Foxx. „Meiner Meinung nach ist er einer der größten Schauspieler überhaupt, sein Talent ist atemberaubend. Am Set habe ich mir jedes kleinste Detail seiner Arbeit angeschaut und gespeichert.“ Foxx fährt fort: „Die Art, wie Robert hier Steve Lopez mit all seinen Schwierigkeiten und Herausforderungen darstellt, bringt dem Film die nötige Portion frischen Wind.“

Für Foxx war diese Rolle nicht nur die Gelegenheit, in die Gemütsverfassung einer höchst ungewöhnlichen Person zu schlüpfen, sondern auch die Chance, eine neue Geschichte zu erzählen über etwas, das ihm selbst sehr am Herzen liegt: die Kraft der Musik. Genau wie Ayers hat sich auch Foxx schon in jungen Jahren intensiv in klassischer Musik ausbilden lassen, nämlich als Pianist – und kennt so aus erster Hand die disziplinierte Hingabe, die nötig ist, um ein hochkarätiger Musiker zu werden. Für „Der Solist“ jedoch musste Foxx wieder intensiv studieren, diesmal um sich innerhalb von wenigen Monaten in einen virtuosen Cellisten zu verwandeln. „Es war mir sehr wichtig, dass Nathaniels Spiel authentisch war“, erklärt Foxx.

Um Foxx musikalisch fit zu machen, engagierten die Filmemacher Ben Hong, Cellist der L.A. Philharmonic, der den großen Vorzug besaß, im echten Leben ein Freund von Ayers zu sein und dessen musikalischen Stil gut zu kennen (als Hommage an Ayers sollte Hong später tatsächlich die Stücke einspielen, die Foxx auf der Leinwand spielt). Hong war sich der Tatsache bewusst, dass sie hart würden arbeiten müssen, um Foxx so weit zu bringen, dass er einen Cellisten mit dem herausragenden Talent und Können von Ayers verkörpern konnte.

Der erste Punkt auf der Tagesordnung war, Foxx mit dem ausladenden Instrument Bekanntschaft schließen zu lassen. „Jamie ist ein großartiger Pianist, doch ein Cello ist natürlich etwas ganz anders. Zu den wichtigsten Aufgaben gehörte es daher, die grundlegende Haltung einzunehmen und das Instrument und den Bogen richtig zu halten“, erklärt Hong. „Dann musste Jamie die Fingersätze und Streichbewegungen sehr akkurat erlernen, denn da der Hals des Instruments direkt neben dem Gesicht des Schauspielers zu sehen ist, sind sämtliche Positionen der Hände stets im Vordergrund.“

„Ben hat es mit Spaß vermittelt“, erzählt Foxx, „mich aber auch herausgefordert und angetrieben. Wir habe jede Nacht stundenlang dagesessen und daran gearbeitet, jedes Element des Cellospiels reibungslos hinzubekommen.“

Um das Lerntempo noch zu erhöhen, entwickelte Hong ein System, bei dem er bestimmte Kennzahlen zurief, mit deren Hilfe sich Foxx an die erforderliche Fingerstellung für jede Note erinnern konnte. „Im Training haben wir dabei die Melodie mitgesungen und die jeweiligen Kennzahlen für die Fingersätze benutzt, und das hat ganz gut funktioniert“, sagt Hong.

Foxx berichtet von der Auswirkung des Unterrichts: „Es war ein tolles System, denn es übersetzte die Musik praktisch direkt in die Finger und half mir dabei, all die Stücke für den Film schneller zu erlernen. Ich hatte das Gefühl, eine Zillion Stunden am Tag zu üben – als aber die Dreharbeiten begannen, erwies sich das als sehr hilfreich.“

Obwohl das Cello Nathaniels Hauptinstrument ist, trifft ihn Steve Lopez zum ersten Mal, als er Violine spielt – denn ein Cello passt nicht in Nathaniels Einkaufswagen. Um diese Szene authentisch nachzuvollziehen, arbeitete Foxx eng mit Alyssa Park zusammen, einer international renommierten Violinistin und die jüngste Preisträgerin in der Geschichte der Tchaikovsky International Competition. Gemeinsam übten sie zwei Monate lang mindestens ein Mal pro Woche, um die richtigen Bogen- und Fingerstellungen für die Violine zu erarbeiten.

Während die realitätsnahe Filmmusik für Foxx sehr wichtig war, wollte er durch seine Performance auch in einer Metapher vermitteln, dass wir alle nach Harmonie in unserem Leben streben: „Meiner Meinung nach kann man sowohl Nathaniel als auch Steve als Solisten einstufen“, meint Foxx. „Jeder versucht, einen Weg zu finden, um die Musik ihres Lebens spielen zu können – und jemanden, der ihr zuhört.“

Nachdem Foxx bereits für die Rolle besetzt worden war, machten sich die Filmemacher auf die Suche nach einem Schauspieler, der über die Stärken verfügte, um als Kontrast und Kontaktpunkt Steve Lopez darstellen zu können – und das führte sie direkt zum Oscar-nominierten Darsteller Robert Downey Jr., der gerade seine Blockbuster-Rolle als „Iron Man“ abgedreht hatte.

Für Joe Wright war die Besetzung mit Downey genauso ausschlaggebend wie mit Jamie Foxx: „Als ich begann, an „Der Solist“ zu arbeiten, erschien mir Nathaniel wie die herausragende Rolle, doch schon bald habe ich festgestellt, dass dies auf Steve Lopez ebenfalls zutrifft“, erklärt der Regisseur. „Er ist der Jedermann dieses Films. Steve ist ein Mann, der nie in der Lage war, sich für andere zu engagieren, und beginnt nun diese Beziehung mit dem Gedanken, dass er Nathaniel retten könnte – doch schließlich ist es Steve selbst, der die größte Wandlung durchmacht. Robert hat der Rolle viel Menschlichkeit und einen scharfen Intellekt verliehen.“

Für Downey, der bereits in David Finchers „Zodiac – Die Spur des Killers“ einen Reporter des San Francisco Chronicle spielte, war die Rolle als Kolumnist für „Der Solist“ sowohl bekanntes Terrain als auch ein kompletter Gegensatz zu seinen jüngsten Rollen in großen Sommer-Action-Filmen: „Iron Man“ und „Tropic Thunder“. Downey berichtet: „Im letzten Jahr habe ich diese wirklich großen, witzigen, showmäßigen Filme gedreht, und jetzt hat mir der Kosmos eine neue Bestellung aufgegeben: einen Film zu machen, in dem es um Menschlichkeit, Demut und Toleranz geht.“

Um den Deal zum Abschluss zu bringen, war Downeys erstes Treffen mit Regisseur Wright ausschlaggebend: „Ich war hingerissen von seiner Art, diesen Film zu sehen“, berichtet er. „Er sprach davon, wie er die Besetzung mit echten Bewohnern der Lamp Community aufpeppen wollte, und darüber, dass dies kein Film über Geisteskrankheit, sondern über Hoffnung werden sollte. Außerdem meinte er, es sei eine Liebesgeschichte – und das fand ich sehr charmant“, erzählt der Schauspieler.

Daraufhin traf sich Downey mit Lopez, der ihm weitere Einblicke in die Herangehensweise an die Rolle gab: „Steve ist sehr charmant, dynamisch und ein toller Geschichtenerzähler; doch als wir uns trafen, beharrte er darauf, dass ich ihn keinesfalls nachahmen sollte, also haben wir uns für einen etwas anderen Weg entschieden“, sagt Downey. „Joe und ich haben darüber gesprochen, dass wir einen Mann darstellen wollten, der sich in einer Lebenskrise befindet; und diese Krise bekommt ihr Gegenstück, einen Spiegel und eine Art Heilmittel in der Beziehung zu Nathaniel.“

Nachdem sie mit Nathaniel und Steve gemeinsame Zeit verbracht hatten, konzentrierten sich Foxx und Downey außerdem auf den Spaßfaktor im Kern dieser ungewöhnlichen Freundschaft – etwas, das sie auch vor der Kamera zu vermitteln wussten. „Ich denke, dass durch Roberts Leidenschaft und Mitgefühl das Drehbuch noch auf die Spitze getrieben wurde“, sagt Krasnoff. „Wenn ein Schauspieler ein bereits brillantes Script noch aufwertet, dann bekommt man etwas sehr Besonders. Er hat dem Film auf wundervolle Weise noch mehr Humor und Leben verliehen.“

Foster fügt hinzu: „Noch nie habe ich jemanden am Set so detailgenau arbeiten sehen wie Robert. Er arbeitet so hart. Er spürt jedem Augenblick in einer Szene nach und sucht nach jeder Gelegenheit, um einem noch mehr Optionen anzubieten. Es war ein unglaublicher Genuss und eine große Ehre, ihn bei der Kreation dieser Figur zu beobachten.“

Produktion: Weitere Darsteller

An der Seite von Foxx und Downey findet sich in „Der Solist“ ein Ensemble hoch talentierter Schauspieler in wichtigen Nebenrollen. Dazu gehört Catherine Keener, die für „Capote“ und „Being John Malkovich“ bereits zwei Mal für den Oscar nominiert wurde, in der Rolle als Mary Weston, die im Film als Herausgeberin und Ex-Frau von Lopez fungiert. (Mit kreativer Freiheit wurde die Rolle der Mary aus etlichen unterschiedlichen echten Figuren aus Lopez’ Leben komponiert; Lopez selbst ist glücklich verheiratet mit Alison, die im echten Leben auch nicht für die Los Angeles Times arbeitet.)

Keener hatte bereits ihr Interesse an Joe Wrights nächstem Film mitzuwirken zum Ausdruck gebracht, noch ohne zu wissen, was das für ein Film werden würde – doch sie war begeistert, als sie herausfand, dass es um die Geschichte von Nathaniel Ayers gehen sollte: „Ich kannte die Geschichte bereits, da ich die Artikel von Steve Lopez verfolgt hatte, also war mir den Inhalt schon vertraut“, berichtet Keener. Außerdem war sie sehr an der fiktiven Figur der Mary in Lopez Leben interessiert: „Sie ist eigentlich diejenige, die ihn auf seine Schwächen hinweist“, lacht sie. „Sie stehen sich nahe, haben aber auch Konflikte. Wahrscheinlich waren sie noch sehr jung und idealistisch, als sie sich kennen lernten; jetzt ist sie diejenige, die ihn dazu herausfordern kann, wirklich derjenige zu sein, der er damals zu werden können glaubte.“

Am Set spielten sich Keener und Downey dermaßen gut ein, dass man ihre Beziehung mit der klassischen Rollenverteilung zwischen Hepburn und Tracy vergleichen könnte: einerseits voller Spannungen, andererseits von tiefer Zuneigung geprägt. „Robert ist so liebenswert und so gut in seinem Job, dass durch ihn alles leichter wird“, sagt Keener. „Doch wenn seine Filmfigur mich ärgert, dann reagiere ich darauf. Wir hatten eine wirklich tolle Zeit zusammen.“

Zur Nebendarstellerriege gehört auch Stephen Root, zuletzt im Oscar-preisgekrönten „No Country for Old Men“ zu sehen; hier spielt er Curt Reynolds, Lopez Reporterkollegen, der den finanziellen Schwierigkeiten der Zeitungswelt zum Opfer fällt. „Meine Rolle ist eine Art Mischung aus verschiedenen Reportern der Los Angeles Times“, berichtet Root. „Er ist der Typ, den jeder im Büro duldet, weil er eben schon so lange mit von der Partie ist. Allerdings ist er sich nicht allzu sicher, dass er wirklich einen festen Job hat, und muss sich ständig vorsehen. Und in diesem Fall stellt sich heraus, dass es Grund für seine Befürchtungen gab.“

Lisagay Hamilton, bekannt aus ihrer Rolle in der amerikanischen TV-Serie „The Practice“, spielt Nathaniels Schwester Jennifer Ayers-Moore. Sie hat sich von ihrem Bruder entfremdet und weiß noch nicht einmal genau, ob er noch lebt – bis Lopez Kolumne sie wieder zueinander führt. „Ich mochte die Aufrichtigkeit des Drehbuchs und den sehr positiven Versuch, die Geschichte eines Menschen zu erzählen, der ziemlich brillant ist, aber leider an Schizophrenie leidet“, sagt Hamilton. „Das ist ein Thema, das in Filmen nicht oft so aufrichtig behandelt wird.“

Hamilton konnte einige Zeit mit der echten Jennifer Ayers-Moore verbringen, und das entfachte in ihr noch mehr Begeisterung für die Rolle: „Die Familie war äußerst hilfreich“, erklärt die Schauspielerin. „Ich konnte direkt erfahren, wie schwierig es für Jennifer war, über so lange Zeit keinen Kontakt zu Nathaniel zu haben. Das Wiedersehen war für beide Geschwister sehr wichtig. Jennifer konnte sich endlich dem Gefühl der Verantwortung stellen, das sie für ihren Bruder empfand, und Nathaniel bekam wieder die Gelegenheit, eine vitale Beziehung zu seiner Familie zu haben.“ Jamie Foxx meint dazu: „Lisagay hat dieser Figur so viel Integrität verliehen. Ich war von ihrer Präsenz begeistert und von ihrer Fähigkeit, so viel aufzunehmen und ebensoviel zu geben.“

Tom Hollander, der zuvor schon bei „Stolz und Vorurteil“ mit Wright zusammengearbeitet hatte, spielt hier Graham Claydon, Cellist der Los Angeles Philharmonics, eine fiktive Figur, die von unterschiedlichen echten Musikern inspiriert ist: „Graham ist ein Cellist, der mit Nathaniel arbeitet und ihn dazu ermuntert, bei einem Konzert aufzutreten, das völlig schief läuft“, erklärt Hollander. „Er gehört zu den Menschen, die versuchen, dass es Nathaniel besser geht – aber ohne Erfolg. Außerdem ist er ein engagierter Christ, also hofft er, dass Gott durch ihn Nathaniel erretten und dessen Leben verändern kann.“

Genau wie Jamie Foxx widmete sich auch Hollander intensivem Cello-Training zur Vorbereitung auf die Rolle: „Cello spielen zu lernen war das schwierigste an diesem Job, aber auch das beste“, meint Hollander. „Es war für mich eine wundervolle Erfahrung.“

Zur Abrundung der Nebendarstellertruppe gehören Jena Malone (zuvor in Wrights „Stolz und Vorurteil“ als Lydia Bennet zu sehen) als Labortechnikerin; Komödiantin Rachael Harris als Leslie, Lopez’ Kollegin und Journalistin der Los Angeles Times; und Nelsan Ellis als David Carter, dem Leiter der Lamp Community.

Produktion: Die Statisten der Obdachlosen

Von Anfang an wusste Regisseur Joe Wright, dass er für „Der Solist“ auch Statisten aus den Reihen der Gemeinschaft in Downtown Los Angeles einsetzen wollte, um die es in diesem Film auch geht. Für ihn waren die Statisten das Herz des Films und seine Verbindung zur realen Welt.

Um hunderte von obdachlosen Statisten zu finden, initiierte Casting-Koordinatorin Maryellen Aviano eine Reihe von offenen Vorsprechterminen in unterschiedlichen Hilfszentren für Obdachlose, darunter die Lamp Community, die Midnight Mission, die Union Rescue Mission, die Volunteers of America und SRO Housing, und konnte so 450 Mitwirkende engagieren. Dazu gehörte eine Kerngruppe von 20 Personen, die den Kosenamen „the Lamp Chorus“ bekamen und in etlichen Szenen mit Foxx und Downey im Inneren des Gebäudes der Lamp Community zu sehen sind, wo Nathaniel Ayers wohnt. (Der „Lamp Chorus“ wurde in Szenen, in denen bestimmte professionelle Fähigkeiten erforderlich waren, auch von zehn SAG-Schauspielern unterstützt.) Lamp und die anderen Hilfsprogramme hatten eigene Fachleute am Set, um zu gewährleisten, dass die Bedürfnisse der Statisten adäquat umgesetzt werden konnten.

Trotz anfänglicher Ungewissheit über den Verlauf des Projekts war die Erfahrung für alle Beteiligten unvergesslich. „Ich hatte es im Laufe meiner 32 Jahre in diesem Geschäft noch nie mit einer so begeisterten Truppe Statisten zu tun“, sagt Aviano. „Die Downtown-Gemeinschaft hieß das Projekt mit offenen Armen willkommen, denn Joe Wright hatte mehrere Monate lang mit ihnen zusammengearbeitet und sie dazu aufgefordert, von ihren Erfahrungen zu berichten. Der Film gab ihnen Gelegenheit, sich zu äußern und zu beweisen, wie stark sie als Gemeinschaft sein können.“

Wright arbeitete mit den Statisten anhand eines organischen Arbeitsablaufs und mit einer fast dokumentarischen Herangehensweise. Um das Wohlbefinden der vielen Statisten zu gewährleisten und für eine entspannte Atmosphäre in der eigenartigen Welt des Filmemachens zu sorgen, legte Wright stets großen Wert auf einen humanen Umgangston und auf das geringst mögliche Eingreifen der Crew, sodass am Set kaum Spuren von Beleuchtung oder anderer Ausrüstung zu finden waren.

Wright berichtet: „Die Zusammenarbeit mit den Bewohnern von Skid Row hat, ohne Übertreibung, mein Leben wirklich verändert. Ich habe viel über Demut gelernt, darüber niemals jemanden zu unterschätzen, und auch dass es sogar innerhalb der Filmindustrie möglich ist, etwas Gutes zu bewirken und einen positiven, praktischen Einfluss auf das Leben der Menschen zu haben. Das war unglaublich aufregend.“

Die Schauspieler teilten dieses Gefühl. Downey sagt: „Das war ein regelrechtes Eintauchen, als wir die Bewohner von Lamp kennen lernten, von denen viele geistig verwirrt, drogensüchtig oder obdachlos sind. Es war schon ein fantastischer Beweis von Hoffnung und Optimismus, diesen Weg einzuschlagen, uns alle interagieren zu lassen und gemeinsam einen Film über diese Geschichte zu drehen – und es hat funktioniert.“

Foxx fügt hinzu: „Joe Wright hatte die schöne Inspiration, dem Film die authentische Qualität der Menschen mitzugeben, die wirklich dort leben. Er ist ein Risiko eingegangen, und es hat sich gelohnt. Joe hat an seiner Idee festgehalten, sein Herz weit offen gelassen und auch unser Herz weit geöffnet.“

Produktion: Die Dreharbeiten

Wright ging an „Der Solist“ mit einer ganz spezifischen Vision für das Filmdesign heran – mit dem Ziel, einerseits die naturalistische Realität des Lebens auf den Straßen von Los Angeles abzubilden, und andererseits gleichzeitig den Kamerabewegungen eine Musikalität zu verleihen, die den transzendentalen Themen des Films als Spiegel dienen. Für Foxx war die schlichte Poesie von Wrights Arbeitsweise der Schlüssel des Films: „Die Art und Weise, wie Joe die Kamera einsetzt, fängt all das ein, worum es in diesem Film geht“, sagt der Schauspieler. „Er stellt stets einen Kontrast zwischen Düsternis und Schönheit und Licht her.“

Um das zu gewährleisten, brachte Wright ein in der Mehrheit aus Briten bestehendes Mitarbeiterteam an Bord, die zumeist auch schon zuvor mit ihm zusammengearbeitet hatten. Besonders eng arbeitete er mit dem aus Irland stammenden Kameramann Seamus McGarvey zusammen, der für seine lyrischen Bilder zu „Abbitte“ für einen Oscar nominiert wurde.

„Joe und ich dachten für diesen Film anfangs an einen sehr schlichten, schmucklosen Stil“, meint McGarvey. „Uns beiden schwebte der Stil der britischen Realisten vor, besonders aus John Schlesingers „Midnight Cowboy“, genau wie der der italienischen Neo-Realisten, denn obwohl dieser Film größer als die Wirklichkeit selbst ist, hat er auch einige der lyrischen Einsprengsel, wie sie die Neo-Realisten hatten.“ McGarvey fährt fort: „Besonders interessierte uns eine zurückhaltende, asketische Bilderqualität, um die Figuren in einen glaubwürdigen Rahmen zu setzen. Und da wir viele reale Menschen miteinbezogen haben, wollten wir auf keinen Fall die künstliche Umgebung betonen, die man manchmal in Hollywood-Filmen fühlt.“

Im Laufe von mehreren Wochen fertigten Wright und McGarvey die Storyboards für den gesamten Film. Außerdem trafen sie die zentrale Entscheidung, im 35mm anamorphischen Format zu drehen, was dem Film laut McGarvey einen noch größeren Realismus verleiht. Doch ebenso wichtig wie der Realismus war auch der Rhythmus der Kamera, um die vitale Bedeutung der Musik zu betonen, die das Gewebe von Nathaniels Welt zusammenhält. „Musik war für die Kameraarbeit in diesem Film absolut ausschlaggebend“, betont McGarvey. „Oft haben wir mit Playback-Einspielungen gedreht. Es ist erstaunlich, welche Synthese dabei zwischen dem Schauspieler und der Kamera entsteht, und wie die Kamera praktisch mit den Bewegungen des Darstellers verschmilzt.“

Die Musik hat in „Der Solist“ oft ganz spezifische Kameraabläufe inspiriert. McGarvey liefert ein Beispiel: „Als Nathaniel im Tunnel spielt, wollten wir zeigen, wie ihn die Musik erhebt, und das Gefühl vermitteln, dass er dort unten zum Flug ansetzt. Also haben wir eine Einstellung geplant, die uns zu einer symphonischen, lyrischen Sequenz führt, ein Dreh- und Angelpunkt des Film, für den wir einen über 30 Meter hohen Strada-Kran benötigten, mit dem man durch eine Öffnung in die Überführung emporsteigen und die darüber liegende Stadt offenbaren kann.“

Wright und McGarvey stimmten sich auch eng mit Sarah Greenwood ab, der Produktionsdesignerin, die für ihre Arbeit in „Stolz und Vorurteil“ und „Abbitte“ mit dem BAFTA ausgezeichnet und für den Oscar nominiert wurde. In „Der Solist“ setzt sie ihre bereits über zehn Jahre währende Zusammenarbeit mit Key Set Decorator Katie Spencer fort.

Greenwood und Spencer hatten das Konzept entwickelt, den überbordenden Reichtum und die großspurigen Traumwandler der Stadt Los Angeles mit den dort weniger sichtbaren Aspekten des Überlebenskampfes und harten Alltags zu kontrastieren. All das wurde innerhalb einer kompakten, knapp drei Quadratkilometer kleinen Fläche bewerkstelligt, in der so kontrastreichen Gegend zwischen Disney Hall, Skid Row und dem Gebäude der Los Angeles Times. „In Downtown Los Angeles konnten wir, auf dieser übersichtlichen Fläche, einen Mikrokosmos zu sämtlichen unterschiedlichen Facetten der Stadt erschaffen“, erklärt Greenwood. „Hier gibt es Bilder des glamourösen Reichtums, der renommierten Disney Hall, und dann, buchstäblich nur einen Steinwurf entfernt, die extreme Not und Armut der Skid Row. Der Film betont diesen Kontrast zwischen Steves und Nathaniels Welten, indem Steve oben auf einem Hügel wohnt, von wo aus er ganz L.A. überblicken kann, während Nathaniel sich oft im Untergrund aufhält, in Unterführungen oder einem Tunnel.“

Greenwood verbrachte viel Zeit damit, die Arbeiten einiger der besten Dokumentarfotografen über Los Angeles - besonders die zutiefst menschlichen Porträts in Alfredo Falvos Fotobuch „Lost Angels: A Photographic Impression of Skid Row Los Angeles“ (2007) sowie die barocken Straßenfotos von Philip-Lorca diCorcia – als Inspirationsquellen zu durchforsten. Genau wie diese Künstler wollte auch Wright die vibrierende kinetische Energie dieses Stadtviertels einfangen, wo der Himmel und die Gebäude und die Graffitis ineinander fließen und eine einzigartige Mischung aus menschlichen und natürlichen Rhythmen erzeugen.

Doch in Skid Row selbst zu drehen war nicht möglich, denn das letzte, was die Filmemacher wollten, war, diese bereits so verletzlichen Individuen noch weiter zu bedrängen. Also nahmen sich Greenwood und ihr Team ein Industriegebiet zwischen den Brücken der Fourth und der Sixth Street vor, und verwandelten dieses Areal in eine kondensierte Version von Skid Row, wie es im Jahr 2005 war (kurz bevor die Safer City Initiative des Bürgermeisters Antonio Villaraigosa in Kraft trat, eine umstrittene Kampagne zur Verbesserung der Lage in Skid Row durch Bekämpfung von Kriminalität und Drogenhandel). Das Team kopierte die mit Graffiti übersäten Gebäude, die rostenden Autos und Zelte der Obdachlosen, die sich in den berüchtigten Straßenzügen ausbreiteten, in denen Nathaniel lebte und spielte. „Sämtliche Ladeninhaber des Straßenblocks waren äußerst hilfreich, indem sie uns Skid Row 2005 nachbilden ließen, und es fühlt sich authentisch an“, sagt Greenwood.

Das Produktionsdesign erstreckte sich auch auf Nathaniels persönliche Besitztümer, alle überzogen mit den Notizen und Symbolen, die er als weiteres Ventil nutzt, um seinem übermächtigen Bedürfnis nachzukommen, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Um bei der Nachbildung von Nathaniels persönlichem Graffiti zu helfen, engagierte Greenwood den Grafikkünstler Sean Daly, der schon oft als Setdesigner für Vanity Fair-Fotografin Annie Leibovitz gearbeitet hat; er sollte „Nathaniels Hand“ sein. „Der echte Nathaniel beschreibt und bekritzelt alles – sich selbst, seine Kleidung, die Wände, seine Violine. In dieser eigenen Welt erschuf er eine ganz eigene, uneitle Schönheit“, berichtet Greenwood. „Unser Künstler, Sean Daly, wurde „Nathaniels Hand“ und hat einen wunderbaren Job gemacht; er arbeitete an sämtlichen Kostümen, Sets, dem Einkaufswagen und der Ausstattung, die mit dieser Figur zusammenhängen, damit sie im Verlauf des Films ein einheitliches Ganzes ergeben.“

Daly widmete sich seinem Auftrag wie es ein Kunsthistoriker tun würde, indem er zunächst sämtliche Aspekte von Nathaniels Leben und persönlichem Stil analysierte. „Das Schöne an Nathaniel ist seine Fähigkeit, die Welt um sich herum aufzusaugen und sie in seiner Kleidung sowie allen Dingen, die er besitzt, umzusetzen“, meint Daly. „Er ist im wörtlichen Sinn ein Genie, das sich von den Regeln oder den Grenzen der Details nicht klein kriegen lässt. Seine Kunst durchwirkt und belebt sein gesamtes Wesen.“

Im Einklang mit dem Thema Authentizität ist „Der Solist“ auch die erste Filmproduktion aller Zeiten, die im Inneren des Redaktionsgebäudes der Los Angeles Times gedreht hat, und zwar in der Lokalredaktion im dritten Stock, in den echten Büros von Steve Lopez und seinen Kollegen. „Es wurde zwar schon im Gebäude gedreht, aber noch nie zuvor in einer real funktionierenden Nachrichtenredaktion“, sagt Produzent Foster. „Der damalige Herausgeber der Zeitung, David Hiller, hat einfach die Türen aufgemacht und gesagt: ‚Kommt rein! Diese Geschichte gehört zu uns wie zu allen anderen auch.’“

Für „Der Solist“ konnte außerdem auch zum ersten Mal ein Spielfilm im Auditorium der neuesten architektonischen Ikone der Stadt drehen: in der von Frank Gehry entworfenen Walt Disney Concert Hall, die in diesem Film praktisch eine eigene Rolle spielt. Foster erläutert: „Deborah Borda, die Leiterin der L.A. Philharmonics, Esa Pekka Salonen und sämtliche Mitarbeiter des Orchesters hießen Nathaniel in der Musikwelt wieder willkommen, und großzügigerweise haben sie uns gestattet, jenen Augenblick wieder aufleben zu lassen.“

Borda sagt zu dieser Entscheidung: „So etwas hatten wir zuvor noch nie getan, aber unser Orchester ist nun mal dafür bekannt, Dinge zu tun, die eigentlich niemand sonst tut. Es war großartig, und eine einmalige Gelegenheit. Es ist eine zutiefst menschliche Geschichte, die vor dem Hintergrund der Walt Disney Concert Hall spielt, und zeigt, welche herausragende Rolle dieses Gebäude im Leben der Einwohner von Los Angeles einnimmt. Und Nathaniels Geschichte sowie die Inspiration, die seine Beziehung zum Orchester ihm und unserer musikalischen Familie bringt, sind überaus bewegend.“

Zu den weiteren Drehorten in Los Angeles gehören auch der Pershing Square Park in der Olive Street; der Standort von Beethovens Statue, von der Ayers glaubt, sie bedeute, dass der Komponist der Anführer der Stadt sein müsse; das Auditorium der Jordan High School in Long Beach, das als Musikhochschule Julliard in New York diente; der Elysian Park, wo Steve Lopez seinen Fahrradunfall hatte; das historische Millenium Biltmore Hotel, die La Cita Bar und das Barclay Hotel, alle in Downtown.

Die letzten Drehtage fanden in Cleveland, Ohio, statt, wo Ayers und seine beiden Schwestern aufgewachsen sind. Für diese Szenen drehte das Art Department auf zwei Straßenblocks im Stadtviertel Hough die Uhren zurück, und verwandelte das Gebiet in eine verschneite Wohngegend des Jahres 1966. Sie überzogen die Straßen mit Schnee, strichen die Häuser an und erbauten eine altmodische Tankstelle, um die Kulisse zu erschaffen, von der der junge Nathaniel aus in seine Musikschule nach Cleveland fährt und die berühmten Hough-Unruhen beobachtet, die im Laufe von sechs Nächten im Sommer 1966 die gesamte Gegend in Aufruhr versetzten.

Ebenso bedeutsam war die Arbeit von Kostümdesignerin Jacqueline Durran, die für ihre vorherigen Filme mit Regisseur Wright, „Stolz und Vorurteil“ und „Abbitte“, jeweils für einen Oscar nominiert war. Genauso wie alles Übrige sollte natürlich auch die gesamte Garderobe glaubwürdig sein, um der Story tieferen Realismus zu verleihen.

Ausführende Produzentin Patricia Whitcher fasst zusammen: „Wir hatten das große Glück, auf Joes Kreativ-Crew zählen zu können, denn sie sind alle unglaublich talentiert und bilden eine hingebungsvolle Truppe. Vom ersten Tag an ging es stets darum, Nathaniels und Steves Geschichte alle Ehre zu machen, und dem Film eine sehr subtile und authentische Textur zu geben.“

Finale: Die Musik in „Der Solist“

Eines der großen, unergründlichen Geheimnisse von „Der Solist“ ist die Frage, wie zwei so unterschiedliche Menschen wie Steve Lopez und Nathaniel Ayers eine so tiefe und bedeutsame Freundschaft zu knüpfen vermochten. Die Antwort liegt vielleicht in ihrer Fähigkeit, auf einer anderen Ebene als nur mit Worten zu kommunizieren: über die Kraft der Musik.

Joe Wright war sich von Anfang an bewusst, dass diese erhebende, unerklärliche Macht in den Film verwoben werden musste, ohne jedoch die zutiefst humane Botschaft der Geschichte zu übertünchen. Schon früh wurde die kreative Entscheidung getroffen, sich dafür hauptsächlich auf die Werke von Beethoven zu konzentrieren, einen der vielen Komponisten, die der echte Ayers überaus bewundert, denn Beethoven scheint dem innersten Kern von Ayers’ Liebe zur Musik zu entsprechen.

„Beethoven umfasst eine so enorme Bandbreite an Emotionen; eigentlich sind sämtliche menschlichen Gefühlsregungen in seiner Musik enthalten“, sagt Wright. „Meiner Meinung nach ist Beethoven auch eine besonders faszinierende Figur in dieser Geschichte, denn er selbst musste etliche Hindernisse, darunter seine Schwerhörigkeit, überwinden.“

Für die Filmmusik, die vor allem an Beethovens Dritter und Neunter Symphonie inspiriert ist, arbeitete Wright erneut mit dem Komponisten Dario Marianelli zusammen, der für „Stolz und Vorurteil“ für dem Oscar nominiert war, für seine unvergessliche Musik zu „Abbitte“ dann sowohl mit dem Oscar als auch mit dem Golden Globe ausgezeichnet wurde. „Dario ist ein großer Beethoven-Fan“, sagt Wright. „Und zu den großen Genüssen in diesem Film gehörte auch, gemeinsam mit Dario wirklich etwas über die Geschichte der klassischen Musik und besonders über Beethoven zu lernen.“

Marianelli wurde auch noch der Genuss zuteil, die L.A. Philharmonic zu seiner Verfügung zu haben, sowie einen realen Mentor von Ayers einzusetzen, nämlich Ben Hong, um die Cello-Stücke einzuspielen, die Jamie Foxx im Film vorträgt. Hong ergriff die Chance, das Cello wie Ayers zu spielen, als aufregende Herausforderung: „Es war ein sehr kreativer Prozess, denn ich musste grundsätzlich mit dem Cello schauspielern“, erklärt Hong. „Ich habe nicht wie ich selbst gespielt, sondern wie jemand anderes. Eigentlich musste ich sogar wie drei unterschiedliche Personen spielen: wie der junge Nathaniel, wie Nathaniel in seiner Zeit auf der Juilliard, und dann als Nathaniel heute. Ich habe für jede Phase seines Lebens Veränderungen in meinem Spiel vorgenommen, um das Cello glaubwürdig klingen zu lassen.“

Genau wie Wright und Marianelli glaubt auch Hong, dass Beethoven eine weitere große Quelle der Inspiration für diesen Film sein wird: „In Beethovens Kompositionen findet sich ein so großes Spektrum emotionaler Ausdruckskraft“, sagt er. „Die Musik, die im Film zu hören ist, bewegt sich vom sanften und unfassbar schönen zweiten Satz des Triple-Konzerts bis hin zu den sehr, sehr intensiven, fast wütenden und gewalttätigen Stimmungen mancher Passagen der Eroica; darin spiegelt sich so viel aus der wahren Geschichte.“

Als weitere Mitwirkende aus der realen Welt engagierte Wright auch das Orchester der University of Southern California, unter der Leitung von Michael Novak, um die Julliard Orchestra bei einer Aufführung der Dritten Symphonie von Beethoven darzustellen.

Der große Coup war, den international renommierten und damaligen musikalischen Leiter der Philharmonie, Esa Pekka Salonen, in seinem ersten Kinoauftritt auf Film zu bannen, als Dirigent sowohl bei Beethovens Symphonie Nr. 3 („Eroica“) als auch bei Symphonie Nr. 9, mit Einspielungen, die etliche Wochen zuvor von Marianelli realisiert worden waren.

Für Salonen, der Teil von Ayers’ und Lopez’ echter Lebensgeschichte wurde, war es eine Freude, zur Nacherzählung dieser Ereignisse betragen zu können: „Nathaniel ist einer von uns, weil er Musiker ist“, sagt Salonen. „Seine Situation ist sehr schwierig und komplex, doch er ist noch immer einer von uns.“

Salonen erinnert sich an sein erstes, unvergessliches Treffen mit Ayers: „Wir sprachen kurz über Beethoven und Musik, und er sagte, er fühle, dass ich der wiedergeborene Beethoven sei, was eine ziemlich gewagte Aussage ist – ich würde sagen, das war die beste Rezension meines Lebens.“

Ganz besonders erfreut war Salonen darüber, an „Der Solist“ teilnehmen zu können, weil diese Geschichte von all den Dingen handelt, die ihm sehr wichtig sind: Musik, Los Angeles und der menschliche Geist. „Meiner Meinung nach ist diese Geschichte ein sehr konkreter Beweis für die Macht der Musik, die ihr innewohnende Kraft, eine unglaubliche Verbundenheit zwischen den Menschen zu erzeugen, die Kraft, dich dazu zu beflügeln, dir Dinge vorzustellen, die es dir ermöglicht, aus deiner gegenwärtigen Situation herauszutreten und, zumindest für eine Weile, vollkommen frei zu sein.“

Info: Obdachlosigkeit in Los Angeles und USA

Laut der zuständigen Behörde, der Los Angeles Homeless Services Authority, beläuft sich jüngsten Schätzungen zufolge die Zahl der Obdachlosen im Verwaltungsbezirk L.A. County auf 73.702 Personen.

Jede Nacht halten sich in der Stadt Los Angeles 40.144 obdachlose Personen auf.

24% der obdachlosen Bevölkerung sind Familien.

Rund 10.000 der obdachlosen Menschen in Los Angeles sind unter 18 Jahre alt.

Über 50% der obdachlosen Personen sind Afro-Amerikaner, fast 24% sind Latinos und rund 19% Weiße.

12% der Obdachlosen in Los Angeles haben im U.S. Militär gedient.

Zurzeit leben rund 5.131 obdachlose Personen in Skid Row in Downtown Los Angeles. 2005 waren es noch zwischen 8.000 und 11.000, in der Zeit, in der „Der Solist“ spielt.

83% der Obdachlosen in Los Angeles leben außerhalb der Notunterkünfte und schlafen auf der Straße, in Gassen, Autos, Zeltstädten, Türeingängen, etc.

Fast 77% der Obdachlosen erhalten keine oder wollen keine der Unterstützungsleistungen, die ihnen zustehen.

22% der Obdachlosen, die von der zuständigen Behörde Los Angeles Homeless Services Authority befragt wurden, geben an, nicht die medizinische Versorgung bekommen zu haben, die sie benötigen.

Rund 31% der obdachlosen Personen geben an, unter seelischen Erkrankungen zu leiden, und 35% geben an, eine körperliche Behinderung zu haben.

42% der Obdachlosen geben eine Suchterkrankung und Abhängigkeit von Drogen oder Alkohol an.

Die zuständige Behörde Los Angeles Homeless Services Authority belegt, dass für die derzeitige Bevölkerung des Verwaltungsbezirks 36.000 Sozialwohnungen und Unterkünfte fehlen.

Gemäß Angaben der Hilfsorganisation National Alliance to End Homelessness waren laut Schätzungen im Jahr 2005 im US-Bundesstaat Kalifornien rund 170.000 Männer und Frauen obdachlos – vor dem gegenwärtigen Einbruch des Immobilienmarktes und der daraus entstandenen Welle von Zwangsversteigerungen.

Die Hilfsorganisation National Coalition for the Homeless schätzt, dass in den USA annährend 1% der Gesamtbevölkerung obdachlos ist (rund 3,5 Millionen Menschen), und dass 39% davon Kinder sind.