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Fakten und Hintergründe zum Film "Der rote Elvis"

Kino.de Redaktion |

Der rote Elvis Poster

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Biografie Dean Reed

Dean Cyril Reed wurde am 22. September 1938 in White Ridge bei Denver / Colorado geboren. Vater Cyril Reed war Mathematik- und Geschichtslehrer an der örtlichen High School; die Mutter Ruth Anna Hausfrau.

Mit 12 Jahren lernte er, Gitarre zu spielen. Nach der Schule entschied er sich für das Meteorologie-Studium und ging zwei Jahre an die Colorado Universität. Die Finanzierung des Studiums organisierte er mit zahlreichen kleinen Auftritten in lokalen Bars.

1958 ging er nach Kalifornien. Auf dem Weg dorthin wurde ein spontanes Ständchen für einen Tramper, den Dean mitgenommen hatte, zum Karrierestoß. Besagter Tramper stellte Dean einem Musikproduzenten vor, Dean überzeugte beim Vorspiel und ergatterte nach kürzester Zeit einen Vertrag mit Capitol Records. Seine ersten Singles,

darunter „Our Summer Romance“, enttäuschten in den USA und explodierten in Südamerika – hier schnellte „Our Summer Romance“ sofort auf Platz eins. 1961 ging er auf Tournee durch Südamerika.

Bei den Auftritten in Argentinien und Chile lernte Dean Reed zwei Dinge – die ungerechte Verteilung des gesellschaftlichen Wohlstands und die berauschende Wirkung des Erfolgs. In Chile wurde Dean Reed verehrt und angebetet wie ein Pop- Prophet. Seine Tournee, die mehrere Fußballstadien füllte, geriet zum Triumphzug. Ab 1965 zeigte das argentinische Fernsehen regelmäßig die Dean-Reed-Show.

Doch die spürbare Armut und Existenznot seines Publikums wollte er nicht ignorieren und widmete

sich fortan dem Kampf für eine gerechtere Welt und für soziale Veränderungen. Dean Reed lernte Spanisch und wurde Mitglied im argentischen Friedensrat. Ihn vertrat Dean Reed beim Weltfriedenskongress in Helsinki.

1966 putschte sich das Regime von Juan Carlos Onganías an die Macht und Deen Reed wurde aus Argentinien ausgewiesen. 1965 reiste er erstmals in die Sowjetunion. Zu diesem Zeitpunkt hatte er sich bereits längst entschieden, für welchen der beiden, in kaltem Krieg erstarrten Blöcke er zum Mikrofon greifen wollte. Als bekennender Marxist kehrte Reed seiner Heimat den Rücken und begann eine musikalische Karriere im Dienste der Idee, der Weltanschauung, der Partei. Was manche Zwangsheirat nennen würden, war für Dean Reed fruchtbare Symbiose. Den Schulterschluß zwischen Kunst und Politik erklärte er zum Lebenssinn.

„Es reicht nicht aus, nur Lieder zu singen, Gedichte zu schreiben oder Bilder zu malen; es ist darüber hinaus erforderlich, aktiv am Kampf für den Weltfrieden teilzunehmen und seine Kunst, sein Leben all denjenigen Menschen zu widmen, die für ihre nationale Befreiung und Unabhängigkeit eintreten.“

Dean Reed reiste auf eigene Kosten um den Erdball, um überall dort Frieden und Unabhängigkeit herbeizusingen, wo sie durch Militärregimes oder die kapitalistische Weltmacht unterdrückt wurden.

Während des Wahlkampfs in Uruguay trat er für den Präsidentschaftskandidaten der Linken auf, er artikulierte öffentlich seine Verachtung für den Vietnam-Krieg und arbeitete intensiv für den Wahlsieg von Salvador Allende in Chile. Mit zahllosen Konzerten vor chilenischen Arbeitern

und Studenten erreichte er eine überwältigende

Mobilisierung des Volkes. Mit dem symbolischen

Reinwaschen der amerikanischen Flagge vor der US-Botschaft in Santiago de Chile löste er Empörung, aber auch Begeisterung aus.

Dean Reed schrieb weiter Songs und tourte

um den Erdball: In Chile, Argentinien, Nicaragua, Panama, Venezuela, der DDR, Schweden, Finnland, Bulgarien, Palästina, im Libanon etc. wurde das Mikrofon zum Megafon und Dean Reeds Stimme zum Sprachrohr der Armen Reed nahm insgesamt 6 Platten

in der Sowjetunion auf, die sich millionenfach verkauften.

Im Herbst 1971 lernte Dean Read seine spätere Frau Wiebke auf der Leipziger Dokumentarfilmwoche

kennen. 1972 zog er zu ihr in die DDR, ein

Jahr später heirateten sie , und 1976 kam ihre gemeinsame Tochter Natascha auf die Welt. In dieser Zeit unterstützte Dean Reed die Staatsführung mit Konzerten und öffentlichen

Stellungnahmen.

In den 70er Jahren begann er, als Filmschauspieler zu arbeiten. Mit Yul Brunner spielte er 1970 in der ambitionierten Westernkomödie „Adiós Sabata“, 1972 ist er in der von Celino Bleiweiss inszenierten DEFA-Produktion „Aus dem Leben eines Taugenichts“ an der Seite Hannelore Elsners zu sehen.

1973 folgt mit „The Friendly One“ eine weitere Westernkomödie – ein Genre, dem er auch mit dem heute legendären DEFA-Film „Blutsbrüder“ treu geblieben ist. Zusammen mit Gojko Mitic war er hier in einer Hauptrolle zu sehen, auch am Drehbuch arbeitete er mit.

Für „El Cantor“ aus dem Jahr 1977 übernahm Dean Reed die Rolle des chilenischen Volkshelden Victor Jara. In „Sing, Cowboy Sing“, den Dean Reed selbst inszenierte, verkörperte er zum letzten Mal den heroischen Cowboy.

Nach der Ermordung Salvador Allendes radikalisierte sich Dean Reed – vom Friedenssänger wurde er zum Freiheitskämpfer mit Gitarre und Kalaschnikow. Er freundete sich mit Jassir Arafat an und war Gast der PLO im Südlibanon. Als er sich 1978 mit Farmern in Minnesota verbündete, sperrte ihn die Polizei kurzerhand ins Gefängnis. Reed trat in Hungerstreik und provozierte eine weltweite Protestwelle. Bei nicht genehmigten

Konzerten 1983 in Chile wurde der illegal eingereiste Reed von der Militärdiktatur

unter Pinochet verhaftet und abgeschoben.

1981, auf dem Höhepunkt seines Ruhmes, heiratete Reed die ostdeutsche Schauspielerin Renate Blume. Doch in den folgenden Jahren verließen ihn

Erfolg und Ruhm. Reed wurde zum Gelegenheits-Stargast in ostdeutschen Fernsehshows. Sein letztes Album verkaufte sich nur schleppend, und von den Chef-Agitatoren wurde Reed immer seltener für Veranstaltungen engagiert.

Er begann seine Rückkehr in die USA zu planen und arbeitete mit dem Filmprojekt „Bloody Heart“, über den Indianeraufstand in Wounded Knee, an seinem Comeback. Als er jedoch in der amerikanischen Fersehsendung „60 Minutes“, der damals bekanntesten Polittalkshow, Ronald Reagan wegen seines so genannten Star-Wars-Projekts als Staatsterroisten bezeichnete und die Berliner Mauer und den Einmarsch der Sowjetunion nach Afghanistan verteidigte, reagierten die US-Zuschauer mit Empörung und Hass.

Am 13. Juni 1986 kam Dean Reed im Zeuthener See bei Berlin ums Leben.

Über die Produktion

Die ersten Arbeiten begannen im Jahr 2001. In einem Biergarten im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg kamen Leopold Grün und Stefan Ernsting ins Gespräch über Dean Reed. Beide beschlossen, sich in ihrer jeweiligen Profession mit der Ausnahmeerscheinung Dean Reed auseinanderzusetzen.

Stefan Ernstings begann sein Buch „Der Rote Elvis“ und Leopold Grün begab sich auf die Suche nach Förderern für den gleichnamigen Dokumentarfilm. Dass kein geringerer als Hollywood-Star Tom Hanks

ebenfalls an dem Projekt arbeitete, warf anfänglich Zweifel auf, spornte das Team dann aber zusätzlich an. Im Frühjahr 2003 besiegelten Leopold Grün und Produzent Thomas Janze per Handschlag in einer Bar in Westberlin die Zusammenarbeit.

Bei der Auswahl der in Frage kommenden Protagonisten stand der inhaftierte Egon Krenz, ein Weggefährte des Wahl-DDR-Bürgers Dean Reed, ganz oben auf der Liste. Grün ließ nichts unversucht, um den ehemaligen Generalsekretär der SED zum Mitwirken an dem Projekt zu bewegen. Krenz bedauerte anfänglich, aus zeitlichen Gründen nicht für ein Interview zur Verfügung stehen zu können. Nach Krenz’ vorzeitiger Entlassung nahm Grün im Jahr 2003 erneut Kontakt auf und erhielt schließlich die Einwilligung für ein Interview.

Ein weiterer Wunschkandidat war der Schauspieler, Musiker und Dean Reed-Sympathisant Armin Mueller-Stahl. Auch er war der Meinung, dass die Lebensgeschichte des sozialistischen Rock’n’Roll-Idols leinwand-fähig ist. Mueller-Stahl erklärte sich zu einem Interview bereit über den Mann, „der in den Käfig ging, aus dem alle raus wollten“.

In den Gesprächen mit Insidern der Website www.deanreed.de tauchte immer wieder der Name von Maren auf. Sie besaß angeblich besondere

Fotos, deutete Details aus seinem Leben an, die vermuten ließen, dass sie eine Menge mehr wusste als andere. Leopold Grün bekam ihre Telefonnummer

und nach einigen Gesprächen verabredeten sie

sich in Berlin. Ihm gefiel ihre lapidare Art über wesentliche Gefühle zu sprechen. Sie hatte Humor, auch wenn man ihr ansah, dass sie nicht gerade vom Leben verwöhnt wurde.

Sie erzählte von einer langen Freundschaft zu Dean. Länger als alle anderen, die in der damaligen DDR zu ihm Kontakt hatten. Wie er ihr 1971 in dem Leipziger Hotel „Deutschland“ eine Karte mit der Hotelzimmernummer zusteckte, das passte zu ihm. Sie lächelte damals zurück, aber sich bei ihm zu melden, „das war ihr dann doch zu doof“. Sie wusste zunächst auch gar nicht, wer er ist, geschweige denn, warum er in der DDR zu Gast war. Erst als sie sich einige Jahre später zufällig in ihrer Zahnarztpraxis wieder trafen, ging sie der Sache nach.

Es entstand ein Verhältnis, dass sie beide als „Projektbeziehung“ bezeichneten. Sie wollte keine klassische Geliebte sein, aber auch nicht seine Frau. Sie trafen sich, um sich über ihr Seelenleben auszutauschen, aber auch um gemeinsam zu kochen und manchmal war es auch mehr…

Sie teilte mit ihm eine seiner wesentlichen Eigenschaften, die nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollte, die Depression. Es entstanden gemeinsame Selbstmordgedanken. Um so dramatischer

war für sie die Tatsache, „dass er quaisi ohne mich gegangen war“.

Reeds Lateinamerika-Tourneen und sein dortiges Engament gegen soziale Ungerechtigkeit führten ihn in den frühen Sechzigern mehrmals nach Chile. Isabel Allende, Tochter des ehemaligen sozialistischen Präsidenten Salvador Allende, kannte Dean Reed bereits als junges Mädchen

und weiß um die Bedeutung des jungen, gut aussehenden Nordamerikaners, der mit der damaligen lateinamerikanischen Befreiungsbewegung sympathisierte. Sie willigte trotz Zeitknappheit in ein Interview im chilenischen Valparaiso

ein.

Ein Team aus internationalen Mitarbeiten betriebt monatelange Auslandsrecherche. Die telefonischen Kontakte auf den Spuren des vielgereisten Schauspielers führten unter anderem nach Russland, Italien, Lettland, USA, Chile, Nicaragua, Argentinien und Tschechien. Durch die Gespräche

und anhand der angeforderten Dokumente und Geheimdienstakten aus den unzähligen, weltweiten Archivbeständen erschlossen sich nach und nach die bedeutsamsten Stationen im Leben des „Roten Elvis“.

Der Regisseur Günther Reisch, dessen letztes Filmprojekt mit Dean Reed nie fertiggestellt wurde, erwies sich als ein idealer Gesprächspartner. Bei mehreren Treffen in dessen Haus schilderte er nicht nur die Eindrücke aus

den letzten Jahren und Tagen Dean Reeds, sondern überließ dem Filmteam zudem eine Kiste

mit unzähligen Super-8-Rollen. Das Filmmaterial zeigt Reed bei privaten Treffen am Zeuthener

See, mit Kindern im Motorboot, am Ufer des Sees oder im Garten.

Zudem finden sich Aufnahmen von einer Arbeitsreise mit Günter Reisch auf der Ostseeinsel Hiddensee, von der Drehortrecherche in Mittelasien und anderen Teilen der ehemaligen Sowjetunion.

Als sehr fruchtbar hat sich die Zusammenarbeit mit Will Roberts, einem ehemaligen Dokumentarfilmer und Freund von Dean Reed erwiesen. Er hatte Reed in den 80er Jahren kennengelernt und damals beschlossen, einen Film über ihn zu drehen. Als die Aufnahmen 1985 im Kasten waren, lebte

Dean Reed nur noch ein halbes Jahr. Der Film ist nie in die Kinos gekommen.

Sämtliche Filmrollen, darunter Aufnahmen aus Palästina mit Jassir Arafat, aus Chile, aus der DDR im privaten Wohnzimmer mit seiner letzten Ehefrau Renate Blume, Briefe und Fotoalben lagern seit damals in einem Speicher, einige Kilometer von Roberts’ Wohnhaus entfernt.

News und Stories

  • Fakten und Hintergründe zum Film "Der rote Elvis"

    Kino.de Redaktion05.11.2012

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