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Produktionsnotizen

Jahrelang hatte der im kalifornischen Venice residierende Regisseur und Drehbuchautor Nikolai Müllerschön an seiner Vision der Geschichte des größten Kampffliegerasses Manfred von Richthofen, besser bekannt als „der Rote Baron“, geschrieben. Der erste Entwurf, der bereits vor sechs Jahren entstand, war zwar schon nach zwei Wochen aufgesetzt, die unterschiedlichen Strategien das Projekt zu realisieren, zwangen ihn allerdings dazu, das Buch unzählige Male anzupassen und ständig weiter zu entwickeln.

Den Gedanken, den Film in Deutschland zu produzieren hatte Nikolai Müllerschön dabei schon sehr früh. Er erkannte den besonderen Reiz, die Geschichte über den deutschen Helden von einst auch von Deutschen erzählen zu lassen.

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Allerdings sah er zunächst schlicht keine Möglichkeit, den Stoff ohne Abstriche an dessen Potential in heimischen Gefilden zu realisieren.

Zunächst versuchte Nikolai Müllerschön also, das Projekt in die vor seiner Haustür liegende Maschinerie von Hollywood einzuspeisen. Sein Drehbuch stieß bei den Studios auf großes Interesse. Das Projekt wurde auf ein Budget von rund 40 Millionen Dollar kalkuliert. Zeitweise stand Val Kilmer für die Hauptrolle im Gespräch. Nikolai Müllerschön sah aber zunehmend seine Vision von einer eher europäisch geprägten Geschichte in ein typisches konfektioniertes Hollywood-Movie abdriften.

Schließlich fand er mit Dan Maag einen international erfahrenen Produzenten und mit Thomas Reisser ein begeisterten Partner, die seine Idee, großes internationales Kino aus Deutschland heraus zu produzieren, teilten.

Im Winter 2005/2006 wurden in Stuttgart und Umgebung sowie in Litauen, Drehorte gesichtet und ausgewertet. Letztlich erwies sich aber Prag, angesichts des Reichtums an beeindruckenden Drehorten, der günstigen Infrastruktur der Hollywood erprobten, ortsansässigen Filmindustrie, der Nähe zu Deutschland und nicht zuletzt aus Kostengründen, als idealer Produktionsstandort.

In Matthias Schweighöfer fand Nikolai Müllerschön schon 2004 nicht nur die perfekte Besetzung für die Rolle des Manfred von Richthofen, sondern auch einen engen Vertrauten und begeisterten Mitstreiter um den Erfolg des Vorhabens. Gerne und sehr lebhaft beschreibt Nikolai Müllerschön eine Eingebung, die er beim ersten Treffen mit Matthias Schweighöfer bei einem Teller Nudeln in Berlin hatte: Für einige Sekunden war er sich sicher, dass er dem leibhaftigen Rittmeister von Richthofen höchstpersönlich gegenüber sitzt.

Matthias Schweighöfer vereint alle Facetten seines historischen Vorbilds. Dass Matthias Schweighöfer, der bald den berühmtesten Piloten aller Zeiten, einen Pionier und eine Legende seines Fachs, verkörpern sollte, selbst an chronischer Flugangst leidet, kann sich dabei einer gewissen Ironie nicht entziehen.

Doch zur Darstellung des Piloten mussten er und sein Gefolge ohnehin den sicheren Erdboden nicht verlassen, dafür sorgte die Animationsschmiede Pixomondo mit der sich die „Niamas“ einen erfahrenen Partner für die Computereffekte an Bord holten.

Unter der Leitung von Thilo Kuther und Rainer Gombos arbeiteten zeitweise siebzig erfahrene Experten, die schon bei „Matrix“, „Poseidon“, „Star Wars“ und „King Kong“ beteiligt waren. Auf Grundlage fundierter historischer Recherchen sollten die Flugzeuge mit absolutem Fotorealismus in die Lüfte abheben. Pixomondo holte zur Realisierung der aufwändigen Arbeiten viele Talente, die in Deutschland ausgebildet wurden, aus dem Ausland wieder zurück in die Heimat.

Um die Luftschlachten auch in den Nahaufnahmen möglichst realistisch wirken zu lassen, wurden 23 Modelle der Flugzeuge aus dem ersten Weltkrieg nachgebaut, die auch als Requisiten auf den Flugfeldern standen. Die Flugzeuge wurden eigens für den Film in den Barandov Studios in Prag hergestellt, in denen parallel unter anderem auch das Produktionsteam von „James Bond – Casino Royale“ seine Heimat gefunden hatte. Letztlich standen die Flugzeuge ihren Vorbildern inklusive des Innenlebens in nichts nach. Sogar über hundert der vielen bunten Muster und Embleme, die die Piloten seinerzeit auf ihren „Fliegenden Zirkus“ gemalt hatten, fanden auf den Nachbildungen ihre Renaissance. Es gab zu den Originalen nur einen Unterschied: Die Nachbildungen konnten nicht fliegen. Theoretisch zwar schon, aber dafür hätten sie in der Praxis mit einem entsprechenden funktionsfähigen Motor ausgestattet sein müssen. Abhilfe schafften hier die Experten von Pixomondo mit ihren rund 400 CGI-Einstellungen (Computer Generated Images): Die nachgebauten Flugzeuge wurden auf eine ferngesteuerte Hydraulik geschnallt und vor einer riesigen Greenscreen, mechanisch hin und hergeschaukelt, so dass die Kombination aus den Bewegungen des Flugzeuges und die der Kamera die richtigen Aufnahmen brachten. Der grüne Hintergrund wurde in der aufwendigen Postproduktion von den CGI-Experten durch Bilder von Luftschlachten aus dem Computer ersetzt, sodass letztlich die perfekte Flugillusion entstand. Auf diesem Weg fanden weitere 500 computergenerierte Flugzeuge den Weg in den virtuellen Himmel.

Die größte Greenscreen Europas zugunsten eines perfekten Lichts bei den Flugsequenzen unter freiem Himmel aufzubauen, war dabei nur eine von vielen verwegenen Entscheidungen und Herausforderungen, die dieses Projekt so einzigartig machen, aber sich am Ende auf der Leinwand auszahlen.

Bei einem Volumen von sechzehn aufeinander folgenden Drehtagen vor grüner Wand unter freiem Himmel, war man auf Sonnenschein angewiesen, sonst wäre es zu erheblichen Komplikationen im gesamten Timing des Drehablaufes gekommen. Das Wetter war auf der Seite des Roten Barons und das Konzept ging auf.

Doch die nächste Hürde ließ nicht lange auf sich warten. Til Schweiger, der schon früh zugesagt hatte, Manfred von Richthofens besten Freund und Fliegerkollegen Werner Voss zu spielen, zog sich bei einem von Michael Schumacher ausgerichteten Benefizfußballspiel einen Abriss der Achillessehne zu, und seine Verfügbarkeit war bereits nach Drehbeginn über Tage fraglich. Vom bekannten Sportarzt Herrn Müller-Wohlfahrt behandelt, konnte er allerdings schon nach wenigen Tagen wieder stehen und kurze Zeit später auch wieder laufen. In den körperlich aufwändigeren Szenen musste ein Double einspringen, das ihm in Größe und Statur ähnelte.

Als Richthofens Widersacher, der kanadische Kampfpilot Roy Brown, wurde der international bekannte und Kostümrollen erprobte Brite Joseph Fiennes („Luther“, „Shakespeare in Love“, „Duell - Enemy at the Gates“) besetzt. Zwar wurde sein Gastspiel von einem plötzlich hereinbrechenden heftigen Gewitter überschattet, Regisseur Nikolai Müllerschön aber machte aus der Not eine Tugend und griff den Wetterumbruch als willkommenes Element in einer der Schlüsselszenen beim ersten Aufeinandertreffen der Beiden im Film auf.

Für die Rolle der resoluten Krankenschwester Käte Otersdorf konnte Lena Headey gewonnen werden. Die Britin hatte kurze Zeit zuvor mit Terry Gilliam in Prag bereits „Brothers Grimm“ gedreht und mit Zack Snyders „300“ zuletzt unglaubliche Erfolge an den weltweiten Kinokassen feiern dürfen.

Die weiteren Rollen, Richthofens Fliegerkollegen und Freunde, wurden mit den talentiertesten deutschen Nachwuchsschauspielern besetzt. Volker Bruch, Maxim Mehmet, Hanno Koffler und Tino Mewes schlüpften in die Uniformen von in einschlägigen Kreisen nicht minder namhaften Piloten und bildeten das bunte Gefolge um Manfred von Richthofen, der als „Flying Circus“ in die Geschichtsbücher einging. Schon beim ersten Treffen der Kernbesetzung im Vorfeld zum Dreh in Berlin zeigte sich, dass die Chemie in der „Boygroup“ stimmte. Die Jungs verstanden sich auch hinter der Kamera prächtig und zwar so gut, dass sie zustimmten, vor Drehbeginn an einem von der Produktion ausgerichteten „Boot Camp“ teilzunehmen.

Das bedeutete jeden Morgen um halb sechs aufzustehen, um sich dann, zusammen mit den Schauspielerkollegen, unter Anleitung von professionellen Ausbildern, in den Disziplinen der Kampfpiloten von einst zu üben. Auf dem Programm standen neben Fitnesstraining, militärischem Drill und der militärischen Etikette auch Flugstunden und sogar Lehreinheiten im Flugsimulator, damit die Schauspieler ihre Figuren möglichst authentisch darstellen konnten.

Da der Film in englischer Sprache gedreht werden sollte, war es außerdem notwendig, die verschiedenen englischen Dialekte der Schauspieler auf einen gemeinsamen, der Geschichte möglichst zutragenden Stil einzustellen. Dafür sorgte der britische Dialekt- und Sprachexperte Andrew Jack, der schon bei „Herr der Ringe“, „James Bond“ und zahlreichen anderen Hollywoodproduktionen für den richtigen Ton gesorgt hatte. Er entwickelte eigens für den „DER ROTE BARON“ ein Englisch, dass die deutsche Herkunft der Piloten nicht verleugnete, gleichzeitig aber auch einen historischen Ton wiedergeben und dazu für jeden Zuschauer zeitgemäß und gut verständlich sein sollte. Außerdem war er auch ständig vor Ort am Set, um den Darstellern zu assistieren und ihr Talent und Können auch in einer Fremdsprache möglichst gut zur Entfaltung zu bringen. Nachdem die Schauspieler sich über mehrere Wochen intensiv auf den Dreh vorbereitet hatten, stand einer gelungenen Performance im Sommer nichts mehr im Wege.

Für den aufwändigen Dreh stand Regisseur Nikolai Müllerschön neben dem herausragenden Schauspielerensemble ein 300 Personen starkes Team zur Verfügung, um die großen Bilder zu gestalten, die das historische Epos auf der Leinwand erzählt. Gedreht wurde an verschiedenen Schlossanlagen im Prager Umland, im tschechischen Nationalmuseum, dem Prager Repräsentationshaus und in Nationalparks, aber auch in Hohenstadt bei Aalen in Baden-Württemberg. Die Anwohner staunten schon sehr, als das riesige Filmteam mit dutzenden von Lastern, Pferden und Großrequisiten anrückte, und die extra für den Film mit Erde aufgeschütteten Teerstraßen des Dorfes auf einmal mit schwer verletzten Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg gesäumt waren, auf die ein künstlicher Regen nieder prasselte.

Eine visuell besonders eindrucksvolle Szene ist die Nachbildung Berlins während des ersten Weltkriegs. Wer dabei an eine trostlose, deprimierende Großstadt denkt, liegt falsch. Nikolai Müllerschön zeigt die deutsche Hauptstadt als pulsierende Metropole. Die Bewohner schieben sich durch die geschäftigen Straßen, die Frauen stolzieren in prachtvollen Kostümen über den Potsdamer Platz. Das mit knapp 300 Komparsen bevölkerte Set hatte aber nur eine Tiefe von etwa 40 Metern. Dann begann auch hier die riesige Greenscreen, die in der Postproduktion von der VFX-Firma Pixomondo bis in den weit reichenden Horizont mit Straßenschluchten mit einer Kombination aus klassischen Trickeffekten wie „Matt Paintings“ und digitalen Effekten als sogenannte Set Extension nach hinten im Raum verlängert wird. Um die zahlreichen und aufwändigen Arbeiten, die mit Einstellungen dieser Art verbunden sind, in der vorgegebenen Zeit bewältigen zu können, griff Pixomondo unter anderen auch auf Partnerfirmen in Thailand zurück.

Trotz aller Computerzauberei war das Komparsen- und damit auch das Kostümaufkommen an den Sets bei „DER ROTE BARON“ immens: Etwa 1100 Uniformen und 950 zivile Kostüme wurden für den Dreh aus allen Winkeln Europas gesammelt oder vor Ort geschneidert.

Dazu kam eine Ausstattung mit 32 Pferden, 25 Oldtimern und sogar einer echten Dampflok und weiteren militärischen Großrequisiten. Die Zulieferer für die Massen an Requisiten stammten aus beinahe jedem Land Westeuropas.

Nachdem „DER ROTE BARON“ nach 61 Drehtagen Anfang Oktober 2006 endlich im Kasten war, folgten weitere 11 Monate Postproduktion. Ein erster Rohschnitt des Films entstand in Nikolai Müllerschöns Wahlheimat Los Angeles, wo der Regisseur durch die große Distanz und die Zeitverschiebung genug Abgeschiedenheit genoss, um dem Film die gewünschte Form zu verleihen und ihn auf dem wichtigen amerikanischen Markt einem ausgewählten Publikum in Zwischenständen zur Einschätzung vorzuführen. Im späten Frühjahr 2007 wurden die computergenerierten Einstellungen von Pixomondo eingearbeitet, der Feinschnitt wurde Ende Juli zum Abschluss gebracht.

Interview mit dem Produzenten

Zu welchen Anteilen basiert die Geschichte Manfred von Richthofens in DER ROTE BARON auf historischen Tatsachen und wo hat sich der Autor womöglich dramaturgische Freiheiten erlaubt?

Dan Maag: Es war uns besonders wichtig, sehr nah an der Realität zu bleiben. Das Einzigartige an dieser Geschichte ist, dass die Realität tatsächlich sehr spannend ist. Auch wollen wir hier keine Geschichtsverfälschung betreiben. Natürlich vereinfacht man an gewissen Stellen oder legt gewisse Personen zusammen, ansonsten würden wir es nicht schaffen ein so bewegtes Leben wie das von Manfred von Richthofen in einer normalen Filmlänge zu erzählen.

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Um zu gewährleisten, dass wir die damaligen Realitäten entsprechend abbilden, haben wir permanent mehrere historische Berater um uns herum.

Warum wird der Film trotz einer Mehrzahl deutscher Schauspieler in Englisch gedreht und wie gut sind die Schauspieler auf diese sprachliche Herausforderung vorbereitet?

Dan Maag: Unser Ziel war es schon immer, die Geschichte Manfred von Richthofens der ganzen Welt zu erzählen. Dennoch wollten wir nichts veramerikanisieren und schon klarstellen, dass es sich um eine deutsche Geschichte handelt. Am besten kann man dieses natürlich mit deutschen Darstellern.

Der Schlüssel zu einem weltweiten Publikum ist jedoch die englische Sprache. Um ein klares, einheitliches Englisch zu erreichen, haben wir schon viele Monate vor Drehbeginn den berühmten Dialog- und Dialekt-Coach Andrew Jack verpflichtet, der mit unseren Darstellern hart trainiert hat und auch permanent am Set anwesend war.

Welche produktions- und tricktechnischen Mittel stehen zur Verfügung, um die zahlreichen Luftschlachten und Flugsequenzen in DER ROTE BARON auf höchstem internationalen Niveau zu inszenieren?

Thomas Reisser: Die Messlatte in diesem Bereich liegt beim Zuschauer extrem hoch, das war uns schon immer bewusst. Mit unserem Visual Effects Haus PIXOMONDO und einem extra für diesen Film zusammengestellten Team aus internationalen Spezialisten gehen wir hier technisch absolut neue und innovative Wege. Wir haben insgesamt 23 Flugzeuge aus der damaligen Zeit in Originalgröße nachbauen lassen. Für die Dreharbeit wurde zudem ein über 100m langer Greenscreen angefertigt, vor dem wir große Teile der Luftschlachten drehen. Der Zuschauer wird das Gefühl haben, mit den Akteuren im Flugzeug zu sitzen und ganz nah bei ihnen zu sein.

Auf diese Sequenzen haben wir uns inhaltlich wie auch technisch über zwei Jahre vorbereitet, um ein Maximum an Qualität zu erreichen.

Wie ist es zu der Besetzung der Hauptdarsteller MATTHIAS SCHWEIGHÖFER, LENA HEADEY, JOSEPH FIENNES und TIL SCHWEIGER gekommen und was qualifiziert die Mimen aus Ihrer Sicht für ihre jeweiligen Parts?

Dan Maag: MATTHIAS SCHWEIGHÖFER ist schon seit über zwei Jahren fester Bestandteil dieses Projektes. Nikolai und ich waren schon immer davon überzeugt, dass er der einzige deutsche Schauspieler ist, der Richthofen mit all seinen Facetten verkörpern kann. Die verspielte Jungendlichkeit Richthofens gepaart mit einem enormen Verantwortungsbewusstsein darzustellen, ist eine wahre schauspielerische Herausforderung, der Matthias voll gewachsen ist. Seine Ähnlichkeit mit Richthofen ist ebenso verblüffend.

In den weiteren Rollen war es uns natürlich wichtig ein möglichst überzeugendes und auch kommerziell sinnvolles Paket zu schnüren. Mit Namen wie LENA HEADEY, JOSEPH FIENNES und TIL SCHWEIGER haben wir es geschafft, nicht nur grandiose Schauspieler, sondern auch bei den Zuschauern sehr beliebte und bekannte Darsteller zu verpflichten, was bei einem Film dieser Größenordnung natürlich sehr wichtig ist.

Für die Besetzung haben wir uns sehr viel Zeit gelassen, um ein für uns perfektes Ensemble zu finden. Auch die weiteren Rollen um Richthofen herum sind mit hochkarätigen Newcomern besetzt.

Wie ist es Ihnen gelungen, DER ROTE BARON rein aus privaten Mitteln und ohne die üblichen staatlichen Zuwendungen zu finanzieren?

Thomas Reisser: Natürlich ist es nicht einfach ein Projekt dieser Größenordnung aus Deutschland heraus zu finanzieren. Grundsätzlich würde man wahrscheinlich mit dem Deckmantel eines amerikanischen Projektes eher auf die entsprechende Qualität und Größe bauen. Unsere Basis war immer ein großartiges Drehbuch, was weltweit auf allen Ebenen der Branche großen Anklang gefunden hat. Mit unseren Ideen von der Umsetzung, von der Besetzung bis zur tatsächlichen Produktion konnten wir die Leute dann Stück für Stück überzeugen. Für uns war es jedoch immer sehr wichtig, eine größtmögliche Freiheit in der Umsetzung zu bewahren. Einen Film dieser Größenordnung kann man meiner Meinung nach nicht am großen runden Tisch herstellen. Mit unseren jetzigen Partnern haben wir Weggefährten gefunden, die auf unsere Vision von diesem Film vertrauen.

Niama-Film ist aber nicht festgelegt auf ein rein privates Finanzierungsmodell, bei unseren anderen Produktionen arbeiten wir vielmehr - insbesondere bei entsprechend international verwertbaren Stoffen und Projekten - mit Mischformen aus klassischer Finanzierung wie Filmförderungen und privater Finanzierung wie Private Equity.

Ein kurzer historischer Abriss

Die Fliegerei steckte noch in den Kinderschuhen, als sich auch schon das Militär mit ihren Möglichkeiten befasste. Im Herbst 1910 wurde die Militärfliegerschule in Döberitz gegründet. Prinz Heinrich und der Oberst i.G. Erich Ludendorff erkannten schon bald den militärischen Wert der neuen „Waffe“ und Hauptmann Hermann von der Lieth-Thomsen wurde mit dem praktischen Aufbau der neuen „Luftwaffe“ betraut. Am 1.10.1913 schlug die offizielle Geburtsstunde der Fliegertruppe. Bei Kriegsausbruch im Jahre 1914 gab es bereits 30 preußische und drei bayerische Fliegerabteilungen.

Was anfänglich nur für die Aufklärung gedacht war, entwickelte sich schon bald zu spezialisierten Verbänden wie z.B. den Jastas (Jagdstaffeln) oder den Brieftauben-Abteilungen, welche als erste deutsche Bomber-Formation mit ihren schweren Gotha-Bombern für den Bombenabwurf zuständig waren.

Manfred von Richthofen wurde am 2. Mai 1892 in Breslau/Schlesien geboren. Als Sohn eines Majors stand sein beruflicher Werdegang schon früh fest. Mit 11 Jahren besuchte er eine Kadettenschule, kam in die Militärakademie nach Wahlstatt und anschließend auf die Kriegsakademie in Berlin-Lichterfelde. Für außergewöhnliche Tapferkeit erhielt der junge Leutnant am 23. September 1914 das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehen.

Erst 1915 gelingt es von Richthofen zur Fliegerei zu wechseln. Bei der Fliegerersatzabteilung Nr. 7 in Köln lässt er sich zum Beobachter ausbilden. Zu diesem Zeitpunkt erscheint ihm die Ausbildung zum Piloten noch als zu langwierig – er könnte ja das Kriegsende verpassen.

Nach einigen fliegerischen Höhen und Tiefen holt ihn Oswald Boelcke am 1. September 1916 in seine neu gegründete Jagdstaffel 2 (Jasta 2).

Schon bald sollte er alle anderen Piloten in den Schatten stellen.

Der 17. September 1916 bringt von Richthofen den so lange ersehnten ersten anerkannten Luftsieg und am 9. November fällt bereits sein achter Gegner. Im Dezember desselben Jahres beschließt Richthofen sein Flugzeug rot anstreichen zu lassen, damit seine Gegner auch wissen, wer gegen sie antritt. Rote Flugzeuge sollten von da an sein „Markenzeichen“ sein.

Den Pour le Mérite bekommt er am 12. Januar 1917 nach seinem 16. Abschuss verliehen. Drei Tage später übernimmt Manfred von Richthofen die bis dahin erfolglose Jasta 11 und formt diese zu der wohl schlagkräftigsten deutschen Staffel des ersten Weltkrieges. Die Karriere des jungen Adeligen ist nicht mehr aufzuhalten. Mit wachsender Abschusszahl steigen auch seine Ehrungen. Am 22. März 1917 wird er zum Oberleutnant und bereits 15 Tage später zum Rittmeister befördert.

Auf den Erfahrungen seines Vorbilds und Lehrmeisters Boelcke aufbauend, entwickelt von Richthofen die Grundlagen für den Luftkampf. Mit 80 anerkannten Luftsiegen war Manfred von Richthofen der erfolgreichste Jagdflieger des ersten Weltkriegs. Die bunt angestrichenen Flugzeuge seines „fliegenden Zirkus“ waren gefürchtet. Ob Albatros, Pfalz oder Fokker – in der Hand der erfahrenen Piloten um von Richthofen beherrschten sie lange Zeit den Himmel über der Front und lieferten sich mit den nicht weniger begabten gegnerischen Piloten erbarmungslose Luftkämpfe. Der Blutzoll, den die jungen Piloten auf beiden Seiten der Front bezahlten war enorm. Viele von ihnen überlebten nicht mal ihren ersten Feindflug.

Bis zu seinem Tode am 21. April 1918 wurde von Richthofen anerkannter Sieger in 80 Luftkämpfen. Er starb nur wenige Tage vor seinem 26. Geburtstag.

In dieser Zeit, in der Tod und Elend Europa überzogen, waren solche Helden für die Moral der Truppe und der Bevölkerung wichtig. Dieser Heldenkult wurde natürlich von der Heeresleitung gefördert und auch instrumentalisiert. Mit „Helden“ konnte man die Jugend ködern und für den Krieg begeistern. Hinzu kam natürlich die Faszination an der Technik und die Möglichkeit mit der damaligen High-Tech umgehen zu dürfen. Wer konnte sich schon privat den Flugsport leisten? Da war es für die in der Hauptsache Adeligen und aus gutem Hause stammenden Jugendlichen ein enormer Anreiz, Karriere in der Fliegertruppe zu machen.

Von den 17.000 ausgebildeten und in Ausbildung befindlichen deutschen Flugzeugführern, Beobachtern und MG-Schützen haben 6.000 ihr junges Leben verloren.

Manfred von Richthofen, der noch heute in einem Atemzug mit seinem knallroten Fokker DR-I Dreidecker genannt wird, erhielt viele Spitznamen wie: „Der rote Baron“, „Der rote Teufel“, „Le petit rouge“, „DER ROTE BARON“ oder „le diable rouge“. In Deutschland war dieses Flieger-Ass ein Nationalheld, aber auch von seinen Feinden wurde er als fairer Gegner respektiert, geachtet und häufig sogar bewundert. Seltsam ist, dass er heute im Ausland bekannter zu sein scheint als in Deutschland.

Die Piloten genossen zur Zeit Richthofens den Status „Ritter der Lüfte“. Ihr „Ehrencodex“ gab genügend Stoff für Legenden und Romane. Ihre Portraits zierten so manche Titelseite und von jedem erfolgreichen Flieger waren Postkarten in reicher Auswahl zu bekommen. Sie waren, um es mit heutigen Worten auszudrücken, Medienstars und vor Reportern und Autogrammjägern nicht sicher.

Reiner Herrmann

Historischer Berater der Dreharbeiten

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