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Der Richter

  

Filmhandlung und Hintergrund

Markus Imbodens Krimidrama mit Heino Ferch als erpresster Richter nutzt sein Thriller-Potenzial bei weitem nicht aus. Einer der gesellschaftspolitisch wichtigsten Berufe in einer Demokratie, heißt es im begleitenden Material zu diesem Film, spiele in den deutschen Fiction-Produktionen der letzten Jahre kaum eine Rolle: der Richter. Und damit auf Anhieb klar wird, dass das ZDF den Missstand nun beendet, hat die Fernsehfilmredaktion...

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Markus Imbodens Krimidrama mit Heino Ferch als erpresster Richter nutzt sein Thriller-Potenzial bei weitem nicht aus.

    Einer der gesellschaftspolitisch wichtigsten Berufe in einer Demokratie, heißt es im begleitenden Material zu diesem Film, spiele in den deutschen Fiction-Produktionen der letzten Jahre kaum eine Rolle: der Richter. Und damit auf Anhieb klar wird, dass das ZDF den Missstand nun beendet, hat die Fernsehfilmredaktion auf die sonst üblichen Montagsfilm-Reizwörter verzichtet und dem Krimidrama, das sich schließlich zum Thriller wandelt, einen ganz einfachen Titel gegeben: „Der Richter“. Die Titelfigur lädt allerdings nur deshalb zur Identifikation ein, weil Heino Ferch sie verkörpert: Joachim Glahn mag seine beruflichen Meriten haben, aber privat ist er allenfalls bedingt sympathisch; und das keineswegs bloß, weil er seine Frau (Gesine Cukrowski) mit der attraktiven Rechtsmedizinerin Michaela (Victoria Sordo, die umwerfende Hauptdarstellerin aus Dominik Grafs Gurlitt-Film „Am Abend aller Tage“) betrügt. Der Druck, den er auf seine Jura studierende Tochter Luise (Elisa Schlott) ausübt, ist derart groß, dass die junge Frau ihr Dasein nur noch mit Hilfe von Kokain aushält. Fachlich aber ist Glahn, Vorsitzender Richter am Berliner Landgericht, einer der Besten, und deshalb ahnt er, dass der Angeklagte eines aktuellen Mordprozesses ein Bauernopfer ist. Letztlich geht es um Betrug in großem Stil: Ein Gutachter erklärt Grundstücke für verseucht, sodass ein cleverer Geschäftsmann (André Jung) sie zu einem Spottpreis zu erwerben kann. Diesen Hintergrund gibt das etwas zu sehr auf Undurchschaubarkeit angelegte Drehbuch (Marija Erceg) jedoch erst nach und nach Preis. Der Film beginnt ganz anders: Der bewaffnete Glahn bedroht einen Mann, der um Gnade fleht; der Richter ist offenbar bereit, sein wehrloses Opfer in der Tat zu erschießen. Der in kalten Farben gefilmte Auftakt soll für einen Cliffhanger-Effekt sorgen, wie er aktuell für viele Thriller und Krimis typisch ist, denn anschließend wird achtzig Minuten lang erzählt, wie es zu dieser Szene kommen konnte. Glahns Opfer, Holger Wieland (Wolfram Koch), hat angeblich den Gutachter ermordet, und steht nun vor Gericht.

    Regisseur Markus Imboden hat eine ganze Reihe wunderbarer Krimis mit Hinnerk Schönemann nach Drehbüchern von Holger Karsten Schmidt gedreht; für „Mörder auf Amrum“ gab’s den Grimme-Preis. Diese Filme waren allesamt eine gelungene Kombination aus schwarzem Humor und Krimispannung. Bei „Der Richter“ schwebte Imboden vermutlich ebenfalls eine Mischung vor, diesmal allerdings aus Krimi und Ehedrama, was jedoch nicht funktioniert, denn die Dramenebene ist nicht tiefgründig und berührend genug. Außerdem sind die Familienszenen nicht gut gespielt und gehören zu den schwächsten des Films, weil es zu wenige Zwischentöne gibt. Und während sich Ferch und Francis Fulton-Smith (als Verteidiger) vor Gericht immerhin ein paar gut geschriebene und gespielte Dialogduelle liefern dürfen, kommt das Bedrohungspotenzial bei Glahns Konfrontation mit seinem eigentlichen Kontrahenten nicht zur Entfaltung, da André Jung den Drahtzieher wie eine eitle Bühnenfigur verkörpert. Natürlich spitzt sich die Geschichte zu, als die Verbrecher Glahns Tochter entführen und sich der Richter auf ein gewagtes Doppelspiel einlässt, aber selbst jetzt ist der Film bei weitem nicht so spannend, wie er sein könnte und sollte. Und so lebt das Krimidrama vor allem von Heino Ferch, was in den meisten Fällen genügen würde; diesmal aber nicht. Außerdem spielt er diese Rolle nicht zum ersten Mal, und auch deshalb ist die eingangs zitierte Behauptung, es gäbe keine Richter-Filme, nur die halbe Wahrheit. Ferch selbst hat in der ausgezeichneten „Helen Dorn“-Episode „Gnadenlos“ einen Jugendrichter verkörpert, den er mit einer fast identischen Aura aus Melancholie und Einsamkeit versehen hat. tpg.

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