Der mit dem Schlag

  1. Ø 4.2
   2016
Der mit dem Schlag Poster

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • „Nachtschicht“-Erfinder Lars Becker ist ein toller Krimiregisseur, aber seine Komödien („Das Gelbe vom Ei“, „Schade um das schöne Geld„) kommen mitunter über vielversprechende Ansätze nicht hinaus. Das gilt auch für „Der mit dem Schlag“.

    Beckers Held Felix ist selbstredend nicht annähernd so verrückt, wie alle meinen; und als Elektriker kann er einen Schlag sowieso nicht brauchen. Dass die Komödie trotzdem sehenswert ist, hat der Regisseur seinem Hauptdarsteller zu verdanken. Hinnerk Schönemanns Figuren zeichnen sich ohnehin stets durch eine gewisse Absonderlichkeit aus, selbst wenn es oft nur markante Kleinigkeiten sind, die gerade seine Reihenhelden aus „Marie Brand“ oder „Nord bei Nordwest“ von gewöhnlichen Zeitgenossen unterscheiden. Auch Felix Grünler ist im Grunde ein harmloser Sonderling. Verschroben erscheint er nur, weil er hartnäckig einen Traum verfolgt: Alle Jahre wieder zur Vorweihnachtszeit nervt er Bürgermeister Kelmer (Armin Rohde) mit seiner Vision von einer festlich illuminierten Fußgängerzone. Alle anderen nervt er nicht minder, wenn auch aus anderen Gründen, und deshalb findet seine Schwägerin Karin (Marlene Morreis) überraschend viele Verbündete, als sie nach dem Tod der Schwiegermutter einen finsteren Plan entwirft: Weil ihr Mann Ingo (Kurt Krömer) nicht etwa wie erhofft das halbe Haus erbt, sondern bloß die Schallplattensammlung, sorgt die gierige Karin dafür, dass Felix in eine geschlossene Anstalt eingewiesen wird.

    Bis dahin wirkt „Der mit dem Schlag“ wie eine Komödie mit langem Anlauf, die nun erst richtig losgeht; aber diese Hoffnung wird nicht erfüllt. Es wäre vermutlich unfair, auf „Einer flog übers Kuckucksnest“ zu verweisen, aber auch ohne diesen Maßstab ist der Film eine gelinde Enttäuschung: weil Felix‘ Leidensgenossen in der Psychiatrie keine Tiefe bekommen und zwischen ihnen keinerlei Spannung entsteht. Der einzige interessante Insasse wird mit dem vermutlich ältesten „Irrenhaus“-Gag der Filmhistorie eingeführt: Der Arzt, der Felix am Empfang abholt, ist selbst Patient. Rufus (Sahin Eryilmaz) ist Felix‘ Zimmergenosse; ihm ist eine der wenigen wirklich bewegenden Szenen gewidmet, als Felix es ihm ermöglicht, per Live-Video einem großen Schulauftritt seiner Tochter beizuwohnen. Während bei Rufus auch die Vorgeschichte deutlich wird, werden die weiteren Leidensgenossen mehr oder weniger auf ihre Macke reduziert.

    Ähnlich wenige Konturen bekommen die Menschen aus Felix‘ Umgebung. Bei ihnen begnügt sich Becker mit Beruf und Beziehungsstatus. Melanie (Lisa Maria Potthoff): Freundin und Friseurin, mit der Felix gern eine Familie gründen würde; Eddy (Sascha Reimann): Freund und Elektriker, mit dem er den alten Elektroladen seines Vater neu eröffnen möchte. Warum auch sie von Felix genervt sind, bleibt ebenfalls offen, selbst wenn sich beide beschweren, dass er immer bloß träume, aber nicht handle. Viel zu kurz kommt zudem das kafkaeske Potenzial der Geschichte. Dabei entspricht „Der mit dem Schlag“ doch dem klassischen Thriller-Muster: Ein Mann wird das Opfer eines perfiden Komplotts, hat aber keine Ahnung, warum ihm seine Mitmenschen derart übel mitspielen. Immerhin gibt es ein Detail, das für Vieles entschädigt: Felix hat regelmäßig Visionen seines Vaters, der ihm wie zur Begrüßung die Hand reicht; eine stumme Rolle, die Hansa Czypionka allein mit sanftem Blick und großer Ausstrahlung ausfüllt. Ausgerechnet die ansonsten eher wenig hilfreiche Anstaltsärztin (Sophie Rois) öffnet Felix schließlich die Augen und hilft ihm, ein Trauma zu bewältigen, dessen Existenz ihm gar nicht bewusst war. tpg.

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