Für Links auf dieser Seite erhält kino.de ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit oder blauer Unterstreichung gekennzeichnete. Mehr Infos.
  1. Kino.de
  2. Filme
  3. Der Mann, dem die Frauen vertrauten - Der Serienmörder Horst David

Der Mann, dem die Frauen vertrauten - Der Serienmörder Horst David

Filmhandlung und Hintergrund

Mitunter ist eine Vorgeschichte ähnlich interessant wie der Film selbst: Mitte der Neunziger reiste die Journalistin Danuta Harrich-Zandberg „ohne Plan und Auftrag“ nach Regensburg. Schlagzeilen und vor allem ein Foto hatten ihre Neugier geweckt. Die Schlagzeilen berichteten von den Aufsehen erregenden Geständnissen eines Mannes, der im Verlauf der vergangenen beiden Jahrzehnte sieben Frauen ermordet hatte. Fasziniert...

Bilderstrecke starten(6 Bilder)
Alle Bilder und Videos zu Der Mann, dem die Frauen vertrauten - Der Serienmörder Horst David

Darsteller und Crew

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

0,0
0 Bewertung
5Sterne
 
(0)
4Sterne
 
(0)
3Sterne
 
(0)
2Sterne
 
(0)
1Stern
 
(0)

Wie bewertest du den Film?

Kritikerrezensionen

  • Mitunter ist eine Vorgeschichte ähnlich interessant wie der Film selbst: Mitte der Neunziger reiste die Journalistin Danuta Harrich-Zandberg „ohne Plan und Auftrag“ nach Regensburg. Schlagzeilen und vor allem ein Foto hatten ihre Neugier geweckt. Die Schlagzeilen berichteten von den Aufsehen erregenden Geständnissen eines Mannes, der im Verlauf der vergangenen beiden Jahrzehnte sieben Frauen ermordet hatte. Fasziniert aber war die Autorin vom Foto des Täters: „Was ich sah, war ein Mann, dessen Gesicht ebenso unauffällig auf mich wirkte wie sein mausgrauer Mantel“.

    Bei dieser Beschreibung würde man nicht automatisch an Ulrich Tukur denken. Die Verkörperung des vielfachen Frauenmörders durch einen derart charismatischen und gleichzeitig auch physisch agierenden Darsteller hätte ein Manko dieses Films werden können. Tatsächlich prägt Tukur das Porträt enorm, zumal er praktisch permanent präsent ist, aber offenbar wird er seinem Vorbild bis zur Verwechslung gerecht. Tukur ist ja ein Schauspieler alter Schule und dem echten Horst David in dieser Hinsicht anscheinend sehr ähnlich. Der damals ermittelnde Kommissar, Josef Wilfling, bezeichnet David als „Gentleman alter Schule“; Tukur ist in seinen Augen in jeder Hinsicht die perfekte Besetzung.

    Wilfling ist die zweite Hauptfigur des Films und der eigentliche Glücksfall, denn bei Tukur weiß man ja, was man kriegt; von einem Polizisten hingegen kann man kaum erwarten, dass er derart selbstsicher und wortgewandt auftritt. Aber Wilfling, kürzlich pensionierter Leiter der Münchener Mordkommission, der dank diverser spektakulärer Mordfälle (Sedlmayr, Moshammer) großes Ansehen genießt, entpuppt sich als ausgezeichneter Erzähler. Er kommt gänzlich ohne jene schauderhafte Normsprache aus, hinter der sich Beamte in Dokumentationen sonst gern verstecken. Mit erfrischender Offenheit gibt Wilfling zu, drei Geständnisse auf einmal, das sei „für einen Ermittler wie Weihnachten“ gewesen.

    Beide, Mörder und Gendarm, sind also hoch interessante Persönlichkeiten. Außerdem war der Fall David eine Premiere: Erstmals ist es bundesweit gelungen, ein Jahrzehnte zurückliegendes Verbrechen mit Hilfe des Computers zu lösen, weil dank einer neu entwickelten Software Fingerabdrücke nun maschinell abgeglichen werden konnten. Trotzdem sind zwischen den ersten Recherchen von Harrich-Zandberg und der Ausstrahlung des Films 14 Jahre vergangen. Für das Doku-Drama hat sich dies allerdings sogar als Vorteil entpuppt, denn es entstand eine lebhafte Korrespondenz zwischen David und der Journalistin, die schließlich in einer ausführlichen Lebensbeichte des Mörders mündete; und aus dieser speist sich der Monolog, der das Herzstück des Films bildet.

    Ulrich Tukur verkörpert die zwei Seelen des als kleiner Junge von der Mutter ausgesetzten Anstreichers nach Aussage Wilflings höchst authentisch: ein kultivierter, um keine Antwort verlegener Mann, für den die Nachbarn in einem kleinen Ort in der Nähe von Regensburg ihre Hand ins Feuer gelegt hätten, der aber immer wieder ins Münchener Rotlichtmilieu ausriss. Die Besuche bei den Prostituierten inszeniert Walter Harrich vielleicht ein bisschen zu plakativ, aber derlei ist Konvention in einem Genre, das nicht zuletzt durch die ARD-Reihe „Die großen Kriminalfälle“ geprägt wurde.

    Entscheidender ist (von den Hauptfiguren abgesehen) ohnehin die ästhetische Gestaltung. Moderat, aber dramaturgisch wirkungsvoll kommt es immer wieder mal zu Bilderkaskaden, wenn der Mörder von seinen Trieben oder den Schuldgefühlen übermannt wird. Geschickt nutzt Harrich das Mittel der Parallelmontage, um Aussagen als Lügen zu entlarven: In der Vernehmung bestreitet David jeden Kontakt zu Callgirls, die Bildern zeigen den Tathergang.

    Ein fesselnder Film, der seine Faszination beiden verdankt: dem Mörder und seinem Darsteller. tpg.
    Mehr anzeigen

News und Stories