Der Manchurian Kandidat

  1. Ø 2
   2004

Der Manchurian Kandidat: Auch das Remake des Frankenheimer Klassikers ist ein präzise inszenierter Politthriller um Gedankenkontrolle.

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Filmhandlung und Hintergrund

Der Manchurian Kandidat: Auch das Remake des Frankenheimer Klassikers ist ein präzise inszenierter Politthriller um Gedankenkontrolle.

Eigentlich sollte Major Ben Marco (Denzel Washington) seinem Kameraden Reymond Shaw (Liev Schreiber) ja ewig dafür dankbar sein, dass ihm dieser im Golfkrieg so heldenhaft das Leben rettete. Doch ausgerechnet nun, wo sich Shaw unter der Regie seiner hyperehrgeizigen Mutter (Meryl Streep) um das Amt des US-Vizepräsidenten bewirbt, keimen ernste Zweifel in dem traumatisierten Kriegsveteranen, ob damals wirklich alles so zuging, wie es seine Erinnerung suggeriert. Bei der Suche nach Aufklärung stößt Marco prompt mitten in ein Wespennest.

Runde 30 Jahre nach dem Original bringt Spannungsspezialist Jonathan Demme („Das Schweigen der Lämmer„) den gleichnamigen Paranoiathriller von John Frankenheimer auf den neusten Stand von Technik und politischem Umfeld.

Captain Ben Marco und Sergeant Raymond Shaw haben gemeinsam im Golfkrieg gedient. Zehn Jahre danach hat Shaw mit Hilfe seiner Mutter Karriere in der Politik gemacht, Marco dagegen kämpft wie viele seiner Kameraden mit seinen Kriegserinnerungen: Er ist ein nervliches Wrack, geplagt von Alpträumen, die er mit anderen ehemaligen Kameraden teilt. Er geht zu Shaw nach Washington, um sich Klarheit zu verschaffen.

Während Golfkriegsveteran Bennett Marco sehr unter seinem Kriegstrauma leidet, hat es Ex-Kollege Raymond Shaw nicht zuletzt dank des Eifers seiner Mutter, Senatorin Prentiss Shaw, zum Vizepräsidentschaftskandidaten gebracht. Als Marco ein Implantat in seiner Schulter entdeckt, führt ihn eine heiße Spur direkt zu der Senatorin. Und mit einem Mal wird ihm bewusst, dass er und seine Kameraden Opfer eines gigantischen Experiments gewesen sein mussten, in das höchste Kreise eingeweiht waren und das bis zum heutigen Tage andauert.

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • „Botschafter der Angst“ von 1962 ist ein von John Frankenheimer inszenierter Thriller über die diffusen Ängste der westlichen Welt in der Zeit des Kalten Krieges, Angst einerseits vor kommunistischer Unterwanderung, Angst andererseits von faschistischen Tendenzen im Kampf gegen den sowjetischen Feind, wie sie in den 1940er und 1950er Jahren in dem Kommunistenjäger Joseph McCarthy verkörpert wurden.

    Jonathan Demmes Remake des Klassikers kommt zur rechten Zeit: Es herrscht in der Gegenwart eine große Verunsicherung im Denken und Fühlen der Menschen, Ängste vor Terrorismus, vor Militarisierung, vor Globalisierung beherrschen den Zeitgeist. Ähnlich, wie es Frankenheimer mit dem Original-„Manchurian Candidate“ geschafft hat, könnte auch heute ein Film die Ängste der Menschen packen, um daraus ein berauschendes Destillat der Paranoia zu brauen, das den Kinozuschauer suggestiv fesselt.

    Doch Jonathan Demme hat seine Chance vergeben. Vor über 10 Jahren hat er es geschafft, mit seinem „Schweigen der Lämmer“ die frei schweifenden Ängste der Menschen auf die Leinwand zu bannen; mit „Der Manchurian Kandidat“ ist ihm zwar ein zuweilen spannend erzählter Thriller gelungen, der freilich das Publikum recht kalt lässt. Die Zutaten sind vorhanden: Ein profitgieriger internationaler Konzern, Gedankenmanipulationen, ein schmutziger Wahlkampf um das Präsidentenamt, das ödipale Verhältnis eines schwachen Sohnes zur dominierenden Mutter, die das Kernstück der amerikanischen Familie, des amerikanischen Mythos von der Unverletzlichkeit des Heimes bildet. Doch der Film ist nicht richtig zubereitet, er schafft es nicht, die Ängste, die er anspricht, im Zuschauer spürbar zu machen, die Saiten, die er anspielt, klingen nicht nach. Denn der Film ist zu glatt inszeniert, zu eingängig in der Erzählweise und in der Figurenzeichnung, als dass er wirklich den Anschein erwecken könnte, etwas mit dem Leben des Zuschauers zu tun zu haben.

    Damit verwirkt er die Möglichkeit, etwas auszusagen über die heutige Zeit, über das Denken und Fühlen der Menschen in der westlichen Welt. Es ist eben so, dass der ursprüngliche Film, Frankenheimers „Botschafter der Angst“, im Grunde kein Update benötigt, denn in ihm sind die damaligen wie die aktuellen Ängste auf eine Weise angeschnitten, dass sie im Zuschauer eine wunderbare, unheimliche Unbehaglichkeit erzeugen.

    Fazit: Jonathan Demmes Thriller spricht viele Ängste an, die den Zeitgeist bestimmen, aber es gelingt ihm nicht, im Zuschauer die nervöse Unbehaglichkeit zu erzeugen, die er benötigen würde.
  • Nach „The Truth About Charlie“ wartet Regisseur Jonathan Demme nun erneut mit dem Remake eines Klassikers der 60er Jahre auf. Während seine Neuversion von „Charade“ gemeinhin als Fehlzünder angesehen wurde, läuft der Regisseur mit dem präzise inszenierten Politthriller um perfide Gedankenkontrolle und weitreichende Verschwörungen zu alter „Das Schweigen der Lämmer“-Form auf. Dabei arbeitet er mit einer exzellenten Schauspielerriege, die mit Denzel Washington und Meryl Streep in den ursprünglich von Frank Sinatra und Angela Lansbury übernommenen Rollen zwei Oscar-Preisträger aufweist.

    Die Latte lag hoch, da das Original von 1962, unter der Regie von John Frankenheimer als einer der wegweisenden Klassiker des Genres gilt, als Blaupause, an der sich die folgenden Paranoia-Thriller messen lassen mussten (woran nicht wenige scheiterten). Der Kalte-Kriegs-Aufhänger des Vorlageromans von Robert Condon ist heute kalter Kaffee. So galt es für die Drehbuchautoren Daniel Pyne („Der Anschlag“) und Dean Georgaris („Paycheck“), eine ebenso aktuelle wie plausible Prämisse zu finden. Sie nehmen diese Hürde elegant, indem der Ausgangspunkt der Story vom Koreakrieg in den ersten Golfkrieg verpflanzt wird. In Kuwait geraten Army Captain Ben Marco (Washington) und seine Männer in einen feindlichen Hinterhalt. In dieser Situation profiliert sich Sergeant Raymond Shaw (Liev Schreiber) als lebensrettender Held, der dafür mit der höchsten Ehrenmedaille ausgezeichnet wird. Im Amerika der Gegenwart hält Major Marco sein Golfkriegssyndrom mit Medikamenten im Zaum, während Shaw mittlerweile als Kongressabgeordneter tätig ist. Er steht unter der Fuchtel seiner Mutter, der einflussreichen Senatorin Eleanor Shaw (eine glänzende Streep, die souverän auf Hillary hoch zehn macht), die dem Sohnemann skrupellos die Vizepräsidentschaftskandidatur zuschanzt. Als Marco die gleichen Albträume wie ein weiterer alter Kamerad hat, sucht er Shaw auf, um sich Klarheit zu verschaffen. Marco beginnt an Shaws vermeintlichen Heldenmut zu zweifeln und seine zerrüttete Psyche deutet ihm Kidnapping und Gedankenkontrolle mittels Gehirnimplantat an, die selbst den „Marathon Man“ zum Zähne zusammenbeißen bringen würde. Wie im Original entfaltet sich das spannungsreiche Finale bei der Präsidentschaftsnominierung.

    Die im Hintergrund die Fäden ziehenden Antagonisten gehören in diesem Fall nicht einem kommunistischem Regime, sondern der multinationalen Firma Manchurian Global an. Sie wollen ihren Einfluss ins Weiße Haus ausweiten. Offenkundig nach Vorbild der Firma Halliburton profitieren sie von ihren Verbindungen zur Regierung. Überhaupt gelingt den Filmemachern eine geradezu gespenstisch anmutende Authentizität bei der Skizze des gegenwärtigen Zeitklimas. Dies umfasst Nachrichteneinblendungen über den Antiterrorkrieg und Nationale Sicherheit, die Diskussion über Diffamierung von Vertretern liberaler Ansichten sowie glatte Politslogans der Kandidaten, die der aktuellen US-Kampagne entnommen sein könnten. Entrüstung, wie sie Michael Moores Enthüllungsdoku „Fahrenheit 9/11“ entgegenschlug, braucht man nicht zu erwarten. Die Partei bleibt im Film clever ungenannt, ist aber als die Demokraten zu erkennen. Neben erzählerischer und technischer Finesse glänzen die schauspielerischen Leistungen von insbesondere Washington und Schreiber. Bei seinem Gang nach Washington deckt Mr. Washington mühelos das emotionale Spektrum von selbstsicherer Autorität hin zu paranoider Verwirrung ab. Schreiber ist ebenfalls hervorragend, wenn er die gegensätzlichen Gefühlsregungen des unterdrückt-verletzlichen Muttersöhnchens, der roboterhaften Mordmaschine und des überheblichen Arroganzlings subtil-effektiv darstellt. Das meisterhafte Original von John Frankenheimer kann Demme zwar nicht übertrumpfen, doch spielt Demme seine Suspense-Karten richtig aus, womit er für volle Häuser sorgen sollte. ara.

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