Der Himmel hat vier Ecken

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   2010
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Filmhandlung und Hintergrund

Der Himmel hat vier Ecken: Dreiecksgeschichte, Boxerkrimi, Milieustudie, Coming-of- Age-Story und Scheidungsdrama mixt Klaus Wirbitzky in seinem Regiedebüt.

In einer schäbigen Hamburger Hinterhofwohnung soll der 13-jährige Joschi nach der Trennung seiner Eltern ein neues Zuhause finden. Leichter gesagt als getan. Denn zum einen ist Joschi nicht gerade mit viel Selbstbewusstsein gesegnet, zum anderen machen die meisten Mieter alles andere als einen vertrauenswürdigen Eindruck. Erst als Joschi mit dem gleichaltrigen, aus Kasachstan stammenden Niko Freundschaft schließt, scheint sich der Junge zu akklimatisieren. Doch schon bald treibt die schöne Jessica einen Keil zwischen die Kumpels.

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Kritikerrezensionen

  • Ausnahmsweise bei einen deutschen Jugendfilm ist mit besagtem viereckigen Himmel kein Fußballtor gemeint. Eher verweist der Titel auf die Leinwand eines Hinterhofkinos, in dem ohne Unterlass die Untaten eines Blutsaugers namens Graf Kapartovicz flimmern, oder eine Kampfarena, wo die angehende Boxerin „Kobra“ ihre erfolgsversprechenden Trainingsfights absolviert. Noch häufiger nimmt die Kamera den Blickwinkel des Jungen Joschi aus dem Hinterhof eines Hamburger Mietshauses ein, weshalb seine Sicht gen Himmel auf ein eingeengtes Quadrat reduziert wird. Eingeengt scheint auch der Blickwinkel vieler Hausbewohner im Umgang mit Neuankömmlingen, denen zunächst reichlich Ablehnung entgegen schlägt. Als Joschi mit seinem Job suchenden Vater einzieht, stoßen beide zunächst auf wenig Hilfsbereitschaft und Nachbarschaftshilfe.

    Während Vater Jens zunächst vorgibt, eine neue Anstellung bei einer Zeitung gefunden zu haben, beschränkt sich seine mager bezahlte Tätigkeit auf das Austragen kostenloser Werbepublikationen. Derweil trifft Joschi auf den großspurigen Niko, der nur Spott für ihn übrig hat, und dessen Angebetete Jessica, die sich allmählich für den schüchternen rothaarigen Jungen zu interessieren beginnt. Beide eint ihr Interesse für die schönen Künste: Niko singt im Kirchenchor und vermisst sein geliebtes Klavier, während Jessica derweil auf dem Dachboden Ballettpirouetten übt. Daher scheint ihre Seelenverwandtschaft naheliegender als die Freundschaft zwischen Joschi und Niko. In einer wenig glaubwürdigen Szene verdrischt der aufbrausende Einwanderersohn den neuen Mitschüler auf dem Schulhof, nur um ihm danach die Kameradschaft aufgrund von dessen Standvermögen anzubieten. In der Rivalität um Jessica entstehen später neue Kontroversen.

    Zwar kann der durch Serien wie „Vier gegen Z“ oder „Die Pfefferkörner“ bekannte TV-Regisseur Klaus Wirbitzky mit atmosphärischen Hamburg-Aufnahmen, einigen humorvollen Einlagen und einer glücklich gewählten Besetzung überzeugen. Doch in vielen Situationen greift sein Skript stark auf klischeehafte Einlagen und stereotype Charaktere zurück. Das betrifft besonders den Haupt-Antagonisten, einem pöbelnden, militant angehauchten Hausmeister, der ständig der allein wohnenden Katharina (Lisa Maria Potthoff) an die Wäsche will und sein Geld auf Nikos boxende Schwester Tatjana verwettet. Dass sich zwischen Joschis Vater und der Klassik begeisterten Katharina am Ende eine Liebesbeziehung anbahnt, erscheint reichlich konstruiert, da dieser Handlungsstrang zuvor kaum entwickelt wurde – wie überhaupt das ganze Finale mit dem getürkten Boxkampf eher überhastet erzählt wird.

    Leider beschränken sich Udo Kiers Gastauftritte als Graf Kapartovicz auf wenige Sequenzen. Zuvor drehte Wirkbitzky mit ihm den absurden Kurzfilm „Graf Kapartovicz und das Blonde Gift“, aus dem es kurze Momente in den Jugendfilm geschafft haben. Im Stil von „Mach’s noch einmal, Sam“ steigt der Horrorstar sogar von den Leinwand und gibt Joschi eher unsinnige Lebenstipps, was aber für die Geschichte keinerlei Relevanz hat. Somit bietet Wirbitzky in seinem Spielfilmdebüt zwar viel versprechende Ansätze, doch letztlich krankt das Ergebnis an einer unausgereiften Story und einer zu sprunghaften Dramaturgie.

    Fazit: Streckenweise atmosphärischer Jugendfilm um Freundschaft, erste Liebe und Bewährungsproben, der in vielen Klischees strecken bleibt.
  • Ein trister Hamburger Hinterhof ist für Kinodebütant Klaus Wirbitzky Ausgangspunkt für ein skurriles Konglomerat aus Boxerkrimi, Coming-of-Age-Story und Scheidungsdrama.

    „Wo geht’s lang? – ich weiß es nicht“ – diese Textzeile eines Songs aus „Der Himmel hat vier Ecken“ ist bezeichnend für einen Film, der sich im Kern mit der Ziel- und Orientierungslosigkeit von pubertierenden Jugendlichen auseinandersetzt. Weil aber (zu) viele Nebenschauplätze eröffnet und Nebenfiguren eingeführt werden, wird die eigentliche Aussage des ambitionierten Dramas mit fortschreitender Handlung mehr und mehr verwässert. In seinem Kinodebüt entführt Klaus Wirbitzky, versierter Regisseur von Kinder- und Jugend-TV-Formaten wie die Krimiserie „Die Pfefferkörner“ oder dem Klassiker „Sesamstraße“, in einen schäbigen Hinterhof, der, wenn man nach oben blickt, lediglich ein kleines Quadrat des Hamburger Himmels freigibt. In diesem tristen Ambiente soll der 13-jährige Joschi (Moritz Jahn) nach der Trennung seiner Eltern ein neues Zuhause finden. Leichter gesagt als getan. Denn zum einen ist Joschi nicht gerade mit viel Selbstbewusstsein gesegnet, zum anderen machen die meisten Mieter alles andere als einen vertrauenswürdigen Eindruck – allen voran ein hinkender Hausmeister, der alles verbietet. Erst als Joschi mit dem etwa gleichaltrigen, aus Kasachstan stammenden Niko Freundschaft schließt, scheint sich der Junge zu akklimatisieren. Doch schon bald treibt die schöne Jessica (Sophie Schirmer) einen Keil zwischen die Kumpels.

    Diese Dreiecksgeschichte verlässt Wirbitzky im Laufe des Films, um sich auf Nikos Schwester Tatjana, gespielt von Susianna Kentikian, Weltmeisterin im Fliegengewicht, zu konzentrieren. Tatjana ist eine talentierte Boxerin, die in ihrem Sport unbedingt Karriere machen will, um sich und ihrer Familie ein besseres Leben zu ermöglichen. Doch ausgerechnet ihren ersten wichtigen Kampf soll sie absichtlich verlieren, weil es ihr korrupter Manager so will. Niko hat zufällig mitbekommen, dass der Sieg seiner Schwester verkauft wurde und setzt nun alles daran, die „Ehre“ seiner Familie zu retten.

    Boxerkrimi und Milieustudie, Coming-of-Age-Story und Scheidungsdrama – Wirbitzky packt unglaublich viel in einen einzigen Film und räsoniert darüber hinaus auch über Alkoholsucht, Ausländerfeindlichkeit und mannigfaltige Probleme der Psyche. Dabei kann er zwar auf eine ganze Reihe gestandener Schauspieler wie Charly Hübner als überforderter allein erziehender Vater, Doris Kunstmann als verständnisvolle Kleinkinobesitzerin oder Lisa Maria Potthoff als seelisch angeschlagener Schöngeist zurückgreifen, die einzelnen Protagonisten finden jedoch nur selten Bindung zueinander und ihre Dialoge (insbesondere der Jugendlichen) wirken hölzern. Die Traumsequenzen von Joschi sind zuweilen ganz witzig und originell – etwa wenn der von Udo Kier gespielte Vampir Graf Karpatowicz von der Leinwand in den Kinosaal herabsteigt, leiden aber an der budgetbedingt nicht ganz gelungenen technischen Umsetzung. „Im Film ist alles möglich“, heißt es einmal ganz richtig. Doch nicht alles funktioniert in einem Film, der laut Pressetext „für Mädchen, Jungs und die ganze Familie“ gedacht ist. lasso.

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