Der gute Bulle

  1. Ø 4.5
   2017
Der gute Bulle Poster

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Mit seinen Komödien hat Lars Becker nicht immer Glück, aber unter den deutschen Krimiregisseuren gibt es in seiner Liga nur ganze wenige. „Der gute Bulle“ ist zudem ein gutes Beispiel dafür, warum Schauspieler bereit sind, alles für ihn stehen und liegen zu lassen.

    Der Film lebt vor allem vom Kräftemessen zwischen Armin Rohde und Axel Prahl. Gerade Prahl darf im Vergleich zu seiner Rolle als „Tatort“-Kommissar aus Münster ganz andere Seiten zeigen. Trotzdem hat Rohde den reizvolleren Part: Der Berliner Kriminalrat Fredo Schulz weiß genau, dass Roland Bischoff (Prahl) zwei kleine Mädchen auf dem Gewissen hat, aber er kann dem Mann nichts nachweisen. Weil er das Geständnis aus ihm rausprügeln wollte, ist er suspendiert worden. Als ein weiteres Kind verschwindet, wird Schulz reaktiviert. Aber diesmal gibt es eine Lösegeldforderung: Ein Geschäftsmann (Thomas Heinze) soll drei Millionen Euro zahlen, obwohl seine Tochter zuhause ist; und nun nimmt der Fall eine völlig unerwartete Wendung.

    Der Reiz des Films liegt nicht zuletzt in Beckers Mut, gegen Konventionen und Erwartungen zu verstoßen. Der Titelheld ist eine gebrochene Figur und Alkoholiker, seit einst Frau und Kind bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen sind. Während Rohde seinem Affen sonst gern mal Zucker gibt, spielt er diese Rolle fast stoisch, entwickelt dabei aber eine beinahe Ehrfurcht gebietende Präsenz. Das gilt gerade für die gemeinsamen Auftritte mit Prahl, der den Kindermörder konsequent und ohne Grautöne als Schurken verkörpert. Bischoff ist ein Widerling, dem sämtliche Schandtaten zuzutrauen sind; aber mit der Entführung des dritten Mädchens scheint er nichts zu tun zu haben.

    Eigentlich schade, dass Becker die Katze etwa zur Hälfte aus dem Sack lässt. Bis dahin erzählt er die Geschichte aus der Sicht von Schulz, nun kommen auch andere Perspektiven ins Spiel; die vorzeitige Auflösung des Rätsels raubt dem Film etwas von seiner Spannung. Prahl rückt nun in den Hintergrund, bleibt aber präsent, zumal Bischoff maßgeblichen Anteil daran hat, dass es beim Finale ordentlich zur Sache geht. Bis dahin dürfen erst mal andere mitmischen; wie alle Filme Beckers ist auch „Der gute Bulle“ verschwenderisch gut besetzt. Melika Foroutan spielt die verzweifelte Mutter des Kindes, die auf eigene Faust nach ihrer Tochter sucht, Max Simonischek ihren etwas windigen Ex-Freund. Edin Hasanovic und Nele Kiper sorgen dafür, dass die Truppe des Kriminalrats nicht bloß aus Stichwortgebern besteht, aber viel zu tun haben sie nicht; das gilt auch für Johann von Bülow als Vorgesetzter. Letztlich aber ist es ohnehin das Duell zwischen Rohde und Prahl, das nicht nur die herausragende Qualität des Films ausmacht, sondern dem Drehbuch auch über die einzige Schwachstelle hinweghilft: Dass sich der clevere Bischoff durch einen schlichten Bluff übertölpeln lässt und das Versteck der toten Mädchen verrät, ist doch recht unglaubwürdig. tpg.

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