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Fakten und Hintergründe zum Film "Der gro?e Crash - Margin Call"

Kino.de Redaktion |

Der große Crash - Margin Call Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

In den oberen Stockwerken eines Wolkenkratzers an der Wall Street blickt eine Handvoll Banker, Trader und Analysten über das nächtliche Manhattan. Sie erleben gerade – und nur sie wissen, dass es so ist – die letzten Stunden einer Ära. Denn wenn die Sonne wieder aufgeht und das Tagesgeschäft beginnt, wird die Welt Zeuge einer epochalen finanziellen Kernschmelze werden – einer Schmelze, die nur sie haben kommen sehen und die sie mit zu verantworten haben. Wie lässt es sich unter diesen Umständen mit sich selbst leben? Im Gefolge jener Krise, die 2008 die weltweiten Finanzmärkte erschütterte, stellte sich im Hinblick auf die Verantwortlichen der Katastrophe für viele Menschen diese Frage. Wie geht jemand mit der Tatsache um, dass er gescheitert ist – ein Scheitern, das ihn nicht nur den eigenen Job kosten kann, sondern Millionen Menschen ihre Lebensgrundlage?

J.C. Chandors fesselnder und bewegender Thriller führt uns dorthin, wo sich noch kein anderer Film hingewagt hat: mitten ins kalte Herz einer jener gigantischen Wall-Street-Firmen, die allgemein als zu groß galten, um scheitern zu können. Und dabei entwirft er das gestochen scharfe Bild einer Welt und ihrer Entscheider am Rande des Untergangs.

Die Handlung spielt sich in einem Zeitraum von etwa 24 Stunden ab. Es beginnt mit dem Verdacht, dass irgendetwas ganz fürchterlich schiefläuft, und führt über die Erkenntnis, wie groß das Ausmaß der Katastrophe tatsächlich ist, bis hin zum Sichten der Trümmerlandschaft, nachdem die letzte Glocke geläutet hat und das Blutbad, das man Trading nennt, zum Erliegen kommt. Ob Junior-Analyst oder Konzernchef: Sämtliche Beteiligten an der Führungsspitze müssen mit der Tatsache fertig werden, dass ihr schlimmster Albtraum Realität geworden ist – und dass sie dabei eine entscheidende Rolle gespielt haben. Um diese Geschichte mit Leben zu füllen, tritt ein unvergleichliches Star-Ensemble an: Kevin Spacey, Paul Bettany, Jeremy Irons, Zachary Quinto, Penn Badgley, Simon Baker, Demi Moore und Stanley Tucci.

In letzter Konsequenz verdichtet sich die Ereignisse auf eine Wahrheit, die ebenso bewegend wie verstörend ist – dass die Männer und Frauen, die die weiter schwelende Finanzkrise zu verantworten haben, auch nur ganz normale Menschen sind; dass sie ungeachtet ihres Könnens, ihrer Intelligenz und ihrer zumeist schwindelerregenden Gehälter letzten Endes zum Opfer ihrer eigenen Fahrlässigkeit, Kurzsichtigkeit und verschobenen Prioritäten wurden. Die Wall Street als solche mag seelenlos sein, wer dort in den Korridoren der Macht arbeitet, ist es nicht.

Der Film erzählt die Geschichte jener Menschen und der längsten, dunkelsten Nacht ihres Lebens, in der sie in einen Abgrund starrten, den sie selbst erschaffen hatten. Obwohl sich ohne Übertreibung sagen lässt, dass die Finanzkrise nahezu jeden Bewohner dieses Planeten getroffen hat, entstand DER GROSS E CRAS H – MARGIN CALL, der Debütfilm von Regisseur und Autor J.C. Chandor, aus sehr persönlichen Gründen. „Ich bin überzeugt, dass sich viele Leute gefragt haben, wieso ich mich in der Finanzbranche so gut auskenne, obwohl ich nie dort gearbeitet habe“, sagt er. „Nun, mein Vaterhat in der Branche gearbeitet, er war fast vierzig Jahre bei Merrill Lynch. Von daher weiß ich, wie die Menschen in diesem Geschäft ticken, vor allem aber weiß ich, was und wer ihnen am meisten am Herzen lag.“

Chandor ließ sich von seinem Vater und einer Reihe von Industrieveteranen beraten, um in DER GROSS E CRAS H – MARGIN CALL die Finanzindustrie, ihre wichtigsten Player und Tendenzen möglichst authentisch wiederzugeben. „Ich glaube“, sagt Chandors Vater Jeffrey, „dass sich J.C. vor allem von jenen Phasen in meinem Leben inspirieren ließ, als ich während Boomperioden hektisch Leute anheuerte – Leute, die ich später wieder feuern musste, wenn es schlecht lief, Leute, die er teilweise kannte. Die Wall Street ist kein Geschäftszweig, der gut gemanagt wird. Es gibt gute Trader, es gibt sehr gute Investmentbanker, und es gibt sehr gute Verkaufsleute – aber das Ganze als Geschäft zu managen, das jahrein, jahraus halbwegs profitabel ist, ist schwer. Und es gibt nur wenige Firmen in diesem Geschäft, die sich darauf verstehen. All diese Details so in eine Geschichte einzubauen, dass Normalsterbliche sie verstehen und möglicherweise sogar etwas über das Geschäft lernen, ist J.C.‘s Talent. Darauf versteht er sich ausgesprochen gut.“

Schauspieler und Produzent Zachary Quinto empfindet die persönliche Perspektive als ausschlaggebend für die Wirksamkeit und den Appeal des Drehbuchs. „Noch bevor ich J.C. richtig kennenlernte, war mir klar, dass diese Geschichte sehr viel mit ihm selbst zu tun hatte“, sagt er. „Ist es nicht wunderbar, wenn sich eigene Erfahrungen so nahtlos und unverfälscht auf Papier niederschlagen und aus Schauspielersicht so mühelos darzustellen sind? Das ist wirklich einmalig! Die Figuren im Drehbuch sind für J.C. echte Menschen. Viele von uns hat das angezogen. Es hat eine Menge Zeit und Energie gespart, dass J.C. auch unser Regisseur war“, sagt er. „Denn er ist in dieser Welt zu Hause. Er wusste ganz genau, wie er uns erklären musste, wo sich unsere Figuren psychologisch gerade befanden, und wie ihre Beziehung zu diesem Material, diesen Zahlen, diesem Geld aussah. Das war unglaublich wertvoll und wirklich inspirierend!“

Die persönliche Beziehung zu seinem Material war es, die Chandor einen unvergleichlichen Einblick in das Innenleben seiner Figuren ermöglichte. Was in anderen Händen vielleicht zu einer Anklage gegen die Finanzwirtschaft geraten wäre, entwickelte sich statt dessen zu einem nuancierten, empathischen Gruppenporträt. „Im Kern erzähle ich eine sehr menschliche Geschichte“, sagt Chandor. „Ich habe sie von beiden Seiten betrachtet, mit verständnisvollem Blick. Ich bin zwar kein Banker, der andere Banker verteidigt. Andererseits kenne ich viele dieser Leute, und deshalb weiß ich, dass sie nicht das personifizierte Böse sind.“ Quinto ergänzt: „Was mir an diesem Drehbuch gefällt, ist, dass es kein Urteil fällt. Es wurde nicht geschrieben, um diese Leute durch den Dreck zu ziehen oder sie an den Pranger zu stellen. Vielmehr handelt es davon, welche Entscheidungen Menschen in ihrem Leben fällen müssen, und wie sehr sich die ganze Sache am Ende ihrer Kontrolle entzog. J.C. versteht das alles durch und durch, auch auf persönlicher Ebene, und darin zeigt sich seine Integrität.“ Eine Einschätzung, die Produzent Rob Barnum teilt: „Diese Geschichte wird noch x-Mal erzählt werden und jedesmal dieselbe Botschaft haben. Es wird Versionen geben, die die Wall Street aufs Korn nehmen und den Zuschauern die bösen Seiten des Kapitalismus erklären wollen. Aber das ist nicht die Absicht unseres Films. Er erzählt eine sehr menschliche Geschichte.“

Dass sich das Drehbuch auf die menschlichen Aspekte der Finanzkrise konzentriert, erwies sich als entscheidend. Obwohl die Figuren häufig authentische Fachtermini benutzen, ist DER GROSS E CRAS H – MARGIN CALL keine Geschichte über rätselhafte Finanzmanipulationen. „Die Geschichte des Films ist weit mehr als die Summe der Details dieses komplizierten Jargons“, sagt Quinto. „Vielleicht überraschte mich das am meisten, als ich das Drehbuch las – dass die Geschichte so erzählt wird, dass auch ein großes Publikum sie nachvollziehen und begreifen kann. Ich glaube, letztlich war es das, was uns alle begeisterte, als wir das Drehbuch zum ersten Mal lasen. Und es war mitentscheidend dafür, dass Margin Call schließlich unsere erste Produktion wurde, der erste Film, bei dem wir alles gaben, damit er gedreht wird.“

Der Film ist nicht nur das Werk eines Regiedebütanten, sondern auch das Debüt eines jungen Produzenten-Trios: Quinto, Neal Dodson und Corey Moosa, die gemeinsam die Firma „Before the Door Pictures“ leiten. „Etwa anderthalb Jahre, bevor STAR TREK (dto., J.J. Abrams, 2009) in die Kinos kam“, erinnert sich Quinto, „sprachen Neal und ich erstmals darüber, dass ich gern mehr Kontrolle über die Filme und Geschichten haben würde, bei denen ich als Schauspieler mitwirke. Was damals seinen Anfang nahm, hat sich bis heute als eine der lohnendsten Erfahrungen meines Lebens erwiesen.“ Lohnend mit Sicherheit, aber auch ausgesprochen anstrengend.

„J.C. hat das Projekt zwar in die Gänge gebracht“, sagt Penn Badgley, der den jungen Finanzanalysten Seth Bregman spielt, „aber dann braucht es Produzenten, die sich um den ganzen Rest kümmern – die Crew, das Make-up, die Haare, die Kostüme, die Handwerker, die Elektriker … Alles muss organisiert werden, und dabei muss man ständig die Finanzgeber beruhigen, dass alles bestens läuft. Unsere dreiJungs haben in dieser Zeit garantiert kaum geschlafen, aber dafür haben sie bewiesen, was sie drauf haben. Es handelte sich zwar um ihr erstes richtiges Projekt als Produzenten, aber mittlerweise sagen alle: ‚Ja, die können‘s, die sind echt gut!‘“ Ihr unermüdlicher Einsatz beeindruckte auch die erfahrenen Schauspieler im Ensemble, allen voran Paul Bettany, der denTrader Will Emerson spielt. „Zach engagierte sich mit so viel Feuereifer – kein Wunder, dass er mit seinen 13 Jahren oder so schon Produzent ist“, witzelt Bettany. „Im Ernst, er ist ein bemerkenswerter Zeitgenosse. Vielleicht liegt es ja daran, dass ich Kinder habe, aber es machte mich sprachlos zu sehen, wie Zach ständig am Telefon hing und irgendwelche Dinge klärte. Ich weiß noch, als wir zum ersten Mal gemeinsam mit dem Auto irgendwohin fuhren, wurde Demi Moore erwartet, also kümmerte er sich telefonisch um ihr Zimmer. Gleichzeitig bereitete er sich auf seine Rolle vor, und nach unserem Film stand ein Theaterstück auf seinem Terminkalender – ein großes Stück, eine wichtige Rolle –, erwar ständig am Arbeiten, ununterbrochen! Vielleicht bin ich ja nur faul“, lacht Bettany. „Aber seine gebündelte Energie wirkte auf mich absolut überwältigend.“

Quinto versäumt nicht zu betonen, dass seine Partner den gleichen Anteil an den Produktionsaufgaben schulterten. „Corey und Neal“, sagt er lächelnd, „sind die einzigen Menschen auf diesem Planeten, denen ich all das zu- und anvertrauen würde. Ihre Intelligenz, ihr Stehvermögen, ihr Verständnis und ihr Mitgefühl erstaunen mich immer wieder. Wir bilden ein großartiges Energiedreieck, und weil es wirklich ausbalanciert ist, ist es einfach perfekt. Jeder von uns bringt etwas anderes in die Gleichung ein – sonst gäbe es sie erst gar nicht. Wir machen ständig Witze darüber, dass Neil das Hirn ist, Corey das Herzund ich das Gesicht, aber da ist schon was dran.“ Spätestens in dem Moment, als Chandors Drehbuch den Weg zu ihnen fand, waren etwaige Differenzen innerhalb dieses Dreierbunds Schnee von gestern. „Wir haben noch nie so schnell ein Drehbuch gelesen“, erinnert sich Corey Moosa, „und wir befanden uns bei der Lektüre alle auf der gleichen Seite. Eigentlich haben wir ganz unterschiedliche Geschmäcker. Aber bei diesem Buch gingen wir absolut konform, und das wussten wir schon nach weniger als 24 Stunden.“ Diese Einmütigkeit wurde während der Entwicklungsphase dennoch auf eine harte Probe gestellt. „Mehrfach bot sich die Chance, den Film für mehr Geld zu drehen, als wir letztlich zur Verfügung hatten“, erklärt Neil Dodson. „Aber dafür hätten wir bereit sein müssen, eine Autoverfolgungsjagd oder eine Schießerei einzubauen oder zu zeigen, wie jemand am Ende in Handschellen abgeführt wird. Für eine neue Produktionsfirma ist das natürlich sehr verlockend. Wir haben ernsthaft überlegt, ob wir bei unserem ersten Film den Weg des geringsten Widerstands gehen sollen und Filme, ‚an denen uns wirklich etwas liegt‘, erst danach produzieren. Aber zuletzt entschieden wir uns dafür, keine Kompromisse einzugehen – immerhin war dies unser erster gemeinsamer Film!“

Die Produktionsnovizen von „Before the Door“ erhielten zum Glück tatkräftige Unterstützung und mussten ihren ersten Film nicht ganz allein stemmen. Michael Benaroya und Rob Barnum von „Benaroya Pictures“ sind zwar ebenfalls junge Produzenten, konnten aber mit der Produktion von Filmen bereits Erfahrungen sammeln und waren in der Lage, die Details der Finanzierung zu regeln.

„Wir fanden, dass man die Rollen auf ganz unterschiedliche Art besetzen konnte“, sagt Rob Barnum. „Der Film enthält so viele starke Szenen, die man, davon waren wir überzeugt, mit den unterschiedlichsten Budgets angemessen hätte umsetzen können. Letztlich entschieden wir uns für ein relatives großes Budget, aber man hätte den Film auch – je nachdem, welche Schauspieler wir engagiert hätten – mit weniger Geld drehen können.“ Das Team wurde durch Produzent Joe Jenckes vervollständigt, einen langjährigen Freund von J.C. Chandor, der das Material zu „Before the Door“ brachte und jeden Tag vor Ort war. Die Veteranen Cassian Elwes und Laura Rister fungierten als unersetzliche Ausführende Produzenten, ebenso wie Joshua Blum, dessen „Washington Square Films“ von der Vorbereitungszeit bis zur Postproduktion des Films als NewYorker Basis diente.

Die Schauspieler, die das Trio schließlich engagierte, sind der Stoff, aus dem Filmemacher-Träume sind. Auch wenn das Produzententeam nicht aus erfahrenen Hollywoodveteranen besteht, gelang es ihm doch, diesen Eindruck zu erwecken. Simon Baker, der den hochrangigen Manager Jared Cohen spielt, bestätigt das: „Wie es ist, einen unabhängigen Film zu drehen? Ich persönlich mag das schnelle Tempo und dieses Gefühl, dass das Ganze irgendwie improvisiert ist. Aber unsereJungs sind ziemlich gut organisiert und arbeiten sehr effizient.

Und die Besetzung, die sie zusammenbekommen haben, ist wirklich … Ich meine, selbst mit einem gigantischen Budget würden viele das nicht schaffen. Die meisten Regiedebütanten würden sich glücklich schätzen, wenn sie einen oder zwei namhafte Schauspieler engagieren können.“ Chandor und seine Produzenten hingegen konnten aus dem Vollen schöpfen und gewannen nicht nur zwei Oscar-Preisträger für ihren Film, sondern weitere namhafte Darsteller, die bereits für Oscars nominiert wurden und regelmäßig auf Emmy-, Golden Globeund BAFTA -Preisträgerlisten auftauchen. „Keiner von uns hätte sich jemals träumen lassen, dass wir so ein hochkarätiges Ensemble zusammenbekommen“, sagt Quinto. „Nicht einmal in unseren kühnsten Träumen! Für mich war es der absolute Wahnsinn, mit Kollegen spielen zu dürfen, die ich seit Jahren aus der Ferne beobachtet habe. Es war wirklich überwältigend! Und so großartig, dass ich nicht mehr weiß, wie uns das überhaupt gelungen ist.“

Entscheidend war natürlich in erster Linie das straffe, intelligente, temporeiche Drehbuch von J.C. Chandor. „Es kommt selten vor, dass man so ein gutes Drehbuch zulesen bekommt“, sagt Stanley Tucci, der den entlassenen Risikoanalysten Eric Dale spielt. „Es ist klug geschrieben und absolut glaubwürdig – jedenfalls nach allem, was ich von Freunden weiß, die in dieser Branche arbeiten. Die Dialoge klingenrealistisch, ohne bemüht naturalistisch zu wirken; sie besitzen einen wunderbaren Rhythymus und sind auf subtile Weise dramatisch. Nichts an dem Buch ist plump oder schwerfällig, es hat genau die Klasse, die unabhängige Produktionen ja angeblich immer besitzen.“

Tuccis Lob wird von Paul Bettany beinahe wortwörtlich wiederholt: „Das Drehbuch las sich wie ein Theaterstück von David Mamet, und zwar im positiven Sinne“, sagt Bettany, der lachend betont: „Natürlich war ich begeistert! Denn schlechte Mamet-Kopien gibt es mehr als genug. Klar, dasDrehbuch ist sehr wortlastig, dabei aber schnell und aufregend, und ich wusste bei der Lektüre sofort, dass sich mir als Schauspieler großartige Möglichkeiten bieten würden.“ Bettany ist nicht der einzige, der diese Qualität des Drehbuchs hervorhebt, das verblüffende, sehr intime Porträts seiner Figuren zeichnet und diese normalerweise unglaublich mächtigen Männer und Frauen in den Augenblicken ihrer größten Verwundbarkeit zeigt. „Von jeder Figur“, so Zachary Quinto, „bekommen wir auch die Schattenseiten zu sehen, die im Berufsalltag normalerweise nie zum Vorschein kommen. Dass wir diese Menschen aufs Intimste kennenlernen, finde ich als Schauspieler natürlich besonders toll. Ich bin überzeugt, dass es das war, was unser phänomenales Ensemble für das Drehbuch begeistert hat. Es sind diese intimen Momente, für die wir Schauspieler leben.“

Und natürlich die Chance, mit Kevin Spacey zu arbeiten, der als Sam Rogers, den zutiefst erschütterten und ratlosen Firmendirektor, das Zentrum des Films beherrscht. Fast alle Darsteller betonen, dass es die Chance war, mit dem zweifachen Oscar- Preisträger zu arbeiten, die ihre Zusage entscheidend beeinflusste. Spacey engagierte sich schon früh und ist somit für den Film mindestens genauso wichtig wie die Männer hinter der Kamera. „Ich kann nicht genug betonen, wie ausschlaggebend es für mich war zu wissen, dass Kevin Spacey und Stanley Tucci mitspielen würden“, sagt Paul Bettany. „Ich wollte schon immer mit den beiden arbeiten.“ Ein Kompliment, das Tucci gern zurückgibt, der Bettany als „einen meiner Lieblingsschauspieler, den ich schon immer bewundert habe“ bezeichnet.

Für die jüngeren Ensemblemitglieder Zachary Quinto und Penn Badgley war jeder Drehtag wie eine Art Meisterklasse – für die Lektionen am Set waren sie jedenfalls besonders empfänglich. „Eines Abends hörte ich einfach nur zu, wie sich Paul Bettany und Kevin Spacey übers Theater unterhielten“, erinnert sich Badgley, „und allein das war schon wie eine Unterrichtsstunde. Was ich gehört hatte, ging mir nicht mehr aus dem Kopf, und ich ließ es – wahrscheinlich auch unbewusst – an den Tagen danach in mein Spiel einfließen. Für mich war der Dreh eine unglaublich lehrreiche Erfahrung.“

Zachary Quintos Lob für seinen Co-Star fällt noch eindrucksvoller aus: „Kevin Spacey … nun ja, ich will nicht lügen … meine Erwartungen waren gigantisch, denn ich bin seit vielen Jahren ein Riesenfan seiner Arbeit. Doch er übertraf meine Erwartungen haushoch! Das wurde mir schon nach einer halben Stunde bei unserem ersten gemeinsamen Abendessen klar. Während Kevin erzählte, woran er gerade arbeitete, und was er schon alles am Old Vic in London geleistet hatte (Spacey ist der Künstlerische Leiter des berühmten Theaters), holte er Notizkarten aus seiner Jackentasche hervor. Er hatte das Drehbuch komplett auf die Karten transkribiert, damit es nicht so auffällt, wenn er in der Öffentlichkeit an seinen Dialogen arbeitet. Er ist ein vollendeter Profi – doch selbst mit dieser Bezeichnung wird man ihm nicht gerecht. Wenn er arbeitet, hat man den Eindruck, dass er jedes letzte Fünkchen Energie in diese Arbeit investiert, und das ist unglaublich inspirierend.“

Eine Reihe brillanter Darsteller für seinen Film zu gewinnen, ist eine Sache. Ihnen die darstellerischen Leistungen zu entlocken, die dieser Film braucht, ist das andere. Doch seinen Schauspielern zufolge bestand J.C. Chandor diesen Test mit wehenden Fahnen: „J.C. ist einfach wunderbar“, sagt Stanley Tucci. „Er ist unglaublich intelligent, dabei aber freundlich und bescheiden. Er hat kein Problem damit, eine Dialogzeile, mit der wir Schauspieler nicht klarkommen oder die seiner Meinung nach nicht funktioniert, zu ändern. Er ist sehr spontan und gleichzeitig perfekt organisiert.“ Penn Badgley bestätigt Tuccis Eindruck: „J.C. ist wirklich das, was man einen Autorenfilmer nennt – immer positiv eingestellt und willens, Dinge zu ändern. Er hängt nicht übertrieben an seinem Drehbuch. Es stört ihn nicht, wenn jemand etwas ändern möchte und das Ganze dadurch womöglich besser wird. In dieser Beziehung ist er einfach großartig.“

Dennoch achtete J.C. Chandor darauf, dass es seine Vision war, die schließlich auf der Leinwand zu sehen sein würde. „J.C. war echt mutig“, sagt Paul Bettany, „denn er ließ uns Vorschläge machen – und fühlte sich auch nicht bedroht, wenn jemand mal anderer Meinung war. Doch wenn er überzeugt war, dass wir falsch lagen, sagte er das ebenso unmissverständlich. Für einen Regisseur und Autor, der so viel Zeit mit seinen Figurenverbracht hat, war das eine bravouröse Haltung. Seine Zweifel und Ängste zeigte er freilich nie.“ Dafür stand der Regisseur seinen Darstellern stets hilfreich zur Seite, wenn sie Probleme hatten, mit den Subtilitäten des häufig sehr anspruchsvollen Materials klarzukommen. „Dass wir uns mit dem Thema wenig bis gar nicht auskannten“, sagt Demi Moore, die die Risiko- Managerin Sarah Robertson spielt, „ließ er uns nie spüren. Im Gegenteil: Sein Wissen hat uns während der gesamten Dreharbeiten sehr geholfen. Obwohl dies eine unabhängige Produktion war, bei der alles ganz, ganz schnell gehen musste, gab es Momente, da sagte er bereitwillig: ‚Ich will euch jetzt mal erklären, was ihr da eigentlich sagt, was das für eine Sprache ist und was sie zu bedeuten hat.‘ Und das tat er dann auf entspannte, natürliche Weise, weil er in diesem Milieu aufgewachsen ist und sich damit bestens auskennt. So kam es, dass wir einem Regiedebütanten wie ihm total vertrauten und uns in seinen Händen absolut sicher fühlten.“ „Das Drehbuch besticht durch Esprit, Spannung und gut ausgearbeitete Charaktere“, urteilt Jeremy Irons, der John Tuld spielt, den geheimnisvollen, mächtigen Konzernchef. „J.C. ist ein ausgesprochen großzügiger Regisseur und ging offen damit um, dass er nie zuvor Regie geführt hatte. Aber diese Tatsache glich er damit aus, dass er sich in der Thematik so gut auskannte. Er war stets in der Lage, uns unsere Figuren und ihr Verhalten zu erklären, weil er das alles selbst erlebt hatte. Seine Erfahrungen in der Finanzwelt sind wirklich sagenhaft.“

Von den Hauptdarstellern waren (oder sind) die meisten Stars ihrer eigenen Filme und Serien. Dass es ihnen gelingen würde, ein zusammengeschweißtes, perfekt ausbalanciertes Ensemble zu bilden, wie es für das Gelingen des Films ausschlaggebend war, war also keineswegs selbstverständlich. Doch Darsteller und Filmemacher wurden der Herausforderung nicht nur gerecht, sie fanden sie ausgesprochen stimulierend. „Ich liebe es, Ensemblefilme zu drehen“, sagt Stanley Tucci. „Auch deshalb wollte ich diesen Film unbedingt machen. Ich finde es großartig, wenn sich zwischen Schauspielern eine echte Kameradschaft entwickelt. Macht ein Regisseur seinen Job ordentlich und engagiert er die richtigen Leute, dann spielen alle auf einem Level und treffen den Ton des Films, und dann wirkt dieser homogen und wie aus einem Guss. Ich finde, das ist J.C. gelungen.“

Bemühungen, die durch den eng begrenzten Schauplatz des Films unterstützt wurden. Er spielt hauptsächlich in Büros und Konferenzräumen. Die limitierten Schauplätze sorgten nicht nur für ein überschaubares Budget, sie zahlten sich auch hinsichtlich des Korpsgeistes von Cast und Crew aus. „Dieser Dreh war für mich etwas ganz Besonderes“, sagt Demi Moore, „weil die gesamte Handlung auf einer einzigen Etage eines Bürogebäudes spielt – wir waren unser eigenes kleines Studio hoch oben in den Wolken. Das hatte etwas sehr Intimes. Normalerweise findet man so etwas nur am Theater, wo man bloß über den Flur zu gehen braucht, und schon steht man in der Garderobe eines Kollegen. Wenn sich alle ständig in ihre Trailer zurückziehen – oder die Crew von Schauplatz zu Schauplatz zieht – ist die Erfahrung eine ganz andere.“

Produzent Corey Moosa stimmt Moores Beobachtung zu: „Die Schauspieler fuhren nicht permanent 42 Stockwerke nach unten, um in ihren Trailer zu verschwinden – sie blieben alle unmittelbar am Drehort. Sie verbrachten viel mehr Zeit miteinander, als es sonst üblich ist, und das hat wirklich geholfen, dass wir uns wie eine Familie fühlten. Eigentlich kommen wir ja fast alle vom Theater, und deshalb witzelten Neil und ich darüber, dass die Dreharbeiten etwas von einer Sommertheater-Inszenierung hatten – wobei da schon etwas dran war.“ Das begrenzte Budget sorgte nicht nur für einen engen Zusammenhalt, es war auch in thematischer Hinsicht ein integraler Teil des Projekts. „Wenn wir schon einen Wall-Street-Film drehen“, so Produzent Rob Barnum, „sollte er auch finanziell abgesichert sein. Die Tatsache, dass die Budgets mancher Wall-Street-Filme gigantisch sind, empfinde ich als bittere Ironie. Denn schließlich wollen sie in der Regel die unverantwortlichen Geschäftspraktiken beleuchten, verfahren aber genauso!“

Obwohl die Schauplätze des Films sich auf einige Büroräume beschränken, beeinflusst die Stadt, in der er spielt, die Gesamtwirkung des Films. „In jeder Einstellung ist New York im Hintergrund zu sehen“, sagt Paul Bettany, „und es ist atemberaubend!

Was ich jetzt sage, klingt so klischeehaft, aber New York ist eine ausgesprochen fotogene Stadt. Es muss irgend etwas mit dem goldenen Schnitt zu tun haben, der Breite der Straßenschluchten und der Höhe der Gebäude. Die Stadt ist einfach grandios, wirkt majestätisch und atmet Filmgeschichte. Ich lebe zwar selbst in New York, aber wenn man die Stadt so zu sehen bekommt, würdigt man sie noch einmal ganz anders.“

Diese zugleich kulturelle und individuelle Perspektive unterscheidet der Film von anderen Filmen, die ebenfalls versucht haben, die Krise und ihre Auswirkung auf einzelne Menschen, Familien und ganze Industriezweige rund um den Globus zu erklären. Penn Badgley sieht in der Chance, an diesem Projekt mitzuwirken, Parallelen zu Schauspielern einer früheren Generation, dieebenfalls in Filmen spielten, die von großen Umwälzungenhandeln. „Die Finanzkrise ist und wird noch sehr lange als das einschneidendste Ereignis unserer Zeit gelten. Für einen jungen Schauspieler wie mich ist es also beinahe so, als würde ich einen Kriegsfilm drehen. Ich bin überzeugt, dass die Finanzfilme, die jetzt ins Kino kommen, später mal mit einer romantischen Aura verklärt werden.“

Für Stanley Tucci bot der Film die Gelegenheit, eine nahezu universelle Erfahrung noch einmal aufzugreifen. „Was uns für das Drehbuch begeisterte, war, wie intelligent und authentisch es sich mit dieser Welt befasst und dabei auf Hollywood-typische Melodramatik verzichtet. Es funktioniert auf sehr einfache, direkte Weise – eben auf humane Weise. Es zeigt den menschlichen Aspekt dieser Ereignisse, die für die meisten von uns ziemlich abstrakt blieben – jedenfalls so lange, bis ganze Märkte und Konzerne zusammenbrachen. Ganz Amerika hat gelitten – der kleine Mann, die Mittelklasse, selbst die Reichen, alle haben gelitten. Bis heute spürt jeder von uns die Auswirkungen des gigantischen Schadens, den diese Leute anrichteten. Ich persönlich wollte durch meine Teilnahme an dem Projekt das Ganze nicht nur besser verstehen, mir war es ungemein wichtig dabeizusein, wenn diese Geschichte nacherzählt wird.“

Der Kinostart wird den Aktienmarkt nicht wiederbeleben, es wird die Zwangsversteigerung von Häuser nicht verhindern können, es wird auch nicht dazu führen, dass leere Pensionsfonds wieder aufgefüllt werden. Doch eines, so die Hoffnung der Darsteller, des Regisseurs und der Produzenten, wird damit gelingen: dass das Publikum ein neues Verständnis für den chronologischen Ablauf der Krise gewinnt. Und, was beinahe noch wichtiger ist, dass es sich selbst – seine Träume, Dämonen und Gewissensbisse – in den allzu menschlichen Architekten dieser Katastrophe wiedererkennt.

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