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Fakten und Hintergründe zum Film "Der Gott des Gemetzels"

Kino.de Redaktion |

Der Gott des Gemetzels Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

Oscar®-Preisträger Roman Polanski inszeniert Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz und John C. Reilly in DER GOTT DES GEMETZELS, der Kino-Adaption des erfolgreichen Theaterstücks von Yasmina Reza.

Nach einer handfesten Auseinandersetzung auf dem Spielplatz verlieren die Eltern der kleinen Kontrahenten die Fassung und gehen wie Furien aufeinander los: DER GOTT DES GEMETZELS zeigt die bitter-komische Konfrontation zwischen vier gutsituierten Erwachsenen, die sich in lachhaften Widersprüchen und grotesken Vorurteilen verstricken. In Echtzeit gefilmt, begleitet der Film das (vermeintliche) Schlichtungsgespräch der Eltern: Das Power-Paar Nancy und Alan Cowan trifft auf die liberale Autorin und Aktivistin Penelope Longstreet und ihren Gatten, Handelsvertreter Michael. In einem unberechenbaren, bisweilen schockierenden, aber auch urkomischen Showdown entlarvt DER GOTT DES GEMETZELS die wahren Gesichter hinter der kultivierten Fassade.

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Nach seiner Premiere 2006 wurde Yasmina Rezas Stück von Kritik und Publikum bejubelt. Es lief vor ausverkauften Häusern in Paris, London sowie am Broadway und wurde mit mehreren Olivier Awards und Tonys® ausgezeichnet. Kaum hatte Roman Polanski das Stück gesehen, war ihm klar, dass „Der Gott des Gemetzels“ grandiosen Stoff für einen packenden Kinofilm bietet. Polanski bat die Autorin ihr Stück mit ihm gemeinsam für die Leinwand zu adaptieren. Der Schauplatz war bereits von Paris nach Brooklyn verlegt worden, als das Stück 2009 am Broadway aufgeführt wurde. So entschloss sich Polanski, die Filmversion ebenfalls in New York anzusiedeln. Dabei legte der Regisseur großen Wert darauf, die Erzählung in Echtzeit beizubehalten: Die Handlung findet ohne Unterbrechungen oder Location-Wechsel statt – auch wenn das nicht gerade der bequemste Weg war. „Es ist eine besondere Herausforderung, einen Film in Echtzeit zu drehen, also ohne echte Schnitte“, so Polanski. „Dank des rasanten, geistreichen Skripts werden sich Menschen überall auf der Welt in diesen vier Protagonisten wiedererkennen.“

Produktion: Die Besetzung

Dann stellte Polanski seine Besetzung zusammen: Oscar®-Preisträgerin Kate Winslet (DER VORLESER) und Oscar®-Preisträger Christoph Waltz (WASSER FÜR DIE ELEFANTEN, INGLORIOUS BASTERDS) sind Nancy und Alan Cowan, Oscar®-Preisträgerin Jodie Foster (PANIC ROOM, DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER) und Oscar®-Kandidat John C. Reilly (CHICAGO, MAGNOLIA) spielen Penelope und Michael Longstreet.

Kate Winslet beschreibt die Börsenmaklerin Nancy Cowan als „extrem gestresste Mutter, die sich ständig schuldig fühlt, weil ihre Arbeit ihr nicht genug Zeit für ihr Kind lässt. Das hindert sie allerdings nicht daran, ihre Ansichten über Mutter- und Elternpflichten unverblümt kundzutun, obwohl sie da selbst ganz schön ins Schwimmen gerät. Auch wenn sie ihr Kind liebt, hat sie in manchen Bereichen nicht die leiseste Ahnung, wovon sie redet.“ Dass die universellen Themen des Stückes so humorvoll verpackt sind, macht seinen enormen Erfolg aus, glaubt Winslet. „Es beleuchtet so viele Aspekte unserer Welt: wie schwer es ist, eine gute Mutter oder ein guter Vater zu sein, wie man seine Kinder erziehen sollte, die endlosen Auseinandersetzungen in einer Ehe. Das – wie Yasmina es getan hat – als Komödie aufzubereiten, macht es umso aufschlussreicher und bereichernder. Dass wir über uns selbst lachen können und uns über menschliche Schwächen amüsieren, das überträgt sich in jeder Sprache. Egal in welchem Land man lebt oder welchen Lebensstil man führt, etwas Ähnliches hat jeder schon erlebt. Es ist authentisch. Zum Beispiel das Szenario auf dem Spielplatz: Wenn man mit anderen Eltern diskutiert, liegt immer ein ‚Ich muss freundlich zu dir sein, obwohl ich dich nicht ausstehen kann‘ in der Luft. Man bemüht sich, höflich zu bleiben, man verstellt sich. Das ist Eltern-Modus. Das gehört bei Eltern, die ihr Kind beschützen möchten, einfach dazu.“

Ein anderer Aspekt, der die Schauspielerin sofort ansprach, ist die gnadenlose Abrechnung mit moderner Technik und wie sie unser Leben beherrscht. „DER GOTT DES GEMETZELS zeigt, wie leicht man den Bezug zur Realität verliert“, erläutert Winslet. „Eine bequeme Lösung, um Leerlauf in der Beziehung zu füllen: Ständig checken und beantworten wir unsere SMS und warten auf das nächste Handy-Summen. Wir haben uns dermaßen daran gewöhnt – wir brauchen diese nonverbale Kommunikation als permanente Bestätigung, dass wir existieren und Freunde haben.“

Winslet war begeistert von der Vielschichtigkeit des Stücks. „Das Faszinierende ist, dass es am Anfang um etwas völlig anderes geht als das, was sich dann daraus entwickelt. Diese Geschichte ist einerseits sehr lebensnah, aber auch unvorhersehbar. Man denkt, man sieht eine bestimmte Art von Film, und dann entsteht daraus plötzlich etwas ganz anderes.“

Jodie Foster, die die Aktivistin Penelope Longstreet spielt, reizten die Themen, mit denen DER GOTT DES GEMETZELS spielt, am meisten. „In mancherlei Hinsicht mag die Geschichte satirisch und befremdlich sein, aber die Dynamik der Protagonisten ist trotzdem fest in der Psychologie, der Familien-Psychologie verankert. Wie Menschen und ihre Leben untrennbar miteinander verwoben sind, interessiert mich ungemein – wie sie miteinander umgehen, einander zum Wahnsinn treiben, sich immer wieder und wieder gegenseitig verletzen. Das betrifft nicht nur diese Generation, sondern auch die nächste. Das, was wir Moral nennen, ist ein Konstrukt. Im Grunde sind wir alle primitiv. Jeder von uns kann zum Monster werden. Wenn wir das einsehen würden, kämen wir vermutlich besser zurecht.“

„Die Frage nach der Moral ist interessant“, fährt Foster fort. „Vier Leute versuchen herauszufinden, was sie am besten unternehmen sollten. Aber ist das vermeintlich Richtige auch wirklich das Richtige? Die Zeit verstreicht, und nach und nach offenbaren sie, was hinter der Fassade steckt. Sie werden immer gemeiner und fieser. Genau das macht den Witz aus. Sie sind alle kultivierte Leute, gebildet, mittleren Alters, aus der gehobenen Mittelschicht. Sie leben in einem gepflegten Vorort und man sollte meinen, dass sie bestens miteinander auskommen müssten. Doch stattdessen läuft das Ganze fürchterlich schief.“

„DER GOTT DES GEMETZELS ist eine Gesellschaftskomödie, die zeigt, wie Leute ihre gute Kinderstube vergessen“, erklärt Foster weiter. „Das funktioniert deshalb so gut, weil jede einzelne Figur so gut gezeichnet ist. Jeder dieser vier ist anders. Kates Figur hat es sich zur Aufgabe gemacht, immer zwischen allen zu vermitteln. Aber es ist offensichtlich, dass sie in Wahrheit anders denkt. Und wir können wunderbar beobachten, wie sie das zu übertünchen versucht, indem sie immer beflissener und besorgter wird.“

Die Rolle der Penelope passt perfekt zu ihr, findet Foster: „Sie ist politisch engagiert, korrekt und nimmt alles viel zu ernst. Am Anfang wirkt sie noch ganz normal. Aber im Verlauf der Handlung wird sie immer mehr zur Karikatur. Die Beziehungen der vier Hauptpersonen sind vielschichtig. Bei dem Gespräch, das ja eher eine Verhandlung ist, kommen unsere Eheprobleme auf den Tisch. Penelope ist eine verkniffene Frau, die in einer Buchhandlung arbeitet. Parallel schreibt sie an einem Buch über das Leid in Afrika, das geht ihr nicht mehr aus dem Kopf. Dieses Paar, das da zu ihr nach Hause kommt, stößt sie ab, denn anscheinend scheren sie sich nicht um die Not in der Welt. Penelopes Mann ist ein netter Kerl und findet seine Frau selbst zu streng und ziemlich anstrengend. Und wie geht er damit um? Er schenkt sich seinen Lieblingsscotch ein.“

Foster fand die unerwarteten Wendungen und Verschiebungen im Verhältnis der vier Protagonisten reizvoll. „Die meiste Zeit können sich Penelope und Alan nicht ausstehen. Er ist ein arroganter Anwalt, der mich triezt, weil es ihn nervt, dass ich so politisch korrekt bin. Aber bald wechseln alle vier die Seiten, und gegen Ende des Films hasst jeder jeden. Diese Geschichte unterstreicht, wie zerbrechlich Beziehungen und wie verletzlich wir alle sind.“

Ein weiterer Aspekt war Yasmina Rezas Sprache. Foster fasziniert, wie sich die vier durch klug verschlüsselte Sprache verraten. „Penelope sagt zum Beispiel andauernd ‚Das ist widerlich‘ oder ‚Das widert mich an‘. Ekel scheint mein Ding zu sein. Nancy wiederholt ‚natürlich‘, dabei ist sie die am wenigsten natürliche Person von allen. Michael ist der Typ, der ständig Sätze sagt wie ‚Warum vertragen wir uns nicht‘ und ‚Warum müssen wir uns darüber überhaupt Gedanken machen?‘.“

Auch Kate Winslet fühlte sich sofort von der süffisanten, strukturellen Sprache des Stückes angesprochen. „Die vier benutzen wirklich aggressive, derbe Ausdrücke – sei es als Angriff, als Ausdruck persönlicher Gefühle oder ihrer Wahrnehmung dessen, was die anderen wohl denken. Aber keiner von ihnen steht für das gerade, was da aus seinem Mund kommt. Das ist einer der Gründe, warum sich die Geschichte so und nicht anders entwickelt: Niemand übernimmt Verantwortung für das, was er von sich gibt.“

John C. Reilly spielt die Rolle von Michael Longstreet, ein Sanitärwaren-Vertreter, der nach Höherem strebt. „Er möchte zur besseren Gesellschaft gehören. Seine Frau Penelope ist viel intellektueller als er, sie ist Schriftstellerin, befasst sich mit weltpolitischem Geschehen und setzt sich für Gerechtigkeit ein. Jeder der vier ist auf seine Weise ein Heuchler, der glaubt: ‚Wenn doch nur jeder so denken würde wie ich, dann wäre die Welt ein besserer Ort‘. Bei dem Treffen mit Nancy und Alan zeigt sich Michael zunächst von seiner besten Seite, bis er es nicht mehr aushält und explodiert. Es war erfrischend, ihn zu spielen. Jeder der vier lässt an einem anderen Punkt der Handlung die Maske fallen. Yasminas Dialoge sind brillant. Jedes Mal, wenn man denkt: ‚Jetzt ist Schluss‘, sagt jemand: ‚Nein, ich gehe noch nicht, ich habe noch etwas zu sagen‘. Und so geht es immer weiter, sie schaukeln sich gegenseitig hoch, bis ihnen am Ende alles um die Ohren fliegt. Ein ziemlich vernichtendes Porträt amerikanischer Eltern.“

Reilly gefiel der satirische Ton des Stücks. „Es bringt die besten Voraussetzungen für eine Komödie mit. Menschen in eine schwierige Lage zu bringen, in der sie sich trotzdem benehmen müssen, das ist ein altbewährtes Komödienrezept.“

Jodie Foster stimmt zu und berichtet, dass das Team lange Diskussionen darüber führte, wie man genau den richtigen Ton trifft: „Auch wenn der Humor abstrus ist, muss er fest in der Realität verankert bleiben. Die Komödie ist völlig realistisch, auch wenn sie satirisch überspitzt ist. Wenn Penelope zum Beispiel auf Afrika angesprochen wird, ist es hoffentlich schreikomisch anzusehen, wie sie sich um Kopf und Kragen redet. Gerade die Ernsthaftigkeit der Figur macht sie so komisch. Bei Alan ist es seine unfassbare Kaltschnäuzigkeit.“

Roman Polanski organisierte zwei intensive Probenwochen, damit sich die Schauspieler kennen lernen konnten, und um den Ton des Films zu finden, der zwischen Satire, Komödie und Drama changiert. „Ich finde Proben immer toll“, schwärmt Kate Winslet. „Es ist eine solche Freude und ein echter Luxus, die Möglichkeit dazu zu haben. Aber keiner von uns hätte geahnt, dass Roman uns alle das gesamte Drehbuch auswendig lernen lassen würde, von der ersten bis zur letzten Zeile. Wie ein Theaterstück eben. Ich war begeistert, dass wir das Ganze komplett durchgespielt haben, denn so kannte jeder seine Position, als wir schließlich ans Set kamen. Das half uns und auch Roman, denn so konnte er den Dreh für sich besser strukturieren. Die Proben haben uns eng zusammengeschweißt. Es macht Spaß, an so einer Aufgabe zu wachsen und Zeit mit so versierten, brillanten Kollegen zu verbringen. Der Ehrgeiz, sich auf Augenhöhe zu begegnen, ist wunderbar.“

Die Probenphase half Winslet auch, jene Szene in den Griff zu bekommen, die ihr am meisten Kopfzerbrechen bereitete: Die, in der sie betrunken eine Schimpftirade loslässt, nachdem sie sich eben noch im Strahl über Penelopes kostbare Kunstbücher erbrochen hat. „Wir fanden alle, dass dieser Auftritt ein bisschen wie eine einstudierte Rede wirkte“, erklärt sie. „Die Aufgabe musste also sein, es so aussehen zu lassen, als käme es aus heiterem Himmel. Wie wir das gelöst haben, verdanken wir vor allem Romans Regie, die immer exakt auf den Punkt ist. Aber dank der Proben konnten wir schon vorher herausfinden, was funktioniert und was nicht. Das war ein echter Luxus. Ich war jedenfalls sehr erleichtert, als die Szene im Kasten war, denn sie war nicht einfach. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn jemand schlecht den Betrunkenen spielt!“

„Die Proben gaben mir die Möglichkeit, mich ganz auf den Text zu konzentrieren und Michael seine Stimme zu geben“, ergänzt John C. Reilly. „Außerdem konnten wir alle einen gemeinsamen Rhythmus finden – wie wir auf diesem engen Raum miteinander agieren. Jeder konnte seine Ideen einbringen, besonders, was die Dialoge betrifft. Roman hatte den Text aus dem französischen Original übersetzt. Er erklärte uns also, wie man etwas auf Französisch ausdrückt, wir gaben ihm Anregungen, was ein Amerikaner sagen würde. Da alle ihr Ego zu Hause gelassen hatten, konnten wir ganz offen und unbefangen miteinander reden.“

„Es ist eine große Hilfe, mit einem Regisseur zu arbeiten, der auch selbst Schauspieler ist“, fährt Reilly fort. „Er hat nicht nur mehr Verständnis für uns Schauspieler, sondern auch ein Gespür für Wahrhaftigkeit, für den richtigen Moment. Roman weiß, wie es ist, etwas spielen zu müssen. Deshalb war er an den Proben genauso interessiert wie wir. DER GOTT DES GEMETZELS ist eine Verhaltensstudie, unsere Reaktionen sollten ja ganz natürlich wirken. Während der Proben hakte Roman immer wieder nach, warum wir dieses oder jenes nun so oder anders machten.“

„Ich glaube, Roman hat es Spaß gemacht“, sagt Jodie Foster über die Probenphase. „Seine Regie ergab sich größtenteils schon während der Proben. Als dann die Dreharbeiten begannen, konnte er sich auf Kameraführung und Perspektive konzentrieren und gab uns nur noch gelegentlich dezente Anweisungen. Roman ist ein meisterhafter Techniker und ein Meisterregisseur. Er hat seinen ganz eigenen Stil und ist sehr konsequent in seiner Arbeitsweise: Er legt die Markierungen fest, er stellt die Kamera ein, und dann steht er da mit seinem kleinen Sucher. Seit 20 Jahren habe ich niemanden mehr so einen benutzen sehen. Seiner ist schon ganz verkratzt, Roman benutzt ihn seit DAS MESSER IM WASSER (1962). Er hat eine klare Vorstellung, wie der Film aussehen soll, und zugleich soll er sich in sein Gesamtwerk einfügen.“

Christoph Waltz pflichtet Foster bei: „Die Proben waren bei diesem Projekt praktisch unverzichtbar. Und das nicht nur, damit wir uns aneinander gewöhnen: Sie gaben uns Zeit zum Experimentieren, dies und das auszuprobieren und Dinge auszuschließen, die nicht passten. Diesen Luxus – nämlich Zeit – hat man bei regulären Dreharbeiten sonst nie.“

„Die große Herausforderung war, den Film in Echtzeit zu drehen“, meint Jodie Foster. „Jeder Übergang, jede Überleitung findet im Hier und Jetzt statt – im Bild. Aber das Stück ist so großartig geschrieben, dass es ziemlich leicht war, von einem Gefühlszustand in den nächsten zu fallen. Ich habe schon viele Filme an nur einem einzigen Ort gedreht. Wenn man einen Film mit nur vier Personen macht, entsteht automatisch eine Intimität zwischen den Schauspielern, die sich so intensiv sonst nicht erzeugen lässt. Dies war die schönste Kameradschaft, die ich je bei einem Projekt erlebt habe. Ich liebe diese Kollegen und war richtig traurig, als ich sie nicht mehr jeden Tag sehen konnte.“

Produktion: Der Look

Roman Polanski ist für seinen extravaganten Stil bekannt und versammelte für DER GOTT DES GEMETZELS auch hinter der Kamera ein starkes Kreativteam. Dazu gehören Kameramann Pawel Edelman, der Oscar®-gekrönte Szenenbildner Dean Tavoularis und Kostümdesignerin Milena Canonero.

Fast genauso wichtig wie die vier Hauptpersonen war das Set. Die Wohnung der Longstreets entstand im Studio Bry-sur-Marne bei Paris und wurde von Dean Tavoularis entworfen, bekannt für seine Arbeit mit Francis Ford Coppola bei einigen der optisch eindrucksvollsten Filme der letzten 40 Jahre, wie die DER PATE-Trilogie (1972–1990), DER DIALOG (1974) und APOCALYPSE NOW (1978). Tavoularis erstellte einen Grundriss für das Apartment, das so wohnlich wie möglich sein sollte, in dem man von einem Zimmer ins nächste gehen oder von einem Raum aus über den Flur in den nächsten blicken kann, genau wie in einer richtigen Wohnung. Beim Entwurf achtete er darauf, dass der Raum der Handlung in Schlüsselmomenten eine weitere Dimension hinzufügte. Der einzige Weg ins Bad etwa führt durchs Schlafzimmer der Longstreets – was der Szene, in der Penelope Alan mit seiner nassen Hose assistiert, für zusätzliches Knistern sorgt: Auf dem Weg zurück ins Wohnzimmer müssen sie am Bett vorbei.

Tavoularis, der für Polanski bereits DIE NEUN PFORTEN (1999) ausgestattet hat, hatte noch nie an einem Film gearbeitet, der auf so engem Raum spielt und in dem nur vier Personen vorkommen. „Ich habe mich bemüht, alles so echt wie möglich wirken zu lassen. Ich achte grundsätzlich auf jede Kleinigkeit, da man nie genau weiß, wie viel der Regisseur zeigen wird, ob man irgendwann in den Schrank oder eine Schublade hinein sehen kann. Deshalb haben wir extra Lebensmittel und andere Haushaltsgegenstände aus New York einfliegen lassen – insbesondere aus Brooklyn, damit die Wohnung so realistisch wie möglich aussieht. Ich war mir zwar sicher, dass einiges davon letztlich gar nicht im Bild sein würde. Aber allein schon für die Schauspieler habe ich alles hingestellt. Das ist wichtig, gerade, wenn man die gesamte Drehzeit an diesem einen Set verbringt.“

Und Tavoularis’ Mühe hat sich ausgezahlt. „Als ich den Set sah, dachte ich: ‚Da hat mir aber jemand viel Arbeit abgenommen‘“, erinnert sich John C. Reilly. „Normalerweise zeigt die Kamera ja nur das, was das Publikum auch sehen soll. Bei vielen Filmen gibt es also bloß einen halben Set oder, wenn man ein Buch aufschlägt, entpuppt es sich als Attrappe. Vieles ist künstlich. Aber Deans Ausstattung war detailgetreu. Alles war echt, bis hin zum eigentümlichen Nippes in den Regalen. Und die Küche war praktisch funktionstüchtig. Er hat uns ein richtiges Zuhause gegeben.“

Der Szenenbildner, der sich schon so gut wie aus dem Filmgeschäft zurückgezogen hatte und als Maler seinen ‚Ruhestand‘ genoss, als Polanskis Anruf kam, freute sich besonders, dass sein Job ihn nach Paris führte. „Ich hatte seit einigen Jahren keinen Film mehr gemacht und war überrascht, wie großartig die französischen Handwerker arbeiten. Die Tischler, die Maler, die Requisiteure – alle haben außergewöhnliche Arbeit geleistet.“

Die erneute Zusammenarbeit mit Roman Polanski rief Tavoularis ins Gedächtnis, dass der Regisseur ein Multitalent ist. Oft war es Polanski, der die Lösung für ein Problem parat hatte, erzählt Tavoularis: „Sein Fachwissen umfasst sämtliche Aspekte des Filmemachens, vom Design bis zu den visuellen Effekten. Er kann ganz genau erklären, wie man etwas richtig macht. Aber er bleibt dabei immer realistisch und geht den Dingen auf den Grund. Roman Polanski gehört definitiv zu den besten Regisseuren der Welt.“

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