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Über die Produktion

DER GHOSTWRITER ist seit mehr als zwanzig Jahren der erste zeitgenössische Thriller von Oscar- Preisträger Roman Polanski und auch der erste Film, den er seit Chinatown wieder in Amerika angesiedelt hat. DER GHOSTWRITER stammt aus der Feder des britischen Bestsellerautors und Journalisten Robert Harris. Das Buch gewann als bester Roman im Jahr 2008 den International Thriller Writer’s Award. Der ehemalige Politredakteur Robert Harris begann mit dem Buch Anfang 2007, als er gerade mit Roman Polanski an einer Adaption seines Romans „Pompeii” arbeitete.

Da Harris an beiden Projekten parallel schrieb, glaubt er, dass der Roman von Polanskis Einfluss geprägt wurde. Der Originaltitel des Buches, „The Ghost” bzw. „Der Geist” bezieht sich sowohl auf den Profi Ghostwriter, dessen umfangreiche Ausarbeitung faktisch den Roman bildet, als auch auf seinen Vorgänger, der beim Einsetzen der Handlung gerade unter grausamen und mysteriösen Umständen ertrunken ist. Auch Lang ist eine Art Gespenst seines früheren Selbsts, wie die meisten ehemaligen Staatschefs. Als die geplante Filmversion von „Pompeii” aus einer Reihe von Gründen zurückgestellt werden musste, schickte Harris Polanski eine Kopie seines Romans noch vor dessen Veröffentlichung.

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Und der Regisseur antwortete: „Lass uns doch stattdessen das machen; das liest sich wie Chandler,” erinnert sich Harris. „Er wollte seit einiger Zeit einen Thriller drehen und hatte sich ursprünglich für meinen Debütroman ‘Fatherland’ interessiert, bis er herausfand, dass er bereits verfilmt war. In einer merkwürdigen Fügung des Schicksals, von dessen Existenz er fest überzeugt ist, stellten wir etwas ganz anderes auf die Beine. So verbrachten wir weitere angenehme Monate mit der Arbeit an diesem Drehbuch.“ (Sinnigerweise hatte Polanskis Chinatown Harris’ „Pompeii” beinflusst, in dem ebenfalls ein Korruptionsfall in der städtischen Wasserversorgung eine wichtige Rolle spielt.)

Harris fand in Polanski den perfekten Mitstreiter. „Er respektiert das Ausgangsmaterial und sagte immer zu mir: ‘Der Roman ist das Drehbuch.’ Aus der Perspektive des Autoren ist er der ideale Regisseur. Unsere Vorgehensweise sah folgendermaßen aus: Ich schrieb eine Fassung auf der Grundlage der Szenen und Struktur des Buches und dann bearbeiteten wir diese gnadenlos. Wir sortierten aus, präzisierten, verbesserten. Es klingt seltsam, aber ich fühlte mich dabei, als würde ich den Roman nochmal verfassen. Nur dass ich ihn diesmal richtig hinbekam. Es gibt Elemente in unserem Drehbuch, die besser als im Roman sind. Der Film ist auch dank seiner Schauplätze stärker — Baum- und Küstenlandschaften, verlassene Strände und verfallene Häfen. Das funktioniert viel besser.”

Harris und Polanski hatten einen ähnlichen Erzählansatz, was die Zusammenarbeit für den Autor noch angenehmer machte: „Ebenso wenig wie ich an einem Buch interessiert bin, das brillante Prosa um der brillanten Prosa willen bietet, so interessiert sich Polanski nach meinem Eindruck nicht für bestimmte Einstellungen oder dramatische Elemente, damit er damit angeben kann. Es geht immer nur um Geschichte, Charaktere und Logik. Es war eine wirkliche Freude, an dem Drehbuch zu arbeiten.”

Der fesselnde Roman, aus dem das Drehbuch entstand, war seinerseits vom Meister der ‘Suspense’ beeinflusst: „Ich bewundere Alfred Hitchcocks Thriller ganz enorm“, so Harris. „Ein gewöhnlicher Mensch wird in eine völlig fremde Welt gestoßen, in der sich alle Geschehnisse nach perfekter Logik abspielen. Und doch wird die Geschichte immer verrückter. Ich mag dieses Genre, und Hitchcock war darin ein Meister. Ich versuchte natürlich bestimmte Züge davon für ‘The Ghost’ zu übernehmen.

Schließlich handelt es sich hier auch um einen gewöhnlichen, einen sehr gewöhnlichen Protagonisten, der zufälligerweise einen Job übernimmt, der ihn in eine völlig außergewöhnliche Welt entführt. Und wir begleiten ihn in diese Welt. Was mich, und nach meiner Meinung auch Roman Polanski, am Thriller fasziniert, das sind die fantastische erzählerische Energie und Dynamik eines an sich unprätentiösen Genres.”

Als das Buch herauskam, interpretierten es viele Rezensenten als kaum verhüllten Kommentar zu einem von Harris’ früheren Bekannten: Ex-Premier Tony Blair. Der Autor erklärt die Konzeption des Romans folgendermaßen: „Die Idee für ‚The Ghost’ hatte ich vor vielen Jahren, wahrscheinlich 15 Jahre bevor Tony Blair an die Macht kam. Ich interessierte mich sehr für eine Konstellation mit einem ehemaligen Staatschef und dem Verfasser seiner Memoiren. Von Anfang an stellte ich mir vor, dass sich zwischen dem Ghostwriter und der Frau des früheren Politikers etwas Amouröses abspielen würde.

Vor meinem geistigen Auge sah ich, dass sie an einem isolierten Ort leben mussten, aber irgendwie bekam ich es nicht richtig hin. Ich fand keinen Zugang zu diesem Staatschef und dem Schauplatz des Geschehens. Einige Jahre lang überlegte ich herum, was ich aus der Idee machen könnte, schließlich legte ich sie beiseite, und zehn Jahre verstrichen. 2006 hörte ich ein Radiointerview mit jemand, der Tony Blair wegen Kriegsverbrechen anklagen wollte, und diese Person meinte, Blair würde dann nach Amerika ins Exil gehen müssen, weil er von dort nicht ausgeliefert werden könnte. Ich erstarrte förmlich in meinem Sessel, denn plötzlich begriff ich, dass das die Ausgangssituation für meine zentrale Figur war. Und auch der Schauplatz war mir klar: ein Exil in den Vereinigten Staaten so wie für Solschenizyn in den 70ern. So kristallisierte sich alles für mich heraus.”

Obwohl es offensichtliche Parallelen zwischen Tony und Cherie Blair und dem Ehepaar Lang gibt, betont Harris die Allgemeingültigkeit seiner Themen: „Mich interessiert nichts mehr, als über Macht zu schreiben, und alle meine Romane handeln auf ihre Weise von diesem Thema. Besonders interessiert mich das Phänomen des Staatschefs, der seine Macht verliert, sei es Richard Nixon oder Margaret Thatcher. Wie gewöhnen sie sich an ihr neues Leben? Was führt jemand an die Spitze? Wie ist es, diese Macht wieder zu verlieren? Als ich darüber zu schreiben anfing, verwarf ich die Tony Blair-Idee sofort.”

Als politischer Journalist war Harris Blair kurz vor und nach dessen Amtsübernahme nahe gestanden, und so hatte er einen beneidenswerten Logenplatz im Zentrum der britischen Politik. „Ich bekam viele Insiderinformationen. Ich erhielt einen Zugang, den kein Journalist zu der Zeit hatte, geschweige denn ein Romanautor. Ich erfuhr, wie Menschen unter Druck reagieren, wie sie in ihrer Sicherheitsblase leben, wie ihr Verhältnis zur Macht aussieht und in was für einem Zustand von adrenalingeladener Erregtheit sie leben. So konnte ich nachempfinden, wie sich jemand in dieser Lage verhalten würde.”

Produzent Robert Benmussa, der mit dem Regisseur seit Bitter Moon 1992 zusammenarbeitet, meint: „In allen Filmen Polanskis gibt es viele Schichten. Und eines seiner Leitmotive ist der Kampf, die Wahrheit ans Licht zu bringen und das Sein hinter dem Schein zu zeigen. Er schätzt Gerechtigkeit sehr hoch. Aber nie ohne Ironie.”

DER GHOSTWRITER ist der erste Film Polanskis seit Chinatown, der in Amerika spielt — in einer Küstenstadt außerhalb der Saison auf einer Insel an der US-Ostküste. Schauplatz und Klima wurden aus spezifischen Gründen gewählt. „Das Wetter spielt in meinen Büchern immer eine Rolle“, so Harris. „Vielleicht liegt das daran, dass ich wie alle Engländer vom Wetter besessen bin. Und mir war es wichtig, das Gefühl eines Exilanten zu vermitteln, der sich in eine winterliche Küstenstadt zurückzieht — das heißt, an einen Ort, den alle anderen verlassen haben.”

So ist denn auch Isolation eines der Schlüsselthemen des Films. „Der Premierminister lebt in einer isolierten Umgebung”; so Harris. „Er befindet sich auf einer Insel, vom Rest der Welt abgeschnitten — nicht zuletzt durch seine Sicherheitsbeamten. Das ist ein Punkt, dem man bislang noch nicht die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt hat. Als Winston Churchill auf dem Höhepunkt des Zweiten Weltkrieges von der Downing Street ins Parlament ging, wurde er immer von einem Polizeibeamten begleitet. Und er winkte den Passanten mit seinem Hut. Das war während des größten Kriegs der Geschichte, in dem bei Bombenangriffen 40.000 britische Zivilisten umkamen. Tony Blair dagegen hat als ehemaliger Premier um die 24 bewaffnete Sicherheitsbeamte. Nie wird man ihm erlauben, ein Auto zu fahren. Er nimmt nie oder nur sehr selten ein Linienflugzeug. Ganz sicher hält er sich nicht in einer Wartehalle auf. Er muss auch nicht die Sicherheitsüberprüfungen am Flughafen über sich ergehen lassen. Ich bin völlig fasziniert davon, wie unsere Staatschefs eine separate Klasse geworden sind. In der Vergangenheit war das unvorstellbar. Ein König führte seine Männer in die Schlacht, jetzt steht er hinter Glas. Diese Bedingungen verändern das Verhalten von Spitzenpolitikern und sie entstellen ihre Beziehungen. Zwangsläufig führen diese eine unwirkliche Existenz, abhängig von ihren Sicherheitsbeamten und Beratern, die ihnen als Bindeglied zur realen Welt dienen.”

Die Art und Weise, wie die dunkle Wahrheit im Zentrum von DER GHOSTWRITER ans Licht kommt, erinnert an einen von Polanskis beklemmendsten Filmen. Auch dieser basierte auf einem Roman — wie später Tess (1979), Bitter Moon (1992), Die neun Pforten (1999), Der Pianist (2002) und Oliver Twist (2005). In Rosemarys Baby offenbart ein Anagramm in einem Buch die Identität des bösen Nachbarn. Hier wiederum geschieht die Enthüllung durch ein Rätsel in einem Manuskript. So fantastisch dieses Konzept auch wirken mag, es hat seine realen Ursprünge: „Zwei meiner Freunde haben Bücher als Ghostwriter verfasst; einer davon meinte, ich solle einmal ihren Arbeitsprozess beschreiben. Und beide hatten die Idee, eine verschlüsselte Nachricht in ihre Texte einzubauen. Auch die Baumeister großer Kathedralen konnten nicht widerstehen, ihre Anfangsbuchstaben oder eine Botschaft in ihrer Konstruktion einzumeißeln”; so Harris. „Mich fasziniert die Idee, ein Geheimnis über einen Code im Text eines Buches zu verstecken”; so der Autor weiter. „Dieses Manuskript spielt in Buch und Film eine essentielle Rolle. Seine Bedeutung wächst immer weiter. Es ist fast wie eine eigene Figur. Und das liebe ich. Es wird hervorgeholt, jeder sieht es sich an. Und dann wird weiter daran gearbeitet. Stellen werden gestrichen. Man kann es nicht aus dem Gebäude bringen. Und als der Autor es hinaus schmuggelt, erweist es sich als Lösung für das ganze Geheimnis.”

Der Erzähler von DER GHOSTWRITER, der von Ewan McGregor gespielt wird, stellte Romancier und Regisseur vor eine weitere große Herausforderung: Ein namenloser Autor steht im Zentrum der Geschichte, bleibt dabei ein schwer fassbarer Zuschauer der Hauptereignisse und löst letztlich doch das große Rätsel. Als Harris und Polanski eine Hauptfigur suchten, die vor Beginn der Handlung stirbt, ließen sie sich von Billy Wilders legendärem Klassiker Sunset Boulevard (1950) inspirieren, der aus der Perspektive eines Toten erzählt wird. „Roman schlug vor, wir sollten den Großteil der Geschichte, so wie Wilder und sein Co-Autor Charles Brackett, mit Voice-over-Kommentar erzählen”, so Harris. „Das Problem war nur, dass sich die Geschichte perfekt durch Handlung und Dialoge vermitteln ließ und Voice-over eigentlich überflüssig war. Alles wurde dadurch gebremst. Also verzichteten wir in der zweiten Drehbuchfassung darauf. Wir wollten allerdings nicht den düsteren Touch der Geschichte verlieren, der vor allem durch die große Erkenntnis am Schluss entsteht — nämlich dass der Ghostwriter nicht mehr ist, als ein Geist. Dieses Problem hatten wir auch zu Beginn der Dreharbeiten noch nicht gelöst. Über nichts grübelten wir mehr nach. Und dann fiel Roman ein außergewöhnliches Ende ein, das vielleicht eines der denkwürdigsten Dinge dieses Films ist, obwohl es eigentlich fast improvisiert wurde. Genauso wie Chinatown ein düsteres Finale brauchte, so schrie auch dieser Film nach einem harten Schluss.”

Nach der Feinabstimmung des Drehbuchs begannen die Filmemacher die Besetzung auszuwählen. Vor die größte Herausforderung stellte sie die Figur des namenlosen Erzählers. „Ich wurde von Daphne Du Mauriers berühmtem Roman ‘Rebecca’ beeinflusst, wo wir auch nie den Namen des Erzählers oder der Erzählerin erfahren”, so Harris über die Inspiration für diese Schlüsselidee. „Das ist ein brillanter Einfall und die Vorstellung, dass der Erzähler eigentlich ein Ghostwriter ist, passt perfekt dazu. Der Zuschauer wird von seinem Blickwinkel aus durch diese Welt geführt. Er ist nur ein gewöhnlicher Mensch, der zufälligerweise durch seinen Job in einer außergewöhnlichen Welt landet.”

In seinem ganzen Werk zeigt Polanski ein großes Gespür für die Erzählerperspektive. „Es gibt immer viele Schichten in seinem OEuvre, aber es finden sich auch Konstanten”, so Produzent Benmussa. „Alle seine Filme werden vom Blickwinkel einer Figur erzählt. Hier begleiten wir den Ghostwriter vom ersten bis zum letzten Bild — alles wird von seinem Standpunkt aus gezeigt, und der Zuschauer bewegt sich mit ihm vorwärts.”

Ewan McGregor übernahm die Rolle des Ghostwriters. Da die Figur im Drehbuch nicht beschrieben wurde und auch keinerlei Hintergrundgeschichte besaß, musste sich der Schauspieler — mit Hilfe seines Regisseurs und Autors — in den Charakter hineinfinden, seine Merkmale und Eigenarten entdecken und seine Verhaltensweisen und Charakteristika entwickeln.

„Es war sehr mutig von Ewan, so eine Rolle anzunehmen”, so Harris. „Er musste sie von A bis Z gestalten.” Wir dachten schon sehr früh an ihn für die Rolle, denn er ist einerseits eine Jedermann-Figur, aber auch auf glaubhafte Weise glamourös. Gleichzeitig musste man mit ihm mitempfinden können.“ Koproduzent Timothy Burrill fügt hinzu: „Ewan schafft es, dass die Figur sympathisch wirkt. Das liegt vor allem an der Weise, wie er sie spielt. Er hat Charme und einen Sinn für Humor, der dem Film eine Leichtigkeit verleiht, die sehr wichtig war.”

Von der Aussicht, mit Roman Polanski zu arbeiten, war Ewan McGregor fasziniert: „Ich erwartete, dass er große Anforderungen an mich stellen würde, und genau das wollte ich. Er gibt seinen Schauspielern immer ganz unerwartete Kommentare zu ihrer Leistung, und das macht den ganzen Prozess sehr lebendig. Das ist wunderbar. Er unterstützt deine Darstellung mit sehr vielen Details — er achtet darauf, was du siehst, wie du dich bewegst, wie das Set aussieht, was herumliegt. Und diese Kleinigkeiten lassen das Ganze verblüffend real wirken. Zur Vorbereitung habe ich mir die meisten seiner Filme angesehen, und diese Detailversessenheit hat mich am stärksten beeindruckt und begeistert.”

McGregor fand sich auch wegen der politischen Dimensionen zu dem Projekt hingezogen: „Politiker treffen stellvertretend für uns gewaltige Entscheidungen über Leben und Tod, dann ziehen sie in eine Welt des Vorträgehaltens und Geldverdienens davon. Sie werden nicht für ihre Entscheidungen oder Lügen zur Rechenschaft gezogen, sondern kommen ungeschoren davon, was der reine Wahnsinn ist. Deshalb ist dieser Film hochaktuell.” Bei der Besetzung des Adam Lang war Polanski sehr darauf bedacht, jede Ähnlichkeit mit früheren britischen Premiers zu vermeiden. „Roman wollte, dass die Figur anders aussieht, als wir uns das vielleicht vorstellen”, so Produzent Robert Benmussa. „Das war sehr wichtig. Die Figuren haben ihre eigene Ausstrahlung. Wenn man den Film sieht, dann gibt es nur eine unterschwellige Verbindung zu den tatsächlichen Ereignissen.”

Damit war eine große Herausforderung verbunden. Als das Buch herauskam, sahen englische und ausländische Kommentatoren darin einen kaum verhüllten Seitenhieb auf Tony Blair. Aber Polanski wusste sofort, wen er für die Rolle wollte — Pierce Brosnan. Andere Kandidaten hatte der Regisseur nicht im Sinn.

Robert Harris war von Polanskis Wahl begeistert. „Lang ist eine Mischung aus allen Politikern, über die ich je gelesen habe und an denen ich interessiert war. Er hat Charme, jeder kann nachvollziehen warum man ihn wählen würde. Und Pierce bringt ebenfalls viel Charme und Selbstvertrauen mit. Lang ist nicht Blair, besitzt aber einige von Blairs schauspielerhaften Manierismen. Gleichzeitig wollte ich zu verstehen geben, dass politische Karrieren auch etwas von Tragödien an sich haben. Denn ihren Akteuren sind nur ein paar Jahre beschieden, und danach ist ihr Leben nicht mehr das gleiche.”

Pierce Brosnan hatte das Buch mit großer Spannung gelesen und war fasziniert von der Komplexität der Geschichte und der Charaktere. „Es ist ein politischer Thriller, und dann auch wieder nicht. Die Geschichte hat eine shakespearehafte Anmutung, sie ist so etwas wie eine jakobinische Tragödie. Ein Mann findet sich in den Begrenzungen seines eigenen Lebens und seines Egos gefangen. Ich schwankte zwischen Phasen, wo ich Adam Lang mochte und glaubte, er wollte ehrlich das Beste für sein Land, und denen, wo ich ihn für einen völligen Idioten hielt. All diese Charaktere haben viel zu verstecken. In diesem trostlosen, kargen Haus findet sich ein richtiges Schlangennest. Und das alles ist sehr gut geschrieben.”

Brosnan hatte nie gedacht, dass er diese Rolle spielen würde. „Ich sah mich nie als britischen Premierminister, ob ehemalig oder nicht, aber es war großartig, ihn darzustellen und Roman bei der Arbeit zuzusehen. Er ist sehr charmant und auch spezifisch in seinen Anweisungen. Und ich fand es herrlich, wie er mit seinem Viewfinder Einstellungen auswählte. Seiner sah aus, als hätte er ihn schon bei Das Messer im Wasser (1962) benutzt. Seit vielen Jahren bin ich ein Fan seiner Arbeit, er ist einer der herausragenden Geschichtenerzähler des Kinos.”

Als nächstes wurde die Rolle der Amelia Bly besetzt, der Assistentin Langs, die ihren Chef mit einer Loyalität beschützt, die über die normalen Pflichten ihres Jobs hinausgeht. Auch in diesem Fall hatte Polanski nur eine einzige Kandidatin im Sinn — Kim Cattrall. „Im Büro eines Politikers gibt es normalerweise eine sehr mächtige Person”, so Harris. „Bei Präsidenten und Premierministern handelt es sich meistens um eine Frau. Sie ist eine Art Supersekretärin oder persönliche Assistentin, die sozusagen zu seiner Berufsgattin wird. Dieser Punkt hat mich sehr interessiert, weil er alle denkbaren Spannungen und Möglichkeiten in sich birgt. Zwangsläufig entsteht eine merkwürdige Beziehung zwischen dem Chef und seiner Angestellten, die ihm sagt, wie wundervoll er ist, oder den Sitz seiner Krawatte überprüft. Und zwischen dieser Berufsgattin und der tatsächlichen Ehefrau wiederum gibt es ein gespanntes Verhältnis. Wenn diese Person sehr attraktiv und imposant ist, dann fühlt sich natürlich ein Mann mit starken Instinkten wie der Ghostwriter ebenfalls zu ihr hingezogen.

Zwischen diesen vier Charakteren kann sich also ein spannungsgeladenes Szenario in verschiedensten Varianten entspinnen. Zunächst wird es sehr zurückhaltend dargestellt, aber es entwickelt sich dann Schritt für Schritt. Erst während ich das Buch schrieb, kam ich auf den Gedanken, dass Lang und Amelia eine Affäre hatten. Es erschien mir unvermeidlich: Da Lang seine Macht verliert, sucht er sich eine andere Art von Trost. Amelia ist eine sehr interessante Figur. Diese Berufsgattinnen haben etwas Trauriges an sich. Entweder haben sie kein Privatleben oder ihre Ehe ist viel langweiliger als die berufliche Beziehung zu ihrem Chef. Auch in ihrem Fall zeigt sich, wie Macht menschliche Beziehungen und Leben entstellen kann. Und ihre Figur ist sowohl ein Nutznießer wie ein Opfer des Magnetismus der Macht.” „Es gibt zwei Frauen in Adam Langs Leben: Ruth und Amelia”, so Cattrall. „Amelia hat Karriere gemacht, indem sie Politiker unterstützte und deren Bedürfnisse zuvorkommend erfüllte. Sie ist klug, fähig und absolut unentbehrlich. Sie unterstützt Adam Lang bedingungslos, und nach meiner Ansicht glaubt sie, dass sie das Richtige getan hat.”

Cattrall empfand Roman Polanski als inspirierenden Regisseur: „Ich habe alle seine Filme gesehen; er ist ein faszinierender Filmemacher. Er ist ein wunderbarer Regisseur, weil er ständig die Spannung vorantreibt. Du folgst ihm, du musst einfach hinsehen, denn du willst mehr wissen. Manchmal sagte er sogar bei einer einzigen Kamerabewegung: ‚Mach es nicht so offensichtlich. Wir brauchen Spannung. Lass etwas außen vor.’ Genau das liebe ich an seinen Filmen. Sie sind so aufregend, weil du nicht weißt, welchen Punkt sie ansteuern. Er führt dich langsam, aber zielgerichtet in eine Falle, und dann erlebst du den Höhepunkt genauso intensiv wie die Charaktere des Films — eine wirklich packende Erfahrung.” „Roman kennt seinen Job besser als jeder andere und er kennt deinen Job besser als jeder andere”, so Cattrall weiter. „Das gilt sowohl für das Geschehen vor wie hinter der Kamera. Er weiß ganz genau, was er braucht und wie er es braucht. Das ist für einen Schauspieler eine echte Herausforderung. Er kann sich richtig ins Zeug legen und ein Mikrofon justieren, einen Tisch zersägen oder dir etwas über deinen Akzent oder dein Make-up erzählen. Seinem Auge entgeht nichts. Für mich war es sehr aufregend, mit ihm Schritt zu halten.”

Nachdem die drei Hauptrollen besetzt waren, galt es die Schauspielerin für die Rolle der Ruth Lang, der Frau des Ex-Premiers, zu finden, was gar nicht so einfach war. Nachdem Polanski verschiedene Kandidatinnen in Betracht gezogen hatte, entschied er sich für Olivia Williams. „Ruth ist die interessanteste Figur des Films”, so Harris. „Sie ist intelligenter als die anderen und sorgt dafür, dass alles funktioniert. Außerdem hat sie den besten Sinn für Humor und den schärfsten Verstand. Ich finde Power-Paare interessant, in denen derjenige mit Charme und Kommunikationsgabe diese Beziehung in der Öffentlichkeit repräsentiert, während der andere mit dem präzisen politischen Verstand und dem geringeren Charisma im Hintergrund bleibt. Ruth ist eine sehr komplizierte und mysteriöse Person. Ich tauschte mich mit Olivia intensiv per E-Mail über die Figur aus, und sie hat die gleiche scharfe Intelligenz wie Ruth. Deshalb ist sie für die Rolle ideal und auch gleichzeitig eine perfekte Kontrahentin für Kim Cattrall.”

McGregor verfolgte die Szenen zwischen Williams und Cattrall mit Vergnügen: „Es war wunderbar, den zwei zuzuschauen, denn beide lieben den gleichen Mann. Und es ist toll, wie sie das zusammen spielen. Es gibt sehr viele schöne Details, wie diese Frauen miteinander kämpfen, aber alles geschieht sehr subtil. Häufig spielen sie diese Szenen im Angesicht von Lang, dem Mann, den sie lieben, und im Angesicht des Ghostwriters, vor dem sie das zu verbergen versuchen. Aber hier und da scheinen ihre Gefühle doch durch. Und beide stellen das sehr raffiniert dar.”

Zu den Nebendarstellern zählen einige der besten Schauspieler der Gegenwart — Golden Globe- Gewinner Tom Wilkinson als Paul Emmett, James Belushi als John Maddox, der Chef des Buchverlags Rhinehart, Eli Wallach als der alte Mann, Timothy Hutton als Langs Rechtsanwalt Sidney Kroll und Robert Pugh als der abtrünnige Richard Rycart. „Wie in allen Filmen Polanskis gibt es mehrere Charaktere, die nur für eine einzelne Episode Bedeutung haben, aber trotzdem sind sie sehr wichtig”, so Benmussa. „So hat auch Tom Wilkinsons Figur eine entscheidende Funktion, und Roman wollte dafür unbedingt jemand mit großem Charisma, obwohl diese Person nur in bestimmten Momenten relevant ist. Auch James Belushi verkörpert keine Hauptfigur, aber der Charakter besitzt eine echte Persönlichkeit und musste daher mit einem sehr charismatischen Darsteller besetzt werden. Roman liebt Schauspieler, vor allem englische. Ihn verbindet mit ihnen eine regelrechte Liebesbeziehung, und das passte genau zu diesem Film, denn sie stellten den Großteil der Besetzung.”

„Roman hat die außergewöhnliche Eigenschaft, dass die Leute unbedingt mit ihm drehen wollen. Das ist einer der großen Vorteile in der Zusammenarbeit”, so Timothy Burrill. „Kaum ein Schauspieler, dem man ein paar Drehtage bei einem seiner Filme anbietet, würde das ablehnen, denn Roman genießt bei Darstellern einen bemerkenswerten Ruf. Die Leute arbeiten gerne mit ihm. Als ich hörte, dass er Eli Wallach für eine winzige Rolle besetzt hatte, war ich absolut begeistert. Dieser Schauspieler ist perfekt, und das steigert noch die Wirkung des Films. Jemand wie Eli zu bekommen, der im Alter von 93 nach Europa reist und eine einzige Szene spielt, das ist ein weiterer Beweis für Romans Fähigkeit, Mitstreiter zu gewinnen.” „Im Mittelpunkt des Films stehen großartige Rollen, und wir haben großartige Schauspieler dafür gefunden. Ich hätte nicht glücklicher sein können”, resümiert Polanski selbst.

In DER GHOSTWRITER gibt es auch einen erzählerischen Einfall, der wohl so noch nie im Kino verwendet wurde. Harris schrieb den ersten Roman, in dem ein Satellitennavigationsgerät eine Schlüsselrolle spielt. Die Richtungsanweisungen der körperlosen Automatenstimme sorgen für den entscheidenden Durchbruch in der Handlung: „Als ich den Roman schrieb, unternahm ich einen sehr effizienten Recherchetrip”, erklärt Harris. „Ich flog nach Boston, holte meinen Mietwagen und fuhr nach Martha's Vineyard (der Hauptschauplatz, der im Roman namentlich genannt wird, im Film dagegen eine anonyme Insel ist). Ich war nur eine Woche da und flog dann nach London zurück. Und alles Bemerkenswerte, was ich dabei erlebte, benutzte ich für die Geschichte. Die Villa ist ein reales Haus, das ich entdeckte und zu dem ich auch Zugang bekam. Und das Gleiche gilt für das Navigationsgerät im Mietauto. Als ich beim Fahren diese körperlose Stimme hörte, dachte ich, dass das eine perfekte Lösung sei. Denn der Zielort des vorherigen Benutzers war immer noch einprogrammiert, und es dauerte eine Zeitlang, bis ich es abgestellt hatte. Das passte ideal für meine Zwecke, denn damit hatte ich eine Stimme aus dem Grab gefunden. Dieser Einfall schaffte es vom Buch in den Film. Und ich hoffe, dass unser Thriller der erste ist, in dem ein Satellitennavigationsgerät eine prominente Rolle spielt.“

Die Dreharbeiten fanden in einem Zeitraum von drei Monaten an Außenmotiven in Deutschland und im Berliner Studio Babelsberg statt. „Das Konzept des Exils und der feindseligen Umgebung sind wichtige Elemente in der Handlung”, sagt Harris. „Als wir zum ersten Mal über den Film sprachen, waren wir uns darin einig, dass wir eine allgemein gültige Geschichte erzählen wollten: Wir brauchten eine unspezifische Umgebung, eine Insel vor der Küste, und wir brauchten einen ehemaligen Staatschef. Davon hat der Film sehr profitiert. Dass diese Welt in Europa rekonstruiert wurde, ist keineswegs ein Handicap. Im Gegenteil, es steigert noch die unheimliche Atmosphäre des Ganzen.”

„Die Schauplätze waren natürlich sehr wichtig”, fügt Ewan McGregor hinzu. „Bei den Dreharbeiten war es sehr kalt und windig und wir filmten viele Szenen an Außenmotiven — zum Beispiel an Stränden bei peitschenden Winden und Regen. Immer versuchten wir schlechtes Wetter zu erwischen. Blauen Himmel konnten wir nicht gebrauchen, es musste grau, regnerisch, elend und einsam sein. Die Figuren sind eingepfercht in einem modernen, sterilen Haus auf einer Insel an der Ostküste. Das schafft ein recht klaustrophobisches Gefühl.”

Wie Ewan McGregor schon bemerkte, war für Regisseur Polanski kein Detail zu viel. Mit einem brillanten Einfall setzte er eine ganz besondere Note, die allerdings keinem Zuschauer auffallen wird: Für die vom Ghostwriter verfasste Autobiografie Adam Langs schuf man eigene Cover, die über die Ausgaben eines echten Buches gelegt wurden. „Alle Bücher in dem Film sind clever designed und sehen wie normale Bücher aus”, so McGregor. „Jemand im Art Department hat ein besonderes Talent, Cover zu gestalten. Aber unter dem Umschlag ‚Adam Lang - My Life‘ stecken die Memoiren eines anderen Politikers — ‚The Blair Years. The Alistair Campbell Diaries’. Jedes der Bücher im Film mit einem Adam Lang-Cover ist also ‚The Blair Years’. Das ist ein Gag des Art Departments.”

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