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Der Geschmack der Kirsche

   Kinostart: 16.07.1998

Filmhandlung und Hintergrund

Bittere Parabel auf die Situation im Iran in karger Ästhetik und mit Laiendarstellern.

Ein Mann fährt auf holprigen Straßen durch eine hügelige Landschaft. Er plant, sich in einem Erdloch umzubringen und sucht jemanden, der am Morgen danach seinen Namen ruft und, falls er nicht antwortet, also tot ist, ein paar Erdschaufeln auf ihn wirft. Ein kurdischer Soldat und ein Theologiestudent lehnen ab. Ein älterer Museumswärter erinnert ihn an die Freuden des Alltags: Mondschein, den Geschmack der Kirsche.

Bittere Parabel auf die Situation im Iran in karger Ästhetik und mit Laiendarstellern.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Der Geschmack der Kirsche: Bittere Parabel auf die Situation im Iran in karger Ästhetik und mit Laiendarstellern.

    Noch vor Drucklegung des Katalogs wurde der iranische Wettbewerbsbeitrag „Der Geschmack der Kirsche“ aus Zensurgründen zurückgezogen, am ersten Tag des Festivals war er wieder im Wettbewerb, und am letzten Tag teilte sich Abbas Kiarostami die Goldene Palme ex aequo mit Shohei Imamura.

    Das iranische Ministerium für Kultur blieb erst einmal hart, weigerte sich, Abbas Kiarostamis Film für Cannes freizugeben. Man verdächtigte den Filmemacher islamischen Fehlverhaltens, er habe die Fertigstellung des Films herausgezögert, um ihn nicht auf dem Teheran-Festival im Februar präsentieren zu müssen, die obligatorische Voraussetzung für eine öffentliche Vorführung im Ausland. Erst eine Intervention des französischen Außenministeriums überzeugte die Mullahs, daß es ihrem Ansehen diene, Kiarostamis Wettbewerbsteilnahme doch noch in der letzten Minute zu ermöglichen. Der 56-jährige realisierte bisher neun Spiel- sowie zwölf Kurz- und Dokumentarfilme unter abenteuerlichsten Bedingungen. Bekannt wurde er durch seine Trilogie „Wo ist das Haus meines Freundes?“ aus dem Jahr 1988 (Goldener Leopard in Locarno), „Und das Leben geht weiter“ (1992, Beitrag in „Un certain regard“) und „Quer durch den Olivenhain“ (1995), der als Sondervorführung in Cannes gezeigt wurde. Die meisten Filme Kiarostamis handeln von der Kindheit und der Liebe zum Leben. In seinem neuesten, selbstproduzierten Film, wie immer mit Laiendarstellern, geschieht relativ wenig, wird das an Mainstream gewöhnte Publikum auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Ein lebensmüder Mann fährt auf holprigen Straßen durch eine hügelige Landschaft, er plant, sich in einem tiefen Erdloch umzubringen. Vorher sucht er nach einem Helfer, der ihm gegen Honorar den letzten Dienst erweisen soll, am Morgen nach dem Selbstmord an einer bestimmten Stelle seinen Namen zu rufen und, falls er nicht antwortet resp. tot ist, ein paar Erdschaufeln auf ihn zu werfen. Ein junger kurdischer Soldat und ein Theologiestudent lehnen das Ansinnen ab, ein älterer Museumswärter erinnert ihn an die Freuden des Alltags wie Mondschein und Nachtigallenklang sowie den Geschmack von Kirschen. Am Ende scheint alles nur für einen Film inszeniert.

    Die Parabel auf die Situation im Iran, einem Land mit steigender Selbstmordrate, beeindruckt trotz karger Ästhetik, trotz aller Bitternis siegt der Selbsterhaltungstrieb, führt der geplante Selbstmord zur Selbstbestimmung. Die philosophischen Ansätze mögen den geübten Denker erfreuen, formal bietet der Film jedoch wenig. Die Goldene Palme fungiert in diesem Fall als politischer Preis gegen Repression und Zensur. Ob diese gut gemeinte Juryentscheidung dem größten Filmfestival der Welt angemessen ist, steht auf einem anderen Blatt. mk.
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