Fakten und Hintergründe zum Film "Der fliegende H?ndler"

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Der fliegende Händler Poster

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Gespräch mit Eric Guirado

Wie sind Sie dazu gekommen, sich für fliegende Händler zu interessieren?

Vor ein paar Jahren realisierte ich für France 3 mehrere Portraits über Menschen mit einem Wanderberuf: Bäcker, Fotograf, Schiffer, usw. – alle in den Regionen Rhône-Alpes und Auvergne. Ich war die ganze Zeit unterwegs, immer am Drehen. Als Road-Movie-Fan liebte ich es, den Figuren zu folgen und deren für mich außergewöhnlichen Alltag zu entdecken. Ich fand es toll, ihre Geschichte erzählen zu können.

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Der Film zeigt eine zersplitterte Familie mit schwierigen Beziehungen…

Was die Familienmitglieder verbindet, sind das Ungesagte und die Missverständnisse. Die Figuren reden nur wenig miteinander. Wenn sie es doch tun, lügen sie sich an und biegen sich die Wahrheit zurecht. Für mich ist es aber eigentlich eine ganz einfache Familie ohne speziellen Hintergrund. Alle versuchen, mit ihrem bescheidenen Leben zurechtzukommen. Bis auf Antoine, der an der Enge zu ersticken droht und flieht.

Außer Claires Figur sind die Charaktere oft unbeholfen, wenn es darum geht, ihre Gefühle auszudrücken…

Es sind sehr verhaltene Menschen. Sie sind zurückhaltend und schüchtern. Sie machen nichts, um ihren Zustand zu verändern, sind nicht entscheidungsfähig. Sie gehen gleichzeitig auf die Nerven und berühren. Wenn ich sie sehe, muss ich an Figuren aus den Wim Wenders Filmen ALICE IN DEN STÄDTEN oder PARIS, TEXAS denken: Sie sagen wenig, machen aber trotzdem Fortschritte.

Der Film zeigt ein ländliches Leben, bei dem nur ältere Leute übrig bleiben…

Ja, das entspricht meiner eigenen Geschichte sowie den Erfahrungen, die ich während meinen Drehs in Südfrankreich gemacht habe. Die Einwohner, die man im Film sieht, versuchen, so lange wie möglich in ihrem Dorf zu bleiben – weil es ihnen dort gefällt und aus Stolz. Dank der fliegenden Händler genießen sie eine gewisse Autonomie. Einige zwingen sich sogar dazu, jeden Tag zu Fuß bis zum Wagen des Händlers zu laufen. So bleiben sie in Form und pflegen einen minimalen Kontakt mit der restlichen Welt. Mich berührt die Isolation dieser Leute sehr.

Die Beziehung zwischen Antoine und Lucienne ist sehr stark.

Am Anfang des Films ist Antoine nicht sehr großzügig. Er hat im Umgang mit seiner neuen Umgebung einiges zu lernen. Lucienne ist die Einzige, die ehrlich mit ihm redet und es wagt, ihn einen Depp zu nennen! Sie hat keine Hemmungen, ihm zu sagen was sie denkt, und öffnet dadurch seine Augen für andere.

Von Anfang bestimmt ein hohes Tempo den Film…

Diese Dynamik gab es schon im Drehbuch. Bei den Dreharbeiten habe ich sie aber noch verstärkt. Ich wollte, dass Antoine wirklich erschüttert wird, dass er – ein bisschen gegen seine Natur – aus seinem bestehenden Zustand gerissen und gezwungen wird, seine Vorurteile zu hinterfragen. Am Anfang zeigt er starken Widerstand. Mit der Zeit öffnet er sich aber und lernt zuzuhören und aufmerksam zu sein. Für ihn persönlich kommt dies einer kleinen Revolution gleich. Und wie alle Revolutionen kommt auch diese nicht sanft zustande.

Sie filmen die Landschaft mit sehr viel Liebe…

Natürlich. Ich bin auf dem Land aufgewachsen und habe eine sehr enge Beziehung zu dieser Welt. Ich habe sehr früh angefangen, die Natur zu fotografieren. Ich wollte das Licht richtig einfangen, die unglaublichen Farben und Formen, die zum Beispiel ein Wald bieten kann. Ich habe dafür eine gewisse Sensibilität entwickelt.

Woher kam die Idee, den Lastwagen zu bemalen?

Von Anfang an wollte ich, dass die neckische Figur der Claire ein bisschen Fantasie in Antoines eher schweigsamen Charakter bringt. Man hätte sich sogar vorstellen können, dass Claire Antoine eine Clown-Nase aufsetzt, damit er endlich lacht. Indem sie den Lastwagen bemalt, bringt sie den Alltag des Dorfes und die Gewohnheiten der Einwohner durcheinander – wie ein Windstoß, der diesen verschlafenen Landstrich aufrüttelt. Dass sie den heiligen Lastwagen des Vaters bemalt, hat sogar beinahe etwas Blasphemisches.

Wie sind Sie auf Nicolas Cazalé gekommen bei der Besetzung des Antoine?

Ich hatte erst Angst, dass er für die Rolle zu gutaussehend ist. Ich habe aber schnell bemerkt, dass er ein sehr unauffälliger und bescheidener Mensch ist. Ich entdeckte viele Gemeinsamkeiten zwischen uns. Nicolas hat zweifellos auch eine dunkle Seite und er scheint sehr viel für sich zu behalten. Ich sage nicht, dass ein Schauspieler einer Figur, die er spielt, auch von den Charakterzügen her gleichen muss. Trotzdem bin ich überzeugt, dass es ein heimliches Einverständnis zwischen Nicolas und Antoine gab.

Wie haben Sie die Darsteller im Dorf ausgewählt?

Ich habe alle persönlich getroffen und habe meine Augen und meine Ohren weit geöffnet, um die Richtigen zu finden. Viele der Dorfbewohner waren keine Profis. Oft hatten sie aber auch schon etwas Amateurtheater-Erfahrung. Das war für uns dann einfacher, weil sie so besser verstehen konnten was es bedeutet, einen Film zu drehen.

Wie und inwieweit hat ihr Blick als Regisseur von Dokumentarfilmen die Figuren angereichert?

In Paris haben die Leute eine verfälschte und klischeehafte Vorstellung von der Provinz. Für mich war die Provinz aber immer ein Ort voller Gegensätze und Kontraste und ich habe sie mit Neugier und Neid gefilmt. Meine Dokumentarfilme boten mir stets die Gelegenheit, auf die Menschen dort zuzugehen, ihren Alltag zu begleiten. Wenn ich einen Dokumentarfilm mache, interessiert mich die Menschlichkeit der Leute. Es sind kleine Helden, die in der großen Landschaft verschwinden. Ich versuche dann, mit Sensibilität das Außergewöhnliche an ihnen zu zeigen. Vor mehr als 10 Jahren portraitierte ich einen alten Hirten im Umland von Gex. Diese Erfahrung inspiriert mich heute noch, wenn ich an den Figuren für einen Spielfilm arbeite.

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