Der Eissturm

  1. Ø 2.4
   1996
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Filmhandlung und Hintergrund

Der Eissturm: Ang Lees atmosphärisch dichtes, deprimierendes Porträt der Siebziger. Bestechend fotografiert mit exzellenten Darstellern.

Die „Fantastischen Vier“ sind so stark, weil sie als Familie zusammenhalten. Zu dem Schluß kommt Paul, als er übers Wochenende nach Hause kommt. Dort sieht alles anders aus: Vater Ben pflegt ein Verhältnis mit der Nachbarin, seine vernachlässigte Frau versucht, mit kleinen Diebstählen ihren Frust zu kompensieren. Schwester Wendy spielt die beiden Nachbarssöhne gegeneinander aus.

November 1973. Die Auswirkungen des „Summer of Love 1967“ sind inzwischen selbst in der amerikanischen Provinz spürbar. So zum Beispiel auch bei der Familie Hood, die in New Canaan, Connecticut, lebt. Vater Benjamin hat ein Verhältnis mit der Nachbarin Janey, Mutter Elena flüchtet sich in Hausarbeit, und die 14jährige Tochter Wendy macht mit Janeys Söhnen Mikey und Sandy ihre ersten sexuellen Erfahrungen. Die Stimmung unter den Hoods ist nicht die beste und die bevorstehende Katastrophe nur eine Frage der Zeit.

Vater Ben pflegt ein Verhältnis mit der Nachbarin, seine vernachlässigte Frau versucht, mit kleinen Diebstählen ihren Frust zu kompensieren. Schwester Wendy vergnügt sich mit den Nachbarssöhnen. Atmosphärisch dichtes, deprimierendes Porträt der Siebziger. Bestechend fotografiert mit exzellenten Darstellern.

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Kritikerrezensionen

  • Wie schon in seinem ersten amerikanischen Film, dem Gewinner des Goldenen Bären „Sinn und Sinnlichkeit“, widmet sich der Taiwanese Ang Lee auch in der Verfilmung von Rick Moodys 1994 erschienenem Roman, der sich mit der Sinnentleertheit des Lebens amerikanischer WASPs im Jahr 1973 auseinandersetzt, mit der Distanz des Außenstehenden in Form eines Period Pieces den fragilen Mechanismen des Familienlebens. Dabei offenbart der Regisseur in der Tragikomödie, mit Kevin Kline, Sigourney Weaver und Joan Allen blendend besetzt, einen ernsthaft eisigen Ton, der im krassen Gegensatz zu seinen bisherigen warmherzigen, leichten Filmen steht, dem brillanten Material aber perfekt entgegenkommt.

    Die präzise Abrechnung mit einer in ihrer Relevanz unterschätzten Epoche der jüngeren Geschichte ist weit mehr als nur ein „Brady Bunch“ mit Tiefgang. Anders als die meisten Filme, die den Seventies gerecht zu werden suchen, läßt sich „Der Eissturm“ von den schrillen Dekors, der absurden Mode und den aufsehenerregenden Frisuren der Zeit nicht den Stil diktieren. Anstatt der sich aufdrängenden Groteske freien Lauf zu lassen, werden die bizarr-futuristischen Designs unter der einfühlsamen Regie Ang Lees zum Symbol für die Entwurzelung seiner Hauptfiguren. Ebenso wie ihre wild geformten Häuser wie Fremdkörper in der idyllischen Natur der amerikanischen Ostküste wirken, schlägt die Einsamkeit der Menschen inmitten der plakativen Einrichtungen und schreienden Tapetenmuster erst recht durch.

    Zehn Jahre nach dem Tod Kennedys und sechs Jahre nach dem Summer of Love ist der neue amerikanische Traum vom erfüllten und befreiten Leben fast ausgeträumt, die Familie als Hort der Zuflucht und Eintracht passé. Mit fernöstlichen Philosophien, esoterischer Musik, Swingerpartys und anderen sexuellen Eskapaden will man in den Vororten übertünchen, daß Isolation, Langeweile und Entfremdung längst die Oberhand gewonnen haben. Um sich seiner panischen Existenzangst nicht stellen zu müssen, unterhält Ben Hood (Kevin Kline) eine Beziehung zu seiner Nachbarin Janey Carver (Sigourney Weaver), die von Bens Spießigkeit ebenso gelangweilt ist wie von ihrem Vertreter-Gatten. Bens Frau Elena (Joan Allen) tröstet sich über die Lügen des Ehemanns mit stupider Hausarbeit und hin und wieder einem kleinen Diebstahl im örtlichen Supermarkt hinweg. Eine Leidenschaft, die sie mit ihrer heranwachsenden Tochter Wendy (Christina Ricci) teilt, deren erwachende Sexualität sich in unschuldigen Spielen mit den Nachbarssöhnen Mikey und Sandy Bahn bricht.

    Das ist die eisige, eingefrorene Situation, bevor in der Nacht nach Thanksgiving ein verheerender und symbolbeladener Eissturm – vom technischen Stab beeindruckend realisiert – über das Land fegt, der einem der Beteiligten das Leben kosten wird. Ein Tod, der Bens Familie ironischerweise für einen entscheidenden, bewegenden Moment näher zusammenführt, als es jemals möglich erschien. Diese Szene, in der sich all die Emotionen der Beteiligten mit einem Mal entladen, ist ein gewaltiger Payoff, nachdem Ang Lee die Atmosphäre über beinahe zwei Stunden meisterlich auf Kühlfachtemperatur gehalten hat. Nur wenigen Filmen zuvor ist es gelungen, die Einöde des suburbanen Erwachsenenlebens und die Teenage Angst des Nachwuchses so einträchtig und überzeugend Seite an Seite zu präsentieren. Dabei gewinnt der Regisseur gerade dem Tragischen immer wieder eine komische Seite ab: Es ist unmöglich, über die Verzweiflung nicht zu lachen, mit der die Figuren aus ihrer Apathie zu entfliehen versuchen. Der sehr feine Humor und die bewundernswert kontrollierten Vorstellungen der Schauspieler sind es, die „Der Eissturm“, diese kopflastige, aber nie akademische Abhandlung über ein Amerika vor dem Crash, zu einem der Leckerbissen des Filmjahres werden lassen, auf den man sich allerdings bedingunglos einlassen muß, um ihn vollständig zu genießen. ts.

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