Filmhandlung und Hintergrund

Unterhaltsame "True Romance"-Variante, in der Til Schweiger abermals auf Tarantinospuren wandelt.

Ein Killer vermasselt seinen Auftrag, eine Terroristin läßt sich das Auto mit der im Kofferraum plazierten Bombe stehlen. Während zwei aufgeweckte Kids eine Spritztour mit dem Auto unternehmen, kommen Killer und Terroristin in einem Pilspub ins Gespräch und verlieben sich ineinander. Ein blutiger Ausgang ihrer Liaison scheint unausweichlich, als sie von ihren jeweiligen Auftraggebern aufgestöbert werden.

Leo ist Profikiller, genannt „Der Eisbär“. Bei seinem jüngsten Auftrag erwischt er allerdings den Falschen. Die Schergen des „Gesundheitsinspektors“, wie sein Boß respektvoll genannt wird, sind ihm deshalb bereits dicht auf den Fersen. Um sein weiteres Vorgehen in Ruhe überdenken zu können, zieht „Der Eisbär“ sich erst einmal in „Paul’s Eck“ zurück. Doch auch Berufskollegin Nico hat es nicht leicht. Eigentlich hätte sie den „Gesundheitsinspektor“ töten sollen, aber die Sache lief schief. In „Paul’s Eck“ sucht sie Trost - und findet Liebe…

Unterhaltsame „True Romance“-Variante, in der Til Schweiger abermals auf Tarantinospuren wandelt.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Der Eisbär: Unterhaltsame "True Romance"-Variante, in der Til Schweiger abermals auf Tarantinospuren wandelt.

    Nach dem Megaerfolg von „Knockin‘ On Heaven’s Door“ - mit 3,6 Mio. Zuschauer der erfolgreichste deutsche Film des Jahres 1997 - war es für Til Schweiger und seine Produktionsfirma Mr. Brown Entertainment nicht leicht, einen passenden Nachfolger zu finden. Man kann sagen, daß man mit „Der Eisbär - entstanden in Coproduktion mit der Kölner Ena Film - Vollzug vermelden kann. Das talking picture lebt vor allem von coolen Dialogen, die geschickt mit Humor- und Thrill-Elementen kombiniert wurden, wobei auch der emotionale Input nicht auf der Strecke bleibt. Neben Anklängen ans Zeitgeistkino à la Tarantino hat „Der Eisbär“ genügend Substanz und Originalität, um als hochvergnügliches deutsches Popcorn-Movie über die Runden zu kommen.

    Til Schweiger, der diesmal in Personalunion als Hauptdarsteller, Coproduzent und Coregisseur (neben Drehbuchautor Granz Henman) auftritt, hat einen mutigen Schritt in die richtige Richtung gewagt. „Der Eisbär“ ist kein „Knockin'“-Abklatsch geworden, sondern ein Film, der in punkto Dramaturgie, Look und Inhalt neue Wege geht. Statt auf eine stringente Handlung setzt der Film auf die Montage scheinbar völlig voneinander getrennter Geschichten, die konzentrisch um einen hochdramatischen Showdown gruppiert sind. Und so macht es immer mehr Sinn, daß ein Oldtimer mit einer scharfen Bombe plus Zeitzünder durch die nächtlichen Straßen Kölns geistert, daß zwei Jugendliche einen Hamburger-Laden überfallen, ein Killer den falschen Mann umnietet und eine schöne Frau in der Spießerkaschemme Paul’s Eck melancholisch doppelte Tequilas kippt und Kette raucht. Diese Sideplots - rhapsodisch und mit leichter Hand inszeniert - dienen als poppiger Rahmen für das Herzstück des Films, dem klassischen Boy meets Girl. Nico (somnambule Erotik: Karina Krawczyk) und Leo (Loner mit Softspot: Til Schweiger) begegnen sich in Paul’s Eck an einem äußerst kritischen Punkt ihres Lebens: Beide haben ihren jeweiligen Killerjob dermaßen vermasselt, daß sie glauben, nun selbst auf der Abschußliste zu stehen. Umgeben von dumpfteutschen Spießern - die allesamt nach dem Zehn-kleine-Negerlein-Prinzip süffisant aussortiert werden - entdecken die beiden die große Liebe. Bei dieser Sequenz scheut sich der Film trotz seiner humorigen Grundstimmung nicht, voll auf die emotionale Karte zu setzen. Wie man beim Witzeerzählen total in den anderen abstürzen kann, gehört zweifelsohne zu den Höhepunkten des Films. Und einmal mehr spielt auch gerade hier die Musik - in diesem Fall The Righteous Brothers - eine eminent wichtige Rolle: Sie überhöht und konterkariert zugleich. Schon lange nicht mehr war die Musikauswahl bei einem deutschen Film so subtil und eklektisch. Ein weiterer Pluspunkt ist die Besetzung: Schweiger ist klug genug, sich nur mit guten Schauspielern zu umgeben und auch neuen Gesichtern eine Chance zu bieten. Genutzt haben diese vor allem die weibliche Hauptdarstellerin Karina Krawczyk und Sidekick Benno Fürmann als sympathischer Sprücheklopfer. Der stilisierte Look von „Der Eisbär“ schafft nicht nur einen amüsanten Schattenreich-Mikrokosmos, sondern kreiert zudem eine höchst eigentümliche Märchenatmosphäre zwischen Kintopp, Kitsch und Melodram. Ob diese attraktive Mischung auch beim Publikum zündet, bleibt abzuwarten. Doch bei fairer Betrachtungsweise braucht sich „Der Eisbär“ hinter seinem Vorgänger nicht zu verstecken. Wenn es dem Verleih gelingt, den Film entsprechend zu positionieren, steht auch einem Erfolg an der Kinokasse nichts mehr im Wege. ull.

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