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Über die Buchvorlage

Buchvolage und Autorin: “Der Brief für den König” von Tonke Dragt Pieter Verhoeffs Film basiert auf dem gleichnamigen Erfolgs-Buch von Tonke Dragt aus dem Jahre 1962. In den Niederlanden wurde es 1963 zum ‘Besten Jugendbuch des Jahres’ gewählt; 2004 folgte die Auszeichnung mit dem ‘Griffel der Griffel,’ einem Sonderpreis des Silbernen und Goldenen Griffels, dem holländischen Staatspreis für Literatur, der das beste Jugendbuch der letzten 50 Jahre auszeichnete. Der Ritterroman ist u.a. in Dänemark, Spanien, Japan, Tschechien, Estland, Frankreich, Italien und Indonesien erschienen; allein in Deutschland wurden mehr als 400.000 Exemplane verkauft.

Regisseur Pieter Verhoeff über das Buch

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Der Brief für den König” ist mein Lieblings Jugendbuch; ich habe es damals meinem Sohn vorgelesen. Es ist eine wundervolle und mitreißende Abenteuergeschichte, eine Art holländischer Robin Hood. Was mich am meisten ansprach, ist das Thema und die Abstraktion: Die Hauptperson Tiuri muss lernen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das finde ich schön. Im Buch steht zum Beispiel: “Er sieht einen lachenden Mund, aber kalte Augen. Wer ist dies? Kann er ihm vertrauen?” Als er beinahe in einen Abgrund fällt, weiß Tiuri nicht, ob es ein Unfall war oder ob Jaro ihn geschubst hat. Er weiß nicht, was er von diesem Mann halten soll. Doch rettet er Jaro, als dieser verunglückt und in seiner Nähe am Rand eines Abgrunds hängt. Tiuri ist anfangs zu gutgläubig, zu naiv. Er begibt sich auf die Reise ins Erwachsenwerden, lernt, um sich zu schauen, Menschen zu durchschauen. Er lernt den Unterschied zwischen Gut und Böse, wem er vertrauen kann und wem nicht. Dies liest man selten in einem Jugendbuch.

Vor Jahren schon habe ich Produzenten gesagt, dass ich dieses Buch gerne verfilmen möchte. Ich fühlte eine große Verantwortung gegenüber dem Umfang dieses Projektes, dem vielen Geld, den Produzenten, den Lesern, dem Publikum und natürlich auch mir selber. Denn ich möchte immer einen so guten Film wie möglich machen.

Regisseur Pieter Verhoeff über das Szenario

Viele Menschen über drei, vier Generationen hinweg haben “Der Brief für den König” gelesen. Da kann man nicht stark in die Erzählung eingreifen oder die einzelnen Persönlichkeiten bearbeiten, sie verändern. Einige Elemente müssen übernommen werden: Die Kapelle, die Burg Mistrinaut, Ritter Edwinem, der Tiuri den Auftrag gibt, die Verfolgung duch die Roten Ritter, die Mönche, die Falle von Jaro, Menaures in den Bergen, die Stadt Dangria, dass Jaro und Piak beinahe sterben, der tote Schreiber von Unauwen. Dieses Drehbuch hat beinahe 110 Seiten, die Geschichte 450 Seiten - und auch anderes musste in den Film übernommen werden. Das war nicht weiter schlimm. Im Buch ist alles sehr gut erklärt, so konnte ich auch einiges streichen.

Aber ich habe auch einiges hinzugefügt. “Der Brief für den König” ist mehr oder weniger ein Film über Freundschaft: zwischen Tiuri und Piak, zwischen Tiuri und Lavinia. Dies habe ich im Film stärker betont, als es im Buch der Fall war. Im Buch macht Tiuri auch keine solche Entwicklung durch; dort ist und bleibt er der Held. Wir haben das angepasst: Vor der Szene in der Kapelle haben wir einiges ergänzt, um aufzuzeigen, was Tiuri für ein Junge ist. Er ist begabt, aber noch verspielt.

Am Anfang sieht man ihn mit den anderen Schildknappen bei Schwertkampfübungen. Das macht er gut, aber sein Trainer ist unzufrieden, weil er überhaupt keinen Killerinstinkt hat; darum bekommt er Ärger. Tiuri ist noch jung; so fühlt er sich selbst auch. Seiner Mutter vertraut er an, dass er lieber noch vier Jahre warten würde, ehe man ihn zum Ritter schlägt. Aber dann erzählt ihm die Mutter, dass sein Vater, seit Tiuris älterer Bruder gestorben ist, Angst hat, nicht mehr mitzuerleben, dass sein Sohn ihm nachfolgt. So haben die folgenden Ereignisse eine Motivation. Tiuri ist der einzige Sohn; er muss sich selbst verwirklichen, für seinen Vater. Noch auf dem Weg zur Kapelle läuft er hinter allen her. Aber er ist der Erste, der die Tür der Kapelle öffnet, trotz des Verbots. Im Buch nimmt er den Auftrag sofort an; im Film zweifelt er. Bei uns ist er genau der Junge, der für diesen Auftrag am wenigsten geeignet scheint. Aber man sieht ihn wachsen. Am Ende ist er stärker und männlicher.

Regisseur Pieter Verhoeff über den Stil

Mir schwebte ein spannender Abenteuerfilm mit traumartigen Elementen vor. Wenn Tiuri in die Kapelle eintritt, landet er – und ich hoffe, mit ihm das Publikum – in einem Traum. Wie bei Hitchcock startet man von einer intakten in eine labile Welt hinein. Wie in einem Traum weiß man nie genau, wer wer ist. Jeder kann einen Januskopf haben. Manche Menschen tragen sogar eine richtige, sichtbare Maske.

Akzente haben wir mit Farben gesetzt: Jedes Land hat seine eigene Farbpalette. In Mistrinaut dominieren zum Bespiel grau und blau, während Unauwen, eine himmlische Stadt, hell und lichtdurchflutet ist. Dangria ist geheimnissvoller, Dagonaut ist herbstlich geprägt.

Weil es auch ein Abenteuerfilm ist, haben wir uns dafür entschieden, sehr physisch und beweglich mit der Kamera zu arbeiten. Wir haben die Actionszenen oft mit zwei Kameras aufgenommen. Am Ende hatte ich mehr als doppelt soviel Rohmaterial wie bei meinen anderen Filmen. Doch hat der Film auch einen gewissen Grad an Ruhe erhalten, da ich mich mit dem Cutter Bart van den Broek sehr auf die Emotionen konzentriert habe, nicht auf die Effekte. Ich möchte, dass der Zuschauer mit Tiuri mitfühlt. Die Erzählung ist psychologisch nicht kompliziert, aber das Publikum muss schon mit ihm mitfühlen.

Regisseur Pieter Verhoeff zu Yannick van de Velde

Der Film steht und fällt mit der Besetzung der Hauptrolle, denn er ist in jeder Szene dabei. Darum bin ich so glücklich mit Yannick, der einzige niederländische Schauspieler, der einen Jugend-Oscar, den Young Artist Award, für seine Rolle in “In Oranje” gewonnen hat. Ich kenne ihn schon von seiner Geburt an; seine Eltern sind gute Freunde von mir - schon als Kind hat er auf meinem Schoß gesessen.

Ich habe ihn im Reiten und Schwertkampf unterrichten lassen. Kurz vor Drehbeginn schien alles schief zu laufen: Während eines Fußballspiels auf der Straße riss sich Yannick den Meniskus. Normalerweie muss man bis zu zwei Monate auf die Operation warten. Glücklicherweise konnte ihm ein Sportchirurg, der ihn aus “In Oranje” wiedererkannt hatte, direkt helfen. Danach hat Yannick jeden Tag Physiotherapie gemacht. Doch merkte ich bei den ersten Drehs, dass er unsicher war. Macht mein Knie das mit?! Aber schnell fasste er Mut und ritt wie ein Pfeil durch den Wald.

Regisseur Pieter Verhoeff über die Besetzung

Neben Yannick spielt Quinten Schram die größte Rolle. Als ich ihn zum ersten Mal sah, wusste ich, dass er die perfekte Besetzung für Piak war. Mit seinen großen braunen Augen und seinen struwweligen schwarzen Haaren bildet er ein gutes Gegenstück zu Yannick, auch weil er zwei Jahre jünger ist und kleiner. Nur mit der Konzentration hatten die beiden ein bisschen Mühe. Yannick und Quinten sind beide noch recht kindisch; das Leben hat es ihnen leicht gemacht. Nun werden ihnen Regeln aufgestellt: Sie mussten richtig schauspielern, Übergänge machen, mehrere Stimmungen darstellen. Aber das haben sie schnell gelernt. Für die übrigen Rollen hatte ich Spitzenleute, die alle gerne mal in einem Ritterfilm mitspielen wollten. Von Monic Hendrickx, Daan Schuurmans und Derek de Lint bis Michiel Romeyn, Raymond Thiry und Victor Reinier. Gijs Scholten van Aschat erzählte zum Beispiel, dass “Der Brief für den König” auch sein liebstes Jugendbuch war. Eines der Pferde, das seine Familie besaß, hieß Piak. Wir hatten Schauspieler von hohem Niveau, auch die deutschen Schauspieler Uwe Ochsenknecht, Hanna Schwamborn, Lars Rudolph und natürlich Rüdiger Vogler.

über die Crew

Alle Leiter der unterschiedlichen Abteilungen waren Niederländer, außer der deutschen Kostümbildnerin Peri de Bragança. Sie arbeitete mit einer Assistentin zusammen, die selbst auch Kostümbildnerin ist - zwei absolute Fachfrauen. Ich zeigte ihnen ein Buch mit Zeichnungen von Breughel und erklärte ihnen die Farbgebung und dass die Geschichte in einer Art Fantasy-Mittelalter, das vom späten Mittelalter ausgeht, spielt. Sie wussten genau, was ich meinte. “Mach dir keine Sorgen,” sagte Peri, “mein Mann ist Historiker und weiß viel über das Mittelalter.”

Danach sind sie durch ganz Europa gereist, von London bis Zagreb, von Berlin bis Madrid, und haben ungefähr fünfhundert Kostüme zusammengetragen. Danach haben sie noch mal hundert Kostüme selbst entworfen. Am Set war es toll mitanzusehen, wie ein Darsteller etwa in einen mittelalterlichen Schreiberling verwandelt wurde. Mit seiner Kleidung änderte sich auch sein ganzes Verhalten. Eines der Prunkstücke war der Pelzmantel für König Dagonaut, der dreißig Kilo auf die Waage brachte.

Auch die Niederländer waren top. Gerrit Martijn war mein Aufnahmeleiter; Paul van Brugge hat einen sehr stimmungsvollen Score komponiert - Musik ganz nach meinem Herzen. Mit Jules van den Steenhoven, dem Kameramann, hatte ich bisher noch nicht zusammengearbeitet; er ist ein toller Fotograf und ein netter Mann. Außerdem hatte er Erfahrung mit digitalen Effekten und auch schon in Deutschland gearbeitet. Dadurch hatten wir eine ausgezeichnete deutsche Crew mit den besten Grip-Leuten, Focus Pullern, Gaffern und Beleuchtern des ganzen Landes. Für mich sollten die Kämpfe, vor allem die Schwertkämpfe, unbedingt realistisch aussehen, nicht so wie bei kleineren Produktionen, wo die Kämpfe später digital überarbeitet werden. Darum war ich glücklich, mit Willem de Beukelaer und seinem Stunt-Team zusammenzuarbeiten. Er hat den Schauspielern das richtige Fechten beigebracht, so dass wir lebensechte Szenen drehen konnten.

Gert Brinkers, der ständige Ausstatter von Jos Stelling, ist ein Großmeister. Mit ihm hatte ich vorher bei “Nynke” zusammengearbeitet. Gute Locations waren schwer zu finden, auch in Deutschland. Von der Finanzierung aus waren wir verpflichtet, fünfzehn Tage in Nordrhein Westfalen zu drehen. Aber viele Burgen und Schlösser dort sind Denkmäler des Kitsches.

Einige Burgen sind von einem Mix verschiedener Stile geprägt, wodurch sie nicht mehr nach Mittelalter aussehen. Andere deutsche Burgen haben keine Filmarbeiten erlaubt oder lagen zu weit weg in Süd-Ost-Deutschland. Wir haben endlos gesucht, aber zum Schluss die perfekte Location gefunden. Gert Brinkers ist wirklich ein Wunder - er kennt sich in ganz Europa aus.

Regisseur Pieter Verhoeff über die Dreharbei

Logistisch gesehen war “Der Brief für den König” mein größtes und aufwändigstes Projekt. Aber die Arbeit war nie mühsam - an keinem einzigen Tag. Das kam zum einen durch die Crew, zum anderen durch meine Einstellung. Ich kann am besten arbeiten, wenn die ganze Energie gebündelt in die gleiche Richtung geht.

Während der Warm-Up-Party in Keulen sagte ich: “Liebe Freunde, jeder Tag wird ein Kampf, ein großer Kampf. Aber wir gehen es an wie Kinder, die zum Spielen nach draußen gehen.” Ungeachtet des Zeitdrucks, den wir hatten, da wir nur 47 Drehtage hatten, war die Stimmung wahnsinnig gut. Jedes Set sah phantastisch aus - das Dekor, die Kostüme und die Maske. Wir hatten wirklich ein außerordentliches Art Department; das sahen die Deutschen genauso. Bei denen sind die einzelnen Abteilungen stärker getrennt; bei uns geht alles ineinander über.

Jeder, jedes Crewmitglied und jeder Schauspieler, arbeitete mit unaufhörlichem Engagement und viel Spaß. Während des Bergfestes sagten die Leute: Ich wünschte, dass wir noch ein halbes Jahr an diesem Film arbeiten würden. Es war ein Genuss, mit so hochqualifizierten und motivierten Menschen zusammenzuarbeiten. Wir hatten zum Beispiel ein deutsches Team, das für die Pferde verantwortlich war. Dies stand unter der Leitung eines Ungarn, Sandor. Er sagte beim Abschied: “Pieter, ich mache diesen Job schon dreißig Jahre, aber ich habe noch nie so viel Spaß gehabt und mit soviel Konzentration und Liebe gearbeitet wie bei dieser Produktion.”

Und dann gab er mir einen Kuss. So war die Atmosphäre - nicht sentimental, aber es wurde mit einer gewissen Wertschätzung gearbeitet. Ich fühlte mich wie ein Dirigent: Ich kenne den Ablauf und die Musik, aber ich kann kein Instrument spielen. Das können Cast und Crew. Ich kann sie nur anspornen, aus sich selbst herauszukommen und ihr Bestes zu geben. Das ist geschehen. Sie haben mehr gegeben, als ich erwartet hatte. Das war ein herrliches Gefühl.

Interview mit Hauptdarsteller Yannick van de Velde

Warum wolltest Du in “Der Brief für den König” mitspielen?

“Es ist eine Reisegeschichte, die im Mittelalter spielt. Es schien mir phantastisch, eine Rolle in einem Film zu übernehmen, der in der Vergangenheit spielt. Regisseur Pieter Verhoeff kannte ich schon, und ich finde ihn furchtbar nett. Auch der Zeitpunkt war perfekt: Ich war gerade mit der Schule fertig; die Proben waren während meines Endexamenfestes, und ich hatte im kommenden Jahr noch nichts vor.”

Wie verliefen die Proben?

“Eigentlich erstaunlich unbeschwert. Beim ersten Mal habe ich mit Pieter Verhoeff über die Rolle gesprochen und zwei Szenen gespielt; am schwersten fiel es mir, so schwierige und seltsame Wörter wie Unauwen und Menaures natürlich auszusprechen. Ich sagte manchmal auch Tiuru statt Tiuri. Aber zum Glück habe ich das schnell gelernt. Eine Woche später musste ich noch einige Male zurückkommen, um den Schauspielern, die für die Rolle des Piak vorgesprochen haben, Feedback zu geben. Das war mir schon etwas unangenehm, da ich ja selbst noch nicht wirklich engagiert worden war. Später hörte ich zwar, dass das gemacht wurde, um zu schauen, zu wem ich am besten passte oder ob nicht bei den Piak-Kandidaten noch ein besserer Tiuri war. Am Ende wurde aber schnell klar, dass Quinten Piak und ich Tiuri spielen sollte.”

Hast Du das Buch früher gelesen?

“Nein, aber nach den Proben haben ich es natürlich gleich gelesen. Auch das Drehbuch habe ich ganz genau studiert. Der Film wurde kreuz und quer durch das Drehbuch gedreht. Daher fand ich es wichtig genau zu wissen, was vor und was nach den einzelnden Szenen geschieht, damit ich genau wusste, wie sich alles als Geschichte zusammensetzt. Während des Drehs wurde zwar noch am Drehbuch weitergearbeitet, aber das waren nur kleine Anpassungen. Die Handlung, die Entwicklungen haben sich kaum verändert.”

Als echtes Fußballtalent hattest Du im Fußballfilm “In Oranje” einen Vorteil; nun hast Du einen Ritter in Ausbildung gespielt. Wie klappte das Training in Reiten und Schwertkampf?

“Das war wirklich sehr schwer. Fußballspielen konnte ich schon, und auch nicht schlecht, aber auf einem Pferd hatte ich bis dahin noch nie gesessen. Das wollte ich auch eigentlich so beibehalten. Für Pferde habe ich mich absolut nicht interessiert; Reiten hielt ich für ein Mädchenhobby. Ich konnte mir nicht vorstellen, Spaß daran zu haben, ein Pferd zu striegeln, und schon gar nicht eine so enge Hose zu tragen. Aber ich sitze fast den ganzen Film über auf einem Pferd. Die ersten fünf Unterrichtsstunden habe ich den Reithelm in meiner Fußballtasche gelassen und meinen Jogginganzug anbehalten, weil niemand merken sollte, dass ich reiten ging. Nach den ersten Stunden war ich im Urlaub und habe mir den Meniskus gerissen. Dabei hatte ich extra mit dem Fußballspielen aufgehört, damit nichts passiert! Glücklicherweise konnte ich sofort operiert werden, und ich habe sechs Wochen lang Physiotherapie von den Therapeuten der Niederländischen National-Elf bekommen; das fand ich ziemlich cool. Danach bekam ich in einem enormen Tempo mehr Reitstunden von Ijsbrand Chardon und von dem Ungarn in Keulen, der eine Manege mit Stuntpferden besitzt. Da habe ich in einigen Wochen ganz gut Reiten gelernt, und nun macht es mir sogar Spaß. Schwertkampf war sehr schwer zu lernen, gerade mit dem kaputten Knie. Ich bekam ein Übungsschwert, das ich sogar mit in den Urlaub nehmen musste. Aber ich interessiere mich nicht so für Schwertkampf und Fechten und wusste nicht wirklich, was ich damit anfangen sollte. Es war alles neu für mich. Ich habe viel mit Ron Sleeswijk trainiert, der mit dem Schwert wirklich alles machen kann. Die ersten zehn Stunden habe ich für die Basistechnik gebraucht; da habe ich immer auf einen Sandsack geschlagen. Danach musste ich die Choreographien lernen. Letzten Endes habe ich ganz zufriedenstellend gekämpft. Ich habe hart dafür gearbeitet und denke, dass ganz schöne Szenen entstanden sind.”

Wie hast Du Dich darauf vorbereitet, in einem Historienfilm mitzuspielen?

“Ich habe vorher keine Filme gesehen, die im Mittelalter spielen. “Der Brief für den König” spielt in einem fiktiven Land mit fiktiven Städten. Das Buch hat auch seine ganz eigene Interpretation des Mittealters. Vor den Aufnahmen habe ich mit Michiel Huisman telefoniert, der in “Floris” gespielt hat. Er hat mir praktische Tipps gegeben und mir auch erzählt, wie phantastisch es ist, einen Ritter zu spielen, aber auch, wie anstrengend es ist. Er hatte zu Hause ein Übungsschwert, mit dem er jeden Tag übte, damit es natürlich rüberkam. Bei den ersten Kostümproben merkte ich, dass man sich gleich anders fühlt, wenn man mittelalterliche Kleidung trägt. Am Set hilft die Umgebung. Die Pferde, mit einem Schwert in der Hand da zu stehen, umgeben von Hunderten von Menschen in mittelalterlichen Kleidern, fühlt man sich direkt in diese Zeit zurückversetzt. Meine Art zu reden hat sich dann auch verändert. Es durfte natürlich nicht zu modern klingen, und Wörter wie “okay” und “hey” musste ich aus meinem Sprachschatz verbannen. Ich habe auch langsamer und etwas leiser gesprochen. Dann klingt man von alleine schon ein bisschen nach Mittelalter.”

Dein Vater führte vor einigen Jahren bei “Floris” Regie. Hatte er auch noch Tipps für Dich?

“Er hat mir viel erzählt - nicht darüber, wie ich die Rolle spielen soll, eher über seine Erfahrungen mit “Floris.” Zum Beispiel wie schwer es war, den ganzen Tag mit den Pferden, den Schwertern und der Kleidung draußen zu sein. Und das alles in der Kälte. Einer seiner besten Ratschläge war, dass ich manchmal eine Pause machen soll; nicht wie bei “In Oranje” immer am Set zu bleiben, um mit jedem mal zu quatschen. Ich habe probiert, mir ein wenig Zeit für mich selbst zu nehmen, aber so richtig gut hat das nicht geklappt.”

Hast Du einen Lieblingsschauspieler oder Lieblingsfilm?

“Einen Lieblingsschauspieler hatte ich noch nie, aber als ich im letzten Jahr “300” gesehen habe, fand ich König Leonidas ziemlich cool - mit dreihundert Männern gegen eine Legion von Millionen von Soldaten. Natürlich hatten sie am Ende keine Chance, aber sie haben Tausende von Feinden geschlagen. Ich schaue viele Spielfilme, auch Ritter- und Abenteuerfilme. Am besten gefallen mir “Gladiator”, der erste Teil von “Fluch derKaribik” und die “Herr der Ringe”- Trilogie. Aber das sind nicht unbedingt meine Lieblings-Genres; ich achte mehr auf die Regie und die Schauspieler.”

Wie würdest Du Tiuri beschreiben? Und inwiefern bist Du ihm ähnlich?

“Sicherlich ist Tiuri am Anfang der Geschichte nicht viel anders als andere 16-jährige Jungs. Er ist naiv, gutgläubig und kindisch, aber auch talentiert. Daher kann er so jung auch schon Ritter werden. Beim ersten Schwertkampf sieht man die verspielte Seite von Tiuri; später, wenn er um sein Leben kämpfen muss, ist er grimmiger. Ich finde es schön zu sehen, wie Tiuri sich verändert, wie er verantwortungsvoller wird. Weil er so nett ist, ist er in Schwierigkeiten geraten; so wird er etwas misstrauischer und später ist er etwas vorsichtiger. Aber er bleibt freundlich, er bleibt ein fröhlicher Junge, wodurch er auch neue Freunde gewinnt. In meiner heiteren Art bin ich Tiuri wohl sicherlich ähnlich. Ich bin auch noch nicht ganz erwachsen, immer bereit für Quatsch. Auch ich bin gutgläubig und gehe meistens vom Guten im Menschen aus. Natürlich frage ich mich, ob ich solche Gefahren durchstehen könnte; in meinem Leben musste ich noch keine solchen Prüfungen bestehen. Vor einer Aufnahme konzentriere ich mich, denke gut darüber nach, was geschieht, wo ich in der Geschichte stehe und wo ich hin will. Von Pieter (Verhoeff) bekam ich außerdem Anweisungen, was mir sehr geholfen hat.”

Was sind Deine Lieblingsszenen - eher die Actionszenen oder die emotionalen Momente?

“Das ist eine schwere Frage. Die Eröffnungsszene, das erste Schwertgefecht mit Stefan Storm, einem Stuntman von Willem Beukelaer - das waren die besten Actionszenen. Wir haben zuerst mit schweren Aluminium-Schwertern gekämpft. Bei den Aufnahmen haben wir Schwerter aus Carbonfasern benutzt, die wiegen beinahe nichts, und ich konnte mich richtig auf die Choreographie und das Schauspielen konzentrieren. Der Kampf an sich war auch mitreissend. Es war wie ein Spiel, obwohl man sich konzentrieren musste und auch viel Technik mit dabei war. Es war eine tolle Location, eine Burg in Vianden in Luxemburg. Es gab noch mehr tolle Actionszenen, so bin ich zum Beispiel von einer Brücke auf einen Stapel Kartons gesprungen - dabei hätte ich auch in den eiskalten Fluss fallen können. Im vollen Galopp über die Felder zu reiten ist auch nicht ohne! Bei den Schauspielszenen war es natürlich auch gewaltig, mit solchen berühmten Schauspielern arbeiten zu dürfen. Ich habe viel von ihnen gelernt. Eine schöne Szene war, als ich aus dem Rathaus in Dangria entkommen bin. Und ich fand es auch immer gut, wenn Quinten am Set war. Wir sind echte Kumpels geworden. Meine absolute Lieblingsszene im ganzen Film ist, als Tiuri und Piak den verschneiten Weg durch die Berge geschafft haben und zum ersten Mal die Stadt Unauwen sehen. Die Dialoge finde ich auch sehr schön. Tiuri wünscht sich eigentlich in seinem Inneren, dass Piak bei ihm bleibt, aber er hat ihm versprochen, dass er nach der Reise zurückkehren kann.”

Hast Du das Gefühl, dass Du als Schauspieler seit “In Oranje” gewachsen bist?

“Ich bin ruhiger geworden, gerate nicht so schnell in Panik, wenn etwas nicht so klappt, wie ich will. Dann konzentriere ich mich und weiß, wie ich es anpacken muss. Obwohl ich in diesem Film auf viel mehr Dinge achtgeben musste – das Pferd, die Kleidung, allerlei Kleinigkeiten – bin ich fokussiert geblieben. Damit hatte ich noch vor einigen Jahren mehr Mühe.”

Mit wem hast Du Dich während der Aufnahmen am Besten verstanden, und wer hat Dich am meisten unterstützt?

“Quinten war mein Kumpel, aber ich bin mit jedem gut ausgekommen, mit den Leuten von Kostüm und Maske, Kamera, Licht und Ton, den Aufnahmeleitern, dem Regisseur und den anderen Schaupielern. Es war ein Spitzenteam. Morgens bekam ich in der Maske von Leendert van Nimwegen mein tägliches Red Bull. Dann haben wir uns unterhalten und Musik gehört. Die Frauen vom Kostüm waren sehr nett, und auch die Jungs vom Ton waren super. Ich kam auch super mit dem Kameramann Jules van den Steenhoven und seiner Tochter Charley aus, die Video-Assistentin war, und Pieter Verhoeff ist ein phantastischer Mensch. Viele Schauspieler haben mir geholfen, aber von Pieter habe ich die meisten Tipps bekommen. Er als Regisseur ist halt der Boss, also habe ich ihm gut zugehört. Aber auch immer, wenn ich ihm in einer Sache nicht zustimmte, hat er mir zugehört. Mir hat auch sehr gut gefallen, dass der Film eine deutschniederländische Koproduktion ist und wir daher auch eine gemischte Crew hatten. Es war schön, mit den Deutschen zusammenzuarbeiten und auch ein paar Tage mit den Franzosen.

Wie war es, in verschiedenen Ländern zu drehen?

“Phantastisch. Wir haben in den Niederlanden, in Deutschland, in Belgien, Frankreich, Luxemburg und Schottland gefilmt. Ich habe tolle Gegenden gesehen. Da es ein Mittelalterfilm war, haben wir in den schönsten Burgen und Schlössern gedreht. Auch das Arbeiten mit Menschen aus verschiedenen Ländern hat mir sehr gut gefallen.”

Was hast Du von Pieter Verhoeff gelernt?

“An erster Stelle ist er ein sehr lieber, warmer und fröhlicher Mann. Er ist energisch und weiß genau, was er will. Manchmal war das anstrengend, wenn ich anderer Meinung war, aber meistens war es lustig, von jemandem dirigiert zu werden, der genau weiß, was er will. Er hat mir auch die Freiheit gegeben, mich selbst einzubringen, indem er immer wieder sagte, dass ich es so machen soll, wie ich es für richtig halte. Er war sehr offen für Kritik, und ich konnte immer alles fragen. Es war auch angenehm, dass er immer ruhig geblieben ist. Wir haben im Winter gedreht, so waren die Tage kurz und durch die Pferde konnten wir nicht so schnell arbeiten, aber Pieter liess sich nicht aus der Ruhe bringen. Von Pieter habe ich gelernt, dass Spaß an der Arbeit das wichtigste ist. Auch wenn etwas nicht gleich klappte, stand er strahlend am Set. Durch ihn habe ich damit begonnen, besser über Texte, Szenen und Handlungen nachzudenken. Ich habe auch gelernt, dass ältere Männer ziemlich lustig sein können…”

Was ist Deine schönste Erinnerung an die Dreharbeiten?

“Die beste Entscheidung war, meine Playstation mitzunehmen. Jeden Abend haben wir zu fünft oder zu sechst in meinem Hotelzimmer Fußball oder Kriegsspiele gespielt: An einem Abend die Schauspieler gegen die Aufnahmeleiter, am nächsten Tag Ton-Leute gegen die Runner und so weiter. Es war auch lustig, dass ein guter Freund vier Wochen lang mit bei den Aufnahmen war. Es war schön, einen Vertrauten in der Nähe zu haben. In Deutschland haben wir zwei Wochen lang in einem riesigen Penthouse mit einem riesigen Wohn- und einem riesigen Schlafzimmer, mit zwei Fernsehern und mit goldenen Badezimmerarmaturen gewohnt. Da konnten wir nach den Aufnahmen super chillen. Ich werde auch die Spielchen nicht vergessen, die ich mit Quinten gespielt habe, um die langeweiligen Wartezeiten zu überbrücken. Da haben wir uns gegenseitig die lustigsten Fragen gestellt, zum Beispiel: Was würdest du lieber tun: Ein krankes Kaninchen essen, barfuß auf Glas einen Marathon laufen oder einen Kilometer durch den Kanal schwimmen? Eine peinliche Sache war, dass ich zum Schluss doch noch vom Pferd gefallen bin. Ich war so stolz, dass ich es geschafft hatte, den ganzen Film oben zu bleiben. In der letzten Szene sollte ich einen Hügel hinaufreiten und oben vom Pferd springen. Ich habe vergessen, meine Füße aus den Steigbügeln zu nehmen und bin hängen geblieben. So hing ich in meiner seltsamen Position, bis einer gekommen ist und mir runtergeholfen hat. Alle haben gelacht. Selbst ich konnte nicht mehr vor Lachen. Was ich niemals vergessen werde, ist das Seil, das ich in der Kälte der Berge tragen musste. Es ist immer wieder von meinen Schultern gerutscht. Sie haben es einige Male festgenäht, aber das Seil wollte einfach nicht dort bleiben. Eine der aller-aller-lustigsten Momente war, als ich den Helm des sterbenden Schwarzen Ritters öffnen musste und der Schauspieler Gijs (Scholten van Aschat) in genau diesem Moment schlimmes Nasenbluten bekam - ein bizzarer Zufall. In einer anderen Szene musste ich einen Pfeil aus der Satteltasche ziehen, ihn entzwei brechen und wegwerfen. Das klingt einfach, aber als ich den Pfeil brach, erschreckte sich das Pferd und lief weg. Zwanzig mal mussten wir das nachdrehen und zwanzig mal schlug das Pferd aus.

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