Der Blick des Odysseus

  1. Ø 4
   1995

Der Blick des Odysseus Poster

Filmhandlung und Hintergrund

Der Filmemacher „A“ kehrt in seine griechische Heimat zurück, um eine Dokumentation über die Filmpioniere Manakia zu drehen. A macht sich auf den Weg von Athen nach Sarajevo, wo er im Filmarchiv unveröffentlichtes Material vermutet. Auf seinem Weg durch die Kriegsgebiete macht er einschneidende Erfahrungen.

Nach 35 Jahren kehrt der griechische Regisseur A. in seine Heimat zurück. Er ist auf der Suche nach drei verschollenen Filmrollen. Deren Urheber, die legendären Manakis-Brüder, drehten zu Beginn des Jahrhunderts Bilder über das Leben der einfachen Menschen auf dem Balkan. Nach einer strapaziösen Reise durch das kriegsgeschüttelte Jugoslawien findet er die Rollen im Keller des Filmarchivs von Sarajevo. Als A. sich dann auch noch in die Tochter des Verwalters verliebt, scheint seine Odyssee zu einem gutem Ende zu kommen.

Der Regisseur A. kehrt nach Griechenland zurück, um einen Film über die legendären Manakis-Brüder zu drehen. Um Material zu sammeln, reist er weiter ins kriegserschütterte Jugoslawien. Drei-Stunden-Epos mit einem vorzüglichen Harvey Keitel.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Wenn ein Filmmagier wie Theo Angelopoulos seinen Blick auf hundert Jahre Kino wirft, kann dabei nur etwas ganz besonderes herauskommen. Seine Odyssee durch die Balkanstaaten mit ihren wechselnden Grenzen ist ein vielschichtiges, komplexes und kompliziertes Werk geworden, das auf vielen Ebenen „funktioniert“ und dem Zuschauer viel abverlangt. Auch viel Geduld, denn erst in der letzten halben Stunde entfaltet sich der dramatische und tragische Höhepunkt. Die mühsame und aufwendige Entstehungsgeschichte „spürt“ man in fast jeder Einstellung – vielleicht verleiht sie diesem Meisterwerk, neben der hervorragenden Kamera und den brillanten Darstellern, seine Größe. Anspielungsreich in jeder Hinsicht, läßt der Regisseur seinen Helden, einen griechisch- amerikanischen Regisseur, für den das bezeichnende Kürzel „A“ steht, nach 35jähriger Abwesenheit nach Griechenland zurückkehren. Er arbeitet an einer Dokumentation über die legendären Manakia-Brüder, griechische Filmpioniere der Jahrhundertwende, die den Balkan bereisten und das Arbeitsleben der einfachen Leute filmten. Auf der Suche nach drei bislang nicht entwickelten Filmrollen der Manakias, die angeblich im Filmarchiv Sarajewo lagern sollen, begibt sich A auf eine Reise durch den krisengeschüttelten Balkan, die, in Rückprojektionen, immer wieder mit Stationen seiner Kindheit gekontert wird. Er begegnet zwei Frauen, die er nicht lieben kann und die in das Bild seiner Mutter übergehen (alle drei Frauenrollen spielt wunderbar nuancenreich Maia Morgenstern), und er trifft in Belgrad einen alten Kumpanen, mit dem er auf verstorbene Freunde trinkt, darunter Dreyer, Welles und Murnau. Im völlig zerstörten Sarajewo findet A schließlich den Kurator Ivo Levy, der in einem zerbombten Kino seine Filmschätze hütet, darunter die drei vermißten Manakia-Rollen. Für einen kurzen, emotional erholsamen Moment deutet sich, inmitten des Krieges, eine positive Wende an: Levy kann das Filmmaterial entwickeln, seine Tochter Naomi und A fühlen sich zueinander hingezogen. Doch die Hoffnung auf einen humanen Ausweg wird gleich wieder zerstört, der Film endet zutiefst traurig und pessimistisch. Angelopoulos verwendet das titelgebende Odysseus-Motiv, die zehn Jahre dauernde Irrfahrt des griechischen Helden durch die Ägäis, nur sehr peripher. Doch auch sein Held A befindet sich auf Irrwegen, und als er an sein Ziel gelangt, kann er nicht begreifen. Immer bestrebt, hinter dem vordergründigen Ziel, der Suche nach den Filmrollen, alle persönlichen Belange zu verstecken, kann er sich doch den emotionalen Beziehungen zu Menschen nicht entziehen. Am Ende verliert er alles, und inmitten der Katastrophe haben auch die Filmrollen ihre Bedeutung verloren. As ganze Reise dient Angelopoulos nur dazu, in einem bitteren Gleichnis das ganze Ausmaß des Balkankonflikts bloßzulegen. Die exzellenten Schauspieler, Harvey Keitel in einer ungewöhnlichen Rolle als A und Erland Josephson als Levy, werden diesen extrem hohen Anforderungen gerecht. Josephson hatte die Rolle von Gian Maria Volonté übernommen, der während der Dreharbeiten starb. Sein Levy ist eine Hommage an Volontés Carlo Levi in „Christus kam nur bis Eboli“. „Ulysses Gaze“ ist ihm gewidmet. boe.

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