Der Architekt

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   2008
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Filmhandlung und Hintergrund

Der Architekt: Drama um den Zerfall einer scheinbar intakten Familie und einen Mann, der sich den Fehlern der Vergangenheit stellen muss.

Als er vom Tod seiner Mutter erfährt, bedeutet die Beerdigung für den 58-jährigen Architekten Georg Winter (Josef Bierbichler) nur einen leidigen Pflichttermin. Der Misanthrop fährt mit seiner Frau Eva (Hilde van Mieghem) und den längst erwachsenen Kindern Reh (Sandra Hüller) und Jan (Matthias Schweighöfer) von Hamburg in sein Tiroler Heimatdorf. Die Begegnung mit Jugendfreunden konfrontiert ihn mit Lebenslügen, das Testament enthüllt Peinliches.

Eine scheinbar heile Familie zerpflückt die Schauspielerin Ina Weisse in ihrem reifen Regiedebüt nach allen Regeln der Kunst. Das stark besetzte wie gespielte Drama um die Fehler der Vergangenheit entfaltet seine Emotionen vor gewaltiger, metaphernreicher Winterlandschaft.

Georg Winter fährt mit Frau und den zwei erwachsenen Kinder von Hamburg in ein entferntes Tiroler Bergdorf zur Beerdigung seiner Mutter. Ein Pflichttermin, den er schnell absolvieren will. Bei der Begegnung mit seiner Jugendfreundin und dem gemeinsamen Sohn wird der Misanthrop mit seiner Feigheit und Lebenslüge konfrontiert. Bei der Testamentseröffnung kommt es zur Enthüllung des streng gehüteten Geheimnisses.

Bei der Beerdigung seiner Mutter in einem abgelegenen Bergdorf wird ein Misanthrop mit seiner Lebenslüge konfrontiert. Das Familiendrama und Regiedebüt von Schauspielerin Ina Weisse wird dominiert vom gewaltigen Josef Bierbichler.

Darsteller und Crew

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    Der Tod der Mutter führt einen Architekten und seine Familie nach vielen Jahren in sein Heimatdorf zurück. Die gemeinsamen Tage in der Heimat entwickeln sich für alle zu einer tour de force. In eisiger Schneelandschaft findet ein äußerst fragiles Familiengebilde zusammen, dessen Hülle sich wie in Zeitlupe nach und nach auflöst. Mit starken visuellen Eindrücken wird die desolate Familiensituation perfekt widergespiegelt und durch sparsam eingesetzte Dialoge eindrucksvoll inszeniert. Das intensive Spiel der Darsteller, die gelungene Kameraarbeit mit hervorragenden Bildern machen aus Ina Weisses Regiebüt ein eindringliches, spannendes Familienpsychogramm.

    Jurybegründung:

    Der Tod der Mutter führt einen Architekten und seine Familie nach vielen Jahren in sein Tiroler Heimatbergdorf zurück. Eine über Jahrzehnte offensichtlich mühsam funktionierende Familie zerbricht an einer großen Lebenslüge und führt sie letztlich selbst zerstörerisch in die Katastrophe.

    Dramaturgie, Dialoge und auch die Schneelandschaft um das Bergdorf dienen perfekt zur Herstellung einer fast künstlich geschaffenen Welt voller Kälte, in der die Kommunikationsunfähigkeit der Protagonisten nicht gebrochen wird. Das Erzählprinzip ist stimmig und in der künstlichen Atmosphäre funktioniert dieses Spiel um Schuld und Verdrängung besonders eindrucksvoll. Besonders geglückt ist auch die Besetzung bis in die Nebenrollen, das herausragende Spiel der Darsteller, die Kameraführung und die sorgfältige Ausstattung.

    Der Ausschuss hat sich für das Prädikat wertvoll entschieden. Ina Weisse ist mit ihrem Regiedebüt Der Architekt ein interessantes und spannendes Familienpiktogramm geglückt.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Nicht nur, dass Ina Weisse einige der besten Schauspieler, die der deutsche Sprachraum aufzuweisen hat, versammeln konnten; auch, wie sicher und souverän ihre Inszenierung wirkt, überrascht nachhaltig. Noch dazu, wo es sich bei „Der Architekt“ um einen Debütfilm handelt.

    Sepp Bierbichler als der titelgebende Architekt Georg Winter ist eine urwüchsige Wucht, wie immer. Hoch anerkannt in seinem Beruf, preisgekrönt und mit klarem Konzept, wenn es ans Planen seiner Gebäudeideen geht – und doch weiß man, dass er sich eher auf der Baustelle wohlfühlt als im Planungsbüro oder auf einer Preisverleihung – oder gar im trauten Heim mit seiner Familie; kurz: unter Menschen. Schließlich kommt er aus den Bergen, aus der Natur, das kann er nicht verleugnen, so sehr er sich auch anstrengt: das Eigenbrötlerische, Einsiedlerische der Einsamkeit der Berge drückt sich immer wieder aus, in der Gesellschaft der Großstadt Hamburg. So sehr er sich auch von der resoluten, ja oppressiven Mutter entfremdet hat, sowenig er mit seiner Vergangenheit zu tun haben will: er kann nicht entkommen.

    Wie immer spielt Bierbichler einen, der alles in sich reinfrisst und nicht wieder rauslässt – doch er muss sich stellen, seine Mutter ist gestorben, er muss mit seiner Familie ins Bergdorf zurück zur Beerdigung.

    Man muss bei der Konstruktion auf die Details achten, sie so einfach wie möglich halten, erzählt Georg Winter einmal von seinem Architekturverständnis. Klare Strukturen: das beherzigt auch der Film, der ganz klar ist in seiner Ausgangssituation und in seinen Details, der alles wie nebensächlich erzählt, in dem doch alles wichtig ist – ohne dass die Konstruktion dahinter bemerkbar würde. Die Familie Winter zeigt er als körperlich sehr offen – Vater Georg, Mutter Eva (Hilde van Mieghem) und Tochter Reh (Sandra Hüller) laufen auch mal nackt durch den Schnee; Duschen, Zähneputzen und Pinkeln geht alles gleichzeitig im Bad; und Reh spielt ihrem Bruder Jan (Matthias Schweighöfer) mit nacktem Unterleib auf der Violine vor: „Ich hab da einen Pilz, da muss viel Luft ran.“ Danach geht’s ans merkwürdige Ritual des Fersenstoßens, das wie inzestuöser Koitus aussieht.

    Innerlich aber sind alle verkümmert – Eva ist ein Kontrollfreak, sie bringt der erwachsenen Tochter noch das richtige Apfelschälen bei, und als sie nachts den Ehemann verführen will und der sich entschieden wegdreht, beginnt sie demonstrativ, um ihn zu strafen, zu masturbieren. Georg, der Vater, hat sich zwar emporgearbeitet, die Herkunft aus dem Dorf aber, das vermeintlich Minderwertige, die Protektion auch durch den Schwiegervater hat er nie verwunden. Und er will seinen Sohn ebenfalls als Architekten sehen. Doch die Kinder, obwohl talentiert, sind antriebslos, sie wurden schließlich immer abgeblockt von den Eltern – Und zugleich benehmen sie sich auch wie Kinder, streiten auf dem Autorücksitz, bocken und zicken herum.

    Diese Beziehungen, diese Konstellationen von gegenseitiger Zu- und Abneigung, von unausgesprochenen Hierarchien und untergründigen Vorbehalten bringt der Film nicht plakativ, sondern in den Details zum Vorschein, so dass sich ein Eindruck ausgesprochener Lebendigkeit der Figuren bietet. Die eben nicht nur nach ihren Funktionen agieren, sondern ein Eigenleben entwickeln. Das unsichtbare Geflecht, das die Familie äußerlich zusammen-, innerlich aber auseinanderhält, wird bloßgelegt ausgerechnet vom Pfarrer bei der Testamentseröffnung: Georg Winter ist enterbt, sein Sohn erbt alles – nein, nicht Jan, sondern Alex, der außereheliche Spross, den Georg einmal mit seine Jugendliebe Hannah (Sophie Rois) gezeugt hat. Ohne dass jemand aus seiner Familie davon wusste.

    Nun geht jeder offen seine Wege: Eva in die Bar, zum Whisky, und sie schmeißt sich zudem an Georgs illegitimen Sohn ran; Jan besucht Hannah, bei der auch Georg eine Nische in seiner Einsamkeit sucht; worauf Jan in den Schnee läuft, den Spuren seiner Schwester nach, die abgestoßen von der Familie in die Kälte hineinging.

    Die Familie, die sich miteinander auseinandersetzen muss, weil eine Lawine den Rückweg versperrt, wird auseinandergetrieben von Kräften, die in ihr selbst liegen – und Ina Weisse fand dafür nicht nur die Schauspieler, nicht nur die Bilder, nicht nur die richtige mise en scene, sondern auch den mal makabren, mal absurden, mal einfach unverblümten Humor; und auch die innere Stringenz, die alles zusammenhält, sowie und die innere psychologische Logik, die alles plausibel und echt und daher: beeindruckend macht.

    Fazit: Familiendrama, in dem alles stimmt: Darsteller und Regie, Drehbuch und mise en scene, Humor und Tragik – eine Familie, eingeschlossen im Bergdorf, driftet unaufhaltsam auseinander.
  • Drama um den Zerfall einer scheinbar intakten Familie und einen Mann, der sich den Fehlern der Vergangenheit stellen muss.

    Josef Bierbichler ist der filmische Außenseiter, dem Probleme wie ein Mühlstein am Halse hängen, egal ob hier in Ina Weisses Debütfilm, Caroline Links „Im Winter ein Jahr“, Hans Steinbichlers „Hierankl“ oder „Winterreise“. Als „Der Architekt“ gehört er zu jener Spezies, die möglichst niemanden an sich heranlassen, über andere – wie Frau, Kinder oder Bauarbeiter – herrschen, mit Tunnelblick durchs Leben stapfen und emotionalen Kollateralschaden in Kauf nehmen, sich durch eine Mauer aus Menschenverachtung und Egozentrik schützen.

    Georg Winter fährt mit Frau und den zwei erwachsenen Kinder von Hamburg in ein entferntes Tiroler Bergdorf zur Beerdigung seiner Mutter. Ein Pflichttermin, den er schnell absolvieren will. Bei der Begegnung mit seiner Jugendfreundin und dem gemeinsamen Sohn wird der Misanthrop mit seiner Feigheit und Lebenslüge konfrontiert. Bei der Testamentseröffnung kommt es zur Enthüllung des streng gehüteten Geheimnisses. Als dann noch eine Schneelawine den Ort von der Außenwelt abschottet, es keine Fluchtmöglichkeit mehr gibt, muss sich nicht nur der Pater Familias den inneren Dämonen stellen, auch die anderen Familienmitglieder müssen die neue Situation bewältigen.

    Weisse zeichnet den sukzessiven Einsturz der falschen Fassade und den Ausbruch lang schwelender Konflikte. Kameramann Carl-Friedrich Koschnick arbeitet mit langen Brennweiten auf 35mm, vermeidet Postkartenklischees und zeigt fast nie Horizont oder Berggipfel. In den weiten weißen Bildern verlieren sich die Gestalten wie kleine schwarze Punkte, ist auch visuell der psychische Druck zu spüren. Der 40-jährigen Regisseurin gelingt die einfühlsame Beschreibung von Verdrängung, Angst, Schuld und Selbstbetrug, sie interessiert sich für die Familie als Spiegelbild unserer Gesellschaft, für Macht und Ohnmacht des Individuums. Die Fernseh- und Filmschauspielerin bändigt sogar Bierbichler, der sehr zurückgenommen agiert, und legt Wert auf kleine, aber bedeutsame Gesten, die Entfaltung der Schauspieler. Allerdings misstraut sie der Kraft der Geschichte und Figuren, so muss Winter ganz symbolisch an einer Herzkrankheit leiden (und sterben), sie lässt der Fantasie und Interpretation keinen Raum, setzt auf Direktheit, wenn der massige Mann am Ende neben der Straße die zum Dorf führt, zusammenbricht. Unklar bleibt der Ersatz des treffenderen Arbeitstitels „Rigor Mortis“ (für die todesähnliche Seelenstarre) durch den beliebigen Titel „Der Architekt“. mk.

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