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In Liebe lassen

   Kinostart: 27.01.2022
  • Kinostart: 27.01.2022
  • Genre: Drama
  • Produktionsland: Frankreich
  • Filmverleih: Studiocanal

Filmhandlung und Hintergrund

Drama um einen gescheiterten Schauspieler, der nur noch wenige Monate zu leben hat. Schauspielerin und Filmemacherin Emmanuelle Bercot kehrt nach ihrer betont schmucklosen Sozialstudie „La tête haute“ aus dem Jahr 2015 ins offizielle Programm des Festival de Cannes zurück. Schon in „La tête haute“ wurden zwei tragende Rollen von Benoît Magimel und Catherine Deneuve gespielt, die in „De son vivant“ erneut zu sehen...

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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3 Bewertungen
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Kritikerrezensionen

  • Drama um einen gescheiterten Schauspieler, der nur noch wenige Monate zu leben hat.

    Schauspielerin und Filmemacherin Emmanuelle Bercot kehrt nach ihrer betont schmucklosen Sozialstudie „La tête haute“ aus dem Jahr 2015 ins offizielle Programm des Festival de Cannes zurück. Schon in „La tête haute“ wurden zwei tragende Rollen von Benoît Magimel und Catherine Deneuve gespielt, die in „De son vivant“ erneut zu sehen sind, als Sohn und Mutter, die in einem schwierigen gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis zueinanderstehen. Was gleich zu Beginn des Films Makulatur ist, weil der Film, aufgeteilt in die vier Jahreszeiten, vom letzten Jahr im Leben von Benjamin erzählt. Der 39-Jährige, der als Beruf „gescheiterter Schauspieler“ angibt und tatsächlich gerade eine Abschlussklasse als Schauspiellehrer auf die Aufnahme auf das Konservatorium vorbereitet, erhält von Onkologe Dr. Gabriel Dédé in einer auf Krebserkrankungen spezialisierten Klinik das Todesurteil: Bauchspeicheldrüsenkrebs, Stadium 4, unheilbar, laut Statistik kann er mit sechs bis zwölf Monaten rechnen. Jetzt ginge es nur darum, diesen Weg gemeinsam zu gehen, ihn so gut wie möglich zu gehen, so schmerzfrei wie möglich, ein friedvolles Ende zu ermöglichen. Fünf Dinge solle er zum Abschied sagen, rät ihm der empathische Doktor in seiner ruhigen und doch so bestimmten Art: „Vergib mir. Ich vergebe Dir. Ich liebe dich. Danke. Auf Wiedersehen.“ Die Reihenfolge könne er selbst bestimmen.

    Tatsächlich wird Benjamin genau diese Worte aussprechen. Doch bis dahin legen er und der Film einen weiten Weg zurück. Es gilt, ein ganzes Leben abzuwägen. Und eine Gegenwart als Schauspiellehrer hat er auch noch, die er mit seinen unwissenden Schülern so intensiv erlebt, dass genau das zählt, was er ihnen immer einbläut: jede Geste, jede Bewegung, jedes Wort. In einer überhöhten Realität bewegt man sich auf einmal. Und der Film macht erst einmal alles richtig, weil er zwar den inneren Tumult zeigt, die Zerrissenheit, die Angst und Unsicherheit, es aber so ruhig und bedächtig macht wie Doktor Dédé: Um wirklich reinen Tisch machen zu können, muss Benjamin nämlich einen Fehler aus der Vergangenheit akzeptieren, als er als 19-Jähriger auf Drängen seiner Mutter seine schwangere Freundin zur Abtreibung bringen wollte. Mittlerweile lebt sie mit ihrem erwachsenen Sohn, den Benjamin niemals anerkannt hat, wieder in Australien. Von Benjamins Mutter informiert, kommt der junge Mann nach Frankreich und ringt mit sich, ob er sich von dem Vater, den er noch nie gesehen hat, verabschieden soll.

    Erst im dritten Akt überreizt Bercot ihr Blatt. Eine Szene, in der eine von Cécile de France gespielte Ärztin sich dazu hinreißen lässt, den längst ans Bett gefesselten Benjamin zu küssen, fühlt sich ebenso falsch an wie eine Szene, in der andere Krankenhausinsassen und Pflegepersonal gemeinsam in ein Lied einstimmen, das Benjamin vorgespielt wird. Das ist schade, weil „De son vivant“ stark ist, stark erzählt, stark gespielt von seinen uneitlen Stars. Und weil der Film ein Trumpfass hat. Ähnlich wie Paul Raci in „Sound of Metal“ ist auch der Darsteller des Dr. Dédé kein professioneller Schauspieler. Dr. Gabriel A. Sara ist tatsächlich eine weithin geschätzte Kapazität auf dem Gebiet der Onkologie. Seine so wunderbar stille und einfühlsame Art hat Gewicht, jedes seiner Worte, jede seiner Gesten zählt, ist wie Balsam. In einer seiner Schauspielstunden wird Benjamin gefragt, was „Präsenz“ ist. Da sein, hätte seine Antwort lauten sollen. So wie Dr. Gabriel A. Sara da ist. Präsenz hat. Auch wenn alles vergänglich und der Tod unweigerlich am Ende des Films stehen muss.

    Thomas Schultze.
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