Für Links auf dieser Seite erhält kino.de ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit oder blauer Unterstreichung gekennzeichnete. Mehr Infos.
  1. Kino.de
  2. Filme
  3. Das Waisenhaus
  4. Fakten und Hintergründe zum Film "Das Waisenhaus"

Fakten und Hintergründe zum Film "Das Waisenhaus"

Fakten und Hintergründe zum Film "Das Waisenhaus"
Poster Das Waisenhaus

Streaming bei:

Alle Streamingangebote

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Guillermo Del Toro über den Film

„Ich verfolge schon seit einigen Jahren die Arbeit von Juan Antonio Bayona, des Regisseurs der Kurzfilme MIS VACACION ES (1999) und EL HOMBRE ESPON JA (2002) und unendlich vieler verrückter Musikvideos, die ich bewundere. Sein Talent schrie geradezu danach, ihn bei einem abendfüllenden Spielfilm Regie führen zu lassen. Insofern war meine Arbeit als Produzent von DAS WAISENHAUS („El Orfanato“, 2007) nur die Erfüllung eines Wunsches. Und angesichts des fertigen Films kann ich nur sagen, dass sich die Mühe gelohnt hat.

In meiner langen Karriere in der Filmindustrie habe ich sehr, sehr viele Drehbücher zu lesen bekommen, nicht zuletzt deswegen, weil ich mich immer schon für die Arbeit neuer Regisseure interessiert habe, von denen mich viele um meine Meinung und um Ratschläge gebeten haben. Es geschieht leider äußerst selten, dass man auf ein wahrhaft großartiges Drehbuch stößt. Es kommt häufiger vor, dass ein Skript ein gewisses Talent erkennen lässt, aber so gut wie nie schreit es danach, verfilmt zu werden. Als ich jedoch das Drehbuch zu DAS WAISENHAUS las, wusste ich sofort, dass wir es mit einer dieser seltenen Ausnahmen zu tun hatten.

Das Skript von Sergio G. Sánchez war das beste, das ich seit vielen Jahren gelesen hatte. Schon nach wenigen Seiten wurde mir klar, dass dies nicht einfach nur eine weitere clevere Neufassung der bekannten Standards des Genres wie Spukhäuser, Geister und Paralleluniversen war, sondern dass das Drehbuch eine kaum je erreichte Tiefe besaß. Das Timing von DAS WAISENHAUS ist makellos, seine Bildsprache ist außergewöhnlich, der Film verlässt sich nicht auf Spezialeffekte, um das Publikum zum Gruseln zu bringen, und er bietet eine sehr eigene Sicht auf die klassischen Settings und die Konventionen des Genres.

Für einen derartigen Film besitzt DAS WAISENHAUS eine ungewöhnliche emotionale Tiefe. Dem Film gelingt nicht nur eine zutiefst verstörende Darstellung übernatürlicher Geschehnisse; gleichzeitig beruht er auf einer der handwerklich sehr gut gemachten und ergreifendsten Geschichten über den Schmerz, den ein persönlicher Verlust auslösen kann. Bayona hat eine spannende Story voller Geheimnisse geschaffen, ein kraftvolles Melodram mit sorgfältig und präzise gestalteten Figuren, über Beziehungen und gegenseitige Abhängigkeiten.

Bayona ist Sánchez’ Drehbuch voll und ganz gerecht geworden, und erweist sich gleichzeitig als Meister der filmischen Bildsprache mit einem einzigartigen Stil. Und nicht nur das: Ihm gelingt es, aus seinen Schauspielern wahrhaft großartige Leistungen hervorzulocken. Ganz besonders aus Belén Rueda, die in einer Rolle voller Mut und Einfühlungsvermögen brilliert. Vor allem aber hatte Bayona – da bin ich mir ganz sicher – bei der Arbeit genauso viel Spaß wie ich bei meiner.“

Juan Antonio Bayona über Guillermo del Toro

„Vor etwa 14 Jahren habe ich Guillermo del Toro auf dem Sitges Film Festival kennen gelernt. Ich war 17 Jahre alt und wild entschlossen, mit den Leuten in Kontakt zu kommen, die ich bewunderte. Darum habe ich mich als Journalist ausgegeben und so getan, als ob ich für einen lokalen Fernsehsender arbeite. So traf ich Guillermo, der in Sitges seinen ersten Spielfilm CRONO S präsentierte. Es war ein sehr witziges Treffen. Guillermo erzählte später, dass er mich auf den ersten Blick für einen Zehnjährigen gehalten habe. Er schien beeindruckt von den Fragen, die ich ihm stellte.

Seitdem sind wir in Kontakt geblieben, was dadurch erleichtert wurde, dass Guillermo seine Filme THE DEVIL‘S BACKBON E und PANS LABYRINTH in Spanien gedreht hat. Zudem haben wir einige gemeinsame Freunde und Bekannte. Ich fing an Musikclips, Werbung und Kurzfilme zu drehen, Guillermo interessierte sich immer für meine Arbeiten. Als ich den Entschluß fasste, einen Spielfilm zu drehen, sagte er mir sogleich seine Unterstützung zu. Nachdem Guillermo das Drehbuch für DAS WAISENHAUS gelesen hatte, beschloss er, den Film nicht nur zu produzieren, sondern auch mit seinem Namen zu präsentieren. Das ist natürlich eine besondere Ehre.

Als Produzent war Guillermo wunderbar. Er ist ein sehr großzügiger Mann. Von Anfang an sagte er mir, er wolle einfach nur da sein und mir helfen, den Film zu machen, der mir vorschwebt. Er hat mir einen großen Freiraum geschaffen in Sachen Kreativität und Budget. Denn ohne Geld hätten wir weder zehn Wochen Zeit zum Drehen gehabt - das ist sehr viel für eine Debütarbeit - noch den aufwändigen Studiodreh realisieren können. Guillermo hat uns mit Ratschlägen und Anregungen versorgt, jedoch nie versucht, uns eine Idee aufzudrängen. Er ist ein sehr sensibler Mann. Guillermos Film THE DEVIL‘S BACKBON E hat mit Pedro Almodóvar ja ebenfalls ein Regisseur produziert.

Das war für ihn eine sehr gute Erfahrung, darum wollte er dasselbe auch für mich tun. Guillermo erklärte mir, ein guter Produzent kontrolliert dich nicht, aber er ist immer da, wenn du ihn brauchst. Und so war es dann auch mit ihm. Dabei hatte er eigentlich genug andere Dinge zu tun. Als er meinen Film produzierte, arbeitete er gleichzeitig an der Fertigstellung von PANS LABYRINTH und an der Vorbereitung für HELLBOY 2. Guillermo macht eben immer viele Dinge parallel. Guillermo ist er sehr großzügig. Die einzige Gegenleistung, die er von mir verlangte, war das Versprechen, dass ich irgendwann auch einmal den Debütfilm eines Nachwuchsregisseurs produziere. Ich bin Guillermo unendlich dankbar. Er ist derjenige, der alles möglich gemacht hat.“

Über die Produktion

Obwohl Sergio G. Sánchez die erste Fassung seines Drehbuchs bereits im Jahr 2000 fertiggestellt hatte, fand DAS WAISENHAUS erst 2004 seinen Weg zu J. A. Bayona, der sich bereit erklärte, es zu verfilmen. Der Regisseur erzählt: „Auf einem Festival in Spanien entdeckte ich einen Kurzfilm namens 7337, der mich sehr beeindruckte. Er gewann international viele Preise. Ich lernte den Regisseur des Films, Sergio G. Sánchez, kennen.

Er erzählte mir, er hätte den Kurzfilm gedreht, um Geld für die Realisierung eines Langfilms zu sammeln, dessen Drehbuch er schon ein paar Jahre zuvor geschrieben hatte. Doch es gelang Sergio nicht, das Geld für die Produktion zusammen zu bekommen. Darum habe ich ihn schließlich gefragt, ob ich mein Glück versuchen darf. Ich hatte Kontakte zu Produktionsfirma Rodar y Rodar in Barcelona und zu Guillermo del Toro, mit ihnen konnte ich die Finanzierung sicher stellen. Es war sehr nett von Sergio, dass er mich sein Buch inszenieren ließ. Er verstand auch, dass ich die Geschichte zu meiner eigenen machen wollte und gewisse Elemente stärker herausarbeiten wollte. Wir verwandten ziemlich viel Zeit darauf, das Drehbuch weiter zu entwickeln. Es hat alles wunderbar geklappt. Beim Dreh kam Sergio dann jeden Tag ans Set. Ich glaube er ist zufrieden mit dem Resultat.“

Kurz nach ihrer ersten Begegnung wurde das Drehbuch beim „Script Lab“ des Sundance Institutes angenommen. Sánchez und Bayona verwandten über ein Jahr darauf, die Geschichte zu bearbeiten und zu verändern. Bayona erinnert sich: „Im Prinzip war es schon ein tolles Drehbuch, aber ich musste die Geschichte meinen eigenen Vorlieben anpassen; es sollte für mich zu etwas Persönlichem werden.“ DAS WAISENHAUS gehört zu einer besonderen Art Suspense Thriller, die wir heute selten im Kino zu sehen bekommen. Der Film handelt von der Angst, die durch ganz alltägliche Dinge ausgelöst wird; Dinge, die sich ganz allmählich als unheilvoll entpuppen, bevor sie die Tür zum Wahnsinn öffnen.

Der Schrecken, der in DAS WAISENHAUS gezeigt wird, kommt nicht von außen und entspringt auch nicht der krankhaften Phantasie eines Psychopathen, und er entsteht auch nicht dadurch, dass sich die Hauptfiguren auf verbotenes Gelände wagen. Dieser Schrecken entstammt einer idyllischen Umgebung, dem Herzen einer perfekten Familie. Und er wächst unvorhersehbar an und droht, die Idylle komplett zu zerstören. Bayona beschreibt dies folgendermaßen: „Im Grunde genommen handelt DAS WAISENHAUS von der Angst vor Trennung. Alle Figuren im Film leben mit dem Trauma eines solchen Verlustes in ihrer Vergangenheit – oder mit der Drohung, dass eine Trennung unmittelbar auf sie zukommt. Und diese Angst manifestiert sich als etwas Lebendiges in ihrer direkten Umgebung, was ihren Traum von einem idyllischen, glücklichen Zuhause in den fürchterlichsten Alptraum umschlagen lässt.“

So wie sich Bayona DAS WAISENHAUS als Kinofilm vorstellte, hätte er das doppelte Budget und die doppelte Drehzeit dessen, was ihm zur Verfügung stand, gebraucht. Da tauchte Guillermo del Toro auf. „Ich war Guillermo zum ersten Mal vor 14 Jahren begegnet, als er CRONO S („Cronos“, 1993) auf dem Fantasy-Filmfest in Sitges präsentierte“, erzählt Bayona: „Als er von unserem Projekt hörte, bot er sich sofort als Koproduzent an. Danach wurde alles plötzlich viel einfacher.“ Auch dank der Unterstützung des ‚It’s Alive! New Talent Lab’ ließ die Produktionsgesellschaft Rodar y Rodar dem Regisseur freie Hand, mit seinem angestammten Team zu arbeiten, mit dem er bis dahin ausschließlich Werbespots und Musikvideos produziert hatte.

Die Dreharbeiten begannen am 15. Mai 2006 in Llanes in Asturien. Die Wahl fiel auf diesen Ort wegen der Vielzahl an spektakulären Landschaften: verwunschene Grotten, steile Kliffs, viel unverbaute Küste, Wälder, Berge - und ein Ortskern, wo mitten im August ein Schneesturm zu Weihnachten simuliert werden musste. In Llanes fand sich auch der wichtigste Drehort der ganzen Produktion: das Herrenhaus Partarríu, das als das Waisenhaus diente. „Was ich suchte, war kein riesiges Haus mit endlosen Gängen wie in THE SHINING („Shining“, 1980), sagt Bayona: „Mir schwebte etwas Kleineres, weniger Auffälliges vor, das aber trotzdem groß genug sein musste, um die Story glaubwürdig zu machen. In Partarríu fanden wir all diese Elemente. Es ist ein großes Haus im Kolonialstil, das Ende des 19. Jahrhunderts erbaut wurde, und es besitzt eine sehr geheimnisvolle Atmosphäre. Ein erster Blick täuscht über sein wahres Ausmaß hinweg: Weil alle Fassaden unterschiedlich aussehen, erhält man das Gefühl, als verändere das Haus andauernd sein Aussehen.“

Die komplizierten Kamerabewegungen, die der Regisseur plante, machten es allerdings nötig, das Innere des Hauses im Studio nachzubauen. Bayona erklärt: „Mein Kopf war voller Bilder aus alten Gruselfilmen wie Jack Claytons THE INNO - CENTS („Schloss des Schreckens“, 1961) und THE HAUN TING („Bis das Blut gefriert“, 1963) von Robert Wise, an die wir nur auf die klassische Weise herankommen konnte – im Studio. Unsere Herangehensweise war sehr ehrgeizig. Alles sollte bis ins Detail und mit höchster Genauigkeit vorbereitet sein, und das lässt sich nun einmal nur im Studio bewerkstelligen.“ Bayona und sein Team strebten eine klare Inszenierung an.

Der Regisseur erläutert: „Am Anfang findet der Zuschauer noch alle Elemente eines klassischen Gruselfilms vor. Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, umso mehr entfernen wir uns vom Genre. Die Auflösung ist am Ende erstaunlich simpel, dadurch aber umso entsetzlicher. Wir wollten die Geschichte möglichst klar erzählen, z. B. nicht zu viele Charaktere auf einmal einführen. Das gilt auch für den Sound: Wir haben viel mit Stille gearbeitet. Die furchterregendsten Szenen am Ende sind weder mit Musik noch mit Soundeffekten unterlegt. Für mich ist Stille das gruseligste Element überhaupt beim Sounddesign.“ Um die gewünschte Genauigkeit zu erlangen, entstanden praktisch alle Filmbilder im Voraus: Tausende von Skizzen, Storyboards und Designkonzepten wurden vor Beginn der Dreharbeiten angefertigt. Die ganzen Sets wurden in einem 3-D Computermodell nachgebaut, sodass der Kameramann die Kamerapositionen schon vor Drehbeginn festlegen konnte. Nach vier Wochen in Llanes zog das Produktionsteam nach Barcelona weiter, wo die insgesamt zehnwöchigen Dreharbeiten abgeschlossen wurden.

Die Geschichte des Films wird auch von dem eigens für den Film geschriebenen Score unterstützt. „Wir wollten auch dabei auf die Elemente des klassischen Films zurückgreifen“, sagt Regisseur Bayona, „dafür ist ein großes Orchester absolut unverzichtbar.“ Die Komposition der passenden Musik legte Bayona in die Hände von Fernando Velázquez, der verstand, dass sein Regisseur für einen Suspense Thriller Stücke haben wollte, die in sich sehr stark sind. „Fernando arbeitete wie eine Maschine und stimmte die Einzelteile des Scores unheimlich klar auf die jeweilige Sequenz ab, in der sie eingesetzt werden sollten. Er integriert szenische Ideen wie die Kinder, den Wind oder eine Stimmung“, erzählt der Regisseur. „Ich habe ein Leitmotiv für Laura komponiert, welches wir im Laufe des Films transformieren“, ergänzt der Komponist, „die Musik orientiert sich an der Art, in der Juan seine Geschichte erzählen will. Wir wollten keine Effekte haschenden, pompösen Klänge.“

In seinem Heimatland ist DAS WAISENHAUS, der Spanien auch im aktuellen Oscar-Rennen vertritt, der große Überraschungserfolg des Jahres. Wochenlang führte der Film die spanischen Top Ten an. Damit hat auch Regisseur Juan Antonio Bayona nicht gerechnet: „Ich kann es immer noch kaum fassen, wie gut DAS WAISENHAUS in Spanien ankommt. Am Startwochenende erzählten mir Freunde, dass sich vor den Kinos, in denen der Film gezeigt wurde, lange Schlangen von Leuten bilden. Ich konnte es nicht glauben, bis ich selbst loszog und mich mit eigenen Augen davon überzeugte. Es war phantastisch.“