Das Verlangen

  1. Ø 5
   2002
Das Verlangen Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Das Verlangen: Die Geschichte einer Pfarrersfrau, die durch die verbotene Liebe zu einem anderen Mann Befreiung aus dem Gefängnis ihrer Ehe findet.

Tief drinnen in der Provinz des schwäbisch-fränkischen Waldes lebt Pfarrersfrau Lena (Susanne-Marie Wrage) ihr berechenbares Zweckdasein an der Seite des despotischen Dorfgeistlichen Johannes (Klaus Grünberg) zwischen Küche, Krankenpflege und ehelicher Pflichterfüllung. Als sie sich in den Mechaniker Paul (Robert Lohr) verliebt, entdeckt sie all jene Gefühle, die sie bisher vermisste. Doch Paul birgt ein düsteres Geheimnis.

Für den atmosphärisch bewusst unterkühlten Erstling und Hochschul-Abschlussfilm des Schotten Iain Dilthey, seines Zeichens Absolvent der Filmakademie Baden-Württemberg, gab es gleich den „Goldenen Leoparden“ vom Filmfestival Locarno.

In einem Dorf lebt Lena mit ihrem despotischen Mann in einer Zweckbeziehung: Johannes ist der Dorfpfarrer und Lena die ihm stets zur Seite stehende Gattin. Ein Mord an einem Mädchen bringt Unruhe ins Dorf, in deren Folge sich Lena in den Dorfmechaniker Paul verliebt. Die aufkeimende, verbotene Liebe bringt sie dazu, Pauls Verbindung zu dem Mord zu verschweigen.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Erst fröstelt es einen. Dann wird es richtig kalt. Mit seinem ersten abendfüllendem Spielfilm „Das Verlangen“, der gleichzeitig letzter Teil seiner „Sehnsuchtstrilogie“ ist, führt der in Deutschland lebende schottische Regisseur Iain Dilthey seine Zuschauer in ein von Qual, Pein und Erniedrigung gezeichnetes Szenario, mit dem er die Jury in Locarno 2002 überzeugte und den Goldenen Leoparden für den besten Film gewann.

    „Madame Bovary“ im tiefsten Schwaben. Auch wenn Lena (Susanne-Marie Wrage) nicht mit dem Landarzt sondern mit dem Dorfpastor verheiratet ist, gleicht ihr Schicksal doch sehr stark dem von Gustav Flauberts Heldin. Lenas Ehe ist ein Gefängnis. Ihren Alltag bestimmen Riten. Da sieht man sie – stets mit biederem Blüschen bis oben hinzugeknöpft, mit strenger Hochsteckfrisur – am Küchentisch ihrem Mann Johannes (Klaus Grünberg) gegenüber sitzen. Sie essen und schweigen. Dann steht der Mann auf, geht zur Garderobe, stellt sich vor den Spiegel und wartet, bis ihm Lena den fusselfreien Mantel umlegt, ihm die Tasche reicht (in die sie zuvor ein belegtes Brot hineingelegt hat) und schließlich die Tür öffnet. „Pass auf dich auf“, kommt zum Abschied. Bevor sich abends ein ganz ähnliches Szenario abspielt (nur findet das schweigende Essen im düsteren Wohnzimmer unterm Kreuz statt), geht Lena im Dorfladen einkaufen, d.h. sie holt die Lebensmittel ab – denn so wie ihr ganzes Leben in Monotonie erstickt, bleibt auch die tägliche Einkaufsliste gleich – und kümmert sich um die bettlägerige Schwägerin (Heidemarie Rohwedder), die sie nur demütigt und schikaniert. Wenn sie dann nachts zusammen gekauert im Ehebett liegt und die knöchrige alte Hand ihres Mannes die Decke weg zieht, weiß Lena, was kommt und lässt es geschehen. Schließlich gehört der eheliche Beischlaf auch zu ihren Pflichten, auch wenn sie keinerlei Lust dabei empfindet. Als Zuschauer schnürt es einem die Kehle zu. Die intensiv eingesetzten Stilmittel – unerbittliche Langsamkeit und Sprachlosigkeit – stört und zerstört die Sehgewohnheiten. Die tristen, streng durchkomponierten Szenarien, die farblosen, nassen Bilder, das Schweigen und die fiesen, scharf gezeichneten Charaktere (Klaus Grünberg als kaltherzig-despotischer Pastor und Heidemarie Rohwedder als tyrannische Schwägerin liefern ein beeindruckendes Spiel ab) werden bis aufs Äußerste zugespitzt. Und es ist nur konsequent, dass die aufkeimende Liebe zwischen Lena und dem Automechaniker Paul (Robert Lohr), die das ganze Konzept zerstören würde, einen tödlichen Ausgang nimmt. Diltheys beklemmender Trip ins gesellschaftliche Abseits, in der Filmakademie Baden-Württemberg im Studienfach Szenischer Film entstanden, entwickelte sich neben Locarno auf vielen Festivals zum Kritikerliebling. Obwohl schwere Kost, wäre es dem Film zu wünschen, in der deutschen Kinolandschaft eine Nische zu finden. bas.

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